Interview mit Antonia Günder-Freytag

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Hallo liebe Bianca, es freut mich riesig, dass ich hier was über mich und meine Projekte erzählen darf!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Gerne. Ich schreibe nicht so viel, wie ich gerne möchte und lese mehr, als für meinen Alltag gut ist.

Okay, das war jetzt wahrscheinlich nicht die Frage … Also: Ich habe bald 46 Jahre auf dem Buckel und zwei erwachsene Söhne. Ich wohne schon immer, abzüglich ein paar Jahren Auslandsaufenthalt, durchgehend in München und esse gerne Nudeln :)

Seit wann schreibst du?

Ich schreibe gar nicht mal so lange. Ich habe immer schon Geschichten erzählt und erfunden. Im Deutschunterricht seitenlange Aufsätze geschrieben. Das habe ich schon mein Leben lang gemacht.

Dass ich unabhängig von der Schule Geschichten aufschreibe, also wirklich schreibe, das hat erst vor ungefähr 10 Jahren begonnen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Zunächst wollte ich eigentlich nur wissen, wie man es hinbekommt, einen ganzen Roman zu schreiben, ohne sich darin zu verlieren. Ich hatte Jahre zuvor mal versucht einen Krimi zu schreiben und hatte mich hoffnungslos verrannt. Darum habe ich „Die Schule des Schreibens“ gemacht. Damals noch ohne Internet, sondern mit Briefpost und viel Geduld. Dann habe ich mir, als es Internet gab, ein Forum gesucht, das sich ausschließlich auf Kurzgeschichten konzentriert hat. „Fiction-Writing“ hieß es und ich will es nicht missen. Ich habe dort gelernt, wie wichtig es ist, sich kurz zu fassen … Aber irgendwann haben dann die vorgegebenen 5 Seiten eben nicht mehr gereicht. Längere Geschichten wollten erzählt werden. Und so entstand 2014 „Vatikan -Die Hüter der Reliquie“.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Das wollte ich eigentlich schon immer. Aber ich habe es nicht Autorin genannt. Ich wollte, ganz dem alten Brauchtum entsprechend, Geschichtenerzählerin werden. Bardin. Leider bin ich nicht sehr musikalisch und die Zuhörer heutzutage nicht mehr so dicht gesät. Fernsehen ist eine zu große Konkurrenz und der Buchdruck natürlich auch. :)

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

„Vatikan – Die Hüter der Reliquie“, ein Fantasy/Historien/Vampirroman. Für alle Geschmäcker was dabei und ich habe mir auch sagen lassen, dass es ein Buch ist für Leute, die eigentlich keine Vampire mögen.

Dann meine Krimireihe, an der ich heute noch schreibe.

„Keine halben Sachen – Konrad von Kamms 1. Fall“, „Sachsentöter – Konrad von Kamms 2. Fall“ und der gerade erschienene „Hundstage – Konrad von Kamms 3. Fall“. Alle spielen in München, sind aber nicht so „München - lastig“, dass sie nur von Einheimischen verstanden werden und jeder ist in sich abgeschlossen, so dass es egal ist, mit welchem man anfängt. Allerdings ist das Privatleben der Kommissare chronologisch und ziemlich turbulent, so dass es sich doch lohnen würde, mit dem Ersten anzufangen.

Und dann bin ich noch in zahlreichen Anthologien vertreten. Alle für einen guten Zweck. Kann man gerne auf meiner Homepage nachlesen. www.antonia-guender-freytag.de

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Wie verrückt. Für das Vatikanbuch ganz besonders. Bis ich die Geschichte „im Kasten“ hatte, habe ich 6 Jahre lang an dem Text gebastelt. Da sich die Verfolgungsjagd der heiligen Apollonia durch ganz Europa im 16. Jahrhundert und in Alexandria im 3. Jahrhundert abspielt, war es ganz besonders wichtig, alle Begleitumstände genau zu recherchieren. Es hat mir aber auch sehr großen Spaß gemacht, weil sich manchmal Dinge einfügten, dass man meinen konnte, Apollonia hätte sie mir eingesagt.

Für meine Münchner Kommissare recherchiere ich auch. Allerdings mehr in Richtung mögliche Todesarten, Waffen, Gifte. Oder auch Restaurants, Spezialitäten, Tatorte … Auch das macht Spaß, weil keiner etwas isst, das ich nicht schon probiert hätte. :)

Wo schreibst du am liebsten?

Ganz langweilig: An meinem Schreibtisch mit Blick ins Grüne auf meinen kleinen zugewachsenen Gartentümpel, an dem sich viele Vögel und Eichhörnchen einfinden. Dazu keine Musik, ziemliche Stille ist mir das liebste.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Leider nicht wirklich. Wenn man davon absieht, dass ich wahnsinnig gerne in der Gegend rumlaufe und kaum stillsitzen kann. Wenn es spannend wird, muss ich aufstehen und im Kreis laufen… Ziemlich bekloppt, nehme ich an.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Bei meiner Agentur liegen zwei Projekte - ein Kinderbuch und ein Herrenhaus/Mystery/Liebesroman. Da muss ich Geduld aufbringen und auf einen Publikumsverlag hoffen.

