Interview mit J.J. Blackwood

Warum dreht sich bei dir alles ums Schreiben? Was liebst du so sehr daran?

Bei mir dreht sich jetzt alles ums Schreiben, weil sich früher immer alles ums Lesen gedreht hat. Geschichten erfahren und erfinden war schon als kleines Kind das Größte für mich. Bei uns wurde regelmäßig vorgelesen, und wenn mal keiner Zeit hatte, gab’s Hörspielkassetten mit alten Märchen drauf. Wer meine Bücher liest, weiß, dass ich die heute noch liebe! Sobald ich selbst schreiben konnte, hat es also nicht lange gedauert, bis ich angefangen habe, meine eigenen Einfälle festzuhalten. Seitdem habe ich nicht mehr damit aufgehört.

Was ich am meisten daran liebe, ist das Eintauchen in eine fremde Welt, die ich durch die Augen eines Charakters meiner Wahl erkunden kann. Diese Welt gehorcht meinen Gesetzen, entwickelt aber meist ziemlich bald Eigenheiten, die das Ganze für mich selbst spannend machen. Das macht riesigen Spaß! 

In welchem Genre findet man dich?

Grob gesagt würde ich mich in die Schublade Fantasy einordnen. Dazu mische ich allerdings auch Science-Fiction Elemente wie Zeitreisen, daran gekoppelt sind dann eben auch historische Erzählstränge. Ich wechsle auch gern mal zwischen High Fantasy und Urban Fantasy, da beides seine eigenen Reize hat. In der „Erbin“ erlebt die Protagonistin zu unterschiedlichen Epochen ihres Lebens erst das eine, dann das andere. 

Worum geht es in deinem aktuellen Buch?

Aktuell habe ich eine sechsteilige Serie abgeschlossen, arbeite aber bereits an einem neuen Roman. Die Serie läuft unter dem Titel „Die Rosenchroniken“ und handelt von einer jungen Frau, die scheinbar zufällig während eines Schottland Urlaubs auf ein uraltes Geheimnis stößt, versteckt unter Rosenranken. Als ihr Verlobter daraufhin eine nie dagewesene Bedrohung in die Welt entlässt, wird sie in einen Strudel aus uralten Flüchen, Racheversprechen und magischer Wesen hineingezogen. Und mitten darin liegt der Grund verborgen, warum ausgerechnet sie das Auge des Sturms bildet. 

Mein neustes Projekt befindet sich auf einem Planeten, der vielleicht einmal die Erde gewesen sein könnte. Es gibt unterschiedliche Völker, die vielleicht einmal Menschen waren, sich aber an die extrem unterschiedlichen Bedingungen angepasst haben. Seit Jahrhunderten sind die Kontinente auf diese Weise aufgeteilt, doch mit einem Mal scheinen die Dinge sich langsam aber sicher zu verschieben. Aufgescheucht durch diese Veränderungen machen sich ein paar Mutige auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen. Und dieser Grund hat es in sich, versprochen!

Welchen Protagonisten hast du am liebsten?

Die Friedhofshexe Freyja aus den Rosenchroniken. Sie ist zwar eine von den „Bösen“, aber sie hat sich mehr oder minder selbstständig nach vorn gespielt. Mir gefällt, wie der gute Sucram sich völlig gegen seinen Willen immer enger in ihr Netz verstrickt, ohne dass sie viel dazu tun muss. Sie zieht einfach nur im richtigen Moment den richtigen Faden. Außerdem zeichnet sie ein gewisses Maß an analytischem Denken aus, was mir sehr gefällt. Sie weiß genau, wann es an der Zeit ist, sich mit dem Feind zu verbrüdern. Und wie sie dafür sorgt, dass ihr das nicht zum Nachtteil gereicht. Sie packt die Dinge an und zieht sie durch. Auch wenn es nicht gerade selbstlose Dinge sind.

Bist du jemand, der „aus dem Bauch heraus“ schreibt oder orientierst du dich an einem Plot?

Beides! Meine ersten Romane (damals noch für Schulprojekte gedacht) habe ich unter Zeitdruck schreiben müssen, daher habe ich sie kapitelweise durchgeplottet. Danach habe ich angefangen, die Erbin zu schreiben, ohne ein gewisses Ziel im Sinn zu haben. Sie ist über bestimmt sechs Jahre hinweg gewachsen, bis ich irgendwann einen Anlass fand, sie zum Ende kommen zu lassen. Das Ergebnis war ein Fantasy Epos von knapp 800 Seiten, für das man sich Zeit nehmen muss. Seit sie als E-Book zu haben ist, erntet sie ausschließlich gute Kritiken, wird aber natürlich nicht so oft gekauft, da sich meist nur echte Leseratten an ein so dickes Buch heranwagen. 

Die Rosenchroniken hingegen habe ich von Anfang bis Ende durchgeplant. Das sieht bei mir dann so aus, dass ich pro Kapitel maximal ein Post-it vollschreibe mit dem, was geschehen soll. Die klebe ich dann alle der Reihenfolge nach an die Fensterscheibe, neben der ich arbeite. So verliere ich nie den Überblick! Das resultiert nicht nur in einer zügigen Fertigstellung, sondern auch zu einem höheren Tempo in der Geschichte. Letztendlich kommt es also ganz darauf an, welche Art Roman ich zu schreiben plane.

Könntest du dir vorstellen, auch mal etwas anderes zu schreiben, also das Genre zu wechseln?

