Interview mit Helmut von Scheurl-Defersdorf

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin in einer Familie mit 7 Geschwistern auf dem Lande aufgewachsen und hatte noch lange Zeit Traumata aus dem 2. Weltkrieg 

zu vearbeiten, wie man sie als Kind von 4-5 Jahren eben erleiden kann. Unsere Familie war 1943 in Dortmund ausgebombt worden. 

In der Landschule war mein Vater bis zur 2. Klasse mein Lehrer, danach unterrichtete mich mein ältester Bruder. 

Die 6 Jahre danach im 7 Kilometer entfernten Gymnasium der Kleinstadt mit zig kleinen Fabriken, in welchem die Kinder 

der Bonzen bevorzugt wurden, waren auch nicht meine schönste Zeit. Nur eine Deutschlehrerin wurde für mich dort durch 

ihren interessanten und offenen Unterricht zum Vorbild, weshalb ich auch nach meinem "Ausflug in die Welt des Handwerks" 

schließlich selbst Pädagoge mit einer recht ansehnlichen Laufbahn wurde, die mit der Pensionierung als Realschulkonrektor 

und Zweitprüfer für Deutsch-Sprachwissenschaften an einer Universität endete. Danach traten weitere Interessen mehr in den 

Vordergrund: Singen in einem Shanty-Chor, Leitung desselben, Texten und Arrangieren der jährlichen Bühnenshow als mitspielender 

und mitsingender Schauspieler sowie Regisseur. Daneben trat die Leitung einer jährlichen Lyrik-Werkstatt sowie eines monatlichen 

Literaturtreffs neben dem ab 2009 intensivierten Schreiben.

Seit wann schreibst du? 

Ich schreibe seit 1983 Lyrik und Kurzgeschichten, seit 2009 intensiv Kriminalromane.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Da gibt es zwei Wurzeln. Zum einen musste ich beim Suchen nach passenden Texten in meinem Deutsch-Unterricht und auch 

Sozialwesen-Unterrichtfeststellen, dass ich schneller passende Geschichten schreiben als aus einem großen Fundus 

heraussuchen konnte. 

Die andere Wurzel ergab sich aus dem ursprünglichen Wunsch, über den Kriminalroman der DDR zu promovieren. 

Nachdem meine Gliederung zur Dissertation bereits abgesegnet war, meinte ich, dass ich über fremde Kriminalromane 

nur ehrlich und gerecht urteilen könne, wenn ich selbst zumindest einen geschrieben hätte und so damit vertraut wäre. 

Danach entstand noch ein zweiter Kriminalroman mit demselben Ziel. Danach bin ich dabei geblieben und habe die Idee 

der Dissertation aufgegeben. Die beiden Krimis "Unter dem Moos" und "Münztank" blieben zunächst in der Schublade. 

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Ich wusste dies erst, als ich meinen ersten Kriminalroman veröffentlicht hatte. Alles davor hielt ich eben nur

für gekonnte "Fingerübungen". Mit meinem ersten, 2009 veröffentlichten Krimi "Apfelernte" (innerhalb 6 Wochen 

geschrieben und nach der 8. Woche vom Verleger angeboten) war ich dann soweit, mein Hobby etwas ernster zu betreiben.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Ich habe zuerst einen Lyrik-Kalender und Lyrik-Kartensätze (Buchführen über Tage / Regentag / Sonnentag) veröffentlicht, 

danach als erstes 40seitiges Buch ein Beziehungsmärchen für Erwachsene, das Märchen und Lyrik verbindet und von meiner 

dritten Ehefrau mit Federzeichnungen illustriert wurde (Das Haus an der Sonne).

Danach entstanden ab 2009 in schneller Reihenfolge die Kriminalromane "Apfelernte", "Hänselejuck", "Lokalredaktion", 

"Himbeerschlag", "Unter dem Moos", "Seegras", "Maut", "Schlehenbusch", "Gletschermühle" und zuletzt ein Sammelband von 

Kurzprosa und Lyrik "Tagesgeschäfte".

In Vorbereitung (Druck demnächst) ist der Krimi "Münztank" (300 Seiten)(eigentlich mein erster Entwurf eines Krimis). 

