Interview mit LiLo Seidl

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Hallo Bianca, danke, dass du mir die Gelegenheit gibst, ich mache das gern :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich habe 55 Jahre auf dem Buckel, den man nicht sieht ;-) und wohne in Nürnberg, 

bin aber keine Fränkin, sondern eine oberpfälzisch-niederbayerische Mischung. 

Seit wann schreibst du? 

Schon als Kind habe ich mir Geschichten ausgedacht und meine Eltern genervt,

die Lehrer hat es gefreut – ein Aufsatz, kein Problem. Als Teenager verschlang 

Grusel-Comics und ließ mich von den Dracula-Filmen mit Christopher Lee und 

Frank Langella zu meiner ersten, längeren Geschichte inspirieren. Meine sexy 

Vampir-Grafentochter verliebte sich in einen Menschen-Sohn, wie Bella & Edward 

nur umgekehrt – echte Fan Fiction, dabei existierte dieser Begriff damals noch

nicht. 1978 kam „Star Wars“ in die  Kinos, Vampire waren passé und Science 

Fiction angesagt. Ich habe alle Filme und Romane verschlungen, mein Favorit 

blieb Star Wars. Nach „The Empire Strikes Back“ wagte ich mich an meine 

Fortsetzung und "verpasste" Han Solo eine toughe Schwester (ebenfalls eine

Schmugglerin), die sich in Luke Skywalker verliebt, aber mit der Rebellion

(noch) nichts am Hut hat - sie ist fasziniert von Darth Vader. 

Es brauchte aber noch zwei Schlüsselerlebnisse und einige Jahre Anlaufzeit, 

bis ich mir sicher war „Schreiben ist genau das, was du immer tun wolltest“.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Wie gesagt, durch Schlüsselerlebnisse. 

Das einprägenste war 1997, in meinem 4. Ägyptenurlaub (Götter, Gräber und 

Gelehrte und Wüste statt Strand). Da weckte ich mit meinen Erzählungen über

die Mythologie der Pharaonenzeit das Interesse des sechsjährigen Sohnes eines 

befreundeten Ehepaares. Am nächsten Morgen stand er um halb sieben auf der 

Matte und fragte „Wann fahren wir denn ins Tal der Könige? Ich will endlich

dieses Grab mit den schönen Bildern sehen“. Sein überraschter Vater meinte,

ich sollte meine Geschichten aufschreiben. Gesagt – getan, von da an regelmäßig,

neben dem Job, auch Drehbücher. Das habe ich in Seminaren “richtig“ gelernt

(Master School Drehbuch Berlin, Filmhaus Frankfurt) und auch ins Regie-Führen

und Produzieren hineingeschnuppert. Drei Kurzfilme und ein Musikvideo sind 

so entstanden. Meine Langfilm-Drehbücher waren „ausgezeichnet“ (O-Ton der 

Produzenten), aber in Deutschland leider nicht verfilmbar, ich dachte eben

in „Big-Screen & Big-Budget-Dimensionen“. Grob gerechnet kosteten meinen 

ersten Filmminuten bereits eine Million Euro. So bin ich wieder beim 

„normalen“ Buch gelandet, da gibt es keine Budget-Begrenzung für Fantasien. 

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

Im Sommer 2011, nach meiner Knie-OP, lag ich lange flach und hatte viel Zeit

zum Nachdenken, auch über meinen Brot-Job (IT), er bot keine Herausforderungen

mehr. Nach der Reha begann ich, die Aufzeichnungen meiner Südafrikareisen 

aufzuarbeiten und ließ sie in mein erstes Buchprojekt "Das Vermächtnis 

von Südland" einfließen. Ende 2011 habe ich meine Job hingeschmissen und 

mir meinen Traum erfüllt als Autorin zu arbeiten.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Das Vermächtnis von Südland", historischer Roman (März 2013, SP-E-Book, 

 erschienen unter meinem damaligen Pseudonym Liz Talhaearn)

