Interview mit Andreas Gruber

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Bin ein 68er Jahrgang, also in der Wickie, Slime & Paiper-Zeit aufgewachsen, wie man in Österreicht sagt, d.h. ich bin mit Wickie und den starken Männern groß geworden, Raumschiff Enterprise, Magnum (der Detektiv, nicht das Eis), Clever & Smart, YPS-Heft, MAD-Magazin, den Edgar Wallace Filmen, Mit Schirm, Charme & Melone, habe 1980 mit „Back in Black“ von AC/DC meine Musikrichtung gefunden, habe Schlagzeug spielen gelernt, singe gern in Karaoke-Bars, gehe gern Asiatisch und Italienisch essen, bin Dosenöffner für fünf Katzen, habe an der Wirtschaftsuniversität Wirtschaft studiert, aber den Job als Controller nach achtzehn Jahren zugunsten der Schriftstellerei komplett an den Nagel gehängt, bin stolzer Vater von zwei Söhnen und komme – weil meine Frau sehr reiselustig ist – viel in der Welt herum. Und: Ich liebe alle Filme von Matthias Schweighöfer.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Den ersten Versuch, einen Roman zu schreiben, habe ich mit acht Jahren in den Sommerferien unternommen. Aber schon auf Seite drei waren alle Figuren tot, und somit war auch der Roman zu Ende. Aber seither wollte ich Schriftsteller werden und meine Ideen zu Papier bringen.

Mit neunzehn Jahren startete ich einen neuerlichen Versuch, Kurzgeschichten zu schreiben, die jedoch von den großen Verlagen allesamt abgelehnt wurden, und ich verwarf meine Pläne wieder, ein Autor zu werden, dessen Texte auch gedruckt werden.

Seit wann schreibst du?

Die ersten Veröffentlichungen in Magazinen und Kurzgeschichtensammlungen kamen 1997 im Alter von neunundzwanzig Jahren. Seither schreibe ich regelmäßig. Zunächst tummelte ich mich im Horror-Genre, danach im Science-Fiction-Genre und später dann auch noch im Thriller-Genre. Ich habe viel mit Shortstories experimentiert, bis ich meinen Stil gefunden habe.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Das erste eigene Buch, eine Sammlung mit neun Horror-Kurzgeschichten, erschien im Jahr 2000, mit einer Auflage von 200 Exemplaren, und nach zwei weiteren Storysammlungen wurde mein erster Roman schließlich im Jahr 2005 veröffentlicht. Ein ambitionierter Horror-Thriller mit knapp 500 Seiten. Daran habe ich zweieinhalb Jahr lang gearbeitet, weil ich nebenbei noch einen Vollzeitjob im Büro hatte. Später habe ich im Büro dann auf Teilzeit reduziert, damit mir mehr Zeit zum schreiben bleibt.

Nach zwei weiteren Thrillern nahm mich dann die Münchner Literaturagentur AVA unter Vertrag, und jene Zeit begann, als ich für den Goldmann-Verlag Thriller schreiben durfte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

So, da habe ich jetzt mal selbst in Wikipedia nachschauen müssen:

Kurzgeschichtenbände

Der fünfte Erzengel (Shayol, 2000)

Die letzte Fahrt der Enora Time (Shayol, 2001)

Jakob Rubinstein (Basilisk, 2003)

Ghost Writer (Shayol, 2011)

Northern Gothic (Luzifer, 2015)

Apocalypse Marseille (Luzifer, erscheint im Sommer 2016)

Thriller

Der Judas-Schrein (Hockebooks, 2005)

Das Eulentor (Hockebooks, 2008)

Herzgrab (Goldmann, 2013)

Peter Hogart Reihe

Die Schwarze Dame (Goldmann, 2007)

Die Engelsmühle (Goldmann, 2008)

Walter Pulaski Reihe

Rachesommer (Goldmann, 2010)

Racheherbst (Goldmann, 2015)

Maarten S. Sneijder Reihe

Todesfrist (Goldmann, 2012)

Todesurteil (Goldmann, 2015)

Todesmärchen (Goldmann, erscheint im Sommer 2016)

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ja, immer. Die Danksagung am Ende eines jeden Thrillers ist immer extrem lang, weil ich mich bei Staatsanwälten, Richtern, Rechtsanwälten, Kripoermittlern, Polizisten, Ärzten und anderen Fachspezialisten für die Zeit bedanke, die sie sich für mich und meine Fragen genommen haben, und die guten Ideen, die sie mir geliefert haben.

Auch bin ich immer vor Ort und schaue mir die Locations der Handlung an, auf der Suche nach interessanten Motiven. Die nächsten Lesereisen gehen beispielsweise nach Hamburg, Frankfurt und Salzburg – und es ist gut möglich, dass diese Städte demnächst mal in einer Thriller-Handlung auftauchen.

Wo schreibst du am liebsten?

