Interview mit Leif Tewes

Lieber Leif, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Wenn es kurz bleiben darf.... Ich bin jetzt Fünfzig, hab also schon so einiges gemacht in meinem Leben. Das Geld, das ich in der IT-Branche verdiene, gebe ich für verschiedene Hobbies und für gutes Leben aus. Ich reise gerne und viel, von Südamerika über USA, Afrika, fast alle europäischen Länder (müsste überlegen, welche noch fehlen), bis nach Afghanistan bin ich schon gekommen. Einige dieser Reisen, also konkret Tunesien und Marokko, habe ich im Rahmen von Wüstenrallyes in meinem alten Landruiser bereist. Neben dem Schreiben ist die Musik meine große Leidenschaft, ich gehe gerne auf Jazz-Festivals und lausche nach neuen Bands und neuen Sounds. Daneben lege ich ab und zu als DJ auf, Schwerpunkt NuJazz, Funk&Soul, Acid Jazz. 

Wie ist die Idee zur Krimi- und Thriller-Woche entstanden?

Die Idee hatte, ehrlicherweise, Tanja Rörsch von mainwunder, meiner PR-Agentur. Wie wichtig das Internet im Allgemeinen und Facebook im Besonderen ist, um Leser zu erreichen, war mir klar, aber ein komplettes Festival im Internet zu veranstalten, das war schon eine gewagte Idee. Aber das hat mich gereizt, daher habe ich mit Tanja die Idee verfeinert und schlussendlich umgesetzt. 

Sind weitere Events dieser Art geplant?

Das will ich hoffen. Kommt natürlich darauf an, wie groß die Begeisterung bei unseren Zuhörern ist. Das erste Mal ist immer ein besonderes Mal. Aber wer wüsste das nicht...

Seit wann schreibst du? 

Das klingt jetzt arg wie ein Klischee, aber tatsächlich seitdem ich schreiben kann. In der Grundschule, so dritte und vierte Klasse, habe ich Hefte voll mit Abenteuergeschichten geschrieben. Später, in der Pubertät, hab ich dann in umwölkten Nächten auf der Schreibmaschine meiner Mutter intensive Kurzgeschichten getippt. Während meines Informatik-Studiums waren es dann Fachbücher, und dann lange nichts. Erst vor einigen Jahren bin ich dazu gekommen, Fiction zu schreiben. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Bei den Fachbüchern war es einfach: Ich war der Meinung, ich kann es besser als das, was auf dem Markt zu haben war. Bei meinem ersten Thriller "Tag Null" war es zugegebenermaßen nicht so. Ich hatte hinreichend Respekt und Demut vor Autoren, die Bücher geschrieben, fertig geschrieben und veröffentlicht haben. "Tag Null" war anfänglich ein Zeitvertreib, eine Art "Gehirnwäsche", um den Kopf frei zu bekommen. Als dann ein Verlag angebissen hat, kam die harte Arbeit des Lektorats. Aber jetzt hab ich Geschmack daran gefunden, und mich auch durch das handwerkliche durchgebissen. 

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Hachje. Ich könnte sagen, damals in der 3. Klasse, oder, als letztes Jahr der Verlagsvertrag auf dem Tisch lag. Das lässt sich nicht genau festlegen. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Wie gesagt: Einige Fachbücher, und aktuell der Thriller "Tag Null". 

Im Herbst erscheint ja dein neues Buch "Blutzucker", in dem es um Mord und Korruption in der Zuckerindustrie geht. Was hat dich dazu bewegt, genau dieses Thema zu nutzen?

Das ist eine etwas längere Geschichte. Hat was mit meiner Herangehensweise an eine Geschichte zu tun. Ich bin ein "Themenschreiber", brauche also ein Thema, das sich in einem Satz niederschreiben lässt. Zu diesem Thema denke ich mir dann passende Figuren aus, die bei mir die Geschichte treiben. Ich bin also kein "Plotter", der von Anfang an die Handlung festlegt. Erst nach den Figuren kommt bei mir das "Setting", oder die "Bühne", auf der die Figuren agieren. Und durch puren Zufall bin ich auf die Lebensmittelbranche gekommen, und dort speziell auf das Thema Zucker. Und als ich mich dann eingelesen habe, bisschen recherchiert habe, ist mir regelrecht schlecht geworden. Das hat mich dann richtig wütend gemacht, und diese Wut tragen auch einige der Figuren in sich. 

