Interview mit Volker Dützer

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Gerne. Ich bin 51, verheiratet, und lebe mit meiner Frau im wilden Westerwald, ziemlich genau zwischen Frankfurt und Köln in der Nähe der Westerwälder Seenplatte – ein wunderschönes Fleckchen Erde – wenn denn mal die Sonne scheint.

Ich kann ziemlich ungeduldig sein und mag Sachen, die schnell gehen. (Mein Schreibrekord liegt bei 10 Seiten pro Stunde – das kommt aber nicht oft vor und relativiert sich aufs Jahr gesehen wieder). Wie die meisten Schriftsteller bin ich eher introvertiert und vergesse schon mal die Wirklichkeit um mich herum, wenn ich in einer meiner Geschichten versinke. Ich liebe das Meer und die Einsamkeit, Ruhe und die Natur und freue mich wie ein Kind, wenn ein Eichhörnchen mein selbstgebautes Futterhäuschen besucht. Dummheit, Ignoranz und das Märchen vom ewigen Wachstum, dem Drang nach immer mehr mehr mehr, kann ich nicht ausstehen.

Seit wann schreibst du? 

Seit ich einen Stift halten kann und kapiert habe, was die komischen kleinen Schnörkel auf dem Papier bedeuten – allerdings mit sehr langen Unterbrechungen. Bei meinen ersten Gehversuchen bin ich dann auch schnell nach ein paar Seiten steckengeblieben. So richtig los ging's mit dem Schreiben eigentlich erst vor etwa acht Jahren. Ich bin also ein typischer Quereinsteiger.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Wenn ich das wüsste. ;-)  Ich glaube, da war schon immer der Drang, Geschichten zu erfinden und ganze Welten mit Figuren zu bevölkern. Wenn ich etwas sehe, das mir gut gefällt, will ich es immer unbedingt selbst versuchen. Das führte dazu, dass ich in meinem Leben eine Menge Sachen ausprobiert habe. Ab und zu stößt man dann zwangsläufig auf etwas, von dem denkt: „He, das liegt mir. Das mache ich gerne.“

Was mir lange Zeit fehlte, war das „Gewusst wie“, das Handwerk. Es hält sich ja hartnäckig die Vorstellung vom Bestseller, der dem kahlen Hinterkopf des genialen Autors über Nacht enstpringt. Das ist natürlich Blödsinn. Irgendwann drückte mir ein Buchhändler einen Schreibratgeber mit dem Titel „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ in die Hand. Das Buch hat mir gewissermaßen die Augen geöffnet. Ich begriff, dass man Schreiben lernen kann wie jedes andere Handwerk auch – Ideen hatte ich ja genug, ich konnte sie nur nicht umsetzen. Von da an gab's kein Halten mehr.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Das passierte relativ spät. Ich hatte Glück, dass ein kleiner Verlag mein zweites „richtiges“ Manuskript gleich herausbringen wollte. Es kamen dann sehr schnell viele überaus positive Rückmeldungen und Kritiken. Irgendwann dämmerte mir, dass da eventuell ein echtes Talent in mir schlummert. Es brauchte dann aber noch ein hartes Stück Arbeit, um dieses Talent auch nutzen zu können. Ich arbeite immer noch daran und werde es wohl bis zum Ende meiner Tage tun.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die Reihe um den Privatdetektiv Jan Stettner:

„Schattenjagd“ (Chichil-Agency) leider im Moment vergriffen

„Seeleneis“ (Chichily Agency) leider im Moment vergriffen

Treibsand (Bookshouse) - der 1. Stettner-Krimi

Das Prometheus-Projekt (Bookshouse) Thriller

Die Brut (Bookshouse) Thriller

Tödliche Heimkehr (Sutton) Krimi

„Schwarzer Regen“ - eine Horror-Kurzgeschichte, für die ich den 2. Platz beim Deutschen eBook-Preis 2012 erhielt.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ja, darauf kann man nicht verzichten, vor allem für Wissenschaftsthriller ist das unbedingt notwendig. Ich interessiere mich sehr für Grenzbereiche der Wissenschaft und beschäftige mich in meinen Romanen mit der Frage, was geschieht, wenn man diese Grenzen überschreitet. Das Internet bietet uns Autoren ja glücklicherweise heute eine Fülle von Informationen zu allen möglichen Themen. Ich lese sehr viel – über Evolution, Gentechnik und alles Mögliche.

