Interview mit Martina Sevecke-Pohlen

© Ole Sevecke 

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich heiße Martina Sevecke-Pohlen. Geboren bin ich in 1968 Düsseldorf, aufgewachsen in Aachen, dann folgten zwölf Jahre in Oldenburg. Seit 2011 lebe ich in Rhauderfehn, in der Nähe von Leer.

In meinem früheren Leben habe ich in der Erwachsenenbildung gearbeitet, Englisch und Deutsch als Zweitsprache unterrichtet und junge Leute in einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte betreut.

Ich bin verheiratet, habe eine Tochter, einen Verlag und einen Autorenservice für Lektorat, Schreibberatung, Buch- und e-Book-Erstellung. Außerdem schreibe ich.

Seit wann schreibst du?

Da muss ich die übliche Antwort geben: Seit meiner Kindheit. Als ich klein war, hatten wir in meiner Familie ein Spiel. Ich fragte "Was sagte XY, als Z passierte?" Meine Mutter hat dann gesagt, was XY sagte. Daraus entwickelten sich dann Geschichten, die wir manchmal über mehrere Wochen weiterentwickelt haben. Später habe ich diese Geschichte aufgeschrieben. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Eigentlich wollte ich schon als Schülerin Autorin werden. Aber in den ersten Jahren des Studiums habe ich praktisch gar nicht mehr privat geschrieben. In der zweiten Hälfte des Studiums hatte ich eine traurige Phase. Da hat das Schreiben von alleine wieder angefangen. Aber im Beruf war ich dann wieder in einem so engen Zeitgerüst gefangen, dass ich einfach nicht den Kopf frei hatte zu schreiben. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelesen. Rückblickend glaube ich, dass ich mit dem Lesen die Stimmen in meinem Kopf ausschalten wollte. Die Stimmen drängten mich zu schreiben, und 2008 ließen sie sich nicht mehr unterdrücken. 2009 erschien dann mein erstes Buch.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Wie oben schon gesagt, als Schülerin habe ich damit geliebäugelt, wollte aber "vernünftig" sein und habe mich dem Studium gewidmet. Mit Mitte dreißig habe ich dann gesagt "Ich bin Autorin". Kaum jemand in meinem engeren Umfeld war wirklich überrascht. (Was wiederum mich überrascht hat. :-) )

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Einen Roman "Die Legendenweberin", 2009 und seit 2015 in meinem eigenen Verlag, dem Wieken-Verlag.

Drei Regionalkrimis, die in der Wildeshauser Geest (südlich von Oldenburg) spielen: "Im stillen Tal", "Sandras Schatten", "Familien. Ehre.". Alle drei erscheinen mittlerweile im Wieken-Verlag. Es gibt sie auch als Sammelband, nur als E-Book, unter dem Titel "Roter Sand. 3 Morde zwischen Geest und Meer".

Für diese Krimis habe ich die Gemeinschaft der Minderen und Heimatlosen, kurz Muh, erfunden. Die Gemeinschaft ist zu Bescheidenheit und Gleichmut verpflichtet. Wenn meine Protagonistin Christa Hemmen, ein ziemlich störrisches Wesen mit Hang zum Perfektionismus, mit Bea Muh über die Morde diskutiert, prallen Welten zusammen. In "Im stillen Tal" sind die Muh auch Opfer von Anschlägen.

Außerdem habe ich 2014 drei E-Books mit Beiträgen aus meinem Blog mit dem Reihennamen "Kreativ Schreiben" herausgegeben: "Kreativ Schreiben. Sprache - Werkzeug für Autoren", "Kreativ Schreiben. Sprachwerkstatt für Autoren" und "Kreativ Schreiben. Self-Publishing für Autoren". 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ja. Die Muh habe ich in Neutral-Moresnet entstehen lassen. Das war ein kleines Gebiet mit Galmei-Bergbau im heutigen Ostbelgien. 1815 wurde Neutral-Moresnet gegründet, weil sich die Niederlande und Preußen nicht darauf einigen konnten, wer die Bergbauzone bekommen sollte. Neutral-Moresnet wurde von beiden Staaten verwaltet, später nahm Belgien die Stelle der Niederlande ein. In Neutral-Moresnet geborene Männer brauchten nicht zum Wehrdienst ihrer jeweiligen Länder. Es sind allerdings viele junge Männer aus Preußen und den Niederlanden und Belgien dorthin geflohen, um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Sie wurden verhaftet und zurückgebracht. Die Muh entstanden als eine Art Unterstützergruppe für diese Männer.

Wo schreibst du am liebsten?

Das hängt davon ab, was ich schreibe. Ich arbeite gerne an meinem Schreibtisch mit Blick auf den Garten. Aber manchmal ziehe ich es vor, auf dem Sofa zu schreiben oder an unserem großen Esstisch. Im Sommer verlege ich meinen Arbeitsplatz auf die überdachte Terrasse.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Aber mir ist wichtig, dass vorher alle Arbeiten im Verlag oder für meinen Blog abgeschlossen sind. Ich habe einen Wochenplan für diese Arbeiten, an den ich mich strikt halte, um feste Schreibzeiten zu haben. 

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ich habe gerade die erste Version des vierten Krimis mit Christa Hemmen und den Muh fertiggestellt. Der Arbeitstitel ist "Das Nemesis-Projekt". Es geht um eine Mordserie an alten Männern. Christa Hemmen ist persönlich betroffen, ermittelt neben der Polizei und stößt auf Ereignisse, die im von Deutschland besetzten Ostbelgien 1944 geschahen. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nein, jedenfalls nicht bewusst. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Privat lese ich viel auf Englisch. Ich mag Terry Pratchett und Krimis von Ruth Rendell/Barbara Vine. Außerdem mag ich Jane Austen, die so wunderbar elegant gemeine Sachen schreibt.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Freizeit, was ist das? Ich lese und schreibe, wann immer es geht. Außerdem versuche ich, die Wildnis, die im Exposé als "uneinsahbarer Garten" beschrieben wurde, zu bändigen. 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ein Tag mit achtundvierzig Stunden wäre schön, aber wahrscheinlich würde auch der randvoll mit Aufgaben sein. Ich möchte neugierig bleiben und viele Ideen für Bücher haben. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Feedback ist mir wichtig. Ich unterscheide da zwischen konstruktiver Auseinandersetzung und spontanen Reaktionen. Von beiden kann ich lernen. Ein Buch ganz auf die Wünsche und Erwartungen der Leser auszurichten, halte ich für gefährlich. Man kann es nie alle recht machen, egal ob im Unterricht, im Schreiben, im Sport oder der Politik. Entwicklung entsteht nur durch Auseinandersetzung und Reibung.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ich freue mich, dass ich diese Fragen beantworten durfte. 


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