Interview mit Ulrike Blatter

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Kölnerin von der richtigen Rheinseite mit Tendenz zum Seitenwechsel (für Eingeweihte: Schääl Sick) 

Medizinerin ebenfalls mit Tendenz zum Seitenwechsel (Landärztin plus Geburtshilfe, Rechtsmedizin plus Sozialpsychiatrie)   

Großstadtpflanze mit Liebe zum Landleben 

Kulturschaffende mit schwarzen Rändern unter den Fingernägeln (von der Gartenarbeit)

Katzenliebhaberin mit Hund

Teetrinkerin und Whiskyliebhaberin aber ohne einen im Tee zu haben

Geistesblitzerin mit viel Theaterdonner

Politisch aktiv, aber vollkommen talentlos bei Grabenkämpfen

Tänzerin mit zwei linken Füßen (mindestens!)

Mutter von eigenen und 'zugelaufenen' Kindern 

Großes Herz und noch größere Klappe

Zwilling mit Aszendent Löwe; Luft und Feuer - was will man mehr vom Leben! 

Seit wann schreibst du? 

Seit meiner Kindheit ... erste Romanversuche mit acht Jahren, dann festgestellt, dass ich eigentlich (noch) nichts zu erzählen hatte 

und Wechsel zur Lyrik. Erste Veröffentlichungen mit 18 ... dann kam das Leben ... und dann hatte ich auch was zu erzählen!

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Mein Mann wurde 1997 nach Slowenien versetzt. Nur ein Projekt, sagte man mir. Das dauert nur zwei Jahre ... wir blieben fünf Jahre und ich hatte

keine Arbeitsbewilligung. Das bedeutete zweierlei: 

1. Ich begann ernsthaft meine ehrenamtlichen Projekte in Bosnien zu entwickeln

2. ich begann ernsthaft zu schreiben 

Niemand war erstaunter als ich selbst, dass es funktionierte ... das Schreiben ebenso wie die Projekte. 

Zugegeben - es war anstrengend. 

Aber nichts ist vergleichbar mit der tiefen Zufriedenheit, wenn ein Text endlich 'sitzt' (naja ... vielleicht doch vergleichbar ... aber nein, das lassen wir jetzt mal beiseite, geht euch nix an, gelle?!) 

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

Nach dem Abitur wollte ich entweder Ärztin oder Journalistin werden. Um es kurz zu machen: Ich gehöre noch zu der Generation, die bei der Berufswahl auf den Rat der Eltern hörte.

Schreiben sei eine brotlose Kunst, hieß es. Also wurde ich Ärztin. 

Und schrieb weiter.

In einer Autorenwerkstatt machte man mir 2002 erstmals Mut Texte zu veröffentlichen. 2010 erkannte ich, dass ich den Stress in der Klinik nicht mehr so gut wegstecke und gesundheitliche 

Probleme bekam. Gleichzeitig bekam ich mein erstes Stipendium für einen Roman. Das war der Wendepunkt. Ich kündigte und ließ neue Visitenkarten drucken, auf denen stand: 'freie Autorin'.

 Ich war glücklich. Ich bin glücklich. Und meine Eltern hatten unrecht: Schreiben ist keine brotlose Kunst. Fürs Brot reicht es immer. Manchmal fehlt allerdings die Butter ;-)

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

vier Romane (der fünfte ist bereits fertig geschrieben, erscheint voraussichtlich 2017). Mitarbeit an zahlreichen Anthologien. 

Herausgeberschaft zweier Anthologien. Ein Essayband, zwei Kinderbücher, ein Theaterstück. Aktuell beginne ich eine eigene Kurzkrimireihe auf neobooks. 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Vieles weiß ich aus meinem Beruf oder durch meine Reisen. Da ich nicht nur im Krankenhaus gearbeitet habe, sondern als Rechtsmedizinerin und Sozialpsychiaterin auch 'auf der Straße'

kenne ich z.B. die Kiezkultur aus eigener Anschauung, ich weiß, wie es an einem Tatort aussieht und habe selbst Spurensicherung durchgeführt. Ich habe Waffen untersucht und Leichen obduziert, habe 

nachts gemeinsam mit meinen schizophrenen Patienten Zombies verjagt und wurde selbst massiv bedroht. Ich habe mit Mördern und Kleinkriminellen gesprochen, habe in den Villen der Superreichen 

hinter die Fassaden geschaut (nicht schön!), wurde nachts von Drogen-Notfallpatienten zum Tee eingeladen (ohne Whisky ... ich war ja im Dienst!). Ich beschreibe ausschließlich Orte, die ich aus eigener 

Anschauung kenne. Und wenn ich einen Ort nicht kenne, dann warte ich mit dem Schreiben, bis ich dorthin reisen konnte. 

Wo schreibst du am liebsten?

