Interview mit Sönke Brandschwert

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich weiß nicht, ob ich damit anfangen sollte, denn schnell wäre ein Roman gefüllt ;-)

Es gibt so viele Erlebnisse (gute wie schlechte), so viele Wendepunkte in meinem Leben, ebenso viele Interessen und Dinge, die ich gerne noch tun möchte, dass es diesen Rahmen wirklich sprengen würde.

Ein paar Highlights? Die fangen bereits mit meiner Geburt an, denn ich bin mit verkrüppelten Beinen auf die Welt gekommen. Die ersten Jahre meines Lebens verbrachte ich hauptsächlich im Krankenhaus, und die Ärzte haben ein wahres Wunder vollbracht. Zwar bin ich noch immer ein wenig gehandicapt, aber hey: Ich kann laufen und joggen! Also werde ich mich nicht beschweren.

Im Sommer fahre ich gerne Motorrad und bin auch einige Male auf der Rennstrecke gefahren. Tja, ein wenig Action brauche ich schon...

Außerdem habe ich zwei wundervolle (bereits erwachsene) Kinder, mit denen ich auch heute noch so einiges unternehme. Das ist etwas sehr schönes.

Meine beiden Hunde kommen aus dem Tierheim und waren zwei arme Teufel mit einer sehr üblen Vergangenheit. In dieser Beziehung bin ich recht extremistisch: Meiner Meinung nach gehören Menschen, die Tiere misshandeln, auf's Höchste bestraft!

Eines der Dinge, die ich in meinem Leben noch tun möchte, ist ein Film zu produzieren. Die Filmerei mitsamt Regie und Schneiden macht mir einfach Spaß. Vor einem guten Jahr durfte ich für eine Musikgruppe („Reininghaus“) aus dem Schlagerbereich ein Musikvideo („Lizenz zum Leben“) produzieren. Obwohl das eigentlich nicht meine bevorzugte Musikrichtung ist, war das absolut klasse. So etwas werde ich bestimmt mal wieder machen, wenn auch sicherlich im Rock oder Pop Bereich.

So, jetzt höre ich aber auf, sonst finde ich nämlich überhaupt kein Ende! ;-)

Seit wann schreibst du? 

Seit etwa 12 Jahren.

 Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Die Standardfrage ;-)

Ich hatte schon als Kind eine blühende Fantasie. Früher habe ich öfter die Hintergrund-Story für Abenteuerspiele (eine Art Schnitzeljagd) für Freunde geschrieben. Da man als Schriftsteller wenig Chancen hat, wirklich genug Geld zum Leben zu verdienen, zog ich zunächst eine Laufbahn im IT-Bereich vor. Später habe ich dann irgendwann plötzlich zwei Ereignisse im Geiste miteinander verbunden: Einen Computervirus, der Ende der 1990er einige Unternehmen lahmgelegt hatte, und der 11. September. Aus der Idee von Terroristen, die nicht mehr nur Bomben zünden, sondern die Weltwirtschaft mittels modernster Technologien ins Chaos stürzen, habe ich dann mein Erstlingswerk „Netzinfarkt“ gemacht. Es sollte eigentlich mein einziges Buch werden. Ein Bekannter fand es aber so gut, dass er mich genötigt hatte, am Wiesbadener Kurzkrimi-Wettbewerb teilzunehmen. Die Jury bestand aus Fachleuten des Wiesbadener Kuriers, Lektoren des Frankfurter Societäts-Verlags und Mitarbeitern von Buch Habel Wiesbaden. Als man mir für meine Kurzgeschichte „Eine angemessene Zahl von Gästen“ die silberne Pistole verlieh, war klar: So schlecht kann meine Schreiberei nicht sein. Also machte ich weiter und wurde mit zahlreichen Fans belohnt :-)

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Das wusste ich bereits mit 14 Jahren, aber die Vernunft hielt mich sehr lange davon ab.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Netzinfarkt

Schattenraum

Hals in der Schlinge

Spiel, bis du stirbst

Töte, um zu leben

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ja, natürlich! Bei Netzinfarkt hatte ich es noch relativ einfach, weil es thematisch um mein eigenes Fachgebiet ging. Aber ich wollte ja nicht nur Bücher mit digitaler Technik als Hintergrund schreiben. Sobald man Neuland betritt, MUSS man recherchieren, sonst schreibt und beschreibt man die Dinge klischeehaft und falsch!

