Interview mit Inca Vogt

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin eine unstete Zigeunerin mit Rollwurzeln, ständig auf der Suche nach einer Mitte, einem Lebensmittelpunkt, einem Platz wo ich bleiben kann. Dabei habe ich ihn längst gefunden, er ist in mir drin. Das vergesse ich ab und zu.

Von statistischen Angaben halte ich nicht viel. Deshalb gibt es von mir auch kaum Angaben zu Geburtstag, Geburtsort, Wohnort und ähnlichem.

Aber ich bin ;-) Bin rebellisch, wenn ich Unrecht wittere, bin viel zu temperamentvoll, ungeduldig, extrem kinder- und tierliebend und schützend. Fast-Veganerin und extrem wütend auf alle Egoisten, die rücksichtslos und mit Ellenbogen unterwegs sind. Sie sind nicht meins, nicht meine Gattung, nicht meine Freunde. Alle anderen Lebewesen habe ich von Herzen lieb.

Seit wann schreibst du?

Schon immer. Als ich meine Geschichten noch nicht aufschreiben konnte, habe ich sie erzählt. Überliefert ist eine ‚Vorführung’ im Kindergarten. Ich muss etwa drei gewesen sein und sollte als Sternthaler ein Gedicht aufsagen. Das habe ich wohl nur in den Proben gemacht. Bei der Aufführung erzählte ich mit meinen Worten eine ganz andere Geschichte. Es kamen Lacher und etliche Mahnungen, auch später noch, wenn ich einfach mein Ding erzählte. Oder machte.

Disziplinierter war mein berufliches Schreiben als Werbetexterin, als Journalistin, PR-Texterin und als Ghostwriter für Dies und Das, für etliche Ratgeber, Guides und Fachbücher, auf denen sogar ab und zu mein Verfassername stand. Schnee von Gestern, deshalb auch nichts was ich in meiner Vita aufführe.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Wollte ich immer machen, habe ich dann auch irgendwann gemacht. Zuerst als fest umrissene Auftragsarbeit, dann wie oben erzählt und endlich mit den Themen, die mich beeinflussen und beschäftigen.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Ich wollte Maler oder Schriftsteller werden. Immer schon. Also wurde ich zuerst ganz vernünftig Grafikerin, dann habe ich Marketing und Werbepsychologie im Abendstudium in Frankfurt dazu gepackt und ‚Bumms’, war ich Werbetexterin. Sogar eine recht Gute. Dann bretterte das Leben dazwischen. Erst als ich dachte, es ist fast zu spät, habe ich es endlich durchziehen können. In einer schwierigen Lebenssituation schrieb ich meinem ersten Psychothriller ‚Gebrannte Kinder’. Das Universum ist zuweilen ganz trickreich, danke dafür.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Offiziell und aus meiner Vita ablesbar, habe ich drei Bücher veröffentlicht.

Einen unterhaltsamen iPhone-Guide für Ladies und kleine Technikverweigerer, die aber trotzdem alles nutzen wollen. Frei nach dem Versuch- und Irrtum-Prinzip.

Zwei Psychothriller einer lockeren Reihe, die lediglich durch einen größeren Handlungsrahmen zusammengefasst sind, aber jeweils abgeschlossene Themen/Hintergründe haben. Es handelt sich stets um Schlagzeilenthemen, die zum Teil unter die Haut und in die Tiefe gehen. Auch Tabuthemen.

Gebrannte Kinder, mit dem Grundthema Kindesmissbrauch

Götzenkinder, mit dem Grundthema Schönheitswahn

Band drei ist in Vorbereitung und wird erneut ein sehr aufwühlendes Thema beinhalten.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ich recherchiere sogar sehr intensiv. Ich lese Fachbücher, Publikationen, Zeitungsberichte, recherchiere im Internet und spreche mit Fachleuten und Betroffenen.

Die Recherche zum Thema Kindesmissbrauch ging an meine persönlichen Grenzen und weit darüber hinaus. Ich habe lange überlegt, wie ich diesen schwierigen Stoff so packen und erzählen kann, dass er möglichst realistisch aber nicht reißerisch daherkommt; oder gar als Steilvorlage für Täter benutzt werden kann. Ein Balanceakt, für den ich immer wieder mit Betroffenen Rücksprache gehalten habe. Wichtig war mir, auch die Folgen und möglichen Hilfen mit aufzuzeigen, beispielhaft gespiegelt anhand der Protagonisten.

Das zweite Thema Schönheitswahn ist etwas, womit ich lange zu tun hatte in nicht wahnhafter Form. Ich bin Insiderin da ich jahrelang für und innerhalb der Branche gearbeitet habe. Als Werbetexterin, Journalistin und Pressefrau in einem Beautykonzern. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, was wäre wenn die ganz normale Sehnsucht nach Vollkommenheit, nach Jugendlichkeit und Liebe, die man damit verbindet, in Wahn umschlägt, wenn sie zur Sucht und zum Lebensinhalt selbst wird. Wer profitiert davon in welcher Form? Wer wird zum Opfer? Wer ist eiskalter Nutznießer?

