Interview mit J. Mertens

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Klar. Ich komme aus der westfälischen Burgstadt Altena und bewege mich derzeit auf die 48 Lenzen zu. Beruflich habe ich mich in vielen Branchen bewegt, darunter Bürokaufmann, Fabrikarbeiter, Lagerist, Versicherungsvertreter, Journalist, Texter, Altenbetreuer und Zeitungsbote. Doch was auch immer ich beruflich gemacht habe, es wurde stets von meinem lebhaften Interesse am Unheimlichen überlagert.

Seit wann schreibst du? 

Die ersten Geschichten entstanden schon im Kindesalter auf der antiken Adler-Schreibmaschine meiner Eltern. Natürlich handelte es sich dabei schon um Gruselstories. Einige vergilbte Exemplare davon habe ich heute noch säuberlich in einem Ordner abgeheftet. Tatsächlich habe ich einige Ideen davon später noch einmal aufgegriffen, z. B. die Story "Im Morgengrauen" im zweiten Band meiner Horror Shorts. Das nunmehr fast vierzig Jahre alte Original umfasste gerade mal eine halbe Seite.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich besitze eine unglaublich kreative Ader und wollte ursprünglich Filmemacher werden. Als Kind schwärmte ich von einer Filmausrüstung, die natürlich damals für mich so gut wie unerschwinglich war. Ich schrieb kuriose Drehbücher für ebenso absurde Horrorszenarien, die ich irgendwann verfilmen wollte. Dann wurde mir das alles zu stressig, weil ich (mit noch nicht einmal zehn Jahren) kein Licht am Horizont sah, was das Erreichen meines Ziels betraf. So wechselte ich von den Drehbüchern zunächst mal zur Kurzgeschichte und hatte dann irgendwann die Idee zu einem Werwolfroman. Das war mein erster längerer "Wurf", der aber natürlich noch längst nicht richtig ausgereift war. Dennoch blieb ich der Schreiberei treu, wobei die Kreativität sich aber längst nicht nur auf die Textarbeit erstreckt. Auch im Grafikbereich bin ich tätig, erstelle beispielsweise alle Cover selbst, und auch das mit der Filmarbeit ist, gerade heute im digitalen Zeitalter, noch lange nicht vom Tisch. Ich wählte eben den Weg der Schrift, weil er am einfachsten zu realisieren war. Doch generell verspüre ich stets den Drang, Horrorwelten und -szenarien zu erschaffen, sei es in Schrift, Bild oder Film.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Der eigentliche Startschuss war 1988. Ich war mit einer kurzen, aber ungefährlichen Krankheit zwei Wochen bettlägerig und verschlang während dieser Zeit so ziemlich alles von Edgar Allan Poe. Der Stil dieses Autors faszinierte mich über alle Maßen, und ich versuchte mich ebenfalls an einer klassisch anmutenden Kurzgeschichte. Heraus kam die Kurzgeschichte "Liesa", die heute im ersten Band meiner Horror Shorts zu finden ist. Von diesem Moment an schrieb ich regelmäßig, und ich merkte allmählich, dass sich die Qualität zum Positiven hin steigerte. In den Neunzigern konnte ich dann zwei Geschichten in einer Bikerzeitschrift veröffentlichen. Ich war sehr überrascht von dem positiven Echo. Zu dieser Zeit fasste ich erstmals meine gesammelten brauchbaren Kurzgeschichten zu der Anthologie "Psychotische Episoden" zusammen. Es sollte aber noch über zehn Jahre dauern, bis diese erstmals das das Licht der Öffentlichkeit erblickte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Nun, da wäre zunächst wie gesagt die derzeit zweibändige Kurzgeschichtensammlung "Psychotische Episoden". Dann die drei Romane "Geh nicht durch diese Kellertür", "Genius Vacui" und "Mondo Criminale" sowie der morbide Lyrikband "Zerfall". Drei Projekte sind überdies in Vorbereitung.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Natürlich. Es gibt für mich kaum eine größere Blamage als "ins Blaue zu schreiben" und hinterher festzustellen, dass der Inhalt in geographischer, historischer oder wissenschaftlicher Hinsicht jeder Authentizität entbehrt. Für "Genius Vacui", in dem es unter anderem um die Veränderung einer Leiche geht, befasste ich mich beispielsweise eingehend mit Verwesungsprozessen und ließ die entsprechenden Textpassagen von einem mir bekannten Mediziner prüfen. Besonders krass war auch die Recherche zu "Geh nicht durch diese Kellertür", wo es in Rückblenden um das Attentat auf das World Trade Center geht. Ich bin nie in New York gewesen und kannte die Ereignisse nur aus dem Fernsehen. Also besorgte ich mir eine minutengenaue Timeline über das Geschehen, um die Protagonisten sinnvoll und logisch dort einbauen zu können. Auch legte ich mir Karten von der Gegend zu, sah mir Filme dazu an und schrieb einige Mails mit der Bitte um nähere Informationen. Am Ende kannte ich mich dort durch reine Recherche so gut aus, dass ich auf Fotos und Filmen sofort erkannte, in welcher Ecke der Fotograf gestanden hat. Wenn ich heute Clips von dem furchtbaren Geschehen betrachte, glaube ich fast meine Figuren darin zu sehen.

Wo schreibst du am liebsten?

