Interview mit Christoph Güsken

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Danke zurück für die Gelegenheit, ein paar Antworten loszuwerden :))

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich heiße Christoph Güsken und lebe seit vielen Jahren in Münster, einer Stadt, die in Sachen Krimis schon fast

Programm ist. Früher habe ich hier auch studiert, aber aufgewachsen bin ich am Niederrhein in Mönchengladbach. 

Und in Köln war ich lange Zeit Buchhändler. Münster ist kriminalistisch gesehen vielleicht nicht so ergiebig wie 

Duisburg, Neukölln oder Freital in Sachsen, aber das hat auch sein Gutes, weil es die Fantasie trainiert und man sich die dunkle Seite

ausmalt, die hinter der piefig bürgerlichen Fassade steckt.     

Seit wann schreibst du? 

Seit den achtziger Jahren. Das ist jetzt schon so lange her, dass ich selbst nachsehen muss. Damals gab es noch die DDR.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Vorlesungen an der Uni. Nicht alle, aber viele waren langatmig und aus komplizierten Schachtelsätzen zusammengebaut. Da lage es nahe, den einen oder

anderen Gedanken in kurze abstruse Dialoge zu packen. Das wurde immer mehr und irgendwann konnte ich nicht mehr davon lassen. Es wurde erst zur Sucht und dann zum

Bücherschreiben.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Geahnt habe ich das eigentlich schon immer. Aber ich habe es mir lange Zeit nicht geglaubt. Also wurde ich Buchhändler und habe mir eingeredet,

dass es das war, was ich werden wollte - so lange das eben gut ging. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Ich habe mit einem Sciencefiction angefangen, bin dann beim Krimi gelandet. Da waren Unernste Krimis und ernste, mal 

spielten sie in Köln, mal in Münster oder Mönchengladbach, mal unter meinem Namen, mal unter Pseudonym. Zwischendurch gab es 

aber auch Unblutiges, zum Beispiel einen Roman über einen Messias wider Willen und ein Kinderbuch. Inzwischen ist die Liste lang, 

aber wie andere Autoren habe ich viel mehr Bücher geschrieben als veröffentlicht.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Nur dann, wenn es wirklich notwendig war. Das soll nicht heißen, dass ich mir das am liebsten spare, aber meine 

Krimis leben von der Skurrilität ihrer Figuren und die gedeihen in einer gewissen nicht real vorfindbaren Überspitzung 

besser als in der nüchternen Wirklichkeit. Insofern habe ich von momentanen Eingebungen und assoziativen Ideen eindeutig 

mehr profitiert als von sorgfältiger Millieustudie. Unabhängig davon gerät man immer wieder an eine Frage, die man klären

muss, sonst geht die Geschichte nicht weiter. Dann ist Recherche angesagt.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich habe keine Lieblingsplätze. Das liegt daran, dass ich, als meine Tochter noch sehr klein war, 

praktisch Zeit und Raum zum Arbeiten immer so nehmen musste, wie sie gerade kamen. Das hat sich mit den Jahren

eingeübt. Aber wenn ich es mir aussuchen würde, dann am liebsten auf Kreta an einem Strand - natürlich sollte ausreichend 

Schatten vorhanden sein.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, eigentlich keins. Meistens ergibt es sich so, dass ich damit anfange, das, was ich gestern geschrieben habe, 

zu überarbeiten, dann bleibt nicht viel davon übrig. Aber immerhin ein wenig kommt durch und so sammelt sich 

mit der Zeit mehr und mehr Text an. Ich arbeite möglichst immer an zwei Projekten, so kann man jederzeit wechseln, wenn man 

stecken bleibt, in die andere Geschichte und wieder zurück, wovon dann beide profitieren.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Mein neuer Krimi mit einem neuen Protagonisten kommt ja gerade heraus und ich sitze auch schon an einer Fortsetzung. Die andere

Sache ist komplett mordlos und handelt von einem Mann, der über die Fähigkeit verfügt, es regnen zu lassen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ich denke, alle Autoren, die ich gelesen habe, haben mein Schreiben beeinflusst. Aber manche natürlich ganz 

besonders - ohne dass ich mich zu ihnen auf eine Stufe stellen würde. Mark Twain, Monty Python, Loriot - das

sind Namen, die mir zuerst einfallen.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Das überschneidet sich ja ein bisschen mit der letzten Frage. Aber was den Bereich Krimi betrifft, so haben mich in letzter Zeit 

besonders einige Krimis von Tana French begeistert. Die fallen durch das Einheitsraster, das sich aufgrund der riesigen Krimiprogramme 

der Großverlage immer mehr über das Genre stülpt: Coole Ermittler, Serienkiller und Leichenteile, wo man hinsieht. French ist, wie ich finde, rühmliche 

Ausnahme und Hoffnungsschimmer.Und ich bin sicher, sie ist nicht die einzige.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Musik. Verreisen. Ins Kabarett gehen. 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich könnte natürlich sagen, eines Tages auf einem Achttausender eine Krimilesung abhalten. Aber eigentlich sind meine Wünsche 

viel bescheidener: Ich würde gern die Stoffe, die in meinem Kopf herumspuken, zu Papier bringen, und hoffe dabei, dass sie gleichermaßen

schreibens- wie lesenswert sind.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig. Beim Schreiben ist die Gefahr, glaube ich, sehr groß, dass man sich in seine Höhle begibt und viel Zeit 

darauf verwendet, das Rad neu zu erfinden. Anschließend ist dann die Enttäuschung darüber groß, dass es das schon gibt. Dagegen hilft Feedback.

Natürlich muss man auch differenzieren. Im Internet gibt es bekanntlich Vieles, das nach Rezension aussieht, aber in Wirklichkeit nur Abreagieren ist.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Vielleicht nur, dass sie letztlich diejenigen sind, die über Geschriebenes entscheiden. Dass das so bleiben soll und sie sich nicht 

von Literaturexperten im Fernsehen oder von Bestsellerlisten vorschreiben lassen sollten, was sie zu lesen haben, weil es jenseits derer viel Interessantes gibt. 

Dass sie sich ihre Neugier erhalten sollten.


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