Interview mit Markus Kastenholz

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Der Dank liegt ganz und gar bei mir. ;)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ja, gern. Da fange ich am besten mit den „technischen Daten“ an:

Geboren am 28. Mai 1966, Sternzeichen Zwilling, Aszendent Jungfrau. Laut chinesischem Horoskop ein „Feuerpferd“.

Beruflich: Da habe ich Vergleichende Religionswissenschaften studiert, abgebrochen, weil das Geld dafür ausging (und das Studium erst fast 30 Jahre später beendet – will doch kein Studienabbrecher sein ;) ) Danach eine Bürokaufmannslehre, ohne auch nur einen Tag im Beruf gearbeitet zu haben. Stattdessen bin ich ins Organisationsmanagement, heutzutage würde man das Event-Manager nennen. Da es eine politische Partei war, habe ich es jedoch nicht mit den Auftritten von Michael Jackson zu tun, sondern von Politikern, bspw. im Wahlkampf. Man sollte es nicht meinen, war aber eine sehr interessante Tätigkeit.

Da hielt ich es immerhin 10 Jahre aus. Als meinem Vater 1998 das Bein amputiert wurde und sich jemand um ihn kümmern musste, habe ich das getan und meinen Beruf aufgegeben. Mit 68 Jahren schiebt man niemanden ins Altenheim ab – erst recht nicht die subjektiv „besten Eltern der Welt“. Meine Mom war ebenfalls pflegebedürftig und stark in ihrer Mobilität eingeschränkt. Mein Vater starb 2004, meine Mom 2011. Ich war bis zum letzten Moment bei ihnen.

Dadurch und durch einige andere Umstände fand sich nie die Gelegenheit, eine Familie zu gründen. Sollte wohl nicht sein …

Seit wann schreibst du? Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Etwa seitdem ich 11 bin – und man darf es durchaus als „Ersatzbefriedigung“ betrachten.

Ich war früher ein sehr dickes Kind. Als Säugling hatte ich eine Gehirnhautentzündung, da war ich dann fünf Minuten klinisch tot. Seitdem versuchten meine Eltern, eine Käseglocke über mich zu stülpen und haben mir nur sehr wenig verboten. Tja, und offenbar hatte ich einen gesegneten Appetit.

Bedeutet aber auch: Mobbing in der Schule (nicht nur durch Mitschüler, auch die Lehrer mischten da eifrig mit), wenige Freunde … das Übliche. Während Mitschüler auf Parties waren, saß ich zu Hause und habe geschrieben.

Richtig: Ersatzbefriedigung. In meiner Phantasie (bzw. dann auf Papier) konnte ich alles sein, was ich im wahren Leben nie sein durfte. Da konnte man sich hervorragend in Rollen einleben, man spielte sogar ein wenig Gott dabei. Gibt es etwas Schöneres? Und da ich ohnehin eine ziemlich überbordende Phantasie habe, bot sich das einfach an. Natürlich war das nicht geplant. Hat sich einfach so ergeben.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Schon früh in der Schulzeit. Aber eben nicht nur der Wunsch, zu schreiben. Das kann jeder, und das Schreiben hat mir über so manche üble Phase hinweggeholfen. Ich kann es also nur empfehlen. Bei mir war jedoch ganz klar, dass das Schreiben nicht nur meine Berufung werden würde, sondern auch mein Beruf. Ich wusste das einfach – fragt mich bitte nicht, woher.

Ich kann so einige Dinge, aus denen ich einen „Beruf“ machen könnte. Aber ich kann nichts so gut wie zu schreiben. Weshalb also etwas anderes tun?

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Mittlerweile sind es zu viele, um sie alle aufzuzählen. Man möge bspw. auf Amazon gehen und meinen Namen eintippen, dann wird man fündig ;)

Aber ich schreibe ja nicht nur, ich versuche mich auch als Herausgeber. Drei Projekte sind da aktuell, die parallel laufen (und bei denen ich auch als Autor fungiere):

Einerseits die FLEISCH-Reihe im Eldur-Verlag mit den meines Erachtens besten Hardboiled-Autoren, die es derzeit in der hiesigen Horror-Szene gibt. Dafür sprechen vor allem die Verkaufszahlen. Nicht zu Unrecht gewann Band 3 der Reihe erst letztens einen Vincent Preis, und Carmen Weinand belegte mit ihrer Geschichte aus Fleisch 3 den 2. Platz.

Andererseits ist da GLADIUM im Amrun-Verlag: eine Superhelden-Serie, die in einer parallelen Gegenwart spielt. Ich lese seit Jahrzehnten Superhelden-Comics, weshalb die Superhelden also nicht auch belletristisch verarbeiten? Das macht ungeheuren Spaß, auch die Interaktion mit den Mit-Autoren wie Bernhard Giersche und Cornelia Sibilitz.