Da ich keinen Laptop besitze, schreibe ich zwangsläufig an meinem Schreibtisch. Allerdings habe ich auch unterwegs oft Stift und Papier dabei, um eventuelle Ideen festzuhalten. Falls der Computer mal ausfällt, steht auch noch eine mindestens siebzig Jahre alte Schreibmaschine bereit. Obwohl ich mich im Laufe der Zeit mit den modernen Medien vertraut gemacht habe, bin ich ein hoffnungsloser Nostalgiker. Daher träume ich von einem altmodisch eingerichteten Arbeits- und Studierzimmer.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Als Ritual würde ich das zwar nicht bezeichnen, aber ich kann nur etwas Positives zustande bringen, wenn ich an keine zeitliche Frist gebunden bin. Ich kann beispielsweise nicht schreiben, wenn ich weiß, dass ich nur zwei Stunden Zeit habe. Ebenso sind Deadlines für mich ein absolutes No Go. Ich hasse jedweden Druck und lasse mich durch nichts und niemanden darauf ein. Ein Projekt ist fertig, wenn ich das letzte Wort geschrieben habe, und wann das ist, entscheide nur ich selbst. Eine weitere Marotte ist der erhöhte Zigarettenkonsum während einer Schreibphase. Nach fast jeder halben Seite, die recht zügig vonstatten geht, gehe ich erst mal eine rauchen.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Derzeit arbeite ich an einem Roman im Bereich Extremhorror. Es geht um eine Heiminvasion der besonderen Art. Eigentlich hatte ich nicht ganz so krasse Sachen geplant, doch vor einiger Zeit las ich "Das Schwein" von Edward Lee, und ich fragte mich ernsthaft, ob dieses Potpourri aus Abartigkeiten noch übertroffen werden kann. Schließlich kam es zu einer Kooperation mehrerer mir bekannter Autoren, nämlich A. C. Hurts, Joe Worbis und Jutta Wölk. Es handelte sich um die Splatteranthologie "Gone Mad", die soeben erschienen ist. Die drei Autoren versprechen Furchtbarstes, und so fühlte ich mich herausgefordert. Ich kann nur so viel sagen, dass gerade heute der Plot für meinen Roman fertiggestellt wurde, und inhaltlich habe ich Edward Lee wohl ein Stückweit hinter mir gelassen. Die drei Autoren müssen sich also wirklich angestrengt haben, wenn sie das noch toppen wollen, zumal meine Sekrete nicht nur in Blut bestehen. Dennoch möchte ich diese Form von Literatur nicht auf Dauer beibehalten. Daher werde ich nach Veröffentlichung dieses Intermezzos zunächst den bereits erwähnten Werwolfroman erneut in Angriff nehmen. Auch der dritte Band meiner Horror Shorts ist in Vorbereitung.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Das war, wie schon gesagt, zunächst Edgar Allan Poe. Später kamen Meister wie Stephen King oder, jetzt gerade, Edward Lee hinzu. Ob ich mich an diesen Vorbildern allerdings messen kann, müssen freilich meine Leser entscheiden.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Zu meinen Lieblingsautoren gehört in jedem Fall H. P. Lovecraft. Die Stimmung, die er seinem Cthulhu-Mythos verlieh, wurde in dieser Form nie wieder erreicht, obwohl es viele moderne Ansätze dazu gegeben hat. Auch in dieser Hinsicht habe ich noch einiges geplant, aber das ist noch Zukunftsmusik. Ansonsten hat mir in letzter Zeit das Buch "Böses mit Bösem vergelten" von Patrizia Sabrina Prudenzi sehr gut gefallen, ebenso "Der Kuss des Meeres" von Nathalie C. Kutscher.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Eigentlich befasse ich mich immer in der einen oder anderen Weise mit meinen phantastischen Welten. Wenn ich nicht gerade selbst kreativ tätig bin, hole ich mir neue Inspiration durch gruselige Filme, unheimliche Bücher oder auch Hörspiele zum Thema. Ansonsten bin ich ein großer Musikliebhaber, wobei ich zwischen Klassik und Heavy Metal für fast alles offen bin. Lediglich Rap und Techno kann ich überhaupt nicht leiden.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich möchte schneller schreiben können, weil ich nicht sagen kann, ob ich die ganzen Ideen, die sich in meinem Notizbuch befinden, noch in diesem Leben fertig bekomme. Darüber hinaus würde ich normalerweise ja noch sagen: Weltfrieden! Aber wir sind hier ja nicht auf einer Misswahl.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Feedback ist wichtig für den eigenen Entwicklungsprozess. Dabei ist es natürlich unabdingbar, dass konstruktive Kritik gebracht wird und keine undifferenzierte Motzerei. Es ist daher wichtig, dass man aus den Rezensionen oder Beurteilungen wirklich herauslesen oder -hören kann, woran es hapert. Leider verfallen kritische Leser oft in das Syndrom, mit vielen Worten auszudrücken, was sie NICHT wollen anstatt Verbesserungsvorschläge zu bringen. Ich kann mir beispielsweise schon jetzt die Negativkritiken zu meinem aktuellen Projekt vorstellen, wenn das Leser mit schwachem Magen oder Moralapostel in die Finger bekommen. Aber das ist dann halt schlichtweg das falsche Buch für sie, und die Beschwerden werden dann rein subjektiver Natur sein. Das ist die Gefahr bei meinen Büchern: Sie sind alle verschieden, was die Subgenres angeht. Ein Splatterfan wird bei "Geh nicht durch diese Kellertür" enttäuscht sein, ein Thrillerfreund wird seine helle Freude daran haben. Auch meine Lyrik ist nicht jedermanns Sache, deshalb warne ich labile Zeitgenossen stets davor. Wer es unheimlich liebt, wird es mögen. Von anderen wurde ich jüngst dafür sogar als Satanist tituliert. Das ist alles keine brauchbare Kritik, und nur Idioten gebärden sich auf diese Art.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

ICH habe zu danken, auch meinen Lesern für ihre Treue. Gebt mir Zeit, ich verspreche euch noch viele weitere Scheußlichkeiten.


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