Ein Beispiel: Für „Spiel, bis du stirbst“ wollte ich eine außergewöhnliche Figur kreieren. Sie sollte einer Randgruppe angehören und dem Leser zunächst suspekt sein und befremdlich vorkommen. Diese Figur wollte ich so realistisch wie möglich darstellen, es aber trotzdem schaffen, dass der Leser sie am Ende liebt. Das war eine echte Herausforderung. Ich habe mich für eine dominante Dame aus dem SM-Bereich entschieden. Um meine Figuren auch über mehrere Bücher konsistent halten zu können, schreibe ich für die Protagonisten immer einen Lebenslauf. Ich möchte wissen, WARUM die Charaktere so sind wie sie sind. Also habe ich mir überlegt, was eine Frau bewegt, sich diesem Bereich zuzuwenden und auf eine sehr dominante, teils sadistische Art mit Männern umzugehen. Meine Idee war es zunächst, dass die Frau in ihrer frühen Jugend sehr schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hatte und vielleicht sogar vergewaltigt worden war. Zum Glück habe ich aber sehr ausgiebig recherchiert und mich mit vielen Männern und Frauen aus dem Bereich des BDSM unterhalten. Meine Güte war ich blauäugig! Ich musste lernen, dass Frauen mit derart negativen Erfahrungen im sexuellen Bereich später, wenn sie sich diesem Bereich überhaupt zuwenden, eher den devoten Part übernehmen. Tatsächlich habe ich keine einzige Domina oder Domme (dominante Lady, die zwar ähnliche Dinge wie eine Domina tut, dies aber nicht für Geld macht) kennengelernt, die ihr Handeln mit negativen sexuellen Erfahrungen begründet hat. Vielmehr ist es so, dass diese Frauen schlicht und ergreifend von Natur aus dominant sind und einfach echten Spaß an der Sache empfinden.

Meine ausgiebige Recherche wurde damit belohnt, dass eine Fachzeitschrift aus dem Bereich („Schlagzeilen“) mich mit einer sehr guten Rezension überrascht hat, in der die realitätsnahe Darstellung gelobt wird. Das macht mich einerseits sehr stolz, zeigt mir aber auch andererseits, dass ich mich auch in Zukunft nicht auf die faule Haut legen darf und stets ebenso gut recherchieren muss wie in der Vergangenheit.

Wo schreibst du am liebsten?

Im Sommer draußen im Hof/Garten neben dem Teich und Bachlauf.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, nicht wirklich. „Schattenraum“ beispielsweise habe ich zu 60 Prozent im Zug geschrieben. Das Leben verändert sich ständig, ebenso die Voraussetzungen. Irgendetwas ist immer anders. Damit ändern sich mitunter auch die Gewohnheiten beim Schreiben.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Im Moment schreibe ich an einem Buch über das Schreiben von Krimis und Thrillern. Das hatte ich eigentlich nie geplant, aber manche Dinge ergeben sich einfach. Bevor ich bei Facebook war, gab es lange Zeit ein soziales Netzwerk welches „wer-kennt-wen“ hieß. Hier hatte ich eine Fangruppe mit über 3.000 Fans. Damals erreichten mich zwischen 10 und 50 Nachrichten pro Tag. Einige waren auch von Menschen, die gerne selbst schreiben wollten. Derartige Nachrichten bekam ich zwischen 2 und 10 Stück pro Woche. Man fragte mich um Rat, wollte wissen, wie man vorgehen solle, und fragte auch, ob ich mal einen Roman (oder einige Kapitel) probelesen und meine Meinung dazu abgeben würde. Anfangs habe ich noch versucht, alles zu beantworten und jedem zu helfen. Schnell musste ich aber feststellen, dass ich dazu schlicht und ergreifend nicht genügend Zeit hatte. Vielen Menschen musste ich daher eine Antwort schuldig bleiben. Für diese Menschen schreibe ich nun das Buch. Natürlich sollte jedem klar sein, dass ich nicht die einzig richtige Methode zum Schreiben eines Thrillers haben kann – eine solche gibt es nämlich nicht. Aber ich habe einen Weg für einen Anfänger, der funktionieren kann. Dazu gebe ich viele Tipps zu Hilfsmitteln und worauf man achten sollte. Im Prinzip wird man danach arbeiten können wie nach einem Kochbuch. Selbstverständlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten, einen Krimi zu schreiben; es ist eben ein Weg von vielen. Wer einen schönen Schreibstil hat, aber einfach nicht weiß, wie er anfangen soll, dem wird dieses Buch eine gute Hilfestellung geben. Dazu wird es einen angefangenen Thriller enthalten, dessen Thema sich die Leser annehmen können um daraus ein vollständiges Buch zu machen.