Wo schreibst du am liebsten?

Nicht lachen, im Bett ;-) Ich habe ein Tischlein aus Bambus, das eigens für die Arbeit im Bettbüro geschaffen wurde. Allerdings sitze ich deutlich mehr Stunden am ganz normalen Schreibtisch, mit Blick auf die Mieze in ihrem Hochbett und nach draußen auf Wald und Wiesen. In Gedanken schreibe ich überall, oft notiere ich mir rasch alles ins iPhone und schick es mir per Mail auf den Rechner. So sind schon viele Szenen irgendwo beim Gassiegehen oder sonstwo entstanden. Oft Schlüsselszenen für die ich auf klassischem Schreibweg, deutlich länger gebraucht hätte.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Sollte ich mir endlich mal schaffen. Nein. Alles ist fließend. Keine Freizeit, kein Wochenende, keine Nachtruhe – leider auch keine festen Schreibrituale. Nur eins muss sein, Ruhe. Lärm ist tödlich. Wenn es laut wird, bin ich sofort raus und schlecht gelaunt.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Momentan arbeite ich an Band drei meiner Toni Amato-Reihe, der auf Götzenkinder folgt, einen vierten Band habe ich grob im Kopf. Dazu zwei bereits durchdachte Fremdgeh-Objekte, für ich sogar ein Exposee und Einstiegskapitel verfasst habe. Einen sehr harten Thriller und eine sehr lockere Krimikomödie. Letztere wollte ich eigentlich dazwischenschieben, aber wie so oft, entscheide ich letztendlich nach Gefühl. Es muss mich packen und beschäftigen, dabei hat Band drei meiner aktuellen Reihe gesiegt.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ja, vor allem John Katzenbach und natürlich Stieg Larsson. In den Anfängen auch Poe, dessen heimtückisch, hintergründige Geschichten mir schlaflose und inspirierende Nächte und Tage beschert haben. Plötzlich sah ich in jedem Abfallhaufen etwas Anderes. Er nahm mir meine unschuldige oder besser gesagt, einfache Sicht auf die Dinge, ersetzt durch ein Panoptikum an Wahrscheinlichen, Möglichem ...

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Siehe oben. Ich lese viel und gerne Psychothriller. Tiefsinnige Geschichten, die mich auch in die Abgründe sehen lassen damit ich verstehen kann, was sich in den Tätern und Opfern abspielt. Ich will wissen, warum. Und nicht bloß: wer war es.

Ich nenne ungern Kollegenbücher weil ich notgedrungen dann einzelne rauspiken muss. Aber ich bin auch zunehmend begeistert von einigen deutschen Kollegen, die den Adaptionen aus dem Ausland in nichts nachstehen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Freizeit? Die Zeit, zwischen dem, was sein muss und dem Schreiben? Autsch! Und ertappt. Der Begriff ist schwierig für mich und hat eine etwas andere Bedeutung als bei den meisten. Ich bin frei, wenn ich schreibe. Das ist meine Art frei zu leben. Ist das Freizeit?

Darf ich die Frage umstellen, in Richtung Entspannung?

Entspannen kann ich gut, wenn ich durch die Wälder stromere und mit meinen Protas rede, lebe, sie spüre, mit ihnen alleine bin. Und zwischendrin auf dem Rad, bevorzugt auf dem Ergometer mit Musik auf den Ohren. Sollte ich wieder regelmäßiger und täglich eine halbe Stunde durchziehen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich träume von einem Heim, wie ich es beispielhaft am Ende der ‚Gebrannten Kinder’ erfunden hatte. Ein Heim, in dem sich geschundene Menschen- und Tierkinder gegenseitig helfen und heilen. Ein Herzensprojekt. Für mich selbst wünsche ich mir schreiben zu können, bis diese doofe letzte Klappe fällt, bevor ich wiederkomme und da weitermache, wo es noch viel zu tun gibt. Für eine bessere Welt, in der das Miteinander und Füreinander endlich anstelle von Abgrenzung, Kriegen, Grauen, Unterdrückung und Hass siegt.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig, wie sonst soll ich erfahren, ob meine Geschichten ankommen? Ich schreibe für meine Leser, nicht für mich.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja, sehr gerne. Es ist wundervoll, dass es euch gibt, dass ihr unsere Bücher lest. Die meiner Kollegen, und meine. Ohne euch wären wir nur Spinner im eigenen Kosmos. Nutzlose Spinner ;-).

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Meine aktuellen Bücher der Toni-Amato Psychothrillerserie:

http://www.amazon.de/Gebrannte-Kinder-Psychothriller-Inca-Vogt-ebook/dp/B01CNOHYW2/ref=sr_1_1?s=digital-text&ie=UTF8&qid=1457352622&sr=1-1&keywords=gebrannte+kinder

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