Interview mit Paula Dreyser

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Danke Bianca, für diese Möglichkeit.

Paula Dreyser ist ein Pseudonym. Von Hause aus bin ich Ethnologin und Bibliothekswissenschaftlerin.

Studiert habe ich erst mit Anfang 30. Davor war ich Sachbearbeiterin für Berufskrankheiten in einer Berufsgenossenschaft. Nach meinem Ethnologie-Studium Mitte der 90er habe ich ganz verschiedene Berufe ausgeübt.

Zuerst war ich an der Uni in Mainz, hatte Forschungsaufenthalte in Namibia. Nach einem Umzug in den Vordertaunus und einer Familienphase arbeitete ich als Lehrerin, betreute eine Schulbücherei, leitete Projekte in Institutionen der Familienbildung. Nach Abschluss eines Fernstudiums der Bibliotheks- und Informationswissenschaften mit Präsenzphasen an der Humboldt-Uni in Berlin führte ich ein Online-Antiquariat.

Mittlerweile bin ich als freie Lektorin tätig und widme mich meinen Romanen. Hauptschauplatz meiner Beziehungsromane aus dem deutsch-amerikanischen Milieu der 70er und 80er Jahre ist das Rhein-Main-Gebiet, vor allem meine Heimatstadt Mainz.

Mein erster Roman Calling USA ist mittlerweile im VA-Verlag veröffentlicht.

Mit Mann und fast erwachsener Tochter lebe ich im Vordertaunus, nicht weit entfernt von Mainz.

Seit wann schreibst du?

Ich glaube, schon immer. Wenn andere malten, sangen oder musizierten, schrieb ich, um kreativ zu sein. Neben ellenlangen Aufsätzen in der Schule hatte ich als Schülerin schon immer irgendwelche Roman-Projekte, z.B. ein „Gemeinschaftsprojekt“ von drei Freundinnen und mir mit dem Titel „Das Geheimnis der Pharaonen“. Der Titel war bestimmt nicht geschützt.

Als Sachbearbeiterin schrieb ich Briefe und Aktenvermerke. Mein Chef erklärte mir einmal, dass ich sehr schöne Texte verfassen würde, vielleicht etwas zu blumig für eine Verwaltung.

Dann habe ich Artikel, Studienarbeiten und wissenschaftliche Arbeiten selbst geschrieben, die von Studenten und Kollegen redigiert.

Während der Familienphase arbeitete ich an einem Kinderbuch, das ich auch selbst veröffentlicht habe.

Die Idee, über die späten 70er zu schreiben begann, in den späten 90ern zu keimen. Mit dieser Phase des Kalten Krieges habe ich mich zum einen wissenschaftlich beschäftigt, zum anderen habe ich sie als Jugendliche und junge Erwachsene sehr intensiv erlebt.

Ernsthaft und „zielorientiert“ schreibe ich seit etwa zwei Jahren.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen?

Durch die Lust am Buch und am Lesen seit frühester Kindheit. Ab meinem siebten Lebensjahr besuchte ich regelmäßig den Bücherbus. Dann hatte ich ja beruflich fast immer Umgang mit Büchern. Meine Tätigkeit als Lektorin und die Vernetzung mit Autoren, Bloggern, Lesern taten ein Übriges…

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Das habe ich mir so nie bewusst gemacht. Es war nur so, dass ich mir an einem bestimmten Punkt, etwa vor zwei Jahren, klar machte, dass der Roman, den ich gerade angefangen hatte, zu schreiben, auch veröffentlicht werden sollte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die wissenschaftlichen Sachen lasse ich jetzt mal weg. Ein Kinderbuch Anna im verborgenen Königreich und Calling USA, den ersten Roman einer losen thematischen Reihe.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Wie eine Wilde. Als Kultur- und Sozialwissenschaftlerin kann ich gar nicht anders.

Neben aufwendigen Recherchen im Mainzer Stadt- und Zeitungsarchiv sowie der Lektüre entsprechender Fachliteratur führte ich Interviews mit deutschen und amerikanischen Zeitzeugen, die Ende der 70er Jahre im Rhein-Main-Gebiet gelebt haben.

Neben einigen persönlichen Treffen erfolgte die Kommunikation per Mail, Skype, über Facebook oder telefonisch. Dazu habe ich mich auf Facebook mit deutsch-amerikanischen Gruppen vernetzt, dabei auch alte Bekannte wieder gefunden.

Was bei all dem herausgekommen ist, hätte ich nie für möglich gehalten. Neben unterschiedlichsten Informationen darüber, wie „es“ damals war, hatte ich plötzlich einen immensen Fundus an persönlichen Geschichten, Erlebnissen und Erfahrungen gesammelt.

In der Zusammenschau zeigte sich eine Art „zeitgeistiges Patchwork“. Deutlich wurde aber auch, wie sehr persönliche Einstellungen und Wünsche, resultierend aus der jeweiligen Biographie, Entscheidungen beeinflussen, unabhängig vom Zeitgeist.

Genau das möchte ich mit meinen Texten auch transportieren.

Wo schreibst du am liebsten?