Ansonsten schreibe ich gerade an dem vierten Teil der „Von-Kamm-Reihe“. Und plane einen historischen Roman, für den ich schon seit 2010 recherchiere. Natürlich nicht durchgehend, aber immer mal wieder. Dann hätte ich noch einen reinen Fantasy-Roman im Kopf und vielleicht den zweiten Teil von „Vatikan“. Mal sehen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Da gibt es sicherlich viele. Wenn ich an meine alte Sprache denke, die ich brauche, wenn ich ins Historische gehe und die mir auch nicht schwerfällt, so sind es sicherlich Schiller und Tolstoi, die einen beträchtlichen Anteil an meinem Sprachschatz und meiner Sprachmelodie haben.

Wenn ich ins modernere gehen, wobei ich behaupte, dass ich überhaupt nicht modern erzählen kann, so sind es sicherlich Agatha Christi und Hennig Mankell, die mich stark beeinflussen. Gerade die unblutige Art, die trotzdem alles sagt, hat mir immer sehr gut gefallen. Ich mag die modernen Krimis nicht so sonderliche, aus denen mir gleich das Blut literweise entgegenläuft.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich liebe Edgar Allen Poe. Dann Steven King. Dan Brown, Patricia Highsmith, Elizabeth George. Alles tolle Autoren. Oben habe ich ja auch schon ein paar genannt. Es gibt noch so viele zu entdecken und man kommt ja kaum mehr nach … Ich würde so gerne noch viel mehr lesen, aber mir reicht teilweise die Zeit nicht.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich verbringe die meiste Zeit bei meiner deutsche Reitponystute, Arwen, die ein Stück zu groß geraten ist und darum immer als Pferd angesehen wird. Sie ist übrigens meine Muse und nicht unschuldig an so manchem verzwickten Falle, den Konrad von Kamm, samt seiner Abteilung lösen muss. Ansonsten bin ich sehr gerne an einem der bayrischen Seen oder der Isar, die ganz in der Nähe von mir liegt. Leuten zusehen, zuhören, sich Gedanken machen und den nächsten Mord planen und dabei Sonnen – sehr schön!

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich möchte mit meinem Lebensgefährten nach Frankreich ziehen. Dort in ein Haus mit ganz viel Land, auf dem wir Gemüse anbauen können und mein Pferdchen genug Platz hat, um sich wohl zu fühlen. Weg von der Stadt, reines Landleben ohne zu viele Nachbarn.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Feedback ist mir sehr wichtig. Das merke ich immer mehr. Je länger ich an einer Reihe schreibe, desto wichtiger wird es mir. Ansonsten habe ich das Gefühl, ich schreibe da so vor mich hin und es interessiert schon lange niemanden mehr, wie es Konrad von Kamm geht, oder ob er es überlebt oder was seine Frauen machen…

Schreiben ist sowieso eine ziemlich einsame Angelegenheit und wenn man dann kein Echo bekommt, wird man trübsinnig. Also mir ist eine schlechte Kritik lieber, als überhaupt keine Resonanz.

Muss auch nicht lange sein und hochtrabend. Ein – „es hat mir gefallen“, oder „hat mir nicht gefallen“, plus einem Satz, warum und ich bin glücklich.

Ich denke mal, das geht allen meinen Kollegen so und ich versuche auch bei jedem Buch, das ich gelesen habe, selbst eine Rezension zu schreiben, auch wenn manchmal stöhne.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich danke meinen Lesern, die bis zu diesem Satz gekommen sind. :) Es wird manchen geben, der sich sicherlich wünscht, ich hätte noch etwas länger bei Fiction-Writing mitgemacht und wüsste es besser, mich kurz zu fassen. Nun ja, es tut mir leid, ich bin und bleibe eine Geschichtenerzählerin, die man höchstens mit einem Teller Nudeln zum Schweigen bringt. (Am liebsten Bolognese mit viel Parmesan – Danke!)

Jedenfalls danke ich allen meinen treuen Lesern und auch denen, die ich vielleicht neugierig gemacht habe, für ihre Aufmerksamkeit. Bleibt mir gewogen!

Der neuste Fall „Hundstage – Konrad von Kamms 3. Fall“ erscheint am 6.Mai 2016 im bookshouse-Verlag als e-Book und auch als Printausgabe.

Besuchen Sie Antonia Günder-Freytag auch auf ihrer Homepage www.antonia-guender-freytag.de oder Facebook www.facebook.com/Antonia.Guender.Freytag


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