Krimiwoche 2016: Der Start eines noch nie dagewesenen Events

Das ist das Fazit und eine Zusammenfassung zur Krimiwoche 2016. Als allererstes möchte ich DANKE sagen. Danke an das tolle Team. Das was ihr auf die Beine gestellt und geleistet habt ist in Worten kaum zu beschreiben. Ihr habt etwas ganz Neues geschaffen. Und es war der Wahnsinn. Die Krimiwoche hat einen Autoren besser kennenlernen lassen, neue Bekanntschaften unter Leser, Bloggern und Autoren zustande kommen lassen, den Einblick in viele tolle Bücher gegeben und und und. Es wurde so viel geboten. Angefangen mit Autoreninterviews, über Gewinnspiele, Leseschnipseln, Live-Chats bis hin zu den tollen Live-Lesungen. Es war toll dabei sein zu dürfen. Und jetzt warte ich hier einfach bis 2017 :D Im restlichen Beitrag habe ich die Woche nochmal zusammengefasst. 

Montag, der 13. Juni. 2016. Heute geht es endlich los. Die Krimiwoche beginnt. Noch weiß keiner was er die nächsten Tage erleben darf. Und das ist einiges, denn das tolle Team der Krimiwoche hat einiges auf die Beine gestellt. Einen Tag vor dem Start gab es ein tolles Eröffungsvideo von Leif Tewes, dem Schirmherren der Veranstaltung.

Am Montag gab es dann um 11 Uhr einen Textschnipsel aus "Schattentäter" dem neuen Buch von Jannes C. Cramer:

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Felix setzte sich hektisch atmend im Bett auf. In der letzten Zeit quälten ihn nachts immer häufiger düstere Träume. Nach dem Aufwachen konnte er sich wie üblich nur noch bruchstückhaft an die Handlung erinnern, doch das beklemmende Gefühl, das der Traum verursacht hatte, wich nur langsam. Mit einem tiefen Seufzen setzte sich Felix auf die Bettkante, schaltete die Lampe auf dem Nachttisch ein, zog seine Pantoffeln über und ging ins Wohnzimmer. Ein wenig Fernsehen würde ihn sicher von den Gedanken an seinen Traum ablenken.

Zu dieser nächtlichen Stunde bot das TV-Programm wenig Interessantes. Felix zappte durch die Bilder von Shopping-Kanälen, Talkshow-Wiederholungen und stöhnenden, leicht bis gar nicht bekleideten Frauen, die ihn lasziv oder sogar energisch zum Anrufen aufforderten. Genervt drückte er den roten Knopf seiner Fernbedienung und das Bild auf dem Fernseher verschwand. Jede Nacht der gleiche Schund!, dachte er missmutig.

Felix sah sich in seinem unaufgeräumten Wohnzimmer um. Die Spuren der Vernachlässigung waren nicht zu übersehen. Sein Blick fiel auf das gerahmte Bild eines glücklichen Paares. Er seufzte. Der junge Mann mit den blonden verstrubbelten Haaren grinste ihm geradezu höhnisch ins Gesicht. Damals waren Fiona und er noch glücklich gewesen. Sie hatte ihm durch eine schwere Zeit geholfen, und endlich, nachdem er sich wieder etwas gefangen hatte, war auch das Gefühl von Lebensfreude zurückgekehrt.

Kaum ein halbes Jahr später war es unvermittelt bergab gegangen. Fiona hatte sich immer mehr von ihm distanziert und ihn schließlich, pünktlich zu seinem vierunddreißigsten Geburtstag am 23. Januar, aus der gemeinsamen Wohnung geworfen. Bis heute hatte er keine Gewissheit darüber, warum sie die Beziehung beendet hatte. Bis zuletzt hatte sie Dinge gefaselt wie ›es liegt nicht an dir‹ oder ›wir können ja Freunde bleiben‹. Pah! Schwachsinn! So viel zum Thema ›Felix – der Glückliche‹, wie ihm seine Eltern die Auswahl seines Vornamens erklärt hatten.

Felix warf den Bilderrahmen um. Er konnte sein eigenes fröhlich grinsendes Gesicht nicht mehr sehen. Zu sehr führte es ihm vor Augen, wie beschissen sich sein Leben entwickelt hatte. Ächzend stand er aus dem Sessel auf, ging zum Schrank und griff nach der Whiskyflasche, ein Glas brauchte er nicht. Die ersten Züge vertrieben seine melancholischen Gedanken innerhalb kürzester Zeit. Mit der Pulle in der Hand ging Felix zurück ins Schlafzimmer und legte sich ins Bett. Endlich, nach zwei weiteren großen Schlucken des Supermarkt-Gesöffs, konnte er wieder einschlafen. Die Flasche rutschte aus den erschlaffenden Fingern, kippte um und verteilte ihren Inhalt über den bereits von Flecken übersäten Teppichboden.