An meinem Schreibtisch zu Hause, wenn ALLE weg sind.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Eigentlich nicht. Ich lege die Zeiten in der Woche fest, an denen ich schreiben kann. Wie häufig das ist, hängt von meinen Lektorats-Aufträgen ab.(Ich lektoriere übrigens leidenschaftlich gern. Dabei lerne ich eine Menge.) Dann schreibe ich los. Zwischendurch gehe ich spazieren, um nachzudenken und lese in meinem Lesesessel Verschiedenes nach.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Calling USA ist ja der erste Roman einer thematischen Reihe. Geplant sind mehrere in sich abgeschlossene Beziehungs-Romane aus dem deutsch-amerikanischen Milieu, die im Zeitraum von 1975 bis 1985 angesiedelt sind. Immer gibt es zwei Zeitebenen, die Vergangenheit und die Gegenwart.

Der Reihentitel lautet: Deutsch-Amerikanische Begegnungen in Zeiten des Kalten Krieges.

Jetzt ist der zweite Roman dran. Arbeitstitel: Woodstock ist nicht alles …

Den übernächsten habe ich schon mal geplottet und auch ein paar Kapitel geschrieben.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ich glaube, alle diejenigen, die ich bei Lieblingsbüchern und Lieblingsautoren nenne.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Autoren

Wichtig für meine Lese-Sozialisation waren: James M. Barrie, Enid Blyton, C. S. Lewis, Gunnel Linde, Astrid Lindgren, P.L. Travers. Etwas später verschlang ich alles von Hermann Hesse.

Heute lese ich gerne Bücher von Bernhard Schlink, Jojo Moyes, Rainer Bauer, Ira Ebner, Patrick R. Ullrich …

Bücher

Ganz wichtig waren:

Die Kinder aus Bullerbü, Mary Poppins, Die Narnia-Geschichten, Peter Pan, Hanni und Nanni, Die Reise im Schaukelstuhl von Gunnel Linde, Sarabel von Moyra Mc Gavin, die Poosie-Reihe von Ruth Hoffmann, Tolkiens Herr der Ringe.

Etwas später von Hesse Siddharta, Peter Camenzind, Narziss und Goldmund.

Tief beeindruckt von Wir Kinder vom Bahnhof Zoo …

Aus dem (Büchergilde-)Bücherregal meiner Oma habe ich als Kind und Jugendliche außerdem alles gelesen, was ich irgendwie begreifen konnte: Das Erbe von Björndahl, Desirée, Im Dutzend billiger, Wem die Stunde schlägt … Hat mir alles gefallen …

Bücher von heute

Endymion Spring von Matthew Skelton und Der Kampf um die Nachtkristalle von Bent Jakobsen.

B. Schlink: Der Vorleser, Die Frau auf der Treppe

Jojo Moyes: Eine Handvoll Worte, ein ganzes halbes Jahr, Ein Bild von dir

Rainer Bauer: Das Haus an den Gleisen, Von Psychos & Paten

Ira Ebner: Schwalben, Cold Britannia

Patrick R. Ullrich: Mission Herodes, Die Legaten

Im Moment lese ich The Girl on the Train. Gefällt mir bisher sehr.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen; gemütlich irgendwo sitzen, nichts tun, beobachten, auch gern in einem Café oder davor; mein Spezial-Workout; mit Freunden in überschaubarer Runde essen, trinken, mich unterhalten, gerne in Restaurants oder Kneipen, vorzugsweise in Mainz.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Wünsche

Eine Lesung

Die Möglichkeit, wieder häufiger in Berlin zu sein

Die Möglichkeit, wieder häufiger in die USA zu reisen

Die Übersetzung meines Romans ins Amerikanische irgendwie bewerkstelligen

Traum

Einige Monate im Jahr regelmäßig in der USA verbringen mit Standort an der Ostküste, um zu recherchieren und zu interviewen …

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig!

Schon während ich an meinem Roman geschrieben habe, waren Beta-Leser für mich am Werk. Die lektorierte Endfassung legte ich dann nochmals drei Testleserinnen vor. Mit Anmerkungen und Anregungen habe ich mich immer intensiv beschäftigt. Mein Buch ist dadurch um Längen besser geworden.

Seit der Veröffentlichung habe ich einige Rückmeldungen gekriegt, nicht zuletzt in einer Leserunde bei LovelyBooks. Über Lob freue ich mich natürlich, aber auch über konstruktive Vorschläge. Für die zweite Auflage habe ich jetzt schon einige Verbesserungen im Kopf, alles aufgrund von Hinweisen meiner Leser.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich freue mich darüber, dass immer mehr Leser auch zu den Büchern von Selfpublishern oder kleinen Verlagen greifen. Auch ich beziehe einen Großteil aus diesem Fundus. Es lohnt sich wirklich, abseits vom Mainstream zu schauen.

Vielen Dank, Bianca!


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Vaders Orchestra (Donnerstag, 07 April 2016 23:54)

    Eine sehr sympathische Autorin.
    Und ein sehr interessantes Interview: Aus dem Leben einer Autorin.
    Interessant auch, die literarischen Einflüsse.