Interview mit Angelika Griese

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Ich freue mich über deine Interview-Anfrage und beantworte dir natürlich gern deine Fragen.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 1949 in Bremen geboren und habe dort bis 1989 gelebt und gearbeitet. Berufliche Wanderwege führten mich nach Baden Württemberg ins herrliche Hohenloher Land. Da ich ein richtiges Nordlicht bin und häufig Heimweh hatte weil ich einfach in die norddeutsche Landschaft gehöre, zog ich 2006 in die schöne Hafenstadt Bremerhaven. Dies allerdings mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Ich habe im Laufe der Jahre in BaWü viele liebe Freunde gefunden, außerdem lebt mein Sohn mit seiner Familie in Schwäbisch Hall. Natürlich finden regelmäßige Besuche und Gegenbesuche statt, auf die ich mich immer sehr freue.

Bremerhaven hat mich mit offenen Armen aufgenommen, ich habe den Umzug noch nicht einen Tag bereut. Hier hole ich mir meine Inspirationen und Ideen für meine Regional-Krimis, die in Bremen, Bremerhaven und umzu spielen. Es gibt nichts Schöneres, als am Nordseestrand zu sitzen, aufs Meer zu schauen, die Seele baumeln zu lassen und über neue Projekte nachzudenken. Wenn es beim Schreiben „hakt“ setze ich mich ins Auto und fahre an den Strand. In den meisten Fällen flutscht es danach wieder am Schreibtisch.

Seit wann schreibst du?

Bereits in meiner Kindheit habe ich kleine Geschichten geschrieben, die ich meinen Freundinnen und Freunden mit Begeisterung vorgelesen habe. Als Waldorfschülerin wurde meine Freude am Schreiben sehr gefördert. In meinem Zeugnis der 3.Klasse steht: „Angelika schreibt sehr schöne Geschichten und trägt sie mit großer Freude der Klasse vor. Sie muss nur aufpassen, dass ihre Phantasie nicht mit ihr durchgeht.“ Als ich diese Beurteilung kürzlich wieder las, musste ich schmunzeln. Von klein auf war ich fasziniert vom geschriebenen Wort und tauchte ab in meine Bücherwelt.

Schreiben hat mich ein Leben lang begleitet und war häufig auch Therapie.

1995 habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ich schreibe regelmäßig Kurzkrimis und Geschichten für Zeitungen und Zeitschriften.

2007 erschien mein erstes Buch, dem weitere folgten und noch folgen werden.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Während meiner Berufstätigkeit als Galeristin und Betriebswirtin in der Wohnungslosen-, Jugend- und Altenhilfe habe ich viele ungewöhnliche Erlebnisse und Begegnungen mit interessanten Menschen gehabt, die ich aufgeschrieben und später in meinen Büchern verarbeitet habe.

Der kontinuierliche Verkaufserfolg meiner Kurzkrimis in den Illustrierten ermutigte mich, 2006 meinen ersten Bremen-Krimi zu schreiben, der 2007 veröffentlicht wurde.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Autorin zu werden, stand bereits in meiner Jugend ganz oben auf meiner beruflichen Wunschliste. Nur spielt das Leben häufig anders als man es sich wünscht. Berufliche Strukturen innerhalb der Familie „zwangen“ mich zunächst, das kaufmännische Fach zu ergreifen. Ich bin in einem sehr bodenständigen Elternhaus aufgewachsen, meine Eltern dachten bei mir piept es, als ich meinen Berufswunsch „Autorin“ äußerte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

„Mord nach Kohl und Pinkel“ (ein Bremen-Krimi)

„Mörderische Weibsbilder-Böse Gutenachtgeschichten“

„Freiwildzone“ (Bremen-Bremerhaven-Krimi)

„Wer mordet schon in Bremerhaven? 11 Krimis und 125 Freizeittipps“

Kurzkrimis in den Anthologien: „Im M(N)orden was Neues“

„Im Nordwesten mordet's sich am Besten“

„Stickelmann sieht rot“ in „STROMLinien Menschen. Orte. Geschichten"

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Für mich geht ohne Recherche gar nichts. Ich bereite mich ganz akribisch auf meine Bücher vor. Ich weiß aus Erfahrung, dass so mancher Leser die Tatorte aufsucht, Straßen abfährt und genau prüft, ob auch alle Details stimmen.

Beim Schreiben meines ersten Bremen-Krimis bin ich noch mal alle Straßen abgefahren um zu kontrollieren, ob ich eine Einbahnstraße übersehen habe und meine Protagonisten womöglich verkehrswidrig eine Straße in die falsche Richtung befahren. So mache ich es auch z.B. mit Speisekarten und Mobiliar der Restaurants, die mein „Personal“ besucht.

Meine Manuskripte lasse ich vor dem Lektorat von einem Hauptkommissar der hiesigen Kripo gegen lesen.

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch. Hier habe ich alles griffbereit und es herrscht Ruhe. Ich brauche diese gewohnte Umgebung, auch wenn meine Katze hin und wieder über die Tastatur läuft und meint, sie müsste mir behilflich sein.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich sitze spätestens um 9.00 Uhr am Schreibtisch und arbeite bis 13.00 Uhr. Am Nachmittag noch mal zwei bis drei Stunden. Und wenn mir etwas besonders unter den Nägeln brennt, auch nachts.

Eines meiner Rituale: Immer dann aufhören, wenn es gerade gut läuft. Der nächste Einstieg ist dann leichter.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich schreibe zur Zeit an einem Manuskript: Bremerhavener Weihnachtskrimis, die als Taschenbuch im November 2016 erscheinen werden. Der Titel steht noch nicht fest.

Danach wird meine Heldin: Hauptkommissarin Mona Butenschön wieder ermitteln.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Die Frage ist schwer zu beantworten. Ich habe im Laufe der Jahre so viele Bücher von so unterschiedlichen Autorinnen und Autoren gelesen, die mich irgendwie alle beeinflusst haben.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich lese überwiegend Krimis deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. Es gibt so viel hervorragende Kolleginnen und Kollegen. Eine Lieblingsautorin oder einen Lieblingsautoren habe ich nicht.

Natürlich lese ich auch Klassiker wie Minette Walters, Martha Grimes, Elizabeth George u.a.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, lesen, lesen. Und sehr gerne Nordic-Walking am Deich als Ausgleich zum stundenlangen Sitzen am Schreibtisch. Außerdem bläst mir der Wind am Deich den Kopf frei. Theaterbesuche und Live-Musik hören in den kleinen Musikkneipen Bremerhavens.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich wünsche mir, dass ich gesund bleibe und noch viele Projekte verwirklichen kann.

Und Träumen darf man ja: Meine taffe Heldin Hauptkommissarin Mona Butenschön wird die neue Tatort-Kommissarin im Bremer-TATORT

Aber wie sagte mein Vater immer: „Träume sind Schäume.....“

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Das steht an erster Stelle. Ich freue mich über jeden persönlichen und schriftlichen Kontakt, über Fragen, Anregungen und über konstruktive Kritik.

Was gibt es Schöneres als den begeisterten Applaus der Zuhörer nach einer Lesung? Der schönste Lohn für monatelanges Schreiben im einsamen Kämmerlein.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Bleibt mir treu und empfehlt mich weiter. Ich danke Euch.


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Angelika Godau (Sonntag, 22 Mai 2016 12:17)

    Tolles Interview! Dieses Heimatvertriebengefühl kann ich sehr gut nachempfinden, ich glaube auch, irgendwann....Wenn ich vorher mal wieder an die Nordsee fahre, darf ich dich dann besuchen kommen??