Interview mit Tommie Goerz

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin ein umgänglicher Mensch, lache gern, bin gern mit anderen zusammen und auch gern allein. Außerdem bin ich gerne unterwegs und gern daheim. Ich rauche nicht mehr, dafür braue ich jetzt mein eigenes Bier, ich bin schon seit Ewigkeiten mit der besten Frau der Welt verheiratet, unsere zwei Kinder sind schon aus dem Haus und ich träume davon, in nicht allzu ferner Zukunft aufzuhören zu arbeiten und nicht mehr meine Lebenszeit und meine geistige Tätigkeit verkaufen zu müssen, sondern ganz alleine für mich zu haben.

Seit wann schreibst du?

Ich habe eigentlich schon immer geschrieben, auch beruflich. Erst wissenschaftliche Texte, dann umfangreiche Konzepte, parallel dazu aber auch immer „privat“, allerdings nie Krimis, jedoch u. a. auch Kindergeschichten für meine Kinder. So liegen in meinen Schubladen zum Teil seit Jahren mehrere Fragmente und fertige Manuskripte, die aber wahrscheinlich auch dort liegen bleiben ...

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Wie gesagt, ich habe schon immer geschrieben. Dass ich jedoch Krimis schreibe, war nicht meine, sondern die Idee meines Verlegers. Der hat quasi, ohne dass ich zuvor je einen Krimi geschrieben hätte, bei mir einen „bestellt". Allerdings wusste er von anderen Projekten schon, dass ich durchaus schreiben konnte.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Seit dem Tag, an dem mein Verleger mich damals, Anfang 2009, anrief. Allerdings würde ich mich vom Selbstverständnis her nicht als „Autor“ bezeichnen. Das Schreiben ist nur eine meiner zahlreichen Betätigungen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die Krimis „Schafkopf“ 2010, „Dunkles“ und „Leergut“, beide 2012, dann „Auszeit“ 2013, „Einkehr“ 2014 und jetzt ganz frisch „Schlachttag“ 2016, alles Romane rund um den fränkischen Kommissar Friedemann „Friedo“ Behütuns. Dazu die Kurzkrimisammlung „Der Tod kommt schnell“ 2015.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Selbstverständlich. Natürlich hier in Franken, wo meine Krimis überwiegend spielen, und zwar in den vielen kleinen und oft etwas verschlafenen Städtchen und Orten Ober-, Mittel- und Unterfrankens, viel auch in der Fränkischen Schweiz, dazu in Weinfranken – für „Auszeit“ aber zum Beispiel auch in der Bretagne und im Allgäu, für „Schlachttag“ jetzt auf La Gomera, für eine noch nicht geschrieben Geschichte auf Sardinien. Und dann natürlich auch inhaltlich, für „Einkehr“ etwa über das Vergessen – man muss eigentlich für jedes Buch recherchieren.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe grundsätzlich nur am Schreibtisch. Ich glaube auch, wenn jemand sagt, er schriebe zum Beispiel im Garten, dann stimmt das nicht. Das kann jeder ja einmal für sich selber ausprobieren: Nehmt euren Laptop und setzt euch damit im Sommer in den Garten. Und? Der Bildschirm spiegelt, er ist nicht hell genug, ständig krabbelt irgendwo irgendein Tier herum und lenkt einen ab, die Wespen stechen, wenn man nicht aufpasst, dann bläst einem der Wind das Papier davon, eine Fliege ersäuft im Kaffee – neenee, zum Schreiben braucht man Ruhe und Konzentration, und die hat man nur im Arbeitszimmer an seinem Schreibtisch. Das ist also keine Frage des Wollens oder des „Am-liebsten“, sondern schlichtweg ein Muss.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Rechner einschalten und los. Irgendwo ein Wasser in Reichweite und Internetverbindung, that’s all. Ritual? Nö.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich habe konkret drei schon fortgeschritten ausskizzierte Ideen für jeweils ein Buch, muss das aber erst mit dem Verlag besprechen, an welchem ich zuerst weiter arbeite und werde entsprechend nichts Näheres darüber verraten.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nein, dazu lese ich zu viel. Ich würde mir wünschen Charles Bukowski, aber das ist ein frommer Wunsch, dessen Sprachgewalt werde ich nie erreichen. Nein, im Grunde suche ich jeweils die Sprache, die zu meiner Geschichte passt – zu ihrem Tempo, zu ihrem Inhalt, zur jeweiligen Szene.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Der einzige Schriftsteller, von dem ich alles habe – und auch gelesen habe –, was er bisher geschrieben hat, ist Peter Handke. Er hat die große Gabe, dass er den Leser verlangsamt. Allerdings ist er kein Krimiautor. Von denen sind die, die ich am liebsten lese oder gelesen habe Tony Hillerman, James Lee Burke und George Simenon. Ansonsten könnte ich vielleicht Jaume Cabré nennen, Redmond O’Hanlon oder T. C Boyle, gerade habe ich „Auerhaus“ von Bov Bjerg gelesen, „Wir sehen uns dort oben“ von Pierre Lemaitre und mit Jenny Erpenbecks „Gehen, Ging, Gegangen“ begonnen, auch Janosch darf hier nicht fehlen – aber nein, ich habe keinen Lieblingsautor. Es gibt so viele gute Schreiber und ich lasse mich gern immer wieder aufs Neue überraschen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, Wandern, Radfahren, Kochen, Fußball spielen und live anschauen, malen. Im Sommer gehe ich gern auf einen der vielen, wunderschönen Bierkeller, die wir hier in Franken haben, außerdem mache ich Musik zusammen mit der Band „Hans, Hans, Hans und Hans“, deren einer Hans ich selber bin. Zusammen machen wir Fränkische Kabarettmusik und begleiten mich oft zu meinen Lesungen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich träume von der Rente, erwähnte ich, glaube ich, bereits. Und von einer langen Reise in die Südsee auf den Spuren eines gewissen Herrn, über den ich schreiben will.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich freue mich über jeder Mail von Lesern, auch über jedes Gespräch bei Lesungen. Man schreibt doch für die Leser, als ist deren Feedback immens wichtig, zumindest für mich.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja, etwas sehr Wichtiges: Kauft eure Bücher im Buchhandel vor Ort, bestellt sie nicht im Internet bei den Versandhändlern. Denn die machen den Buchhandel kaputt – und meistens zahlen sie nicht einmal Steuern. Natürlich ist es saubequem, per Mausklick zu bestellen und am nächsten Tag ist das Buch da. Im Buchhandel ist das Buch aber auch morgen da, wenn ihr es heute bestellt. Also.


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