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Um 13 Uhr ging dann das Interview mit Leif Tewes online, das ich führen durfte.

http://www.mordsbuch.net/2016/06/13/interview-mit-leif-tewes/

Kurz nach 15 Uhr gab es dann ein Interview mit Angelique Mundt "Recensio Online" dem Blog von Rebecca Humpert.

http://recensio-online.blogspot.de/2016/06/krimi-und-thriller-woche-angelique-mundt.html

Um 18 Uhr kam die erste Live-Lesung der Krimiwoche mit Leonie Haubrich und ihrem neuen Thriller "Je schwärzer die Nacht".

Um 20 Uhr ging es weiter mit Till Raether, der live aus seinem Krimi "Blutapfel" gelesen hat.

Und zum Abschluss des tollen ersten Tages gab es dann noch ein Interview mit Wiebke Lorenz das von Ute Kramp und ihrem Blog "scarlett59" gemacht wurde.

http://scarlett59.blogspot.de/2016/06/autorenvorstellung-wiebke-lorenz.html

Dienstag der 14.Juni.2016. Start des zweiten Tages der Krimiwoche. Den Start machte Andreas Föhr mit einem Interview bei Patricia Nossol und ihrem Blog "nichtohnebuch". 

http://nichtohnebuch.blogspot.de/2016/06/interview-mit-andreas-fohr.html

Um 18 Uhr folgte dann ein Interview mit Christine Drews bei Kerstin Cornils und ihrem Blog "Kerstins Kartenwerkstatt"

https://kerstinskartenwerkstatt.de/2016/06/14/krimi-woche-mit-christine-drews/

Zum krönenden Abschluss des zweiten Tages gab es dann eine Live-Lesung mit dem Schirmherren der Krimiwoche Leif Tewes, der aus seinem Buch "Tag Null" gelesen hat.

Die Woche verfliegt, schon sind wir beim Mittwoch gelandet. Den Start machte um 10 Uhr Eva Almstädt, mit einem Leseschnipsel aus "Ostseetod"

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Miriam ärgerte sich, dass sie beinahe die Zeit vergessen hätte. Dieser Sven war ja niedlich. Jedenfalls eine angenehmere Gesellschaft als die meisten Leute hier im Dorf. Ein bisschen jung und unerfahren. Aber bitte, sie war erfahren genug. Also, was sollte daran schlecht sein?

Als sie die Haustür aufschloss, hörte sie das alberne und aufgesetzteGerede der Schauspieler, die den animierten Figuren von Rumpelstilzchen – frisch versponnen ihre Stimme liehen. „Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind!“, kam ihr Rumpelstilzchens Ausspruch in den Sinn. Das Wohnzimmer war leer.

„Cäsi, wo bist du?“ Sie schaute in die Küche, in die Speisekammer, den Hauswirtschaftsraum, öffnete die Tür zum Gäste-WC. „Cäcilia, ich bin wieder da. Wo steckst du denn?“ Übermorgen hol ich mir … „Cäsi, bist du oben?“ Miriam nahm die Treppe ins Obergeschoss mit wenigen Sätzen, riss die Türen zu den Bädern, zum Elternschlafzimmer, Arbeitszimmer, Kinderzimmer auf. Keine Cäcilia. … der Königin ihr Kind.

Miriam wurde schlecht. Keine Panik, sagte sie sich. Die Haustür war abgeschossen gewesen. Alle Fenster und die Terrassentür sind zu. Keine Einbruchsspuren, keine Spuren eines Kampfes. Die kleine Mistkröte hatte sich nur selbstständig gemacht. „Cäcilia, ich finde das nicht witzig!“

Sie lief die Treppe hinunter ins Erdgeschoss und dann noch weiter ins Souterrain, wo sich ihre Einliegerwohnung befand. Klar, dort hatte sie sich versteckt und wühlte wohl in Miriams persönlichen Sachen herum. Sie würde ihr alles verzeihen, wenn sie nur da war. 

Mit pochendem Herzen öffnete Miriam die Tür zu ihrem kleinen Refugium auf Zeit. Sie durchmaß den menschenleeren Raum, in dem ihre Klamotten auf dem Fußboden und allen Möbeln verteilt lagen, und riss die Tür zu dem winzigen Badezimmer auf. „Verdammt, Cäcilia, ich suche dich!“, rief sie.

