Interview mit Marc Raabe

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich versuche es mal mit Stichpunkten :)

47 Jahre alt

3 Jobs: Vater, Geschäftsführer, Autor

2 Kinder, 1 Hund

verheiratet mit einer Psychologin

ständig voller Ideen, die unbedingt raus müssen

Seit wann schreibst du?

Ich habe in der Schule angefangen für die Schülerzeitung zu schreiben, dann kurz darauf eigene kleine Drehbücher und Kurzgeschichten.

Wie bist Du zum Bücher schreiben gekommen?

Mit 20 habe ich versucht, meinen ersten Roman zu schreiben. Das ging bis Seite 70 einigermaßen gut. Ich hatte mir allerdings 500 Seiten vorgenommen und habe dann gemerkt, dass ich noch nicht so weit bin, in so großen und komplexen Strukturen zu erzählen.

Außerdem fehlte mir auch ein wenig die Lebenserfahrung. Was damals ein Gefühl war, weiß ich heute: Wer etwas erzählen will, der muss auch etwas erlebt haben.

Mit 40 fiel mir mein Romananfang von damals wieder in die Hände. Es war wie ein unerledigtes Thema. Wie eine Bucketlist mit nur einem Eintrag: Schreiben.

Also habe ich losgelegt und einen Thriller geschrieben: Schnitt.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Ich weiß nicht, ob ich überhaupt Autor werden wollte. Was ich schon immer wollte, das war Geschichten erzählen. Das habe ich längere Zeit mit Bildern gemacht, in Filmen und Fernsehbeiträgen, und, wie gerade beschrieben, dann später mit Worten und Sätzen. Wobei das Erzählen mit Bildern und Worten oft gar nicht so unterschiedlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Zuerst der Thriller SCHNITT, dann DER SCHOCK und zuletzt HEIMWEH, dazu kommen noch die Veröffentlichungen im Ausland, mittlerweile in 9 verschiedenen Sprachen. Besonders glücklich bin ich über das Erscheinen von CUT in diesem Sommer in England. Momentan schreibe ich mein viertes Buch – und das fünfte spukt bereits durch meinen Kopf.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Oh ja, immer wieder. Viele meine Ideen ziehe ich direkt aus dem alltäglichen Leben – insofern ist jeder Tag in meinem Leben Recherche ;-)

Aber natürlich gibt es auch gezielte Recherche. Orte besuchen – mal real, mal im Internet. Mit Psychologen sprechen, mit Polizisten, Ärzten oder einfach mit Freunden. Tatsächlich verbringe ich auch viel Zeit im Netz, weil es dort so viele Informationen gibt, die Gold wert sind.

Wo schreibst du am liebsten?

Entweder in einem Cafe oder an meinem Schreibtisch zu Hause.

Aber ich kann auch an ganz anderen Orten schreiben, ich bin da nicht sonderlich wählerisch, weil ich es meistens schaffe, beim Schreiben die Welt außen vor zu lassen. Im Zug, im Flugzeug, in einem steckengebliebenen Aufzug (kein Scherz – ist tatsächlich schon passiert), am Küchenfenster, auf dem Hof ...

Hast Du ein festes Schreibritual?

Vor mir das Laptop. Mehr nicht. Ach so, doch, eins noch: Wenn möglich rechts von Laptop einen leckeren Kaffee oder Espresso!

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Wie schon gerade gesagt: Ich schreibe aktuell mein viertes Buch. Natürlich bleibe ich dem Genre Spannung treu. Alle die, die meine bisherigen Bücher mögen, werden das wiederfinden, was mich ausmacht. Trotzdem werde ich auf eine gewisse Weise Neuland betreten. Ich tue etwas, dass ich in meinen bisherigen Büchern strikt gemieden habe.

Außerdem sind meine bisherigen Bücher immer in sich abgeschlossene Geschichten gewesen. Das wird sich jetzt ändern, weil ich es enorm spannend finde, Figuren über einen langen Zeitraum zu erzählen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Immer wieder neue Autoren! Das ist ja das Tolle. Es gibt Bücher wie Sand am Meer und alle sind verschieden, haben ganz verschiedene Stärken. Um ein paar meiner Lieblingsautoren zu nennen: Jo Nesbo, Michael Robotham, Zoran Drenkvar, Stephen King ... aber zwischendurch tun auch ein paar Seiten Roger Willemsen oder Haruki Murakami mal gut. Und danach dann Don Winslow.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Oh, da habe ich mit meiner vorherigen Antwort wohl schon vorgegriffen ... :)

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Hm. Schreiben?! Familienausflüge, Skaten (ist wie fliegen), reden und denken, mal mit dem Hund rausgehen oder ans Meer nach Holland fahren, selbst wenn das Wetter schlecht ist.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Lange leben und gute Freunde haben! Und das meine Bücher vielen Menschen Freude machen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Mein Schreiben ist kein Selbstzweck, nur insofern, dass ich irgendetwas brauche, wo ich mich mit meiner Kreativität austoben kann. Ich will mit meinen Büchern Freude machen, spannende Unterhaltung bieten, Menschen auf eine Achterbahnfahrt einladen und zugleich noch ein paar Dinge erzählen, die sie vielleicht nicht wissen.

Wenn sich dann jemand bei mir zurückmeldet und mir sagt, wie es auf der Achterbahn war, dann bin ich glücklich. Feedback ist eine Antwort auf meine Bücher. Meine Leser sind mir total wichtig, sie machen möglich, dass ich schreiben kann.

Ohne meine Leser würde ich alleine am Strand sitzen und den Wellen vorlesen. Die einzige Antwort wäre Rauschen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja. Unbedingt. Lesen gefährdet die Dummheit! Und das ist die schönste Gefahr, von der ich je gehört habe.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0