Interview mit Barbara Bierach

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Vermutlich hat meinen Lebensweg am meisten geprägt, dass ich mich schnell langweile. Aus Langeweile entsteht bei mir Neugier und Tatendrang. Also habe ich Deutschland verlassen, bin ein Jahr Segeln gegangen, dann nach USA umgezogen, nach weiteren zwei Jahren nach Australien. Da war ich neun Jahre. Jetzt bin ich wieder in Europa, in Irland. Zuhause ist da, wo mein Mann, meine Katzen und meine Bücher sind, in der Reihenfolge. Da ich oft umziehe, muss ich mich sehr darum kümmern, dass ich immer wieder neue Freundschaften schließe und die alten Freunde nicht verliere. Daher verbringe ich vermutlich mehr Zeit als andere damit, mich um Freunde zu kümmern, Leute einzuladen, zu kochen, Feste zu organisieren.

Seit wann schreibst du?

Ich hab als Kind schon “Schreiben” gespielt, bevor ich überhaupt richtig schreiben gelernt hatte. Mein Vater verbrachte viel Zeit am Schreibtisch und ich war mir sicher: Wenn der das macht, ist das was ganz Tolles!

Ich bin dann auch Journalistin geworden und habe mein ganzes Berufsleben schreibend verbracht.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen?

Das erste Buch – “Das dämliche Geschlecht”, ein Sachbuch! - erschien 2002. “Lügenmauer” ist jetzt mein erster Ausflug in die Welt des Fiktiven - und ich muss sagen, dass mir das Geschichtenerzählen so viel Spaß macht, dass ich fast ein wenig traurig bin, nicht schon früher damit angefangen zu haben.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Immer schon, ich bin sozusagen mit dem Stift in der Hand auf die Welt gekommen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Als Wirtschaftsjournalistin habe ich mich in der Vergangenheit vor allem mit Managementthemen beschäftigt. Nach dem “Dämlichen Geschlecht” in 2002 bei Wiley – ein Buch, das der Frage nachgeht, warum es so wenig Frauen im Management gibt - ist bei Econ “Das herrschende Geschlecht” erschienen. Ein Buch über eitle (männliche!) Manager und den Unsinn, den sie anstellen. 2006 folgte dann ein gemeinsam mit dem Headhunter Heiner Thorborg geschriebener Titel “Oben ohne”, ebenfalls bei Econ. Da haben wir untersucht, warum es Frauen im Ausland so viel leichter zu fallen scheint als denen in Deutschland, die Mehrfachrolle als Mutter, Managerin und Ehefrau unter einen Hut zu kriegen.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Aber hallo! Ohne Recherche geht gar nichts. Das ist bei Journalisten Ehrensache. “Lügenmauer” erzählt eine erfundene Geschichte, die aber tief in der irischen Geschichte und Gesellschaft wurzelt. Und in die musste ich mich schon erst einmal einarbeiten.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich kann überall schreiben. Auch bei Lärm und unter Menschen. Wenn ich die Wahl habe, dann in meinem Büro in Charlesfort House in Irland, mit Blick über die Felder auf den Atlantik.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Wie viele Profischreiber habe ich öfter mal eine Blockade. Da hilft nur Disziplin. Hinsetzen, Computer anmachen, einfach anfangen. Wenn der erste Paragraf steht, geht es schon irgendwie weiter...

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Emma Vaughan, die Detektivin, die in “Lügenmauer” zum ersten Mal auftritt, hat schon so viele Freunde gefunden, dass es eine weiteren Band geben soll. An dem sitze ich gerade. Auch das neue Buch wird an der irischen Nordwestküste spielen und auch dieses Mal werden die Nachwehen der britischen Besatzung Irlands, des Terrors der IRA und der unseligen Dominanz der Kirchen eine Rolle spielen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nicht einen, viele. Ich bewundere verschiedene Leute für unterschiedliche Stärken. Christa Wolf zum Beispiel liebe ich dafür, wie sie mit wenigen, dürren Worten ganze Stimmungsbilder malen kann. Die un-kitschigste Autorin der Welt und doch so voll Emotion. Das muss man erst mal hinkriegen!

J.R. Rowling bewundere ich dafür, dass sie viele Figuren und einen verwickelten Plot über mehrere Bände Harry Potter jonglieren kann. Die legt in Buch zwei oder drei einen Faden an, denn sie dann in Buch vier oder fünf aufwickelt. Die Frau muss ein Gedächtnis haben wie ein Supercomputer.

An Stieg Larsson oder auch Jean-Claude Izzo finde ich das politische Bewusstsein hinreissend. Die erzählen ungeheuer spannend, aber nicht im luftleeren Raum, sondern tief verwurzelt in der Geschichte einer Stadt oder eines Landes. Auch ihr Standpunkt, dass der Unterschied zwischen Recht und Unrecht wichtig ist und erst genommen werden sollte, ist mehr als Krimifutter, sondern die Basis für das Funktionieren einer Gesellschaft.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Siehe oben.

Mein Lieblingsbuch ist allerdings “Krabat” von Otfried Preussler. Der war der Allergrößte. Was für ein Erfinder! Was für ein Geschichtenerzähler!

Bill Bryon würde ich selbst dann lesen, wenn er übers Toilettenputzen schreiben würde – sein Humor ist einfach zu gut – zumindest im englischen Original.

Beeindrucht hat mich Agota Kristof. Eine Ungarin, die auf französisch geschrieben hat. In ganz simplistischer Sprache. So entwickelt die Frau eine Sprachgewalt, die einen wirklich umhaut. Maximal reduziert und ungeheuer gut.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Hier in Irland habe ich einen großen Garten, zum ersten Mal in meinem Leben. Nun gärtnere ich und bin glücklich wie ein Kind, wenn alles wächst, blüht und gedeiht.

Ansonsten lese ich in jeder freien Minute.

Kochen – am liebsten für Freunde.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Als ich nach Charlesfort gekommen bin – das Haus der Familie, in dem mein Mann seine Kindersommer verbracht hat – habe ich mit den alten Mauern auch ein Piano übernommen. Seit Januar habe ich nun Klavierstunden und träume davon, irgendwann einmal so spielen zu können, dass ich mir selber nicht mehr peinlich bin.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ganz wichtig. Jedes Buch hat zwei Autoren. Den, der es geschrieben hat und den, der es liest und Bilder in seinem Kopf entstehen lässt. Ich freue mich, wenn meine Testleser sagen: “Emma ist super – ich will mehr!”

Liebe Barbara, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0