Keine Antwort. Übermorgen hol ich mir ... 

Was war hier passiert? Was sollte sie tun? 

… der Königin ihr Kind. 

Wahrscheinlich war das alles ganz harmlos. Die wirklich schlimmen Dinge passierten anderen Leuten, nicht ihr. Cäcilia war in Sicherheit. Sie war nur nicht hier. Und sie hatte die Verantwortung für das Mädchen. Alles in Miriam sträubte sich dagegen, sich ihr Versagen einzugestehen, indem sie telefonierte, es aussprach und so offiziell machte. Es kam ihr so vor, als würde es erst damit zur unabwendbaren Wahrheit werden, dass sie nicht wusste, wo ihre Nichte war.

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Um 10:30 Uhr ging es weiter mit dem Interview von Tibor Rode das von Tamara Zinser und ihrem Blog "The Fantastic World of Mine" geführt wurde.

http://www.thefantasticworldofmine.de/2016/06/im-kopf-eines-bucherwurms-interview_15.html

Um 13 Uhr folgte das Interview mit Emma Bieling von Michèle Seifert und ihrem Blog "Elchi's World of Books"

http://elchisworldofbooks.blogspot.de/2016/06/krimiwoche-autorenvorstellung-emma-bieling.html

Interview Nummer 3 ging um 15:30 Uhr online. Im Gespräch ist diesmal Felix Leibrock mit 

Tanja Mandelt und ihrem Blog "Buchstaebliches"

http://www.buchstaebliches.de/partyraum/krimiwoche-2016-interview-mit-felix-leibrock/

Das letzte Interview des Tages gab Heike Vullriede. Vorgestellt wurde es von Sabine Kettschau und ihrem Blog "Das Niliversum"

https://niliversum.wordpress.com/2016/06/15/krimi-thrillerwoche-autorenvorstellung-heike-vullriede/

Um 19 Uhr war es wieder so weit. Die Live-Lesung mit Leon Sachs ging an den Start.

Zum Abschluss des wieder gelungen Krimitages, folgte die Live-Lesung mit Wiebke Lorenz.

Donnerstag, 16. Juni.2016. Auch dieser Tag hatte wieder jede Menge zu bieten. Den Anfang machte Mario Giordano, der für sein Interview zu Gast bei Doris Schober-Troy und ihrem Blog "Thoras Bücherecke" war.

https://thora01.wordpress.com/2016/06/16/autorenvorstellung-mario-giordano/

Interview Nummer 2 führte Stephanie Salemink und ihr Blog "Universum of Books" mit Simon Geraedts

http://www.universum-of-books.de/universum-of-books/krimi-thriller-woche-2016/

Der Blog "Krimines Bücherblog" führte das nächste Interview. Diesmal stand Leon Sachs Rede und Antwort.

http://krimines-buecherblog.blogspot.de/2016/06/interview-mit-leon-sachs.html

Das letzte Interview des Tages führt Meike Ernst und ihr Blog "I'm just a little girl". Verhört wurde diesmal Leonie Haubrich.

http://theloyalme.blogspot.de/2016/06/krimiwoche-autorenvorstellung-leonie.html

Dann war es auch schon wieder so weit, der Abend war da und startete mit der Live-Lesung von Andreas K. J. Föhr und seinem Krimi "Eisenberg".

Beendet wurde der Tag von Rainer Doh und seiner Live-Lesung aus seinem Krimi "Mordkap".

Oh nein, dann war es auch schon Freitag. Die Woche ist viel zu schnell vergangen. Aber noch war sie nicht vorbei. Ein weiterer spannender Tag erwartete uns. Den Anfang machte Noah Fitz der für ein Interview zu Gast bei Stephanie Salemink und ihrem Blog "Universum of Books" war.

http://www.universum-of-books.de/universum-of-books/noah-frtz/

Um 13 Uhr ging es weiter mit dem Interview von Jutta Maria Herrmann das von Sabine Kettschau und ihrem Blog "Das Niliversum" vorgestellt wurde.

https://niliversum.wordpress.com/2016/06/17/krimi-thriller-woche-autorenvorstellung-jutta-maria-herrmann/

Christoph Ernst wurde um 16 Uhr auf dem Blog "Nicht ohne Buch" von Patricia Nossol vorgestellt .

http://nichtohnebuch.blogspot.de/2016/06/interview-mit-christoph-ernst.html?m=1

Das letzte Interview des Tages gab Till Raether. Ingrid Eßer und ihr Blog "Buchsichten" stellten hier die interessanten Fragen. 

http://www.buchsichten.de/2016/06/autorenvorstellung-und-interview-till-raether.html

Der Abend war da, und somit auch die erste Live-Lesung des Tages. Vera Nentwich und ihr Krimi "Tote Models nerven nur " sorgten für super Unterhaltung.