Früher habe ich ausschließlich in Cafés geschrieben. Aber seit die in meinem Lieblingscafé einen so furchtbaren Radiosender ausgewählt haben und vor allem, seit die Heizung in meinem 

Büro endlich funktioniert - schreibe ich auch gern zuhause. Passagen meines neuen Romans (ein Polit-Thriller, der noch nicht erschienen ist), waren allerdings so heftig, dass ich mich mit

einer kuschligen Decke zu meiner Familie aufs Sofa gesetzt hatte. Keine Ahnung, was sie sich im Fernsehen angeschaut haben, ich war mitten in meiner Story. Aber ohne die liebevolle 

Präsenz meiner Liebsten hätte ich diese Stellen nicht schreiben können.

Die Geschichte 'Closed Rooms', die bei meinen Lesern claustrophobische Gefühle auslösen kann, habe ich übrigens auf einer hellen Hotelterrasse bei gleißendem Sonnenschein geschrieben ... mit weitem Blick aufs Meer. 

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ganz früh aufstehen (vier Uhr morgens), Tasse Tee machen (ohne Whisky), Kerze anzünden, evtl. Duftöl, in den Text reingrooven .... und dann .... einfach loslassen und losschreiben.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Den oben erwähnten Polit-Thriller. Er ist sehr aktuell, sehr politisch und offenbar sehr brisant. Ich hatte bereits 6 Absagen, da es angeblich gefährlich wäre, das Buch zu veröffentlichen. 

Zugegeben, er beruht auf einer wahren Geschichte. Mal sehen, welcher Verlag sich traut. Ich habe keine Angst!

Dann schreibe ich seit einiger Zeit an einer Kurzgeschichtensammlung mit Erlebnissen aus meiner Zeit als Ärztin.

Und vielleicht bringe ich es doch noch mal heraus - das ultimative Backbuch für Diabetiker .... 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Das hier ist meine literarische Hausapotheke, in der ich IMMER Trost und Stärkung finde: Heinrich Heine, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch

Karl May (auch wenn ihr lacht, er hat mich sehr beeindruckt und ich habe einiges über Spezialeffekte und Spannung gelernt ;-)  ), Alice Munro, Alice Walker, 

Scott Fitzgerald, Roald Dahl (<3 <3 <3 <3) E.L. Doctorow, Somerset Maugham, Stewart O'Nan, Philip Roth, B.Traven 

Patricia Highsmith, Isabell Allende, Gaqbriel Garcia Marquez und und und ....

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

siehe oben - ich bin immer auf Entdeckungsreise; aktuell lese ich "Ein untadeliger Mann" von Jane Gardam. Sehr gerne lese ich Sachbücher, Historisches und Biografien. 

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Viel Zeit mit meiner Familie verbringen. Mein Garten (ich kaufe mit der gleichen Begeisterung Stauden und Rosenstöcke wie andere Frauen Schuhe). 

Spazieren oder Wandern mit meinem Hund. Tiere beobachten und Vögel bestimmen. Wildblumenwiesen oder Gemüsegärten anlegen. Backen und neue Kochrezepte ausprobieren. 

Reisen. Fotografieren. Da fehlt doch noch was? Was war das nur? Ach so (rotwerd): LESEN!

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich möchte gern einmal ein echtes Nordlicht sehen ... (NEIIIIN, ich meine keinen Typen aus Hamburg, sondern so ein echtes grünes Himmelsnordlicht). 

Aber zuerst einmal wollen mein Mann und ich gemeinsam mit unserem Hund in diesem Sommer zu Fuß die Alpen überqueren. 

Wir werden daraus eine Art Spendenlauf machen für unsere Projekte in Bosnien, die ich auch in Zukunft weiter begleiten möchte. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig. Ich sehe jeden Text als Beginn eines Dialogs. Klar freue ich mich über positive Feedbacks. Aber auch negative Anmerkungen bringen mich weiter, sofern sie konstruktiv sind. 

Es ist für mich jedesmal ein großes Glücksgefühl, wenn ich merke, dass ich es wieder mal geschafft habe, einzelne meiner LeserInnen in einer ganz bestimmten Lebenssituation 'abgeholt' 

zu haben. "Woher kennen Sie meinen Vater so genau?", wollte einmal eine Frau von mir wissen ... Natürlich hatte ich den Mann noch nie getroffen. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ich grüße meine LeserInnen, die sich auf meine schrägen, sperrigen und ungewöhnlichen Texte einlassen und freue mich auf viele gemeinsame Lesungen und einen lebendigen Austausch.

Genauso wie meine Bücher liegt mir allerdings mein Projekt für benachteiligte Kinder in Bosnien am Herzen. Wir leisten dort seit vielen Jahren eine hervorragende Arbeit. Ich freue mich sehr, wenn 

Ihr uns dabei unterstützt - oft reicht es schon darauf hinzuweisen und den folgenden Link zu teilen. Herzlichen Dank! Hier der Link zum Projekt: http://www.ulrike-blatter.de/mein-projekt-2/


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