Interview mit Per Sander

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Per Sander, geboren bin ich 1985 in Essen/NRW. Zusammen mit meiner Frau (ebenfalls Autorin) lebe ich momentan in Krefeld – nicht mehr im Ruhrpott, aber nah genug dran, um kein Heimweh zu bekommen. Ich schreibe Krimis und höre gelegentlich, dass ich sogar lustig dabei sein soll.

Seit wann schreibst du?

Geschichten erzählen wollte ich, seitdem ich schreiben konnte. Professionell mit dem Schreiben angefangen habe ich dann mit 15 Jahren. Glücklicherweise bin ich über ein Schulpraktikum an eine freie Mitarbeit in der Lokalredaktion einer großen Tageszeitung gekommen und die alteingesessenen Journalisten dort hatten jede Menge Geduld mit einem Grünschnabel wie mir. Von ihnen habe ich die wichtigsten Basics des Schreibhandwerks gelernt, wofür ich immer noch unglaublich dankbar bin. So bin ich schnell auf den Geschmack gekommen, für Geld zu schreiben, und habe seitdem nicht mehr damit aufgehört.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Obwohl ich den Umweg über den Journalismus genommen habe, wollte ich eigentlich schon immer Romane schreiben. Doch anfangs hat mir zum einen die Ausdauer gefehlt, die so eine große Geschichte von einem abverlangt, und zum anderen war ich lange unsicher, ob das Autorendasein überhaupt eine Karriere mit realistischen Zukunftsaussichten ist. Es gibt ja immer wieder Menschen, die behaupten, man könne davon nicht leben, obwohl sie es selbst nie versucht haben, und ohne Referenzen wusste ich früher natürlich nicht, ob diese Menschen recht haben oder nicht. Offensichtlich hat’s mich aber einfach nicht losgelassen (oder ich war einfach zu stur, was wahrscheinlicher ist) und neben der Arbeit für Zeitungen und Zeitschriften habe ich gegen Ende meines Studiums angefangen, mir etwas Geld als Ghostwriter dazuzuverdienen – erst vor allem für wissenschaftliche Texte, später dann auch für fiktionale. Dabei habe ich schnell gemerkt, wie gern ich mit Mysteries als Plot-Triebfeder arbeite, und daraufhin habe ich im August 2015 endlich meinen ersten Krimi als Per Sander veröffentlicht.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Ziemlich früh. Ich habe immer schon gern gelesen, und als ich verstanden habe, dass Bücher von Menschen geschrieben werden, wusste ich, dass ich das auch machen will.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Bisher habe ich eine Krimi-Kurzgeschichte namens »Hexenzunge« und zwei Kriminalromane – »Todeswerk« und »Giftgold« – veröffentlicht. Die Protagonisten in allen drei sind der Krefelder Kriminalhauptkommissar Knüppel und der Kunsthistoriker Arndt van Gruyter.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ja, sehr viel sogar, und ich recherchiere wirklich gern. Ich finde, damit sich eine Geschichte richtig anfühlt, müssen sich die Figuren vollkommen selbstverständlich in ihrem Umfeld bewegen, und dafür muss ich dieses Umfeld erst einmal verstehen. Manchmal ist das natürlich nicht ganz einfach, wenn man z.B. keinerlei Erfahrung in einem bestimmten Bereich hat.

Anfangs fand ich beispielsweise die Diensthierarchien und Kommissariatsstrukturen bei der Polizei sehr undurchsichtig. Welche Ränge stehen für was, wie kommt man dorthin, wie genau definieren sich mittlerer Dienst und gehobener Dienst usw. – dabei hat mir letztendlich Acor Hans-Peter Kniely, der Pressesprecher der Polizei Krefeld, sehr geholfen (an dieser Stelle nochmal vielen Dank dafür).

Aber damit ist es ja meistens noch lange nicht getan. In »Todeswerk« geht es z.B. um eine Serie vom Morden, die Details aus Gemälden von Hieronymus Bosch nachstellen, was überhaupt erst den Kunsthistoriker Arndt ins Spiel bringt. Kunstgeschichte ist allerdings nicht mein Fachgebiet, ich habe Germanistik und Anglistik mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Literaturwissenschaften studiert. Dabei kommt man zwar am Rande in Kontakt mit Kunstgeschichte, aber zu einem Experten für Hieronymus Bosch macht mich das noch lange nicht.