Für den Herbst ist die Veröffentlichung eines 105-seitigen Ratgeber vorgesehen: "Werde selbst dein bester Freund"

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Klar habe ich alle Schauplätze und mögliche Umstände recherchiert. Das Internet bietet viele Möglichkeiten der 

Information.Für "Unter dem Moos" bin ich sogar am Schauplatz in der Slowakei gewesen. Aber für Krimis benötigt 

man darüber hinaus Gespräche mit Fachleuten bei Seminaren (z.B. des Syndikats) und sehr viel "realitätssichere" 

Phantasie. Ohne die letzte geht eigentlich nichts beim Erfinden von möglichen Geschichten.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe am liebsten an meinem Notebook in meinem Arbeitszimmer, wo ich den alten Schreibtisch meiner Ehefrau

zu einem sehr praktischen Arbeitsplatz umfunktioniert habe. Notizen per Hand fertige ich nur seltenst an nach der 

Devise "Was ich nicht im Kopf behalte, war vermutlich nicht wichtig genug!" Sobald die Idee da ist und ich weiß,

wie meine "Geschichte" enden soll, fertige ich den Plott mit den Personen und wichtigsten Handlungen. Der Rest fällt

mir dann beim Schreiben wieder ein.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Ein festes Schreibritual gibt es bei mir nicht. Ich gehe nur beim Weiterschreiben zuerst kurz den Plott durch, 

den ich nach dem Entwurf immer (in einer anderen Schrift) am Textende "vor mir herschiebe" und "abarbeite".

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Neben den oben erwähnten Projekten "Münztank" und "Werde selbst ..." für 2016 stehen zwei weitere an. 

Für 2018 habe ich meinen Bodensee-Abschieds-Krimi "Schnitzeljagd" geplant, vielleicht noch für 2019 einen 

Krimi "Joshua II", der ebenfalls dort spielt. 

Zuvor muss ich aber 2017 einen Krimi fertigstellen, der mir bisher nur im Kopf herumspukt: "Kastanienfest"

Dieser Krimi spielt natürlich in meiner neuen Heimatgegend Burgenland.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ich habe mit großem Interesse alle Bücher von Friedrich Glauser gelesen. Ich liebe dessen komplizierte 

Erzählweise. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Meine Lieblingsautoren sind in dieser Reihenfolge: Friedrich Dürrenmatt, Adalbert Stifter, Heinrich Böll,

Günter Grass 

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Mit meinem 1986 durch einen Sportunfall ramponierten rechten Knie (inzwischen Gelenksprothese) bin ich leider 

nicht mehr beweglich genug zum Skifahren (Gruppen-Lehrschein) und zum Fußball. Ich beschränke mich auf kurze Wanderungen 

und werkele sonst in meinem Garten oder erledige nötige Reparaturen am Haus. Aus dem anfallenden Obst stelle ich Wein her,

soweit es dafür geeignt ist oder koche mit meiner Frau zusammen Marmelade. Für meine Keramikarbeiten fehlt mir inzwischen 

leider die Zeit, weil ich mich um die Betreuung meiner Frau kümmern muss.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Nachdem ich 1989 zuletzt auf Hawaii war und Oahu, Big Island sowie Maui besucht habe, möchte ich gern noch

die fruchtbarste der Inseln, nämlich Kauai besuchen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Es ist mir wichtig. Leider gibt es bei Kriminalromanen als "Verbrauchsliteratur" nicht so oft ein Feedback. Meist 

beschränkt es sich bei Lesungen darauf, wann das Buch verfilmt würde. Zwar nett, aber nicht sehr hilfreich. 

Hilfreich war bisher nur der Hinweis einer guten Bekannten zu meinem Typoskript "Münztank". Darauf hin habe ich den 

Schluss deutlich gekürzt, aber die "dunklen Charaktere" im Buch nicht mehr sehr "aufgehellt", da sie nur nette Tier-

geschichten schreibt, was mit Krimis nicht besonders harmonieren kann. Kurz gesagt: Wenn Kritik (positiv oder negativ), 

dann möchte ich auch gern die dahinter stehende Erfahrung zumindest vermuten dürfen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Wer meine Bücher liest, kann mich gern auf www.lyrik-abc.de oder www.verara.at besuchen und mich an-mailen.

Feedback willkommen.


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