Was erwartet uns sonst noch in "Blutzucker"?

Eine Geschichte von zwei Männern, die für ihre Lebensvision bereit sind zu sterben und zu morden. Und ein Blick in die korrupte Welt der globalen Konzerne. 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Aber hallo. Grob geschätzt habe ich ein Drittel der Zeit, die ich am Buch gearbeitet habe, mit Recherche verwendet. Das ist schon sehr aufwändig. Sowohl bei "Tag Null" als auch jetzt an "Blutzucker". 

Wo schreibst du am liebsten?

Überall dort, wo ich mindestens zwei Stunden allein bin, eine Steckdose habe, meine Kopfhörer dabei habe, und nach Möglichkeit es guten Wein gibt. Also entweder an meinem Schreibtisch, im Winter gerne am Kamin, in der Bahn, im Café, im Urlaub. 

Hast Du ein festes Schreibritual?

Noch nicht. Im Grunde habe ich drei verschiedene Aufgaben, für die ich mich je nach Laune entscheide: Wenn mir die Inspiration fehlt, dann betreibe ich Recherche. Bin ich inspiriert, dann wird recht grob und ohne viel Nachdenken in die Tasten gehauen, es entstehen Szenen, von denen ich noch nicht weiß, ob sie in den Plot passen. Und als letztes das Handwerk: Anhand einer Checkliste werden verschiedene Aspekte des Schreibens handwerklich bearbeitet. So kommt es, dass ich eine Szene bestimmt fünfzig mal bearbeite, bevor sie wirklich fertig ist. Und viel landet im Papierkorb. Aber daran hab ich mich gewöhnt. Es ist wie bei einem Fußballspieler: Er trainiert unter der Woche 20, 30 Stunden, um am Wochenende für 90 Minuten Höchstleistung bringen zu können.  

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja und nein. Ja, es gibt ein neues Projekt, aber nein, viel verraten kann ich da noch nicht. Zumindest bleibe ich meinem Stil treu: Es geht nicht um Mörderjagd, sondern um Menschen, die in Konflikte geraten, und ein topaktuelles Setting.  

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Beeinflussen ist vielleicht zuviel gesagt, denn ich kann nur so schreiben, wie ich es tue. Aber es gibt Bücher, die ich unheimlich gerne gelesen habe, weil sie mich auf verschiedene Weise überzeugt haben. Da ist z.B. James Sallis und "Driver", Melanie Raabe und "Die Falle", Bernd Aichners "Totenfrau", aber auch Michel Houellebecq und sein sehr kritisch diskutiertes Buch "Unterwerfung". Ich habe auch fast alles von Thomas Bernhard gelesen, natürlich Raymond Chandler, und besonders amüsant finde ich den finnischen Autor Arto Paasilinna. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

s.o.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Außer Schreiben? Ok, war ein Scherz. Musik ist ein Freizeitthema, ich gehe, wie erwähnt, gerne auf Konzerte, oder stöbere nach neuer Musik, ordne meine iTunes-Bibliothek und finde immer wieder Schätze, und lege eben ab und zu auch auf. 

Dann natürlich reisen, ob Städtereisen oder Abenteuerurlaub. Und natürlich Rallyefahren, aber nur in der Wüste. Die Wüste ist dermaßen beeindruckend, bewusstseinserweiternd, spannend, aber das ist niemanden zu erklären, der es nicht selbst erlebt hat. Im Alltag nehme ich mir gerne Zeit zum Lesen, zum einen als Unterhaltung, aber auch, um zu sehen, wie gut es andere machen. 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Nö. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Was ist die Steigerung von "wichtig"? Natürlich ist das Feedback der Leser das Allerwichtigste für mich als Autor. Ich schreibe ja nicht für mich, sondern für die Leser. Und ob bei denen das ankommt, was bei mir rauskommt, ist für mich die spannendste Frage beim Schreiben. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, und danke für die Idee zu diesem tollen Event. Magst du den Lesern zum Schluss vielleicht noch etwas sagen? 

Bleibt offen für Neues, erfreut euch an Altbekanntem, und gebt den Autoren das, was sie brauchen: Applaus und Kritik.


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