Interview mit Theresa Prammer

© Franziska Tkavc

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Hallo Bianca! Vielen Dank, dass ich dir hier im Verhör Rede und Antwort stehen darf ;-).

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Es war einmal klein Theresa. Sie lebte in Wien, zwei Stockwerke unter ihrer besten Freundin, für die sie Kurzgeschichten in ein buntes Heft schrieb.

Klein Theresa wurde größer und die Geschichten länger. Und voilà, irgendwann gab es dann einen ganzen Roman, der auch sofort verlegt wurde. So war es … natürlich nicht! 

Denn klein Theresa dachte sich zwar viele Geschichten aus, machte sogar Fotostorys (was damals gar nicht so einfach war, die Filme brauchten zehn Tage für die Entwicklung!), aber Autorin war etwas sehr Irreales. Wie Zauberer. Oder Schneekönigin.

Deshalb ergriff halbgroß Theresa einen sehr viel realistischen Beruf, nämlich Schauspielerin (das soll mal bitte einer erklären).

Und betrat nun also die Bretter, die die Welt bedeuten. Immer mit einem Stift in der einen und einem Notizblock in der anderen Hand. 

Seit wann schreibst du? 

Wie wahrscheinlich die meisten Autoren, habe ich bereits als Kind mit Kurzgeschichten angefangen, hauptberuflich schreibe ich seit drei Jahren. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich habe immer viel geschrieben, auch als ich bereits Schauspielerin war. Meistens waren es Kurzgeschichten, aber ich war nicht mutig genug, sie der Öffentlichkeit preisgegeben. Doch der Wunsch, einen Roman zu schreiben, war immer mit im „Gepäck“. Und irgendwann war er dann so laut, dass ich ihn nicht mehr überhören könnte :-). Der Mut ist dann quasi mitgewachsen. 

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Ich wusste es sehr früh, bis ich ungefähr 12 war. Dann dachte ich, ok, ich kenne keine anderen Kinder-Autoren, aber ich kenne Kinder-Schauspieler. Ich kann keine Ausbildung zur Autorin machen, aber zur Schauspielerin. Also verfolgte ich mal diesen Weg. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Rettung der Regenwürmer: Frank Sinatra wird als Engel auf die Erde geschickt, um einer jungen Frau zu helfen – schafft er es nicht, wartet das Fegefeuer auf ihn.

Wiener Totenlieder, der erste Teil der Trilogie mit Carlotta Fiore und Konrad Fürst. Ein Serienmörder tötet in der Wiener Oper auf offener Bühne. Carlotta, die Tochter einer welberühmten Operndiva, wird als Statistin getarnte Under-Cover-Ermittlerin eingeschleust. Doch der Mörder hat es recht bald auf sie abgesehen.

Und Mörderische Wahrheiten, der zweite Teil mit Lotta und Konrad: Ein Serienmörder geht um in Wien. Mehrere Teenager werden tot aufgefunden, alle gekleidet in gelbe T-Shirts, die Fingernägel rosa lackiert. Das Tatmuster erinnert an eine alte Mordserie zwanzig Jahre zuvor. Doch der verurteilte Mörder ist gerade im Gefängnis gestorben ... 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Sehr viel. Für die Rettung der Regenwürmer habe ich Bücher über Frank Sinatra gelesen, jeden Film gesehen, seine Lieder gehört, Shows angesehen. Ich habe ihn sogar mal live gesehen, da war ich aber ungefähr acht Jahre alt und wusste nicht, dass ich jemals ein Buch mit ihm in der Hauptrolle schreiben werde.  Gemeinsam mit meinem Mann war ich bei einem Kalifornien-Urlaub am Grab von Frank Sinatra. Von dort habe ich eine Nuss mitgenommen, die hängt jetzt in einem Rahmen über meinem Schreibtisch.

Für die Wiener Totenlieder war mein Beruf als Schauspielerin im Theater und in Opernhäusern die beste Recherche. Ich habe oft in Musikproduktionen mitgespielt (zum Glück für alle Beteiligten und das Publikum dabei nie gesungen). 

Über die Polizeiarbeit musste ich dann noch viel lernen (um auch einiges wieder zu verwerfen, denn ich habe erfahren, dass so ein Polizeialltag ganz anders aussieht, als er immer dargestellt wird).

Für Mörderische Wahrheiten habe ich ein ganz neues Recherche-Feld entdeckt – die forensische Psychologie. Ich habe viele Gespräche mit Ärzten und Therapeuten geführt, das hat mein Bild vom „Psychopathen, wie er im Buche steht“ noch mal ordentlich bereichert … 

Wo schreibst du am liebsten?

An meinem Schreibtisch, weil auf der Wand dahinter Hunderte Post-its kleben, quasi als Außenstelle meines Gehirns. Aber ich kann überall schreiben, sehr gerne auch im Zug, weswegen ich mich immer über lange Bahnfahrten zu Lesungen freue.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ja, das beginnt schon nach dem Aufstehen. Ich schreibe jeden Tag Morgenseiten – drei A4 Seiten auf einem glatten Collegeblock. Und das, bevor ich noch mit wem geredet oder die Mails gecheckt habe. Vieles aus meinen Büchern stand vorher in diesen Morgenseiten. Und ich schreibe mit einem Programm, das mich alle 50 Minuten auffordert eine 5-Minuten-Pause einzulegen und vom Schreibtisch aufzustehen. Meistens höre ich dann ein Lied und tanze dazu wild durch die Gegend - außer ich fahre mit dem Zug …  

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Der dritte Teil mit Carlotta Fiore, an dem ich gerade schreibe. Er erscheint im Frühjahr 2017.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ob sie mich direkt beeinflusst haben, weiß ich nicht. Aber als Kind hatte ich viele Lieblingsautoren: Edgar Allen Poe, Christine Nöstlinger, Agatha Christie, Astrid Lingren, Erich Kästner, Roald Dahl, etc...

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Mein absolutes Lieblingsbuch ist Owen Meany von John Irving. Zirkuskind und Das Hotel New Hamsphire kommen gleich danach. Meine Krimifavoriten sind Simon Beckett (die David Hunter Reihe) und Mankells Wallander. Sascha Arangos Die Wahrheit und andere Lügen ist für mich ein absolutes Highlight, von Gillian Flynns Gone Girl und Finstere Orte war ich sehr beeindruckt. Und erst jetzt habe ich Karin Slaughter und Benedict Wells entdeckt.   

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, lesen und nochmal lesen... ich liebe auch Filme, gehe sehr ins Kino. Im Kochen und Essen bin ich auch sehr gut ;-). Ich buddle gern im Garten und versuche Herrin über die Brombeerstauden zu werden (was mir eh nie gelingt). Und am liebsten liege ich in der Hängematte und grüble über neue Plotideen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Noch viele Bücher schreiben zu dürfen, das wünsche ich mir.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr sehr wichtig. Darum liebe ich auch Lesungen. Als Schauspielerin habe ich Publikum immer erst beim Applaus gesehen, der direkte Kontakt (auch der schriftliche über Facebook, Mails, etc.) ist etwas sehr Schönes.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Danke für das Interview und die schönen Fragen, liebe Bianca! Und vielen Dank an meine Leserinnen und Leser, es ist toll mit Euch!  


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