Interview mit Lara Möller

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Vielen Dank, dass ich die Fragen beantworten darf!

Mein letztes Interview habe ich vor über zehn Jahren geführt, es ist also etwas besonderes :-). 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich wurde 1978 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau gemacht und anschließend fast fünf Jahre bei einem großen Hamburger Schiffsmakler gearbeitet. 

2006 überfiel mich eine Art verfrühter Midlife-Crisis und ich brauchte dringend eine private und berufliche Veränderung. Meine Wahl fiel auf Travel & Work in Australien. Mit einem befristeten Arbeitsvisum bin ich für zehn Monate ans andere Ende der Welt abgehauen und als Rucksacktouristin durch Australien und Neuseeland gereist. Eine eindrucksvolle Erfahrung. 

Seit meiner Rückkehr nach Hamburg im Jahr 2007 arbeite ich wieder in der Schifffahrt. Im Januar 2016 ist mein erster Thriller Detroit Undercover beim Verlag p.machinery erschienen. Mein erster Hamburg-Krimi ist ebenfalls fertig und wird hoffentlich bald einen Verlag finden. 

Seit wann schreibst du? 

Geschichten geschrieben habe ich seit meiner Grundschulzeit.

Unsere Lehrerin hat uns damals oft kurze Erlebnisberichte schreiben lassen, in denen wir erzählen sollten, was wir am Wochenende gemacht haben oder was im letzten Urlaub passiert ist. Kurz waren meine Berichte allerdings eher selten.

Mein erstes 'Buch' habe ich mit etwa vierzehn Jahren in Angriff genommen. Mit einer alten Schreibmaschine bewaffnet, habe ich angefangen, die Geschichte einer Jugendbande in einer kargen, unfreundlichen Zukunftswelt zu schreiben. Beendet habe ich die Geschichte leider nie, aber die rund hundert Seiten, die ich zu Papier gehämmert habe, liegen gut behütet in einer Schublade.

Zwei Jahre später habe ich den nächsten Versuch unternommen. Wieder eine Ganggeschichte, diesmal mit New York als Schauplatz. Schnelle Autos, Schlägereien, Mord, verbotene Liebe, schärfste Rivalen, die am Ende zu Freunden werden, alles war dabei. Allerdings kaum druckreif. 

Man könnte die Geschichte durchaus als Vorläufer für Detroit Undercover sehen ... 

Richtig ernst wurde es dann mit Anfang Zwanzig.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Während meiner Schulzeit war ich aktive Rollenspielerin. In der achten Klasse habe ich mit 'Das Schwarze Auge' angefangen und später zu 'Shadowrun' gewechselt. Von einer mittelalterlichen, recht zahmen Phantasiewelt in eine dreckige, gewalttätige Zukunftsversion unserer Welt. Ich ging komplett in dem Rollenspieluniversum auf und las viele der Romane, die zu dem Rollenspiel erschienen sind. Einige gefielen mir gut, doch die meisten waren eher enttäuschend. Ich war überzeugt, eine bessere Geschichte erzählen zu können. Also fing ich an zu schreiben. Das Ergebnis war Ash, mein erster Roman, der damals bei Fantasy Productions erschienen ist. 

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

Der Erfolg von Ash hat mir das nötige Selbstvertrauen gegeben, es als Autorin zu versuchen. Vor der Veröffentlichung war es einer dieser Träume, von denen man nicht weiß, ob sie jemals wahr werden. Hinterher war alles klar. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Ash

Flynns Weg

Quickshot

Dark Desires - Im Bann der Unsterblichkeit

Detroit Undercover 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ich recherchiere für jedes Buch ausgiebig. 

Für Detroit Undercover habe ich jeden Bericht über Detroit gelesen, den ich im Internet finden konnte. Ich habe Bilder, Informationen und Daten über die desolaten Zustände in der Stadt gesammelt, über die Geschichte, die einzelnen Stadtteile und die politische Situation zum Zeitpunkt der Handlung. Ich habe Kriminalstatistiken und -publikationen studiert, um u.a die realen Transportwege der Drogen- und Zigarettenschmuggler herauszufinden, und mir außerdem ein Bild davon gemacht, welche Behörde in den USA für welche Verbrechen zuständig ist (ATF, DEA etc.).  Und ich habe ein komplettes Do-It-Yourself-Buch über die Restaurierung alter Autos gelesen. Nicht zu sprechen von der Suche nach den passenden Fahrzeugen für die Hauptcharaktere …

Bei meinem Hamburg-Krimi war es etwas leichter. Da konnte ich einfach mit meinem Camcorder losziehen und die Schauplätze filmen oder an einer Stadtteilführung teilnehmen. Umfangreich war die Recherche trotzdem.

