Interview mit David Gray

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin ziemlich groß und dunkelblond. Im Sommer werden die Haare heller, dann geh ich als naturblond durch. Ansonsten macht schreiben als Beruf echt dick und ich bin zu träge regelmäßig Sport zu treiben, wie ich das eigentlich besser tun sollte. Ich besitze kein Auto, daher rede ich mir ein, dass die Radtrips zum Tabakhändler mein Fitnessprogramm darstellten. Außerdem habe ich ziemliches Lampenfieber, stehe aber trotzdem hin und wieder gern auf einer Bühne und lese oder rede über Literatur.

Seit wann schreibst du?

(lacht) Ich habe eine Piratengeschichte in einem alten Umzugskarton gefunden, die schrieb ich als ich ungefähr 10 war. Die Piraten haben darin übrigens gegen die eigentlich guten Marinesoldaten gewonnen. Aber das Teil hatte auch nur fünf Seiten und das Ende fehlte eindeutig noch ...

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich habe einige andere Dinge ausprobiert, unter anderem bin ich gelernter Zimmermann und abgebrochener Jurastudent. Ich habe mich auch mal auf einer Kunsthochschule beworben, weil dass damals die einzigen Hochschulen waren, die einen auch ohne Abitur akzeptierten. Die hätten mich um ein Haar akzeptiert. Wer weiß, was dann aus mir geworden wäre? Vielleicht ein Werbemensch bei Jung von Matt oder so? Trotzdem war es gut, dass es eben nicht so kam, denn außer fürs Schreiben, fürchte ich, eigne ich mich für nichts sonst so wirklich. Daher: Ende gut, alles gut. Jedenfalls bis jetzt. Wer weiß, was die Zukunft noch so für Überraschungen bereithält.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Schon früh. Genau kann ich es nicht sagen. Aber wer mit 8 oder 9 Jahren schon Piratenstorys schreibt, ist wohl vom Schicksal sowieso dazu verdammt irgendwann in einem kreativen Job zu landen. Ich habe aber schon während des Studiums für Zeitungen Filmkritiken verfasst, daher sah ich mich lange eher als Journalist, nicht unbedingt als Autor. Das hat sich mittlerweile allerdings erledigt. Auf meiner Visitenkarte steht bereits seit Jahren nur noch Autor. Und das ist gut so.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Das waren 12 insgesamt. Einige auch unter einem anderen Pseudonym. Ich zähle die hier nicht alle auf. Nur die besten, ja? Ich mag meinen historischen Roman „Wolfswechsel“, daran habe ich lange gearbeitet und der ist eine Hommage an die Geschichte meiner Familie, die war teilweise ziemlich wild. Das Buch war ein ziemlicher Erfolg, obwohl keiner damit gerechnet hätte, ich selbst schon gar nicht. Aber ich mag auch meine Sherlock Holmes Reihe, weil ich mir damit so etwas wie einen Jugendtraum erfüllt habe. Irgendwann hatte ich nämlich sämtliche Originalgeschichten und Romane ausgelesen, aber wollte eben trotzdem mehr davon. Da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich mich selbst mal an einen Sherlock-Roman setzte.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Und ob! Für alle. Ich fahre dazu in die Städte, in denen die Bücher spielen, rede mit Experten und lese jede Menge Fachliteratur. Mir macht die Recherche viel Freude. Aber vielleicht betreibe ich die auch zu intensiv, so dass ich an meinen Büchern in der Regel deutlich länger arbeite als andere Kollegen. An einem historischen Thriller, der nächstes Frühjahr in einem großen deutschen Verlag erscheinen wird, habe ich fast sechs Jahre gearbeitet und war dafür 8 Mal in Paris um Nachforschungen zu betreiben, habe ungefähr 200 Bücher gelesen, ausgewertet oder sogar teilweise übersetzen lassen um die Ära, die historischen Personen, die in dem Buch eine Rolle spielen, und das alte Paris rekonstruieren zu können.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich habe mir schon einmal eine Shortstory auf dem Dach eines Busses ausgedacht, während der eine Bergstraße im Himalaya heraufrumpelte. Und zwar Satz für Satz, mit Dialogen und allem. Aber das ist eine krasse Ausnahme. Meistens sitze ich am Schreibtisch zu Hause und schreibe von 10 bis 20 Uhr. Mit einigen Pausen dazwischen. Im Winter gern auch nur nachts, dann bis gegen drei oder vier Uhr morgens. Ziemlich unspektakulär, sogar langweilig, oder?

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Solange ich Kaffee und Tabak zur Hand habe und mein Laptop läuft kann es losgehen.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Mein neuestes Buch war eine spannende Zusammenarbeit mit Natalie Rabengut, einer ganz tollen Kollegin, die ich sehr sympathisch finde. Es heißt „Hell's Kitchen“ und ist eine Mischung aus Krimikomödie und Liebesroman. Da sind auch verschiedene Sexszenen drin. Jeder, der euch einzureden versucht, dass Sexszenen leicht zu schreiben sind, sage ich immer, hat es selbst wohl noch nie wirklich versucht. Es gibt nicht viele Kollegen in Deutschland, die das wirklich gut können. Alexandra Amber oder Sophie Andresky beherrschen das und bei denen wirkt es auch echt und authentisch, fast spielerisch leicht. Gebt mir jederzeit einen schönen Mord, den ich beschreiben soll, oder fragt mich nach einer Gruselszene, die so noch nicht da war – kein Problem. Aber Sex? Das ist echte Schweißarbeit. Daher hat sich in „Hell's Kitchen“ auch Natalie um die erotischen Abschnitte gekümmert.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ganz viele. Patricia Highsmith, zum Beispiel, die hat Der talentierte Mister Ripley verfasst. Jakob Arjouni, der leider vor einigen Jahren viel zu jung verstarb, war ganz sicher ein Vorbild bei meinen ersten Gehversuchen als Krimiautor. Aber ich mag auch Edgar Allan Poe und Robert Louis Stevenson, der „Dr. Jekyll und Mister Hyde“ schrieb und damit das Horrorgenre eigentlich erst begründete.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Das sind zu viele. Aber siehe, die Antwort oben.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich lese und bin faul. Aber ich reise auch gern. Und ich mag Theater und Filme.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich würde eines Tages gern den Deutschen Krimipreis gewinnen. Oder ersatzweise über den Atlantik segeln.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Deine Leser erden dich. Eine gewisse Erdung ist in dem Job absolut unerlässlich. Also sind mir die Leser natürlich sehr wichtig. Ich mag es auch Feedback zu bekommen. Ganz gleich, ob von einem Literaturkritiker in einer Zeitung oder zum Beispiel von meiner ehemaligen Putzfrau. Die ist sowieso die beste Kritikerin von allen, weil sie nie auf die Idee käme ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wenn sie sagt: Das da, David, ist Bullshit. Dann schreibe ich es um.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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