Interview mit Werner Gerl

© Siegfried Bruckbauer 

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich stamme aus der Hallertau, der Hopfenregion also, die einen Grundstoff für das bayerische Nationalgetränk liefert. Seit Längerem wohne ich allerdings in München - als Kabarettist, Autor und Gymnasiallehrer. Die Literatur hat bei mir eine längere Pause gemacht, weil ich an meinem neuen Kabarett-Programm "Der pure Mannsinn" gearbeitet habe. Im Februar feierte es eine sehr gelungene Premiere. 

Als Autor schreibe ich vor allem Theaterstücke (Komödien) und Krimis. Außerdem bin ich Mitglied im SYNDIKAT und Mit-Veranstalter des Münchner Krimitags.

Seit wann schreibst du? 

Seit meiner Studentenzeit.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Eher auf Umwegen. Ich habe lange nur Kurztexte, zumeist  Gedichte oder satirische Texte (u.a. für die TITANIC) geschrieben. Über das Theater bin ich zum Geschichten erzählen gekommen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Lila Zeiten (Gedichte, refugium)

Das WiesnABC (M. Naumann Verlag)

Mordsgaudi (satirische bayerische Kurzkrimis - Schardt Verlag)

Eine Art Serienmörder (Kriminalroman Schardt Verlag)

Der Goldvogel (Kriminalroman Hirschkäfer Verlag)

Champagner für den Mörder  (Kriminalroman Hirschkäfer Verlag)

Die Spur des Terroristen (Thriller Midnight)

Als Herausgeber: Wehe, wenn der Krampus kommt (bayerische Weihnachtskrimis - Allitera Verlag)

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ja, natürlich. Für meinen Thriller "Die Spur des Terroristen" habe ich mich mit einem Mann aus den USA beschäftigt, der Menschen auf legale Weise verschwinden lässt. Das war sehr spannend. Außerdem sollte die Polizeiarbeit, die im Krimi geschildert wird, schon stimmen. Die Literatur sollte hier meines Erachtens etwas genauer sein als das Fernsehen, das sich schon ganz schöne Freiheiten rausnimmt. Dafür habe ich diverse Handbücher. So Sachen wie Totenflecken, Leichenstarre sollten stimmen. Beispielsweise lassen sich geöffnete Augen einer Leiche eine Stunde nach Eintritt des Todes kaum mehr schließen, zumindest nicht mit den Fingern.  

Wo schreibst du am liebsten?

In der Sonne.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. 

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja, sogar drei. Ich habe die große Ehre, dass mich Irene Rodrian, Deutschlands erster Krimi-Autorin, gefragt hat, ob ich ihr bei der Theater-Adaption ihres Jugend-Klassikers "Blöd, wenn der Typ draufgeht" helfe. Außerdem arbeite ich an der "Der Männerrechtler", einer turbulenten Boulevard-Komödie über einen Feinschmecker, dessen Ehe, ja seine ganze Existenz gehörige Turbulenzen erlebt, als er zum "Maskulinisten" wird. Mit viel Humor wird hier ein nicht ganz einfaches Thema behandelt. Außerdem habe ich einen Regio-Krimi in der Schublade, der in meiner Heimat, der Hallertau, spielt. Dabei grabe ich den alten Brauch der Haberer wieder aus. Ermittlerfigur ist mal ein Wirt, kein Polizist. Dieses Jahr wird's mir nicht langweilig.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ja, auf jeden Fall. Die Romane von Raymond Chandler waren für mich die Einstiegsdroge in das Krimi-Genre. Was Satire anbelangt sind Max Goldt und vor allem Robert Gernhardt meine Hausheiligen. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Außer den drei oben genannten unbedingt Andrea Camilleri. Wenn ein neuer Montalbano erscheint, bin ich ca. 4 Stunden nicht ansprechbar, da könnte ein UFO neben mir landen. In den letzten 2 Jahren haben mir besonders gefallen "Ein Mann namens Ove" von Fredrik Backman, "Gone Girl" von Gillian Flynn und "Tage der Toten" von Don Winslow. Ein kleiner Geheimtipp für die Leser des Blogs: "Das Nilpferd" des genialen Schauspielers und Comedians Stephen Fry. Was für eine herrliche Geschichte! Ich beneide jeden darum, das Buch zum ersten Mal zu lesen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Mit meiner Frau löse ich gern schwere Sudokus oder Rätsel, bei denen man um die Ecke denken muss wie im ZEIT- und SZ-Magazin. Außerdem spiele ich leidenschaftlich Boule. Im lauschig-romantischen Hofgarten München in einer lauen Sommernacht erst ein kleines Picknick machen und eine Flasche Rotwein köpfen, dann Boule spielen. Was gibt es Schöneres?

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Als Autor wünsche ich mir natürlich, mal einen Bestseller zu landen. Privat sind bestimmte Reisen mein Traum. Hawaii im Januar, um Wale zu gucken, die Osterinseln und die Galapagos-Inseln. Da möchte ich noch hin, was schwierig ist, solange ich auf die Schulferien angewiesen bin.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Extrem wichtig - wie übrigens so ziemlich allen Autoren. Ich habe kürzlich wieder von einer Kollegin erfahren, wie sehr sie eine schlechte Rezension bei amazon getroffen hat. Das war für sie wie ein Messerstich. Ein guter Freund ging wegen einer schlechten Zeitungs-Kritik sogar zu einem Psychologen. Was der Künstler produziert, ist sein Kind und er hat es mit seinem Herzblut geschaffen. Da ist man schon dünnhäutig. Ich bin glücklicherweise bislang von Verrissen verschont geblieben (und hoffe, das bleibt noch eine Zeit so), aber mich interessiert natürlich sehr, was die Leser denken. Ich hoffe, das klingt nicht anbiedernd, aber man schreibt ja nicht für sich oder den Lektor, sondern für ein Publikum. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Lest weiter! Beim Lesen ist man sich näher als beim Fernsehen!


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