Interview mit Stefan Barz

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich heiße Stefan Barz, Jahrgang 1975, bin in der Eifel aufgewachsen, habe in Bonn studiert und lebe seit einigen Jahren in Wuppertal. Ich arbeite im "richtigen Leben" als Lehrer für Deutsch, Philosophie und Religion. Vor einigen Jahren bin ich plötzlich ins Autorendasein reingerutscht. 2011 habe ich meine erst Kurzgeschichte "Klassenzimmer" in einer ausgeschriebenen Anthologie ("Der himmelblaue Schmengeling") veröffentlicht, eine kleine Geschichte über das (Un-)Glück. Danach habe ich mich auf das Krimischreiben konzentriert und 2014 meinen ersten Roman "Schandpfahl" (KBV-Verlag) veröffentlicht, für den ich mit dem Jacques-Berndorf-Preis ausgezeichnet worden bin. Der Krimi spielt in meinem Heimatort, dem idyllischen Eifeldorf Kommern. Dort wird im bekannten Freilichtmuseum eine Leiche an der historischen Gerichtssäule gefunden, und es soll nicht das einzige Opfer bleiben, das an diesem außergewöhnlichen Ort gerichtet wird. Damit wird der Kripo-Neueinsteiger Jan Grimberg in den Fall einer mysteriösen Mordserie hineingeworfen, die ihn auch persönlich an Grenzen bringt. Jan Grimberg hat außerdem ein abgebrochenes Philosophiestudium hinter sich, und am Ende bringt ihn ein toter Philosoph auf die richtige Spur...

Seit wann schreibst du? 

Seit ich schreiben kann. In der Grundschule habe ich wahnsinnig gerne immer Phantasiegeschichten geschrieben. Als Abiturient wollte ich dann Journalist werden und habe seitdem und bis zum Ende meines Germanistik- und Philosophiestudiums in Bonn regelmäßig für verschiedene Tageszeitungen und Stadtmagazine geschrieben und das Schreiben damit fast zu meinem Beruf gemacht. Am Ende meines Studiums habe ich mich dann aber doch dafür entschieden, Lehrer zu werden. Nach einigen Jahren im Lehrerberuf merkte ich aber, dass mir das Unterrichten zwar Spaß macht, mir aber auch das Schreiben fehlt, und so begann ich mit dem Schreiben kreativer bzw. fiktionaler Texte. Dabei entstanden viele Kurzgeschichten. Der ausgeschriebene Jacques-Berndorf-Preis war dann der Anreiz für mich, endlich mal ein Romanprojekt anzufangen, und seitdem ist das Schreiben - mit berufsbedingten Unterbrechungen - eigentlich ein fester Teil meines Lebens geworden, und das ist sehr schön.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Nach vielen Kurzgeschichten wollte ich immer mal einen Kriminalroman schreiben, habe dieses Projekt aber immer wieder aufgeschoben. 2013 las ich dann einen Bericht über den ersten Jacques-Berndorf-Preis, mit dem Eifelkrimi-Nachwuchsautoren gefördert werden sollen, und dass dieser Preis 2014 erneut vergeben werden sollte. Das war für mich der Anreiz, mir eine Romanhandlung auszudenken, die ersten Kapitel dafür zu schreiben und mich mit der Leseprobe und dem Exposé um den Preis zu bewerben - und ich hatte Erfolg damit... Als ich erfahren habe, dass ich Preisträger bin, hatte ich dann vier Monate Zeit, den Roman fertigzuschreiben, damit er zur offiziellen Preisverleihungsfeier veröffentlich werden konnte.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Insgesamt drei Mal in meinem Leben: Erstens in der Grundschule, als ich leidenschaftlich gerne Geschichten geschrieben habe und dachte, Schriftsteller wäre ein normaler Beruf, den man eben ergreift, wie man Arzt oder Lokomotivführer wird. 

Zweitens als Jugendlicher, als ich durch Stephen King überhaupt wieder zum Leser geworden bin, von Kings Einfallsreichtum und von seinem Erfolg so beeindruckt war, dass ich auch wie King erfolgreicher Autor werden wollte, es aber nie schaffte, wirklich zu schreiben, weil mir auch einfach das theoretische und technische Know-How des Schreibens fehlte.

Und drittens, als ich, wie oben erwähnt, als Lehrer das Schreiben zum neuen Hobby machen wollte und mit viel Geduld, täglichen Übungen, Beschäftigung mit Theorie zum Handwerk des Schreibens und vor allem Willenskraft daran arbeitete, das leere Blatt zu überwinden und überhaupt es hin und wieder mal zu schaffen, aus einer einzigen Idee, einem Wort, einem Satz, einem Bild eine Geschichte zu machen. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Meinen Roman "Schandpfahl" (2014 im KBV-Verlag) und daneben einige Kurzgeschichten in Anthologien: 

"Klassenzimmer" (in der Anthologie "Der himmelblaue Schmengeling. 33 Variationen zum Glück", hg. von Katharina Joanowitsch, Schreiblust-Verlag 2011). 

