Interview mit Rebecca Michele

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Aber sehr gern doch!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Geboren wurde ich 1963 an einem heißen Frühsommertag (laut meiner Mutter) in Rottweil in Baden-Württemberg, einer Gegend, die von Burgen, Ruinen und mittelalterlichen Städten geprägt ist. Bereits als Kind streifte ich stundenlang durch alte Gemäuer und stellte mir vor, wie hier das Leben in vergangenen Zeiten wohl gewesen sein musste. Da ich eine Modellschule besuchte, lernte ich bereits ab der 2. Klasse die englische Sprache – das war damals eher ungewöhnlich. Somit wurde schon früh meine Leidenschaft für England und alles Britische geweckt. Glücklicherweise befanden sich im Bücherschrank meiner Mutter zahlreiche historische Romane, die in England spielten, und die ich bereits in jungen Jahren las.

Mit 12 Jahren las ich die erste Biografie über König Heinrich VIII., unzählige weitere über englische Herrscher und die britische Geschichte folgten. Als ich 1984 zum ersten Mal nach England reiste, wusste ich sofort: Das ist mein Land! 

Im Alter von 13 Jahren belegte ich meinen ersten Tanzkurs. Seitdem bin ich ununterbrochen dem Tanzen treu geblieben. Von 1985 – 2014 war ich im Turniertanzsport aktiv (Standard, Latein und Formation), seit 1989 bin ich Tanzsporttrainerin, und unterrichte noch heute im Bereich Breitensport.

Im Jahr 2000 entschloss ich mich, meinen künftigen beruflichen Weg als Autorin einzuschlagen, da ich wusste, dass Schreiben das ist, was ich bis ans Ende meines Lebens machen möchte.

Seit wann schreibst du? 

Solange ich denken, bzw. schreiben kann. Waren Schulaufsätze für andere eine Qual, konnte ich gar nicht abwarten, mit dem Schreiben anzufangen. Als Teenager habe ich all die Themen, die junge Menschen beschäftigten, in Geschichten verarbeitet.

Im Alter zwischen 18 und 20 Jahren veröffentlichte ich einige Kurzgeschichten in diversen Zeitschriften, dann trat das Schreiben etwas zurück, da neben meinem Beruf das Tanzen den ersten Stellenwert in meinem Leben eingenommen hatte.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen? 

Mein erstes Manuskript, das von Umfang her durchaus ein Buch hätte werden können, schrieb ich mit fünfzehn Jahren, weitere folgten. Die Manuskripte bekamen aber nie andere Menschen zu sehen – was auch gut und richtig war.

1989, bei meinem ersten Besuch in Cornwall, England, war plötzlich eine Idee für einen historischen Roman in meinem Kopf. Ich schrieb allerdings nur unregelmäßig an dem Manuskript, so war das Manuskript erst sechs Jahre später vollendet. Von dieser Geschichte war ich dann auch überzeugt genug, um sie an Verlage zu senden, und 1996 wurde sie mein erstes richtiges Buch – „Das Erbe der Lady Marian“, damals im Eugen-Salzer-Verlag in Heilbronn.

Danach konnte mich nichts und niemand mehr aufhalten, weitere Bücher zu schreiben.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

Ich glaube, zum ersten Mal bewusst wurde es mit vierzehn Jahren, als in der Schule die Berufsberatungen begannen. Meine Antwort auf die Frage, was ich mal machen möchte, war immer dieselbe: „Schriftstellerin oder Tanzlehrerin.“

Ich schlug dann aber doch einen ganz konventionellen Weg in anderen Berufen ein.

1999 wurde mir bewusst, dass ich meinen Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Schreiben verdienen möchte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwei Buchveröffentlichungen, die von den Lesern sehr gut angenommen worden waren, und es gab Nachfrage von Verlagen nach weiteren Manuskripten. Somit war es ein guter Zeitpunkt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Der im März erscheinende Krimi „Damenwahl“ wird meine 32 Buchveröffentlichung sein. Ich schreibe und veröffentliche in verschiedenen Genres und auch unter den Pseudonymen Ricarda Martin und Michelle Ross. In den letzten Jahren liegt mein Schwerpunkt auf Krimis, historischen Romanen und Familiensagas mit historischen Hintergründen.