Wo schreibst du am liebsten?

Auf meinem Sofa im Wohnzimmer. 

Hast Du ein festes Schreibritual?

Durch meinen Vollzeitjob komme ich meist nur an den Wochenenden zum Schreiben. Dann gehören die Vormittage dem Buch. Ich stehe früh auf – häufig schon gegen halb acht -, mache Frühstück und setzte mich an den Laptop. Der Tee ist am wichtigsten. Schwarzer Tee mit Milch und Zucker, ohne den geht nichts. Dazu gute Musik und es läuft.    

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ich habe mit der Fortsetzung meines Hamburg-Krimis angefangen. Es ist zwar ein Wagnis, den zweiten Teil eines Romans zu schreiben, für den man noch keinen Verlag gefunden hat, aber die Geschichte brennt mir unter den Fingernägeln. Ich liebe Privatdetektive und in den Hamburg-Krimis spielt eben ein junger Privatdetektiv die Hauptrolle. Da kann ich nicht widerstehen. 

Ein weiteres Projekt ist ein Krimi, der in Irland spielt. Eventuell wird es auch ein Thriller, je nach dem, wie sich die Geschichte entwickelt.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Den größten Einfluss hatte wohl Craig Russell. Seine Lennox-Serie hat mich dazu inspiriert, Detroit Undercover in diesem düsteren, schnörkellosen Stil zu schreiben. Außerdem hat er mich auf die Idee gebracht, meinen eigenen Privatdetektiv zu erfinden. Vielen Dank dafür :-).

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Lieblingsautoren: Craig Russell, Adrian McKinty, Ian Rankin, Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Terry Pratchett (ein Ausreißer in die Fantasy)

Lieblingsbücher : Craig Russel – Lennox 

                             Adrian McKinty – The Cold Cold Ground (Der katholische Bulle) 

                             Terry Pratchett – Guards! Guards!

                             Don Winslow – Dawn Patrol

                             Martin Cruz Smith – Wolves eat Dogs   

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Wenn ich nicht an einem Buch arbeite, gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio, treffe mich mit Freunden, nehme jeden Marvel- und Actionfilm im Kino mit, gehe zu den Konzerten meiner liebsten Metal-Bands und plane den nächsten Wanderurlaub. Manchmal lege ich auch die Beine hoch und mache nichts. Kommt allerdings selten vor.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ein Wunsch für die Zukunft: Wieder einen Roman bei einem der großen Verlage zu veröffentlichen.

Ein Traum: Mehr Zeit für meine Bücher zu haben. Der Spagat zwischen Vollzeitjob und Schreiben ist eine ständige Herausforderung.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig. Schließlich möchte ich wissen, ob ich eine gute Geschichtenerzählerin bin oder nicht. Und ob sich die vielen vielen Stunden vor dem Laptop gelohnt haben. Eine tolle Rezension ist die schönste Belohnung für harte Arbeit und die beste Motivation, um weiterzuschreiben. 

Negatives Feedback findet natürlich kein Schriftsteller gut, aber wenn es sachlich ist, bin ich auch darüber froh. Mein Schreibstil ist längst nicht ausgereift. Ich lerne mit jedem neuen Buch dazu und versuche, mich zu verbessern. 

Manchmal ist auch einfach bei der Korrektur oder dem Satz etwas daneben gegangen oder übersehen worden. Dann bin ich sehr dankbar, wenn Leser mich auf Rechtschreibfehler hinweisen, weil ich die Information direkt an den Verlag weiterreichen kann.   

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei den zahlreichen Rezensenten bedanken, die Detroit Undercover beste Bewertungen gegeben haben. Es war ein langer und steiniger Weg, dieses Buch zur Veröffentlichung zu bringen. Deshalb ist jede positive Bewertung ein Triumph über die Zweifler und Nein-Sager. 

Und immer weiter Bücher lesen! Es gibt nichts schöneres, als sich in eine Geschichte fallen zu lassen und für ein paar Stunden die Welt um sich herum zu vergessen.


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