Interview mit Micha Ela

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Es ist immer schwer, sich selbst zu beschreiben, aber ich versuche es mal:

Ich wurde 1966 geboren – als Junge. Heute lebe ich als Frau und bin glücklich.

Das Wichtigste in meinem Leben war immer schon der Tanz. Schon als Kind begann ich Ballett zu lernen und später habe ich an der John Cranco Schule in Stuttgart Tanz studiert.

Ich bin multitaskingfähig und an sehr vielen Dingen interessiert, was bei mir aber auch heißt: Ich fange viele Baustellen an und beende nur wenige wirklich. Wenn etwas aber so richtig mein Ding ist, wie das Tanzen, dann ziehe ich es durch. Beim Tanzen habe ich, so kann ich sagen, immer alles geschafft was ich wollte. Das Stipendium für die John Cranko Schule war der Zenit meines Lernens und der Durchbruch und ich habe es so bis zum 1.Tänzer am Theater gebracht.

Meine Mitmenschen sagen von mir, ich sei sehr hilfsbereit, zuverlässig, liebevoll und dabei zu gutmütig und zu gutgläubig – Mutter Theresa halt.

Seit wann schreibst du?

Ich habe vor drei bis vier Jahren mit dem Schreiben an meinem ersten und bisher noch einzigen Werk begonnen.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen?

Also geplant habe ich mein Buch nie.

Aufgrund dieser dubiosen HIV Infektion kam ich 1992 mit Fieber in die Klinik.

Dort war ich mit einer anderen Frau in einem Zimmer. Sie war Redakteurin bei einer bekannten Zeitung.

Wir lagen so round about drei Monate zusammen und verstanden uns sehr gut. Ich konnte mir bei ihr alles von der Seele reden. Und sie sich bei mir auch.

Irgendwann sagte sie: „Ela, du musst ein Buch schreiben!" Ich: „Wer soll das denn lesen?" „Ela“, redete sie mir zu, „ich erlebe dich hier als eine so positive, lustige und total durchgeknallte tolle starke Frau. Wenn ich DEIN Leben gelebt hätte, wäre ich wahrscheinlich, nein sicher, völlig zerbrochen und ständig in psychiatrischer Behandlung. Dein Buch findet seine Leser auf jeden Fall."

Gesagt getan. Sie fing an aufzuschreiben, was ich ihr erzählte. Nachdem wir die Klinik verlassen hatten, telefonierten wir täglich.

Doch dann kam von heute auf morgen nichts mehr –Thema für mich erledigt.

Vor vier Jahren schrieb mich auf Facebook jemand an und fragte, ob ich die Michaela sei, die mit Irmgard zusammen in der Klinik gelegen hatte. Ich erfuhr, dass Irmgard leider in der Zwischenzeit verstorben war. (R.I.P.)

Der, der mich fragte, war ein Kollege von Irmgard, ein Reporter bei der Yellow Press. Er hatte Irmgards Manuskript immer wieder gelesen und nun wollte er mir helfen, an meinem Buch weiterzuschreiben. Das Thema erledigte sich allerdings bald, weil er mich aus privaten Gründen nicht mehr unterstützen konnte.

Aber nun hatte ich Blut geleckt und wollte weitermachen. Mein Leben schien ja doch ein interessantes Leben zu sein, wenn sich schon zwei Journalisten dafür interessiert hatten. Ich suchte also im Netz nach einem Lektorat und landete bei Maria Braig. Zufall – oder für mich ein Zeichen von ‚oben’: Sie lebt in Osnabrück, wo ich aufgewachsen bin.

Hast du für dein Buch recherchiert?

Ja, denn obwohl es mein Leben ist, von dem ich schreibe, musste ich sehr viel in meiner Vergangenheit graben. Vieles hatte ich einfach vergessen oder auch verdrängt. Mit Hilfe meiner Pflegefamilie holte ich viele Erinnerungen wieder ans Tageslicht. Es war nicht immer einfach für mich, zu erinnern und mich mit all dem, was geschehen war, auseinanderzusetzen.

Wo schreibst du am liebsten?

Draußen in der Natur, mit meinen drei Hunden an der Elbe.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Dazu will ich lieber noch nichts erzählen. Ideen gibt es schon einige, aber noch ist nichts spruchreif.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Maria Braig, meine Lektorin, die ebenfalls Autorin ist, hat mir geholfen, meine Erinnerungen zu sortieren und aufzuschreiben.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

„Immer noch ich - Mein zweites Leben“ von Christopher Reeve

„Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsch

„Wir treffen uns wieder in meinem Paradies. Eine 15jährige nimmt Abschied von ihrer Familie“ von Christel und Isabell Zachert

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Meine Hunde sind meine Freizeit. Dann ist da mein Lebensgefährte, mit dem ich gerne etwas Schönes unternehme und mein Hobby ist Mode Design, also Schnittmuster entwerfen und nähen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Endlich wieder richtig Laufen können, das ist mein größter Wunsch. Durch die HIV-Medikamente wurden die Nerven in meinen Beinen zerstört. Aber ich bin auf einem guten Weg.

Und dann eine gemeinsame Reise mit meinem Schatz nach Brasilien.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Wahnsinnig wichtig!! Ich will ja anderen helfen und zeigen „… dass es auch einfach geht". Da ist es natürlich sehr interessant, von meinen Lesern und Leserinnen zu hören, ob mir das auch gelingt. Ich bekomme sehr viel positives Feedback zu meinem Buch und so weiß ich, dass es richtig war, mein Leben aufzuschreiben. Immer wieder erreichen mich Mails, in denen Leser mir versichern, dass meine Geschichte etwas für ihr Leben bewirkt hat. Das ist das größte Geschenk für mich, das es gibt. Es hilft meinem angekratzten Selbstbewusstsein sehr.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja, gerne möchte ich meinen Lesern mein eigenes Lebensmotto mitgeben:

Geh’ deinen Weg. Es ist dein Weg und nur du selbst weißt, ob er der richtige ist.

Viele Menschen leben, als hätten sie noch ein zweites Leben im Rucksack. ... Nein! Wir haben nur ein Leben, deshalb:

Lebe jetzt, sei du selbst und lass dich nicht verbiegen.


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