Last but not least mein neuestes „Schätzchen“: BLUTGRÜTZE.

Ebenfalls eine Anthologie-Reihe mit unterschiedlichen Autoren; die Stories sind durchweg der etwas härteren Art. Auch da konnte ich ausgezeichnete Mitarbeiter gewinnen, die sich der Einfachheit halber aus „meinen Fleisch-Autorinnen und –autoren“ rekrutieren. Die meines Erachtens Besten!

Ich bin gespannt, wie die Leserschaft darauf reagiert, denn Band 1 ist gerade erschienen.

Viel zu tun also … und immer wieder etwas anderes versuchen, sich ausprobieren und seine Grenze neu definieren.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Das kommt einfach darauf an, welchem Genre sie angehören. Für reinen Horror ist das gar nicht nötig, erst recht nicht bei einer Kurzgeschichte. Manche Dinge hat man einfach im Kopf, der Plot passt. Da ich manchmal faul bin, mag ich das ;)

Andere Kurzgeschichten bedürfen dann wiederum ausgefeilter Recherche – je nach Thema eben. Wenn’s historisch wird, kann man davon ausgehen, es ist deutlich mehr Arbeit als üblich.

Das sah ich letztes Jahr bei einem „modernen Ägypten-Roman“. Da musste ich nicht nur genau über die Götterwelt Bescheid wissen, sondern auch über die einzelnen Dynastien. Ich habe sogar nachgeforscht, wie eine Mumie „hergestellt“ wurde – und vieles mehr.

Für den nächsten Roman bleibe ich allerdings in der Nähe: Freiburg.

Das Recherchieren ist vor allem eines: spannend! Man erfährt nicht nur Unbekanntes, man stößt dabei auch auf vieles, das einem bislang verborgen war. Hat ein wenig was von „Jäger und Sammler“ an sich.

Wo schreibst du am liebsten?

Am liebsten auswärts, in einem der hiesigen Restaurants. Besonders gern im Sommer auf deren Terrasse. Das ist für mich Wohlbefinden. Und gut muss es mir auch gehen, um gut schreiben zu können.

Ich habe zwar ein schönes Arbeitszimmer, aber ein klein wenig „unter Menschen“ zu schreiben, das inspiriert mich.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Kommt darauf an, was man darunter versteht.

Abgesehen davon, dass ich meine Manuskripte grundsätzlich per Hand schreibe … mit schwarzer Tinte aus einem Füller, der für mich hergestellt wurde … und auf Ringbüchern immer derselben Marke … nein, abgesehen davon habe ich keine Rituale ;)

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Wie gesagt: Freiburg. Und historisch. Zwei Zeitebenen. Mehr sei bis jetzt noch nicht verraten.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Einen? Wahrscheinlich Hunderte. Aber von King habe ich anfangs natürlich sehr viel gelesen. So viel, dass ich ihn heute „nicht mehr sehen kann“ – Überdosis ;)

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Derer gibt es auch Hunderte, schwankt immer nach Stimmung. Trotzdem will ich einige aus der nicht-phantastischen Ecke nennen: Thomas Mann, Hermann Hesse und neuerdings Ferdinand von Schierach – ein großartiger Stilist in seinem Minimalismus.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Auch Lesen. Aber dann vorwiegend Comics. Einfach Abstand gewinnen vom geschriebenen Text, mit dem man sich den ganzen Tag beschäftigt und was ganz anderes machen, um „runter zu kommen“. Und Sachbücher, bzw. –artikel nicht zu vergessen. Ich glaube, ich lese ziemlich viel, eigentlich den ganzen Tag über. Wenn auch nicht die „Bücher“, die andere lesen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Gesundheit, Glück und ein zufriedenes Leben. Also eigentlich dasselbe wie jeder andere auch ;)

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Das sollte für jeden aus der schreibenden Zunft das A und O sein. Was wären wir denn ohne die Leser? Nur Dilettanten, die für die Schublade arbeiten.

Ein Schriftsteller, der nicht schreibt, ist kein Schriftsteller. Ein Schriftsteller, der nicht gelesen wird, ebenfalls nicht.

Ich nehme Feedback also ziemlich wichtig. Einmal sogar so wichtig (vor ca. 9 Jahren), dass ich 300 handgeschriebene Seiten Roman in den Mülleimer geworfen und noch mal vorne angefangen habe.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Nur eines:

Tu alles, was du willst – solange es niemandem schadet.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0