Interview mit Heinrich-Stefan Noelke

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu 

beantworten :)  

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen? 

Ich bin gebürtiger Nordostwestfale und wohne seit ein paar Jahren mit meiner 

Familie in Osnabrück ... bei den niederen Sachsen also, die historisch gesehen 

ein wahrlich streitbares Volk waren. Uns geht es ganz gut hier, ich habe keine 

Katzen, bin aber verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. 

Man muss die Leute sehr mögen, um so über sie schreiben zu können ... so staunte 

mal ein früher Kritiker über meine Texte. Diesen Satz habe ich als großes 

Kompliment aufgefasst. Meine Geschichten handeln nicht von Verbrechern und 

Mafiosi, nicht von Perversen und Verschwörern, sondern von Menschen, die ihr 

Leben leben. Von ihren Strategien, sich durchzusetzen. Wie weit ist man selbst 

davon entfernt, jemanden umzubringen? Das ist die Frage, die mich einen Krimi 

schreiben lässt. Meine Geschichten sind mit ostwestfälischem Ernst geschrieben, 

niemals niedlich, voller Respekt, Humor sogar, eigener Betroffenheit und einem 

staunenden Blick auf die Welt. 

Seit wann schreibst du? 

Mit dem Schreiben habe ich so um 2002 begonnen. Ich habe bis 2008 gebraucht, bis 

es gut genug war, um es zu veröffentlichen. Meine ersten beiden Romane (einmal 

Abenteuer und einmal spanischer Krimi; beide vergriffen) gehören immer noch zu 

meinen liebsten Werken, obwohl der jetzt dritte Osnabrück-Krimi ihnen den Rang 

ablaufen könnte. Daneben und mit besonderem Genuss schreibe ich Kurzgeschichten. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Von Haus aus bin ich gelernter Metzger (kein Scherz) und studierter 

Betriebswirt. Gedacht war, dass ich in die Geschäfte unseres 

Familienunternehmens eintrete - ein mittelständischer Fleischwarenbetrieb. Bis 

1997 ging das sehr gut. Ich habe es bis zum Geschäftsführer gebracht. Dann 

jedoch wurde mein Vater sehr schwer krank. Er akzeptierte nur mich zur Pflege. 

Ich legte also meine Ämter nieder und beschränkte mich auf den Beirat. 

Irgendwann fiel mir ein Prospekt für Fernstudiengänge in die Hand. Dort konnte 

man Autor werden, und genau das habe ich getan. Es ließ sich sehr gut mit meinen 

damaligen Aufgaben vereinbaren. Ich bin dabei geblieben und habe bis jetzt fünf 

Bücher und eine Vielzahl von Kurzgeschichten veröffentlicht. Meine Liebe zu 

Sprachen kam mir dabei sehr entgegen. Ich habe in England, Frankreich und 

Spanien studiert und gearbeitet. 

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Ich wusste das genau an dem Tag, an dem ich den Prospekt zu diesem 

Fernstudiengang in Händen hielt. Eine ganz normale Fernuni, von der es mehrere 

gibt. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Das ist eine längere Liste: 

• Das Schwanken am Rande der Welt

• Das Kind im Glas

• Tod an der Hase

• Piesberg in Flammen

• Ossenwut 

... und mehrere Kurzgeschichten, darunter:  

• Sünne Peider oder Ein tiefes Schweigen

• Die Insel

• Trutz nu, Blanke Hans

• Die Tasche voller Wunder

• First the Dogs

• Üffes lernt schlachten

• Ein tollkühner Frieden

• iPan iVino

• Leben und Sterben auf den sonnigen Inseln

• Schläge an die Eisentür

• Alice im Wunderland

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ich recherchiere sehr viel. Wozu schreiben, wenn man nicht hinfahren kann, um 