Auch für Krimis sollte man gut recherchieren, das gilt vor allem für die Schauplätze. Ich habe gelernt, dass Verlage und Leser großen Wert auf Authentizität legen, darum lasse ich meine Krimis bevorzugt in meiner Heimat im Westerwald spielen, denn hier kenne ich jeden Winkel. Wenn ich über Schauplätze schreibe, an denen ich noch nicht gewesen bin, bietet Google-Earth (Streetview) inzwischen tolle Möglichkeiten, sich mit fremden Orten vertraut zu machen. Leider fehlt mir das Kleingeld, um all die Plätze erst einmal zu bereisen, bevor ich darüber schreibe.

Wo schreibst du am liebsten?

Normalerweise in einem Zimmer unter dem Dach, das ich „Schreibhöhle“ nenne. Ich brauche Ruhe zum Schreiben und kann knurrig werden, wenn ich gestört werde. Und ich hasse es, wenn mir Ideen flöten gehen, weil mich etwas ablenkt. Das ist für meine Umwelt nicht immer ganz einfach. Im Sommer schreibe ich auch schon mal in einer Laube im Garten. Leider gibt es im Westerwald nicht allzu viele Tage, an denen man sich rauswagen kann, ohne zu frieren oder nass zu werden. ;-)

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, eigentlich nicht. Die Schreibarbeit unterteilt sich in zwei Bereiche. Wenn ich mich für eine Idee entschieden habe (das ist manchmal nicht so einfach, denn ich habe viel zu viele Ideen), beginne ich, aus der Grundidee eine Handlung zu entwickeln, Figuren und einen Plot. Das kann einige Wochen bis Monate dauern. Ich habe gelernt, meine Ungeduld zu bezwingen und nicht sofort mit dem eigentlichen Schreiben anzufangen. Damit bin ich schon ein paar Mal auf die Nase gefallen. Je besser die Vorbereitung, desto leichter fällt mir hinterher das eigentliche Schreiben. Wenn ich also eine Art Stufendiagramm erstellt habe und weiß, was in welchem Kapitel passieren soll, kann ich mich ganz auf das Schreiben konzentrieren und muss nicht erst überlegen, wie's denn weitergeht. Und dann wird doch alles ganz anders. Ich mag es, wenn Figuren sich entwickeln und nicht das tun, was ich von ihnen verlange. Das ist für mich ein Zeichen, dass sie beginnen, zu leben.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ein neuer Thriller liegt bereits in der Schublade, bzw. bei meiner Agentin. Ich warte im Augenblick auf einen Verlag, der anbeißt. Es wird um Stalking und Computeralgorithmen gehen, und um die Frage, ob man damit den freien Willen des Menschen ausschalten kann. Die allgegenwärtige digitale Überwachung und Datensammelwut ist m.E. nach nichts anderes als Stalking und das werde ich in dem Roman verdeutlichen. Ein sehr aktuelles Thema, das uns alle angeht, finde ich.

Ein neuer Krimi, der wieder im Westerwald spielt., wird definitiv im Herbst 2016 erscheinen. Der endgültige Titel steht noch nicht fest, aber die Tinte unter dem Verlagsvertrag ist trocken. Ich schicke ein neues Ermittlerduo an den Start, das hoffentlich in Serie gehen wird.

Im Augenblick schreibe ich an einem Thriller, der sich damit beschäftigt, wie wir eigentlich mit alten Menschen umgehen. Wir alle wollen am liebsten unsterblich sein. Die Frage ist, welchen Preis sind wir dafür bereit zu zahlen?

