Interview mit Helmut Barz

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Na gut, aber ganz kurz. Jahrgang 1969, Sternzeichen Stier, geboren in Braunschweig, aufgewachsen in St. Peter-Ording an der Nordseeküste. Nach dem Abitur habe ich zwei Jahre in Berlin an verschiedenen Theatern gearbeitet, anschließend Theaterwissenschaften in Gießen und Theaterregie in Frankfurt am Main studiert. Nach dem Studium habe ich zunächst als freier Regisseur gearbeitet, bin dann aber in die Werbung und ins Marketing gewechselt. Heute arbeite ich hauptberuflich als Kreativdirektor, Texter und Übersetzer und bin gerade dabei, mir als Romanschriftsteller ein zweites Standbein aufzubauen. Ich hoffe zwar, irgendwann einmal damit meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, aber das ist wohl – wenn überhaupt – noch eine Weile hin.

Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass ich zwischenzeitlich auch mal längere Zeit in Kapstadt und New York verbracht habe.

Seit wann schreibst du?

Das ist in meinem Fall eine knifflige Frage. Also: Mir Geschichten ausgedacht habe ich eigentlich, solange ich denken kann. Als ich noch nicht selber schreiben konnte, habe ich sie meinen leidgeprüften Eltern diktiert. Mein Vater war selber Schriftsteller (www.paul-barz.de) und so lag das Schreiben praktisch in der Familie. Natürlich habe ich auch während meiner Schulzeit weiter geschrieben – die üblichen pubertären Leidensgeschichten und Liebesgedichte. Gut, dass es damals noch kein Internet oder gar Software wie Wordpress gab. Man muss ja wirklich nicht alles veröffentlichen.

Während des Studiums habe ich dann – schon aus der Natur des Studienfachs heraus – viele Sachtexte geschrieben, während des Regiestudiums dann Theaterstücke. Mehr zu meinem dramatischen Schaffen findet man übrigens auf meiner Website: http://helmut-barz.info/projekte/texte-fuer-das-theater/.

Im Jahr 2003 gab es nicht nur in der Werbewirtschaft eine Krise, sondern ich bin auch relativ schwer erkrankt und hatte daher plötzlich sehr viel Zeit zur Verfügung. Da es mir sehr schwer fällt, nur herumzusitzen und nichts zu tun, entschloss ich mich, endlich einmal einen Wunschtraum von mir Wirklichkeit werden zu lassen und einen Roman zu schreiben.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Dieser Roman erschien erstmals im Jahr 2006, damals unter dem Titel „Weißes Blut“. Ich habe ihn 2015 noch einmal im Eigenverlag aufgelegt, diesmal unter seinem ursprünglichen Titel: „Die Herrin. Eine schaurige Novelle aus böser, alter Zeit.“

Zwar blieb mit diesem Roman der ganz große Erfolg bis heute aus, doch plötzlich hatte ich einen Verlag, und vor allem einen Agenten, der mich auf weitere Projekte drängte. Da erinnerte ich mich an ein Konzept für eine Fernsehserie, das ich irgendwann einmal geschrieben und dann in der Schublade hatte verschwinden lassen. Dieses Konzept war Basis für meine Krimireihe um die Frankfurter Kriminalpolizistin Katharina Klein.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Wie ich oben bereits gesagt habe: Das Schreiben liegt bei uns in der Familie, daher kann ich keinen genauen Zeitpunkt benennen. Ich wollte eigentlich schon immer schreiben und „irgendwann mal, in ferner Zukunft“ auch etwas veröffentlichen. Doch ich denke, der eigentliche Umbruch kam im Jahr 2001. In dem Jahr habe ich meine erste Kurzgeschichte veröffentlicht; eine Geschichte, die ich noch immer mag und die unter dem Titel „My Home Is My Castle“ auch als E-Book verfügbar ist.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Da wären zunächst einmal die Katharina-Klein-Krimis, die im Sutton-Verlag Erfurt erschienen sind: „Westend Blues“ (2009), „African Boogie“ (2011), „Dolphin Dance“ (2012) und „Damenopfer“ (2015). Mehr zu diesem Krimis auf meiner Website: http://helmut-barz.info/buecher/

Darüber hinaus gibt es natürlich meinen Roman-Erstling – wie oben bereits erwähnt – als Buch, E-Book und Hörbuch: http://die-herrin.info/

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ich möchte nicht behaupten, ein penibler Rechercheur zu sein, doch natürlich recherchiere ich für meine Bücher. Zum einen muss ich Sachfragen klären, im Falle der Katharina-Klein-Krimis die medizinischen, kriminologischen und kriminalistischen Hintergründe, dann versuche ich mir Schauplätze anzuschauen. Man kann mich also oft mit meinem Smartphone oder meiner Kamera durch Frankfurt und andere Städte wandern sehen.