Also habe ich Fachliteratur zu Bosch und der Kunsttradition seiner Zeit gewälzt (was ich wirklich und ganz ohne Sarkasmus ausgesprochen gern mache), bis ich schließlich eine Geschichte um die trockenen Fakten spinnen konnte.

Mit jedem neuen Buch kommt dann wieder etwas anderes dazu, mit dem ich mich beschäftige, für »Giftgold« war es zum Beispiel die Geschichte des Großbürgertums in Krefeld – wenigstens wird mir so nie langweilig.

Wo schreibst du am liebsten?

Zu Hause an meinem Schreibtisch und mit der Kaffeemaschine nur ein paar Schritte entfernt. Grundsätzlich reise ich zwar extrem gern, aber dabei habe ich nicht die Ruhe, die Erstfassung eines Romans zu schreiben. Unterwegs kann ich besser Ideen sammeln und Texte überarbeiten.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich versuche zwar immer wieder, mir ein Ritual anzugewöhnen, aber scheitere regelmäßig glorreich daran. So konsistent Output zu bringen, wie ich es mir vorstelle, fällt mir momentan noch etwas schwer, da muss ich ehrlich sein. Aber ich arbeite dran – und zum Glück klappt’s ja irgendwie trotzdem.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Vor dem dritten Krimi um Knüppel und Arndt (der übrigens einen wirklich verdammt coolen Titel haben wird, den ich allerdings leider noch nicht verraten kann/will) werde ich den Auftakt zu einer literarischen Serie namens »Keine Leiche, kein Problem« veröffentlichen. Nergiz und Patrick, beide etwas vom Pech verfolgt, beginnen eher unfreiwillig, Leichen für die kriminelle Elite des Ruhrpotts zu entsorgen – und obwohl es natürlich nie wirklich die Karriere war, die sie sich vorgestellt haben, sind sie sogar überraschend gut darin.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ich liebe und bewundere die klassischen Krimis von Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Martha Grimes und versuche, mit den Geschichten um Knüppel und Arndt recht streng der klassischen Whodunit-Struktur zu folgen. Was Timing bei Humor und den Einsatz von Ironie betrifft, waren Kurt Vonnegut und Mark Twain sehr wichtig für mich.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Viel zu viele, um alle nennen zu können. Ein paar meiner absoluten Lieblingsbücher, die ich immer wieder lesen kann, sind »Frankenstein« von Mary Shelley, »No Country For Old Men« von Cormac McCarthy, »Slaughterhouse 5« von Kurt Vonnegut, »His Dark Materials« von Philip Pullman und »The Hotel New Hampshire« von John Irving.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Weil ich ziemlich unausstehlich werde, wenn ich zur geistigen Arbeit keinen körperlichen Ausgleich habe, mache ich relativ viel Sport – am liebsten laufe ich Langstrecke. Davon abgesehen gehe ich gern auf Konzerte, bin ein kleiner Serienjunkie und liebe meine Playstation, weil ich bei kaum etwas so gut abschalten kann wie beim Zocken.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Wirklich unglaublich freuen würde ich mich, wenn aus »Keine Leiche, kein Problem« eine TV-Serie werden würde, da ich die ganze Sache sowieso in Episoden und Staffeln aufbaue – aber dafür sollte ich das Projekt wahrscheinlich erst einmal fertigstellen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Extrem wichtig. Natürlich liebe ich es, zu schreiben, aber ohne Leser ist es witzlos. Außerdem ist positives Feedback einfach verdammt motivierend – vor allem, da ich das Gefühl habe, dass meine Leser genau das an meinen Texten schätzen, was mir selbst am wichtigsten beim Schreiben ist. Irgendwie ist das beruhigend. Gleichzeitig hilft jedes bisschen konstruktive Kritik, bessere Texte zu produzieren, und letztendlich geht es ja genau darum: Gute Texte.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Wenn ihr Lust darauf habt, schreibt Rezensionen, denn ehrliche Meinungen sind mittlerweile wichtiger denn je. Wenn das nicht euer Ding sein sollte, erzählt euren Freunden, Verwandten und Bekannten von den Büchern, die euch gefallen haben. Autoren leben von eurer Begeisterung.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0