Interview mit Thomas Breuer

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Gerne. Ich freue mich, dass du mir Gelegenheit für dieses Interview gibst.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Klar. Ich bin 54 Jahre alt und hauptberuflich Lehrer für Deutsch, Sozialwissenschaften und Zeitgeschichte an einem Gymnasium in Büren (Kreis Paderborn). Dort lebe ich auch mit meiner Frau und meinen beiden erwachsenen Kindern und einer Menge Tieren: 1 Katze, 13 Wellensittiche, 12 Nymphensittiche, 12 Taranta-Bergpapageien und 2 Pfirsichköpfchen. Mein Streifenhörnchen ist leider 2015 als edler Greis verstorben. Und keine Angst: Alle Tiere gehören zur Familie und haben es sehr gut bei uns.

Seit wann schreibst du? 

Ich habe erst 2010 so richtig ernsthaft mit dem Schreiben begonnen und veröffentliche seitdem jedes Jahr einen Kriminalroman.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich habe häufig Urlaub auf Nordseeinseln gemacht und mit besonderer Vorliebe Krimis gelesen, die dort spielten. Irgendwann gab es dann bei einem Föhr-Aufenthalt keinen Föhr-Krimi mehr, den ich noch nicht kannte. Da habe ich gedacht, das Schreiben eines solchen könnte ein noch größeres Abenteuer sein und ungleich spannender, als das Lesen. Das hat sich dann bestätigt.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Ein Faible dafür habe ich immer schon gehabt, aber dass das irgendwann – und dann gleich mit dem ersten Manuskript – wahr werden könnte, habe ich natürlich nie zu träumen gewagt. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn ein Verlag an dich glaubt, eine Lektorin trotz aller Kritik unter dem Strich deine Texte lobt und schließlich dein eigener Name auf einem Buchcover prangt! Wenn dann noch ein paar tausend Leser deine Bücher mögen … etwas Schöneres kenne ich nicht.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Bisher schreibe ich eine Krimi-Reihe, die an der Nordsee spielt, vornehmlich auf den Nordfriesischen Inseln. Alle Bücher spielen in der heutigen Zeit, reichen aber mitunter weit in die Geschichte zurück.

2012 ist „Leander und der tiefe Frieden“ erschienen, ein Krimi vor dem Hintergrund der Geschichte Föhrs im Dritten Reich.

2013 folgte „Leander und die Stille der Koje“, der den auf Föhr tobenden „Inselkrieg“ zum Thema hat, der zwischen Bauern / Jägern und Naturschützern stattfindet.

2014 erschien „Leander und die alten Meister“, ein Krimi aus dem Milieu des internationalen Kunstraubs.

2015 wurde „Leander und der Lummensprung“ verlegt, der ausnahmsweise auf Helgoland spielt und den Streit über die Inselerweiterung und die Zukunft der Windenergie zum Thema hat.

2016 wird im Juli „Leander und der lange Schatten“ erscheinen und eine Brandserie vor der Folie der Auswanderergeschichte Föhrs und Amrums zum Gegenstand haben.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Natürlich. Meine Themen sind so differenziert und umfangreich, dass es ohne Recherche nicht geht. Ich verbringe zum Beispiel für die Überarbeitung der Bücher immer Zeit auf der jeweiligen Insel und passe Amosphäre und Lokalkolorit an die aktuellen Gegebenheiten an. Meine Leser wollen ja wiedererkennen können, was sie da lesen.

Zusätzlich muss ich thematisch immer gründlich recherchieren. Für „Leander und die Stille der Koje“ habe ich mich von dem Vorsitzenden der fraglichen Umweltorganisation zu den Schauplätzen führen und mir die Problematik vor Ort erklären lassen. Außerdem habe ich mit Jägern gesprochen, die das aber angesichts der Brisanz auf der Insel öffentlich lieber leugnen.

Für „Leander und die alten Meister“ musste ich mich mit dem weiten Feld internationalen Kunstraubs, Drogenhandels und der Versicherungsthematik vertraut machen. Alarmsysteme von Museen mussten genauso erkundet werden wie moderne Einbruchswerkzeuge. Das war schon sehr lustig, als ich auf Föhr im „Museum Kunst der Westküste“ festgestellt habe, dass ich plötzlich einen Security-Schatten hatte, weil ich mich gar zu auffällig für die Alarmsysteme interessiert habe.

Für „Leander und der Lummensprung“ habe ich auf Helgoland mit vielen Leuten gesprochen und auch Einsicht in Planungs- und Verwaltungsunterlagen bekommen. Zudem musste ich mich mit der Zuständigkeit der Wasserschutzpolizei vertraut machen und mit der chemischen Zusammensetzung des Hamburger Hafenschlicks, der selbst draußen in der Deutschen Bucht eine Rolle spielt.

Bei der Borbereitung von „Leander und der lange Schatten“ hat mir das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven sehr geholfen. Außerdem habe ich extrem viel Sekundär-Literatur und Quellenmaterial dafür gewälzt.

Wo schreibst du am liebsten?