nachzusehen? Für meinen aktuellen Roman Ossenwut bin ich stundenlang auf 

Kirchtürmen herumgekrochen, bis in die obersten Spitzen hinein. Ich bin auf 

Friedhöfen gewesen und habe Bestattungsunternehmer interviewt. Ich bin viel mit 

meinem eBike unterwegs, wie mein Held Hero Dyk, und finde dabei meine 

Schauplätze. Für die Kurzgeschichten bekomme ich oft einen Ort vorgegeben. Dort 

fahre ich gerne hin, sehe mich ein paar Tage um und versuche zu verstehen, was 

genau ich sehe, höre, rieche und begreife. Worin unterscheidet sich dieser Ort 

von anderen? Für meine Inselgeschichten fahre ich mit dem Segelboot, für den 

Hundeschlittenroman war ich mehrfach bei eisigen Temperaturen mit Huskys 

unterwegs ... In Schweden, Norwegen und Finnland.   

Wo schreibst du am liebsten? 

In meinem Garten steht ein altes Waschhaus, das ich mir ausgebaut habe. Dort 

schreibe ich und dort mache ich meine Musik. 

Hast Du ein festes Schreibritual? 

Ich habe festgestellt, dass ich ab 16:00 Uhr am besten schreiben kann. Ich 

beginne jeweils mit handschriftlichen Notizen. Meine Notizbücher sind sehr 

wichtig. Dort hinein ziehe ich mich zurück, um nachzudenken. Ich habe immer ein 

solches Heft dabei. Viele Szenen in meinen Büchern habe ich direkt daraus 

übernommen. 

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ich habe fast zu viele neue Projekte, als dass ich sie bewältigen könnte. 

Aktuell bereite ich meine nächsten Lesungen vor. Ich inszeniere meine Auftritte 

mit elektronischer Musik sowie Stimmen, Geräuschen und Lauten vom Computer. Das 

beschäftigt mich derzeit fast vollständig. Konkret ist ein Kochbuch, an dem ich 

mit einem Kollegen zusammen arbeite. Gerne würde ich einen Abenteuerkrimi 

schreiben und sehr gerne etwas über Unternehmerfamilien. Nebenbei spiele ich den 

Bass in der wohl weltweit einzigen Rockband, die nur aus Krimiautoren besteht: 

Hands Up! & The Shooting Stars. Musik ist sehr wichtig für mich. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Georges Simenon hat mich sehr beeinflusst. Sein unprätentiöser Stil. So schreibt 

heute niemand mehr. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Vor dieser Frage habe ich große Angst, denn es gibt so viele. Annie Proulx 

begeistert mich. Die Schiffsmeldungen und ihre Kurzgeschichten wie Brokeback 

Mountain. Die simplen Abenteuergeschichten eines Glenn Meade, Sam Llewellyn oder 

Hamond Innes fallen mir ein. Aber es gibt noch mehr. 

Was machst du gerne in deiner Freizeit? 

In meiner Freizeit fahre ich mit dem Rad. Ich tuckere mit der Familie auf einem 

Hausboot durch Kanäle oder ziehe mit dem Segelboot über das Meer. Früher habe ich viel Golf gespielt, aber das ist weniger geworden. Ich spiele gerne auf 

meinem Bass oder probiere neue Sounds auf dem Computer aus. 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du 

dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ein Wunsch, ein Traum, wenn man so will, ist, dass mein nächster Roman ein 

wirklicher Erfolg wird. Ebenso die die von mir inszenierten Lesungen. Aber mit 

Träumen ist das so eine Sache: Meist kann einem nichts Schlimmeres passieren, 

als dass sie in Erfüllung gehen. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Jedem, der schreibt, ist es wichtig, zu hören, wie es den Lesern gefällt. Bis 

auf denen vielleicht, die wirklich großen Erfolg haben. Wenn ich die Leute 

treffe, dann haben sie meine Büchern jedoch meist noch nicht gelesen. Sie kaufen 

sie gerade. Das heißt, ich kann nicht mit ihnen über den Inhalt reden, was mir 

viel Spaß macht. Warum ich dieses oder jenes so geschrieben und nicht anders. 

Was das alles bedeutet. Das kommt meist zu kurz. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas 

sagen? 

Ich glaube, ich habe schon zu viel erzählt. 


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