"Positronenfalle", Kriminalroman (August 2015, Moonhouse Verlag)

"Schokomaus & Anwaltssüppchen", Liebesroman (gerade erschienen)

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

"Schokomaus" flutschte förmlich aus der Feder, sonst recherchiere ich

natürlich. Das ist zwar viel Arbeit, macht aber großen Spaß. Die Orte

der Handlung in meinen Büchern habe ich alle bereist (Südafrika, Namibia,

San Francisco) oder ich wohne dort (Nürnberg). Ich kenne mich in Geschichte

und in den Naturwissenschaften sehr gut aus. Details lese ich nach, z. B.

Strafrecht, Pathologie usw., oder ich lasse mich beraten. Bei meinem Krimi

"Positronenfalle" stand mir ein Physiker der Uni Würzburg mit Rat und Tat 

zur Seite. 

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer, am Schreibtisch vor dem Fenster mit Blick auf 

Ahorn-Baumkronen (ich wohne im 3. OG eines Jugendstilhauses), im Sommer 

auch auf dem Balkon.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ja, Mo-Fr ab 8 Uhr bis abends ("open end", inkl. Pausen) am 

Wochenende beginne ich mittags. Manchmal staune ich selbst über meine 

Disziplin, die Tage könnten 48 Stunden haben, weil ich so viele Ideen

habe. Schreibblockaden kenn ich nicht.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja, den 2. Kathi-Starck-Krimi, die Fortsetzung von Positronenfalle, 

er kann aber unabhängig vom Ersten gelesen werden. Die Rohfassung ist

zu 3/4 fertig.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Michael Crichton, weil er so vielseitig war und viel Genres "bediente":

History, Science Fiction, Thriller, Krimi ...

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Alle von Michael Crichton, "Oh wie schön ist Panama" von Janosch, die 

Krimis von P.D. James, früher habe ich auch viel von John Grisham gelesen,

in den letzten Jahren nichts mehr (weil Masse, statt Klasse). Sonst lese

ich nach Lust und Laune (Krimi, Thriller, Politisches, Fachliteratur).

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Gut essen gehen, gute Gespräche führen, Konzerte, Museen und Ausstellungen

besuchen, Kino, Fernsehen (Spielfilme zum Abschalten, sonst Dokus und News)

und Shoppen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir 

  gerne noch erfüllen möchtest? 

Einen Bestseller schreiben, der verfilmt wird und vom Schreiben leben zu 

können, wie viele andere Autoren auch ;-). Ich würde gern wieder mal 

verreisen, nach Südafrika, Mexiko, in die USA ... und einmal ins All, 

um mir die Erde von oben anzusehen. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Das ist sehr wichtig, egal ob Amazonsternchen, per PN auf FB, SMS oder 

persönlich, so weiß ich, ob ich mein Handwerk richtig mache oder was verbessern

muss. Allerdings bettle ich nicht um Rezensionen, jede(r) Leser(in) soll das 

freiwillig machen. 

ABER: reines Herum-Meckern geht m. E. gar nicht z.B. wenn das Buch nicht gefällt

 - Geschmäcker sind nun mal verschieden. Ich schätze konstruktive Kritik wenn 

Fehler im Buch entdeckt werden, die der Lektor oder ich übersehen haben, und 

bitte um einen Hinweis über das Kontaktformular auf meiner Homepage oder als PN

FB.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Sehr gern, liebe Bianca.

Ich danke allen, die mich bisher unterstützt haben und hoffe, dass es auch in 

Zukunft so bleibt. Außerdem wünsche ich mir, dass Selfpublisher nicht mehr so

"schräg" angesehen werden. Ohne Verlag heißt nicht gleich "schlecht geschrieben". 

Jede(r) sollte sich mal abseits des Mainstream bewegen und nicht nur die übliche 

Einheitskost konsumieren, sondern unbekannten Autoren eine Chance geben. Das gilt

auch für die lokale Presse.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0