Am liebsten schreibe ich natürlich vor Ort auf den Inseln. Das geht aber leider immer nur für ganz kurze Zeit im Urlaub. Sonst brauche ich einfach nur Ruhe. Meine Romane entstehen an allen Orten meines Hauses und auf der Terrasse auf dem Laptop.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Das ist leider immer abhängig von der Zeit, die mir zur Verfügung steht. Mit Klausurstapeln auf dem Schreibtisch komme ich gar nicht zum Schreiben. Dann ruht die Arbeit an dem aktuellen Manuskript manchmal für Wochen. Und dann kann es sein, dass ich ein paar Wochen in Folge plötzlich sehr viele Seiten produziere, weil ich z. B. samstags nach dem Frühstück mit dem Schreiben anfange und zum Abendessen von meiner Frau ins wirkliche Leben zurückgerufen werde. Diese Phasen sind die schönsten.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Oh, ja, das habe ich. Natürlich wird auch nach „Leander und der lange Schatten“ die „Leander“-Reihe weitergehen. Mir wurde gerade erst ein Thema von einem Sylter angetragen, das mich sehr interessiert und Leander auch auf die letzte Nordfriesische Insel führen könnte. Dieses Thema ist aber so brisant, dass ich noch nicht öffentlich darüber reden möchte. Und da es den Buchhändlern auf Föhr nicht gefallen wird, wenn Leander noch einmal fremdgeht, weil sie jedes Jahr ein neues Buch von mir erwarten, wird Leander auch wieder auf Föhr ermitteln. Ich schwanke momentan noch zwischen zwei Themen, die dort angesiedelt sind.

Parallel dazu habe ich gerade einen Krimi begonnen, der mit neuen Ermittlern in meinem direkten Umfeld spielt: in Wewelsburg. Dort steht nämlich die gleichnamige Dreiecks-Burg, die Himmler zu einer SS-Burg und zum Mittelpunkt der arischen Welt umbauen wollte. Wenn das kein spannender Ort ist und geradezu ideal für einen Krimi!

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Es gibt viele Autoren, von denen ich beeinflusst wurde, ohne mir anmaßen zu wollen, mich auf einer Stufe mit ihnen zu fühlen. Ich liebe die Romane von Theodor Fontane und Thomas Mann und die Dorfnovellen von Theodor Storm. Von ihnen habe ich gelernt, dass man mit Sprache nicht schludern darf und Figuren und Orte facettenreich und gründlich ausgestalten muss.

Im Krimi-Genre haben mich immer schon Wolfgang Schorlau, Christian von Ditfurth, Andreas Izquierdo und Gisbert Haefs gefesselt. Mit den ersten beiden teile ich die Überzeugung, dass Krimis eine gesellschaftskritische Relevanz haben und politisch brisant sein müssen, mit den letzten beiden die Liebe zum Humor, der auch in einem Krimi niemals fehlen darf. Reicht das an Vorbildern? Sonst liefere ich gerne noch ein paar hundert nach ;)

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Von Wolfgang Schorlau gefällt mir am besten „Die letzte Flucht“. Genauso funktioniert unser Krankheitssystem von Pharmaindustrie und Ärzten. Von Christian von Ditfurth mag ich besonders „Mann ohne Makel“, weil er in die NS-Zeit zurückführt. Außerhalb des Krimi-Genres lese ich alle paar Jahre den „Schimmelreiter“ von Theodor Storm im Wechsel mit den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann, „Ein Mann will nach oben“ von Hans Fallada, der „Feuersturm“-Trilogie von Herman Wouk, „Mephisto“ von Klaus Mann…

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Wenn ich nicht schreibe, gehe ich mit meiner Frau gerne wandern und treffe mich – vornehmlich zum Kochen und Essen – mit Freunden. Außerdem verbringe ich einige Zeit in den Volieren meiner Vögel. Eine weitere Leidenschaft gilt der Fotografie. Der Tag hat leider nur 24 Stunden – viel zu wenig, wenn du mich fragst.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ein Wunsch ist, dass meine Leser weiterhin so viel Freude an meinen Büchern haben. Vielleicht reicht es ja irgendwann auch für die SPIEGEL-Bestsellerliste, dann muss ich nicht bis 67 vor Schülern stehen, die ein halbes Jahrhundert jünger sind als ich (für wen soll das auch gut sein?). Der größte Wunsch ist aber die Verfilmung meiner Leander-Reihe.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Extrem wichtig! Ich freue mich über E-Mails und Kontakte über meine Homepage www.breuer-krimi.de. Für mich gibt es kaum etwas Befriedigenderes als ein Leser-Feedback, aus dem die Freude über die Verlängerung eines Urlaubs bis nach Hause mit Hilfe meiner Bücher spricht. Aber natürlich freue ich mich auch über konstruktive Kritik und Hinweise auf Fehler, von denen mir hoffentlich immer nur sehr wenige unterlaufen. Ohne solche Rückmeldungen kann man nicht besser werden. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Es gibt so viele hervorragende Bücher, dass man seine Zeit nicht mit schlechten vergeuden sollte. In diesem Sinne freue ich mich über jede Leserinn und jeden Leser, die ihre Zeit meinen Krimis schenken. Danke für eure Treue!


Kommentar schreiben

Kommentare: 0