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ja. Da wäre vor allem Dean Koontz, dessen frühe Werke ich sehr schätze. In letzter Zeit hat er mich allerdings ziemlich enttäuscht. Im Krimibereich zählt Robert B. Parker zu meinen Vorbildern. Von ihm stammt ja die Figur des Jesse Stone. Ich liebe die Fernsehfilme, in denen Tom Selleck die Figur so wunderbar verkörpert. Meine Krimis lesen sich deshalb auch ein Stück weit amerikanischer als die meisten Regiokrimis, sie sind düsterer und ernsthafter.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

s.o.  Zu meinen Lieblingsbüchern gehören sicher „Brandzeichen“ von Dean Koontz und die Serie um Jesse Stone von Robert B. Parker. „Das Jesus-Video“ von Andreas Eschbach fand ich toll, ebenso sein „1 Billion Dollar“. In letzter Zeit habe ich mich mehr mit den Klassikern der Krimiliteratur beschäftigt. „Via Mala“ ist für mich einer der besten Krimis, die je geschrieben wurden, ebenso „Rebecca“ von Daphne de Maurier und viele andere. Wenn man etwas lernen will, muss man die Meister des Fachs lesen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich treibe viel Sport, fahre Rennrad und schwimme. Leider macht mir seit einem Unfall vor drei Jahren mein Rücken arg zu schaffen. Dann wäre da neben dem Schreiben noch eine zweite Leidenschaft, nämlich die Musik. Ich spiele seit 35 Jahren Schlagzeug und hatte in jungen Jahren mal eine Profikarriere als Studiomusiker ins Auge gefasst. Aber dann kam doch alles anders. U.a habe ich mal in einer Police-Coverband getrommelt. Vor zwei Jahren haben sich die Mitglieder meiner alten Band aus den 80ern wieder zusammengerauft. Seitdem treffen wir uns einmal in der Woche im Proberaum und geben ab und zu Konzerte, bei denen wir uns an den Klassikern des Rocks abarbeiten, von Led Zeppelin bis Green Day.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Tja, was soll ich sagen? Vor einigen Jahren hätte ich spontan gesagt: „Vom Schreiben leben können, das wärs!“ Inzwischen, nachdem ich den Literaturbetrieb besser kenne, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Andreas Eschbach (glaube ich) hat mal gesagt: „Das Wichtigste für einen Autor ist finanzielle Unabhängigkeit.“ Dem kann ich mich nur anschließen. Ich mag mich nicht dem Druck aussetzen, vom Schreiben meine Rechungen bezahlen zu müssen. Trotzdem träume ich natürlich vom Bestseller, welcher Autor tut das nicht?

Ich wollte immer mal eine Bergetappe der Tour-de-France abfahren, aber das wird nach dem Unfall nun nichts mehr werden. Ich kann deshalb nur jedem raten, zu versuchen, seine Träume zu verwirklichen. Und zwar heute noch, sofort. Wer weiß, was morgen kommt? Dass ich inzwischen einen gewissem Achtungserfolg als Autor habe, geht mir runter wie Öl, aber es bedeutet auch sehr viel harte Arbeit. Manchmal stellt man fest, dass sich Träume in Wirklichkeit ganz anders anfühlen als man geglaubt hat Aber gerade deswegen sollte man versuchen, herauszufinden, wie es ist, seinen Traum zu leben.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig. Ich bin immer neugierig, was Leser zu meinen Geschichten sagen. Ich schreibe ja nicht für mich, sondern für meine Leser. Hört sich nach einer Werbebotschaft an, stimmt aber. Ich liebe spannende Geschichten über alles, egal ob Buch oder Film. Wenn ich den Zustand des Nägelkauens und Marathonlesens bei meinen Lesern erreicht habe, macht mich das glücklich. Es erfüllt mich mit tiefer Zufriedenheit, wenn ich es geschaft habe, Menschen eine Geschichte träumen zu lassen und sie mir ganz begeistert schreiben, wie eng sie sich mit den Figuren meiner Romane verbunden fühlten, wie sehr sie Ungerechtigkeiten, denen sich der Held der Geschichte stellen musste, aufgeregt haben. Es zeigt mir, dass ich starke Gefühle in den Lesern geweckt habe und es freut mich riesig, wenn ich sie auf eine Reise in meine Fantasie mitnehmen konnte.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Nutzt eure Zeit für Dinge, die euch mit Glück und Zufriedenheit erfüllen und haltet euch von Menschen fern, die euch schaden. Lebt eure Träume wo immer es geht.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0