Da es ja kein Roman ist, werde ich es voraussichtlich auch ohne Verlag machen und nur als eBook herausbringen. Es ist nicht dafür gedacht, groß Geld damit zu verdienen und wird nicht über 3,- Euro kosten.

Danach... tja, danach muss ich mich entscheiden, welche meiner gefühlten tausend Ideen ich als nächstes umsetze.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Nein, keinen bestimmte. Aber wenn ich einen Roman lese, der mir besonders gut gefällt, dann versuche ich zu analysieren, warum das Buch mir gefällt. Das eine oder andere kann man sich ja abschauen, und wir wollen uns doch alle ständig verbessern.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Thriller: Die Millennium Trilogie von Stieg Larsson

Fantasy: Die Krosann Saga von Sam Feuerbach

Wolfgang Hohlbein hat viele Bücher geschrieben, die ich toll finde, aber auch ebenso viel die ich weniger mag

Historische Romane: Die Säulen der Erde

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich fahre gerne schnelle Motorräder, gehe joggen und halte mich fit, spaziere gemeinsam mit meiner Frau mit meinen Hunden, trinke gerne ein gutes Glas Rotwein, lese natürlich selbst recht viel, mache gerne Gesellschaftsspiele mit Familie und Freunden (keine Computerspiele!), die Videografie macht mir Spaß, und zu Zeiten ohne Hund habe ich viele außergewöhnliche Reisen unternommen. Sicher würde mir noch so einiges einfallen, aber das sind wohl die wichtigsten Punkte.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ein Traum ist die Verfilmung einer meiner Romane.

Ein anderer Traum ist es natürlich, vom Schreiben leben zu können. Dann würde ich mir ein Wohnmobil kaufen und immer dort schreiben können, wo ich gerne bin. Im Winter wäre ich sicher oft in Süditalien. Mit dem Laptop kann man ja wirklich überall schreiben, ganz egal wo!

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Extrem wichtig! Natürlich schreibe ich, weil ich Spaß daran habe, aber ich schreibe ja FÜR meine Leser. Das fängt schon vor der Veröffentlichung an. Ich suche mir stets mindestens 10 unabhängige Testleser, die mich nicht kennen und somit keinen sozialen Druck haben, mir etwas schön zu reden. Nach deren Feedback überarbeite ich die Manuskripte. Erst dann gehen sie ans Lektorat vom Verlag. Das ist total wichtig, weil man beim Schreiben sehr schnell etwas übersieht.Außerdem erfährt man, wenn ein Kapitel beispielsweise völlig daneben ist und kann es ändern.

Allerdings ist das auch nicht immer einfach. In „Spiel, bis du stirbst“ gibt es ein Kapitel, das von einem Testleser als völlig überzogen und unglaubwürdig kritisiert wurde, während eine andere Testleserin meinte, genau dieses Kapitel sei ihr absolutes Lieblingskapitel. Da muss man dann aus dem Bauch heraus entscheiden und sich treu bleiben. Es gibt nun mal kein Buch, das wirklich ausnahmslos jedem gefällt, und das wird es auch nie geben. Zum Glück sind die Geschmäcker verschieden.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ja: Gebt den ganzen neuen Autorinnen und Autoren da draußen eine Chance! Heutzutage, wo so gut wie jeder ein Buch veröffentlichen kann (als eBook oder als Book on Demand), gibt es zwar wirklich eine Menge Schrott, aber ich stoße immer wieder auf Indie-Autoren, die ihren Job echt verstehen und tolle Bücher schreiben.


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