Meine Romane bergen zudem noch ein kleines weiteres Geheimnis: Jeder von ihnen ist eine Hommage an eine bestimmte Form der Literatur. Entsprechend lese ich, bevor ich anfange zu schreiben, jeweils sehr viele Bücher des Genres, um mich mit den Regeln vertraut zu machen. Das extremste Beispiel ist wohl „African Boogie“, das sich bewusst sehr stark an den Krimis von Agatha Christie orientiert.

Wo schreibst du am liebsten?

Nun, als Profi muss ich schreiben, wo ich gerade bin. Es kann sein, dass ich beispielsweise als Texter beim Kunden vor Ort arbeiten muss. Meine fiktionalen Texte entstehen größtenteils bei mir daheim, am heimatlichen Schreibtisch, der allerdings in meinem sehr schönen und großen Wohnzimmer steht. Mitunter schreibe ich jedoch auch in meinem Arbeitszimmer, am Esstisch oder – wenn das Wetter es zulässt – auf dem Balkon. Wenn ich bei meiner Lebensgefährtin bin, habe ich auch dort ein kleines Arbeitszimmer. Manchmal schnappe ich mir jedoch auch mein Notebook und gehe zum Schreiben oder Überarbeiten in ein Café oder in die Uni-Bibliothek.

„Damenopfer“, mein letzter Krimi, entstand allerdings in New York, da ich 2014 dringend Tapetenwechsel benötigte und daher das Land für eine Weile verlassen habe.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ein richtiges Ritual eigentlich nicht. Ich versuche, jeden Tag zu schreiben. Am liebsten schreibe ich – zumindest soweit es meine Romane betrifft – frühmorgens. Ich stehe um 5:30 Uhr auf, mache mir eine Tasse Kaffee und setze mich an den Schreibtisch oder im Sommer auf den Balkon. An Tagen, an denen ich ausschließlich an meinen eigenen Schreibprojekten arbeite, habe ich mir selbst ein Soll von mindestens zehn Seiten gesetzt. Wenn ich nur morgens meine 2 Stunden habe, bevor ich mein Büro eröffne, sollten es zumindest 3-5 Seiten sein.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich arbeite zurzeit an mehreren Projekten, zum einen natürlich am nächsten Katharina-Klein-Krimi, dann an einem Krimi-Horror-Mashup und an einer Geistergeschichte. Zudem liegen noch einige weitere spannende Projekte angefangen in meiner Schublade.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Als ausgesprochener Vielleser nehme ich natürlich ständig neue Einflüsse auf. Dass es ganz natürlich. Jetzt Autoren zu benennen, die mich besonders beeinflusst haben, ist allerdings schwierig. Bei den Klassikern sind es sicher Schiller (einer der besten Dramaturgen der deutschen Literatur) und Kleist, beim Krimi sicher die britischen Klassiker Christie und Sayers.

Und natürlich sauge ich auch die Ratschläge der Meister auf. Mein Lieblingszitat über das Schreiben stammt von Hemingway:

„The first draft of everything is bullshit.”

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Oha, das sind so viele. Ein paar habe ich ja gerade schon genannt. Außerdem muss ich ein Geständnis machen: Ich habe eine gewisse Schwäche für recht triviale Literatur, zum Beispiel für die Dresden Files von Jim Butcher.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen. Noch mehr lesen. Sport treiben. Reisen. Meinen Gedanken nachhängen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Nun, mein Traum ist, irgendwann vom Bücherschreiben leben zu können. Mal schauen, ob er sich erfüllt. Was ich mir auf jeden Fall noch erfüllen möchte, sind verschiedene Reisen, zum Beispiel nur mit Eisenbahn und Schiff einmal rund um die Welt und natürlich eine Fahrt durch die USA von Küste zu Küste.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich nehme meine Leser und ihre Meinung in der Regel sehr ernst. Allerdings differenziere ich da auch inzwischen. Ich habe natürlich neben den jeweiligen Lektoren bei den Verlagen auch meine festen (und gelegentlich auch wechselnden) Testleser, die bewusst nicht aus der Buchbranche stammen. Kritiken lese ich, allerdings entspannter als früher. Gut argumentierte Kritiken, auch schlechte, nehme ich sehr ernst, wortgewordene Gefühlswallungen nicht immer unbedingt.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich glaube, ich war jetzt ohnehin schon geschwätzig genug. Deswegen mache ich an dieser Stelle Schluss.


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