Absolut! Dann aber unter einem anderen Pseudonym. Miss Blackwood ist mit Leib und Seele dem Mystischen und Magischen verschrieben und füllt meine Wohlfühlzone ganz und gar aus. Tatsächlich liebäugele ich schon seit einer Weile damit, mich mal Richtung Krimi vorzutasten. Wenn ich nicht schreibe, bin ich in der Filmbranche tätig, und da sind Plots wie die von Tatort und Co. mein täglich Brot. Bisher habe ich mich immer ein wenig gescheut aus Angst, mir würde eine Welt ohne magische Fähigkeiten und übernatürliche Geheimnisse zu eng. Aber vielleicht liegt genau darin die Herausforderung, die ich zu meistern versuchen sollte.

Wenn du nicht schreibst, was machst du dann? Gibt es vielleicht noch andere künstlerische Interessen?

Die gibt es. Wenn man das dazuzählen möchte, die eben erwähnte Filmemacherei natürlich, aber darüber hinaus auch viele Dinge, die ich nur für mich tue. Bis vor wenigen Jahren habe ich intensiv Ballett getanzt, und ich singe seit einigen Semestern Alt im hiesigen Hochschulchor. Außerdem liebe ich es, in meiner Freizeit zu zeichnen oder auch zu malen. Ein Picasso wird mit Sicherheit nicht mehr aus mir, aber ich liebe es, für ein paar Stunden darin abzutauchen und an nichts anderes mehr zu denken. Leider komme ich nicht halb so oft dazu, wie ich gerne möchte, aber dafür habe ich ja meine größte Leidenschaft bereits zum Beruf gemacht. 

Verlässt du eine Buchhandlung immer mit einem Buch oder reicht es dir, zu stöbern?

Dass ich es ohne Neuanschaffung aus einer Buchhandlung schaffe, ist extrem selten. Oft gehe ich einfach nur rein, um eine Kleinigkeit für einen Geburtstag oder als Mitbringsel zu kaufen, weil ich eigentlich mein Budget für den Monat schon ausgeschöpft habe. Aber an Regalen voller Fantasy, Science-Fiction und Historischem vorbeizugehen, ohne wenigstens kurz einen Blick darauf zu werfen, geht auch nicht. Und was kann ich dafür, wenn genau da, wo ich stehe, der neuste Roman eines meiner Lieblingsautoren steht? 

Welche Rolle spielen Bücher in deinem Leben? Was liest du zurzeit?

Eine große, wenn auch nicht so groß wie ich mir wünschen würde. Zumindest, wenn man mal vom Schreiben absieht und nur vom Privatvergnügen spricht. Ich lese mindestens fünf Bücher gleichzeitig, ein Print am Bett, ein Print auf der Couch, zwei E-Books im Ereader und eins auf dem Handy… und trotzdem komme ich in letzter Zeit kaum dazu. Das ist glaube ich der Fluch vieler Autoren: die Zeit, lesenderweise auf der Couch zu liegen, könnte man immer auch genauso gut nutzen, um schreibenderweise vor dem Laptop zu sitzen! Oft nehme ich mir bewusst vor, zum Entspannen einfach nur zu lesen, doch dann, Zack! kommt mir übers Lesen eine gute Idee. Dann heißt es, schnell aufspringen und aufschreiben!

Mittlerweile habe ich allerdings eine Strategie entwickelt, wie das Lesen zumindest nicht allzu kurz kommt: ich lese unterwegs. Dank E-Book an jeder Bushaltestelle, im Wartezimmer, im Zug, im Café, wenn die Freundin auf sich warten lässt. Ich halte das für unerlässlich, wenn man lesbare Bücher schreiben will. 

Zurzeit lese ich neben dem sechsten Band der Highland Saga von Diana Gabaldon einen Unterhaltungsroman von Oliver Wnuk („Luftholen“), einen Vampirroman der glücklicherweise mehr Tiefgang hat als sein Titel (irgendetwas mit Lust und Blut, soweit ich mich erinnere), den „Buchmagier“ und ganz neu angefangen „Die Stadt der Bücher“.

Wie reagierst du auf kritische Leserstimmen?

Ich glaube und hoffe, meist pragmatisch. Oft stecken hinter negativer Kritik ja nur zwei Auslöser. Der eine ist der aufrichtige Wunsch, dem Autor das aufzuzeigen, was einem missfallen hat. Entweder, damit er es das nächste Mal besser machen kann, oder damit er versteht, warum ein Buch vielleicht nicht so gut geht, wie er gedacht hat. Beides honoriere ich, da es ja auch oft sehr konstruktiv sein kann. Nachdem die ersten drei Bände der Rosenchroniken draußen waren, wurden ganz andere Dinge gelobt bzw. kritisiert, als ich gedacht hätte. Ich passte daraufhin die folgenden drei Bände entsprechend an, will heißen ich konzentrierte mich auf das, was den meisten gefallen hatte, und reduzierte die Dinge, die wohl nur mir selbst gefielen. Das hat wunderbar funktioniert! Natürlich ist es zu Zeiten von Amazon immer schöner, wenn ein solcher Leser den Autor direkt anschreibt, als eine negative Rezension zu schreiben. So hat man noch die Chance, das Ganze ernst zu nehmen und für folgende Leser zu verbessern, ohne dass der Roman gleich in der Versenkung verschwindet.

Der andere Auslöser ist reiner Ärger, dem man sich Luft machen möchte. Auch das kann ich in den meisten Fällen verstehen. Entweder ist der Leser enttäuscht, weil das Äußere des Romans seiner Meinung nach etwas anderes verspricht, als drin ist, oder er entspricht einfach nicht dem persönlichen Geschmack. Ist das Ganze verständlich erklärt, nehme ich auch das hin. Bei Kritik, die nicht mehr Inhalt hat als „dies ist das schlechteste Buch aller Zeiten“, ohne einen Grund zu nennen, denke ich mir einfach meinen Teil.

 

Weitere Informationen unter:

http://autorinjjblackwood.jimdo.com/

 


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