Alle Bücher sind auf meiner Webseite www.rebecca-michele.de zu finden.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Eine ausführliche Recherche ist ein zwingendes Muss für mich. Da ich mich, wie oben erwähnt, seit meiner Kindheit für Großbritannien interessiere und die Insel und Irland seit 1984 regelmäßig, manchmal 3-4 Mal pro Jahr, bereise, habe ich alle Orte selbst gesehen, die ich in meinem Geschichten verwende, ebenfalls verfügte über ein fundiertes Wissen der Weltgeschichte, mit Schwerpunkt auf der britischen Geschichte, und über Kunst, Kultur, Lebensart usw. in Großbritannien.

Bei jedem neuen Projekt recherchiere ich Einzelheiten vor und während des Schreibprozesses.

Ich kenne einige Mitarbeiter der Polizei (vom Streifendienst bis zum KHK beim Dezernat für Tötungsdelikte), die mir bei der Recherche für die Kriminalromane zur Seite stehen. Natürlich ist es unmöglich, in einen belletristischen Krimi die wahre Polizeiarbeit 1:1 wiederzugeben, da diese vorrangig aus Schreibtischarbeit besteht. Das wäre für die Leser zu langweilig, deswegen können wir Krimiautoren uns nicht immer streng an die Fakten halten, sondern müssen Pep und Action in unsere Geschichten bringen. Die Grundumstände müssen aber stimmig sein und der Realität entsprechen.

Wo schreibst du am liebsten?

An meinem Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer, im Sommer auch im Garten. Zum Schreiben brauche ich Ruhe und keine Ablenkung, das finde ich zu Hause am besten.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Facebook, Twitter und Co., das Handy und mein Mailprogramm sind während eines Schreibprozesses ausgeschaltet, und da ich Milchkaffee mit viel Milchschaum liebe muss immer eine gefüllte Tasse auf dem Schreibtisch stehen.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Abgeschlossen habe ich den 6. Band der Cornwall-Krimi-Reihe mit Mabel Clarence, hier steht nun die letzte Überarbeitung an. „Gestorben wird früher“ – so der Titel – scheint im September 2016 im Dryas-Verlag.

Seit zwei Monaten schreibe ich an der nächsten Familiensaga, die unter dem Namen Ricarda Martin im November zunächst als eBook, ca. ein Jahr später dann auch als Taschenbuch im Droemer Knaur Verlag erscheinen wird. Verraten darf ich, dass die Geschichte in den 1960ger Jahren in Deutschland und in England angesiedelt ist.

Weitere Buchverträge für historische Romane und Krimis sind unterschrieben und in Planung. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Das war auf jeden Fall die englische Autorin Victoria Holt, die auch unter den Pseudonymen Philippa Carr und Jean Plaidy bekannt ist, bzw. es früher war. Wie oben erwähnt, besaß meine Mutter zahlreicher Bücher dieser Autorin, die ich bereits als Kind regelrecht verschlang. Durch diese Geschichten wurde nicht nur meine Liebe zu England geweckt, ihr Schreibstil und ihre Art der Plotgestaltung hat mich bei meinen ersten zwei oder drei Büchern geprägt.

Inzwischen hat sich der Anspruch nicht nur der Leser, sondern auch mein eigener gewandelt, und ich lasse mich von keinem anderen Autor beeinflussen, denn ich möchte nicht schreiben, wie der oder die jenige … sondern meinen eigenen Stil weiterentwickeln.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Eben Victoria Holt. Bei den heutigen Autor/-innen gibt es sehr viele, die ich immer wieder gern lese, Von folgenden Autor/-innen besitze ich alle bisher erschienenen Romane (und habe diese auch alle gelesen): Rebecca Gablé, Ken Follett, Charlotte Link, Petra Durst-Benning, Michelle Raven, Judith Lennox, Agatha Christie, Daphne du Maurier, Jane Austen und die Geschwister Brontë.

