Interview mit Veronika A. Grager

© Manfred Wasshuber

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Nun, falls es euch interessiert, ich bin eine Spätberufene, zumindest was die Veröffentlichungen betrifft. Meine ersten Romane schrieb ich 2005, das war das Jahr, als ich in Pension ging. Da hatte ich zwei Wünsche. 1. Einen Hund – es wurden zwei, zwei Golden Retriever. Einer davon, das Mädchen, ist leider nicht mehr bei uns, heute leistet eine Hündin aus einer Tötung in Rumänien dem alten Rüden Gesellschaft. Der zweite Wunsch war, das Schreiben, das immer schon ein Hobby war, zu intensivieren.

Seit wann schreibst du?

Seit ich 13 Jahre alt war. Aber mit vielen Unterbrechungen. Vor allem die beruflich bedingten vielen Überstunden als Assistentin des Geschäftsführers eines Mittelbetriebes, mein Pendlerdasein und viele ehrenamtliche Tätigkeiten (Mitarbeit beim Roten Kreuz, Mitglied einer Bürgerinitiative, die sich für die Erhaltung der Umwelt einsetzte, usw.), verhinderten regelmäßiges Schreiben.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ursprünglich war das Schreiben nur als angenehme Freizeitbeschäftigung gedacht. Doch der Erfolg, der sich nach den ersten Veröffentlichungen einstellte, spornte mich an. Und so entwickelte sich in den letzten Jahren das Hobby zu einem Fulltimejob.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Ab der Fertigstellung meines ersten Romans. Der war witzigerweise eine Liebesgeschichte. Aber schon beim Schreiben merkte ich, ich tendiere eher zur dunklen Seite :)

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Liebe? Nein Danke!, Roman, BoD, 2008

Erzberg, Krimi, BoD, 2008

Tote nur nach Voranmeldung, Kurzgeschichten, Kral Verlag, 2010

Nanobots, Wissenschaftsthriller, p.machinery, 2011

Gnadenlos, Thriller, Resistenz Verlag, 2012

Saupech, Krimi, Emons Verlag, 2013

Sautanz, Krimi, Emons Verlag, 2014

Schlossteichleich, Emons Verlag 2015

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Selbstverständlich. Die aufwändigste Recherche entfiel auf „Nanobots“. Die Nanotechnologie ist ja eine noch relativ junge Errungenschaft und der Fortschritt auf dem Gebiet geht rasend schnell. Da hieß es am Ball bleiben. Zudem spielt der Thriller neben Wien und Ramstein in Afghanistan und den USA. Da waren schon allein die Flugverbindungen, Zeitverschiebungen, Passieren der Datumsgrenze eine Herausforderung. Eine zentrale Rolle spielt auch das Biosphere 2, ein beeindruckender Gebäudekomplex in Arizona, großteils aus Glas, der aber luftdicht sein musste. 1991 ursprünglich mit dem Ziel errichtet, ein sich selbst erhaltendes Ökosystem zu schaffen. Sozusagen als Planspiel, wie das auf einem fernen Planeten funktionieren könnte. Doch bevor ich dort einen Versuch der US-Army stattfinden lassen konnte, musste ich mal herausfinden, ob das Ding noch steht, was dort heute passiert, usw.

Die Recherche für Regiokrimis ist in der Regel etwas einfacher. Aber auch nicht immer. Denn wenn Ereignisse hineinspielen, die zum Beispiel ihren Ursprung in einem Geschehen gleich nach dem 2. Weltkrieg haben, dann wird es auch schwierig. Die Zeitzeugen sind alt oder schon verstorben und viele Vorfälle wurden gar nicht oder nur sehr mangelhaft dokumentiert. Das betrifft den Krimi, den ich gerade schreibe (Der 4. Fall von Dorli und Lupo).

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer. Im Sommer auch gerne mal im Garten, in der Hängematte zwischen den Bäumen. Die Plots entwickle ich allerdings meist bei den Spaziergängen mit meinen beiden großen Hunden im Wald.

Hast Du ein festes Schreibritual?

So ziemlich. Da ich eine Nachteule bin, stehe ich selten vor 8 Uhr auf. Dann gönne ich mir ein ruhiges Frühstück und lese dabei das, was ich am Abend vorher geschrieben habe. Ich bin zwar nachts kreativer als tagsüber, die Fehlerhäufigkeit steigt aber proportional zur Uhrzeit. Dann geht’s an den Computer. Bisserl Social Media und Fehler korrigieren. Inzwischen stupsen mich die Hunde mit ihren Schnauzen an, das heißt: Komm endlich in die Gänge, wir wollen raus! Danach ein schneller Imbiss und dann wird geschrieben, recherchiert oder überarbeitet – was gerade anfällt. Gemeinsames Abendessen mit meinem Mann ist ein Fixpunkt und nachher eile ich wieder an die Tasten.

Anders schaut es eigentlich nur an den Tagen aus, an denen eine Lesung am Abend ansteht. Da halte ich mir den Nachmittag frei von Arbeit.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Projekte gibt es mehrere, die derzeit alle bei der Agentin liegen. Da ist allerdings noch nichts spruchreif.

Dass ich am 4. Teil der Reihe um Dorli und Lupo für Emons arbeite, habe ich oben schon erwähnt. Im Juli kommt auch noch ein krimineller Freizeitführer „Wer mordet schon in Niederösterreich“ bei Gmeiner, den ich gemeinsam mit meiner Kollegin Jennifer B. Wind geschrieben habe. 11 Krimis und 125 Freizeittipps entführen die Leser nicht nur in fiese Storys sondern auch an sehenswerte Orte.