Wenn ich einen komplett neuen Text schreibe, also wirklich kreativ abtauche, schreibe ich mit dem Notebook im Wintergarten unseres Hauses. Da bin ich am wenigsten abgelenkt. Überarbeite ich Texte oder kümmere ich mich um bürokratische Dinge wie E-Mails, Facebook, Homepage, Fanpost, Lesereisen etc., arbeite ich in meinem Schreibbüro im ersten Stock unseres Hauses.

Da ich mittlerweile immer öfter auf ausgedehnte Lesereise gehe, habe ich mit meinem Notebook – ein kleines, handliches Ding, das ich über alles liebe – auch schon in Hotelzimmern geschrieben, in Kaffeehäusern oder im Speisewagen eines Zuges.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Absolute Ruhe, frische Luft, ein Krug Wasser, keine Ablenkung und Loslegen. Und wenn es trotzdem gar nicht funktionieren will, gibt es einige schöne Übungen. Christoph Wudy, ein guter Freund, ist Mental-Coach, und mit ihm habe ich eine Zeitlang zusammengearbeitet, um kreative, motivierende und inspirierende Übungen zu finden, die es mir erleichtern, den Zugang zu einem neuen Text, einer neuen Szene zu finden. Diese Übungen werden demnächst in einem dreiteiligen Artikel in dem Schreibmagazin TextArt veröffentlicht.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Im Moment arbeite ich gerade am Schluss von „Todesmärchen“, das ist Maarten S. Sneijders dritter Fall. Abgabetermin ist der 31. März 2016, und im September 2016 erscheint der Thriller dann. Danach habe ich noch einen Vertrag für einen Thriller mit dem Goldmann-Verlag, und mein Literaturagent arbeitet gerade in der Schlussphase an einem weiteren Drei-Buch-Vertrag mit Goldmann. Also insgesamt stehen nach „Todesmärchen“ noch vier weitere Thriller in der Jobcue, wenn man so will. Der Verlag und ich sind uns bereits einig, in welche Richtung es gehen wird, aber das kann ich hier noch nicht verraten.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Jeder Autor, den ich lese, beeinflusst mein Schreiben. Die guten, weil ich mir Dinge abgucken kann, die Schlechten, weil ich davon lerne, wie ich es nicht machen möchte. Am meisten haben mich jedoch positiv beeinflusst Dennis Lehane, weil er spannende Thriller mit ausgefeilten Charakteren und guten Dialogen schreibt, Joe R. Lansdale, weil er einen schrägen, lockeren, leichtfüßigen Stil hat, David Morrell, weil er spannende Plots erfindet, Sebastian Fitzek, weil er unglaublich ideenreich ist, Charlotte Link, weil sie große Emotionen beschreiben kann und das Autorenduo Douglas Preston & Lincoln Child, weil sie so großartig recherchieren.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Bis auf die bereits oben genannten noch Ernest Hemingway, John Steinbeck, Kurt Vonnegut, Charles Bukowski, Stephen King, Dean R. Koontz, John Saul, Ben Bova, Robert Sheckley, William Tenn, Nelson DeMille, Tim Curran, Sid Fleischman, Thomas Harris, Jean-Christophe Grangé, Tommy Jaud, Richard Laymon, Richard Matheson, Matt Reilly, Michael Siefener, der Kinder- und Jugendbuchautor André Marx und Nikolai von Michalewsky, der unter dem Pseudonym „Mark Brandis“ veröffentlicht hat.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich gehe gern und regelmäßig in den Wald Nordic Walken, zweimal pro Woche mit dem mp3-Player und guten Hörspielen, schaue gern, unter anderem wenn ich auf dem Hometrainer sitze, TV-Serien aus den 60er und 70er Jahren, bin begeisterter Kinogeher, lese viel, u.a. auch Comics, Sachbücher und Kurzgeschichtenbände, und bin leidenschaftlicher Sammler von Heavy Metal CDs.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Dürfen es auch mehr sein? Einmal Urlaub in einer Blockhütte an einem See in Kanada, zwanzig Kilo abnehmen, und wenn meine Frau im Ruhestand ist, gemeinsam ehrenamtlich in einem Tierheim mitarbeiten oder selbst eine Katzenpension ins Leben rufen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Total wichtig. Wenn das Buch bereits veröffentlicht ist, kommt Kritik von den Lesern für dieses Buch zwar leider schon zu spät, aber ich nehme sie trotzdem gern auf, weil ich sie für künftige Projekte berücksichtige. Nach Lesungen höre ich mir gern an, was mir Leser über meine Bücher und Figuren sagen, und plaudere mit ihnen über die Thriller. Das motiviert mich.

Und bevor ein Manuskript an den Verlag geschickt wird, bespreche ich es mit etwa zehn bis fünfzehn Testlesern, je nachdem wer gerade Zeit hat. Das sind Freunde und Autorenkollegen, die mich schon seit vielen Jahren begleiten, und die teilweise sogar in die Entwicklung der Handlung mit eingebunden sind. Dieses Feedback ist für mich unglaublich wichtig, weil ich da noch die Zeit habe, an der Handlung und den Figuren zu arbeiten, bis alles schön rund ist.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Verdomme, ja! Freut euch auf den dritten Maarten S. Sneijder. Und danke für die Lesertreue.


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