Dazwischen entdecke ich aber immer wieder auch gute Bücher von anderen Autoren, manchmal bekannt, manchmal weniger bekannt. Beim Bücherkauf schaue ich eher auf die Handlung, als auf den Autorenahme, mit Ausnahme der oben erwähnten Kolleg/-innen.

Ich habe drei Lieblingsbücher, die ich mindestens alle zwei Jahre einfach immer wieder aufs Neue lesen MUSS:

1. Die Harry-Potter-Reihe – Joan K. Rowling

2. Vom Winde verweht – Margaret Mitchell

3. Es muss nicht immer Kaviar sein – Johannes Mario Simmel

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Während meiner aktiven Zeit im Tanzsport war meine Freizeit zu ca. 90% vom Tanztraining geprägt. Auch heute gehe ich so oft wie möglich tanzen, einen Abend in der Woche gebe ich Tanzunterricht.

Ein- bis zweimal die Woche (in Urlaubs- und Krankheitszeiten auch öfters) arbeite ich ehrenamtlich im Städtischen Tierheim bei den Katzen. Ich habe selbst auch zwei Stubentiger, um die ich mich kümmere.

Etwa zwei- bis drei Mal jährlich organisiere und leite ich Studienreisen nach Großbritannien.

Regelmäßig bin ich Model eines Modehauses in meiner Stadt und präsentiere die aktuelle Mode bei Modenschauen.

Ich gehe gern wandern, auch im Winter, fahre viel Fahrrad und gehe schwimmen.

Reisen und die Welt entdecken und lesen, lesen und nochmals lesen bringe ich auch noch unter.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Als erstes wünsche ich mir, noch lange körperlich und geistig gesund zu bleiben, um noch viele gute Bücher schreiben zu können und hoffe, auch weiterhin in einem friedvollen Land leben zu dürfen, in dem alle Menschen, gleichgültig ihres Glaubens, Hautfarbe und sexueller Orientierung friedlich miteinander leben können.

Der materialistische Traum, den ich seit vielen Jahren hege, ist ein Cottage auf den Klippen irgendwo in Cornwall.

Und zu einem so richtigen Bestseller würde ich natürlich auch nicht nein sagen …

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Das ist mir sehr, sehr wichtig, denn was wären wir Autoren ohne unsere Leser? Ich liebe den direkten Austausch mit den Lesern – bei Lesungen, in Foren und bei Leserunden im Web.

Über ein Feedback freue ich mich immer, das muss auch nicht unbedingt immer positiv ausfallen. Kritik ist ungemein wichtig, es muss nur konstruktive Kritik sein. Wenn jemand schreibt: „Das Buch ist der letzte Schrott“ oder ähnlich, dann hilft mir das wenig weiter. Hier wünsche ich mir ein Feedback, aus dem hervorgeht, was dem Leser/der Leserin nicht so gut gefallen hat. Natürlich kann man nicht alle Geschmäcker bedienen, was auch gut ist, aber nur durch ein Feedback kann ein Autor sich auch weiterentwickeln.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ich danke Dir für diese interessanten Fragen und danke auch an dieser Stelle allen meinen Lesern, die mir seit vielen Jahren die Treue halten. Ihr seid für mich die größte Motivation, weitere schöne Geschichte zu entwickeln und zu Papier zu bringen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Diantha Stern (Dienstag, 01 März 2016 14:22)

    Ein tolles Interview, mit vielen interessanten Infos.
    Das zeigt mal wieder, dass es auch für Autoren wichtig ist sich von Orten und Unternehmungen inspirieren zu lassen. :-)

    Liebe Grüße
    Diantha