Interview mit Lotte Kinskofer

© foto art Regensburg, Elisabeth Wiesner 

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich heiße Lotte Kinskofer und wohne in München. Ich wollte immer einen Beruf, der mit Lesen und Schreiben zu tun hat. Nach dem Studium habe ich erst als Journalistin gearbeitet, heute schreibe ich vor allem Drehbücher sowie Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Seit wann schreibst du?

Mit dem Schreiben von Romanen habe ich erst ziemlich spät angefangen, weil ich mich lange nicht getraut habe. Erst nach einer Drehbuchfortbildung hatte ich den Mut, auch eigene Geschichten zu erzählen und nicht nur als Journalistin das zu berichten, was andere mir erzählt haben. Da war ich immerhin schon 35 Jahre alt.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich habe die Ausschreibung zu einem Romanwettbewerb gesehen und wollte gerne mitmachen. Leider bin ich nicht rechtzeitig fertig geworden, aber “Die Agentur der bösen Mädchen” ist trotzdem erschienen.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

s.o.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Bilderbücher wie “Der Tag, an dem Marie ein Ungeheuer war”, Kinderbücher wie “Der Klavierling”, sogenannte Frauenbücher wie die oben erwähnte Agentur und “Die Sextanten” (als E-Book heißt es “Nur mir ganz allein”), Krimis, die in Regensburg spielen wie “Wirtshaussterben”, Krimis und Thriller für Jugendliche, zuletzt “Wach auf und schrei”. Ich kann mich nicht entscheiden – ich möchte für jede Altergruppe schreiben und am liebsten auch jedes Genre mal ausprobieren.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ja, unbedingt! Bei den Regensburgkrimis geht es ja auch um Lokalkolorit, für “Wach auf und schrei” war ich in der Pathologie des Schwabinger Krankenhauses, wo der Showdown spielt, für “Aufgeflogen” (Jugendkrimi) habe ich über die Situation der Menschen recherchiert, die illegal in Deutschland leben. Ich muss mich zwar immer aufraffen zu recherchieren, aber es bringt so viel!

Wo schreibst du am liebsten?

Am Schreibtisch mit Blick aus dem Fenster auf Bäume und vorübergehende Menschen. Wenn ich mich auf den Balkon setze, kann ich mich nicht so gut konzentrieren. Ich brauche offenbar den Tunnelblick.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, eigentlich nicht.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich bin im Endspurt für den vierten Regensburg-Krimi. Am kommenden Wochenende gibt es noch einmal einen Lokaltermin (Besichtigung des Tatorts, Abgehen wichtiger Strecken), dann schreibe ich den Showdown, dann kommt die Überarbeitung … er wird wohl noch dieses Jahr noch erscheinen. Da mein Ermittler, der Journalist Thomas Reitinger gerade in Elternzeit ist, hat er bei seinen Recherchen häufiger seine zweijährige Assistentin Paula dabei. :)

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Es gibt einige, die ich für ihre Sprache, ihre Geschichten und ihre Gedanken beneide. Beeinflussen kann einen jedes gute Buch. Und ein gutes Buch erkenne ich daran, dass ich mich Wochen und Monate später noch daran erinnere. Zumindest an die Gefühle und die Gedanken, die es in mir ausgelöst hat.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Naturgemäß “Das doppelte Lottchen” von Erich Kästner, weil ich selbst Lotte heiße. Und wer denkt nicht manchmal, dass zwei Seelen in seiner Brust zu Hause sind?

Ich lese gerne Bücher von Connie Palmen und anderen niederländischen AutorInnen. Außerdem lese ich immer noch gerne die Schriftsteller, mit denen ich mich in meinem Studium genauer befasst habe: die RomantikerInnen und die AutorInnen des deutschen Exils (1933-1945). Im Moment bin ich besonders beeindruckt von Jonathan Franzen und dem langen Atem und dem großen Bogen seiner Erzählweise, dem Mut zum Detail und der Kunst, dass es einem nie langweilig wird beim Lesen. Von den deutschsprachigen AutorInnen habe ich zuletzt Friedrich Ani, Vea Kaiser und Hanns-Josef Ortheil gelesen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, Kino, Spazierengehen, Schwimmen, Musik machen und Musik hören.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich wünsche mir mehr Zeit zum Lesen, Schreiben und Musizieren und den Mut, immer etwas Neues auszuprobieren.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig, auch wenn Kritik manchmal wehtun kann. Trotzdem bringt sie mich weiter. Und Lob hört doch jeder gern. Aber ein Feedback gibt einem doch das Gefühl, dass man nicht ins Leere schreibt.

Trotz aller Kritik und Anregungen möchte ich aber das schreiben, was mir wichtig ist und ich für richtig halte.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich habe mir lange einreden lassen und eingeredet, dass man vom Schreiben nicht leben kann. Trotzdem ist es mein Beruf geworden. Ich kann jedem nur sagen: Sucht euch das, was euch Spaß macht und gebt nicht auf, nur weil andere sagen, das klappt nicht.


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