"Erbsünde" (in der Anthologie "Heute hier, morgen Mord. Die besten Einsendungen zum Agatha-Christie-Krimipreis 2014", hg. von Cordelia Borchardt u. Sabine Thomas, Fischer Verlag 2014).

"Tiefe Abgründe" (in der Anthologie "Tatort Eifel 5", hg. von Ralf Kramp, KBV-Verlag 2015).

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Für die Geschichten, die in der Eifel spielen, musste ich mir ein konkretes Bild an den Schauplätzen machen. Das ist ein wenig umständlich, weil ich inzwischen in Wuppertal, 100 km von der Eifel entfernt, wohne, aber unvermeidlich. So bin ich für "Schandpfahl" zwei Mal ins Kommerner Freilichmuseum gefahren und habe mir vom sehr netten Museumsleiter auch den Betrieb im Museum erklären lassen, einschließlich der nächtliche Bewachung, denn es musste in meinem Roman glaubwürdig erklärt werden, wie ein Mörder nachts ungehindert in einem abgesicherten Museum sein Unwesen treiben kann. In meiner Geschichte "Tiefe Abgründe" spielt eine Schlucht in der Eifel eine wichtige Rolle, die ich aus meiner Kindheit kenne. Dafür hat es ausgereicht, dass ich meinen Vater, der in der Nähe wohnt, noch einmal dorthin geschickt habe, und der hat mir dann Fotos von diesem Schauplatz geschickt, so dass ich mir ein klares Bild machen konnte. Darüber hinaus ist es beim Krimischreiben ratsam, einfach mal bei der Pressestelle der Polizei anzurufen, damit die Polizeiarbeit auch glaubwürdig dargestellt werden kann. 

Wo schreibst du am liebsten?

An meinem heimischen Schreibtisch. 

Hast Du ein festes Schreibritual?

Eigentlich nicht. Um in Schreibstimmung zu kommen, hilft es manchmal, erst selbst ein paar Seiten in einem Roman zu lesen. Danach lese ich oft die letzten Abschnitte meines aktuellen Schreibprojektes, mit denen ich zuvor aufgehört habe. Wenn ich schon konkrete Ideen habe, wie ich weitermache, schreibe ich dann direkt am PC. Wenn ich Probleme habe, ins Schreiben reinzukommen, schreibe ich manchmal auch mit einem Stift drauf los, um mich "freizuschreiben". Daneben hat sich bei mir bewährt, was vielen anderen Autoren auch hilft, nämlich ein Kapitel nicht unbedingt in einer Schreibphase abzuschließen, sondern mit dem Schreiben mitten im Text aufzuhören, um beim nächsten Mal wieder besser reinzukommen. 

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ich habe vor kurzem mit dem zweiten Fall von Jan Grimberg angefangen. Die Geschichte entwickelt sich gerade mit dem Schreiben. Das brauchte ein bisschen Zeit, weil ich nach der Veröffentlichung von "Schandpfahl" erst einmal meine Doktorarbeit in Philosophie zu Ende schreiben musste. Dieses Projekt ist jetzt abgeschlossen, jetzt habe ich wieder ein wenig mehr Zeit für einen Krimi. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ganz besonders beeindruckt hat mich bis heute Hakan Nesser, durch den ich überhaupt erst zum Krimileser geworden bin. Ich liebe es, wie Nesser ein Verbrechen mit Menschlichkeit und Philosophie verbindet. Spannender als politische Intrigen oder detaillierte Arbeit von Kriminalisten finde ich die Frage, was ein Verbrechen mit dem Menschen macht, und darauf hat mich Nesser gebracht.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Von Hakan Nesser finde ich "Kim Novak badete nie im See von Genezareth", "Der unglückliche Mörder" und "Mensch ohne Hund" großartig. Ein weiteres, kürzlich gelesenes Lieblingsbuch ist "Tage des letzten Schnees" von Jan Costin Wagner. Und "Der talentierte Mr. Ripley" von Patricia Highsmith ist auch ein sehr lesenswerter Klassiker, der auch dann noch spannend zu lesen ist, wenn man die Verfilmung(en) kennt.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schreiben :-) Als "Feierabend-Autor" geht tatsächlich ein großer Teil meiner Freizeit für das Schreiben drauf. Daneben verbringe ich noch viel Zeit mit meiner Familie, dabei kann ich auch mal abschalten (es wäre ja auch bedenklich, wenn ich beim Zoobesuch mit meinem zweijährigen Sohn nur an den nächsten Mord denken würde...), und ich spiele Gitarre und Bass.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Mit dem Schreiben und der Veröffentlichung meines Romans habe ich mir schon einen sehr großen Traum erfüllt. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig natürlich, schließlich schreibe ich für Leser. Es tut natürlich auch ein wenig weh, wenn man auf der ein oder anderen Internetseite mal eine nicht so gute Kritik bekommt. Aber dem muss man sich auch stellen, wenn man Texte veröffentlicht. Einerseits sollte man das nicht zu nah an sich heranlassen, andererseits hilft ja auch negative Kritik, das eigene Schreiben noch zu verbessern.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ich freue mich über das Interesse an meinen Geschichten. Wer mehr über mich erfahren möchte, kann mal auf meiner Homepage vorbeischauen: www.stefan-barz.de


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