Interview mit Angelique Mundt

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin waschechte Hamburgerin. 50 Jahre jung. Alle guten Dinge sind drei, also habe ich drei Berufe. Ich bin seit über 20 Jahren Psychotherapeutin (10 Jahre Psychiatrie und seit 10 Jahren in meiner eigenen Praxis). Seit 2009 arbeite ich als Psychologin in der Krisenintervention für die Polizei. Hier leiste ich „Erste Hilfe für die Seele“ bei überlebenden Opfern, Augenzeugen und Angehörigen von traumatisierenden Ereignissen. Z.B. nach Verkehrsunfällen mit Toten, Suizid eines Familienangehörigen, Tötungsdelikte oder andere Gewalterfahrungen wie Vergewaltigung oder Raubüberfall. So überbringe ich z.B. mit der Polizei auch Todesnachrichten in ahnungslose Familien.

Und zu guter Letzt bin ich Schriftstellerin geworden.

Irgendwo musste ich ja mit meinen ganzen Geschichten, Gefühlen und Gedanken hin!

Seit wann schreibst du?

Noch nicht so lange. Mein erstes Buch „Nacht ohne Angst“ erschien 2013, das zweite „Denn es wird kein Morgen geben“ 2015. Aber ich habe noch viel vor :)

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich gehöre nicht zu denen, die schon immer geschrieben haben. Ich gehöre zu denen, die schon immer gelesen haben :) Durch meine Arbeit in der Psychotherapie und in den Einsätzen für die Polizei werde ich täglich mit heftigen Emotionen konfrontiert. Für mich ist es eine Art Psychohygiene, meinen Gefühlen und dem Erlebten, Sprache zu geben, Worte zu finden. Auch die Arbeit in der Krisenintervention muss auch irgendwie verarbeitet werden. Für mich ist es das Schreiben. Und hier schließt sich der Kreis. Ich bin Psychotherapeutin. Ich arbeite eng mit Polizei zusammen. Ich habe einen Kriminalroman geschrieben. Und obwohl der Roman Fiktion ist, ist es doch meine tägliche Realität.

Ich liebe Spannung, intensive Gefühle und die wunderbaren menschlichen Fähigkeiten, mit dem Leben zurechtzukommen. Und genau das finde ich in diesen drei Bereichen. Es ist wie eine Einheit.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Als mein erster Text langsam Gestalt annahm. Ich habe gedacht: Schick es doch mal jemandem, der was davon versteht. Vielleicht gefällt es ja. Und tatsächlich: Drei Literaturagenten boten mir einen Vertrag an. Ich war im siebten Himmel. Ach was, ich bin es noch.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

2013 erschien im btb-Verlag der erste Tessa Ravens Roman „Nacht ohne Angst“. 2015 erschien die Fortsetzung „Denn es wird kein Morgen geben“. Der dritte Teil erscheint in 2017.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Für mein erstes Buch musste ich nicht viel recherchieren. Es spielt in der Psychiatrie. Und da kenne ich mich aus. Für „Denn es wird kein Morgen geben“ habe ich vor allem Dinge recherchiert, die mich interessiert haben: So war ich z.B. auf dem Schießstand der Polizei und habe dort selber geschossen.

Für den dritten Teil der Tessa-Reihe bin ich vor allem in verschiedenen Abteilungen des LKA unterwegs gewesen, um mir Rat und Tat zu holen. Sehr spannend.

Wo schreibst du am liebsten?

Zu Hause. Am Küchentisch. Klingt blöd, ich weiß. Ist aber so. Es ist warm, trocken, ruhig, gemütlich und es gibt unendlich viel Kaffee. Was will ich mehr?

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, leider gar nicht. Ich hätte gerne eines. Dann wäre ich sicher disziplinierter.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Mein Herzensprojekt: Im Oktober 2016 erscheint im btb-Verlag mein Sachbuch „Erste Hilfe für die Seele – Einsatz im Kriseninterventionsteam“ über meine Einsätze mit der Polizei. Das wird ein ganz besonders emotionales Buch. Ich bin sehr gespannt, wie die Leser das finden. So etwas gibt es in dieser Form noch nicht.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Beeinflusst im stilistischen Sinne nicht. Aber ich lerne von jedem guten Buch was ich lese. Ich versuche vor allem die deutschen Kriminalautoren zu lesen, denn hier gibt es unglaublich viele gute und talentierte Kollegen. Es müssen nicht immer die Amerikaner oder Skandinavier sein.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich lese alles von Jan Costin Wagner, Bernhard Jaumann, John Katzenbach, Michael Robotham ... ach, es gibt so viele gute Autoren.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich trommele seit ein paar Jahren in einer Samba-Percussion-Band. Wir sind ca. 50 Trommler und bei Auftritten bebt der Asphalt! Beim Trommeln ist es egal, wer du bist und was du tust – du musst den Rhythmus im Blut haben, nur das zählt. Herrlich: Kopf ausschalten und los geht’s.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ach, ich würde gerne vom Schreiben leben können. Ich stelle mir das so vor: Ausschlafen, in der Ostsee schwimmen, am Strand zum Kiosk joggen und Brötchen holen. Lange frühstücken. Zeitung lesen. Mails bearbeiten. Noch mal schwimmen gehen. Mittagspause. Spazieren gehen, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Kaffee trinken. Abendessen vorbereiten und mit Freunden den Feierabend einläuten. Grillen. Oh Gott, für’s Schreiben ist es heute zu spät. Naja, morgen ...

Im Ernst: Ich möchte jeden Tag mehr lernen, nur die wirklich wichtigen Dinge zu tun. Mit meinen lieben Menschen Zeit verbringen und das Leben zu genießen. Ich möchte immer weniger die Erwartungen von anderen erfüllen und Dinge tun müssen, die ich nicht richtig finde. Daran arbeite ich hart.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Wobei es auch problematisch ist. Ich freue mich so sehr über Lob und einen begeisterten Leser, dass es mir den ganzen Tag versüßt.

Aber ich bin auch geknickt und gekränkt, wenn jemand meine Geschichte nicht mag. Am schlimmsten ist es, wenn ich mich unverstanden fühle. Wenn also Dinge kritisiert werden, die in der Realität wirklich so sind, aber von den Lesern nicht erkannt werden. Wir sind durch die vielen Fehler in den Fernseh-Krimis ziemlich verdorben. Wenn man dann schreibt, was ein Kriminalkommissar tatsächlich nur tun darf oder eben auch nicht, dann wird das bemängelt. Oder glaubt tatsächlich noch jemand, dass man zur Identifizierung seiner Angehörigen in die Rechtsmedizin geht, damit dort jemand ratternd eine Bahre aus dem Kühlfach zieht und ein Laken zurückschlägt, damit man einen Blick auf den Kopf des verstorbenen Kindes/Partner o.ä. erhaschen kann? Das gibt es nur im Tatort. Aber wehe, man schreibt es nicht genau so.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Wer bis hierhin durchgehalten hat: Danke für’s Lesen! Und danke dafür, dass ihr Bücher genauso mögt wie ich. Das verbindet uns!

Und wer sich für meine Bücher interessiert: www.angelique-mundt.de


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