Ein weiteres Projekt ist jedes Jahr ein neues Kabarettprogramm, denn Jennifer und ich halten zwar auch normale Lesungen ab. Aber unsere Aufführungen als „Die Triestingtaler Mordsfrauen“ mit kabarettistischen Texten und dazwischen Lesungen aus unseren neuesten Werken erfreuen sich immer größerer Beliebtheit.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Inwieweit sie mein Schreiben beeinflusst haben, kann ich nicht beurteilen. Aber wenn man zwischen 200 und 300 Bücher pro Jahr liest, wird man beeinflusst.

Einen Schriftsteller gibt es, der schuld dran ist, dass es überhaupt Veröffentlichungen von mir gibt. Das ist Andreas Gruber, seit ein paar Jahren ein sehr erfolgreicher österreichischer Thrillerautor. Unsere schreibtechnische „Beziehung“ reicht allerdings in meine Schreibanfänge zurück und da war Andreas Gruber noch in Kleinverlagen unterwegs. Aber er war für mich Mentor und Aufmunterer der ersten Stunde. Er hat mich auch dazu gebracht, nach jedem abgelehnten Manuskript das Ding nicht in die Lade zu pfeffern, sondern weiterzumachen.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Sebastian Fitzek, Stephen King, Preston/Child, Michael Robotham, Karin Slaughter, alles von Andreas Gruber, Marc Elsberg, und viele mehr.

Aber auch Jojo Moyes, Carlos Ruiz Zafón, Khaled Hosseini, Lucinda Riley oder Marian Keyes lese ich zwischendurch sehr gerne. Immer Mord & Totschlag geht ja auch nicht!

Besonders erwähnen möchte ich allerdings drei Kolleginnen, die vielleicht noch nicht so bekannt sind, aber für mich zu den bemerkenswertesten zeitgenössischen österreichischen Krimiautorinnen gehören:

Clementine Skorpil, deren Kriminalromane im Shanghai der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts ansiedelt sind. Vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen in China, der Verstrickungen der herrschenden Kaste mit den Triaden und dem Blühen des Opiumhandels, schafft sie berührende Figuren und einzigartige Geschichten. „Gefallene Blüten“ und „Guter Mohn, du schenkst mir Träume“.

Jennifer B. Wind hat sich ein ganz anderes Thema vorgenommen. Den Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche. Und obwohl „Als Gott schlief“ ein Thriller ist, hat sie jahrelang akribisch bei Missbrauchsopfern recherchiert. Trotzdem ist es ihr gelungen, nicht anzuklagen und zu verurteilen, sondern schlicht ein ergreifendes Sittenbild jener Zeit zu zeichnen, als die Menschen Priester noch als unfehlbare Wesen ansahen und den betroffenen Kindern nicht geglaubt wurde.

Und dann gibt es da noch ein Buch, das ich all jenen ans Herz legen möchte, die gerne mal herzlich lachen, sich von schrägen Figuren und einer abgefahrenen Handlung nicht abschrecken lassen und schon immer von einem Hausboot in Amsterdam geträumt haben: „Amsterdam blutrot“ von der Tirolerin Lena Avanzini.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Bleibt leider nicht allzu viel. Aber ich lese gerne, arbeite im Garten, gehe mit den Hunden in die Natur. Ich reise gerne, durch die Hunde, die immer mitkommen, heute nicht mehr in ferne Länder.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Seit vielen Jahren wünsche ich mir ein Wohnmobil, damit ich im Urlaub mit Mann und Hunden durch die Gegend vagabundieren kann. Denn meine schönsten Erinnerungen sind jene an Segeltörns oder die Fahrt mit dem Hausboot durch Frankreichs Kanäle, wo man jeden Abend an einem anderen Ort war als am Morgen. So viele unvergessliche Erinnerungen!

Aber leider müsste ich dafür einen grandiosen Bestseller schreiben …

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig! Wobei mir auch gerade die kritischen Stimmen wichtig sind. Selbstverständlich liest man lieber 5-Sterne-Rezensionen. Aber gerade in Fällen, wo Kritik geübt wird, möchte ich wissen, was und warum es nicht gefallen hat. Denn Autoren sind Menschen wie alle anderen, können sich irren, falsche Schlüsse ziehen, usw. Und man lernt am meisten, wenn man weiß, wo man Fehler gemacht hat. Wenn allerdings jemand schreibt: „So ein Schmarrn, schade ums Geld!“ finde ich es fies, wenn nicht wenigstens eine Begründung dabei steht.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Oh ja. Bitte, liebe Leser, hört nicht auf zu lesen. Es ist unwichtig, ob ihr das auf einem Handy, einem Tablet, Reader oder in einem Buch tut. Ob ihr dabei mit der Katze schmust, den Hund auf dem Schoß habt, oder ganz alleine im Bett liegt und vor Spannung an den Nägeln kaut. Denn Lesen bildet, öffnet das Herz für andere Länder und Sitten, bringt uns ein ganzes Universum an Wissen spielerisch näher und regt die Fantasie zu Höchstleistungen an.

Und jetzt bedanke ich mich für deine und der Leser Geduld. Ich habe viel zu viel gequatscht.


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