Samstag ... eigentlich freut man sich auf das Wochenende, nur diese Woche war es nicht so. Das Ende einer tollen Woche rückte näher. Doch bevor es zu Ende ging gab es natürlich noch reichlich zu sehen und zu lesen. Den Anfang machte Sabine Kettschau mit ihrem Blog "Das Niliversum". Ihr heutigen Interviewgäste waren Johanna Alba & Jan Chorin.

https://niliversum.wordpress.com/2016/06/18/krimi-thriller-woche-autorenvorstellung-johanna-alba-jan-chorin/

Es folgte das Interview mit Eva Almstädt. Geführt wurde es von Kerstin Cornils und ihem Blog "Kerstins Kartenwerkstatt"

https://kerstinskartenwerkstatt.de/2016/06/18/krimi-woche-mit-eva-almstaedt/

Jetzt gab es wieder einen Textschnipsel zu lesen. Diesmal aus "Denn mir entkommst du nicht" von Christine Drews.

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[…] Antonio seufzte. Es war inzwischen so dunkel, dass er maximal einen Meter weit sehen konnte. Vorsichtig ging er durch das Gestrüpp in die Richtung, aus der der merkwürdige Kerl gekommen war. Doch nach einigen Metern stellte er fest, dass er so nicht weiterkommen würde. Er nahm sein Handy aus der Tasche und aktivierte die Taschenlampen-App.

„Scheiße“, flüsterte er, als er seine Hände im Lichtkegel des Handys sah. Sie waren rötlich verfärbt. Der Zusammenstoß mit dem unheimlichen Typen hatte Spuren auf seiner Haut hinterlassen, und alles deutete darauf hin, dass er mit seiner Vermutung richtig gelegen hatte. Blut klebte an seinen Fingern. Als er den Boden vor sich mit dem Handy erhellte, ahnte er, dass ihn Schreckliches erwartete.

„Was zur Hölle …“, murmelte er leise und starrte auf die Blutflecke, die auf dem trockenen Laub vor ihm deutlich zu erkennen waren. Er folgte ihnen noch ein paar Schritte weiter und blieb dann wie angewurzelt stehen. Mehr als ein qualvolles Stöhnen brachte er nicht über die Lippen.

Der Körper, der vor ihm auf dem Boden lag, war übel zugerichtet. Nackt lag die Leiche da, die Beine weit gespreizt, der Leib mit Blut besudelt. Ein handtellergroßes Loch klaffte über dem Venushügel der Frau. Dass sie nicht mehr am Leben war, stand außer Frage. Antonio merkte, wie ihm der Mageninhalt hochkam.

Jetzt bloß nicht kotzen, bloß nicht kotzen!

Antonio schaffte es gerade so, ein paar Meter zur Seite zu springen und sich hinter einem Brombeerbusch zu erbrechen. Er hatte schon viel in seinem Leben gesehen, gebrochene Kiefer, zerschlagene Nasen, auch mal ein Messer, das in einem Bauch steckte. Aber so etwas … Himmel, nein. Irgendein Perverser musste sich gewaltig an der Frau ausgetobt haben. Irgendein brutales, sadistisches Schwein, das offensichtlich vor nichts zurückschreckte.

Antonio musste schlucken, als ihm klar wurde, was gerade passiert war. Es lag nur wenige Minuten zurück, da war er mit dem perversen Killer zusammengestoßen. Und im Gegensatz zu ihm, der von der Taschenlampe des anderen geblendet gewesen war, hatte ihn der andere klar und deutlich sehen können. Das war nicht gut, das war gar nicht gut. Was, wenn er zurückkam? Kein Killer war scharf auf Zeugen.

Ein Knacken ließ ihn aufschrecken. Hektisch sah sich Antonio um. War da was? Kam da jemand durchs Gebüsch?

Mit dem Handy leuchtete er das Dickicht ab und versuchte angestrengt, etwas hinter den dichten Ästen auszumachen. Gleichzeitig spannte er jeden Muskel in seinem Körper an, bereit, sofort zuzuschlagen. Nein, Antonio scheute keine körperliche Auseinandersetzung, dafür beherrschte er zu viele Kampfsportarten nahezu perfekt. Er wusste, dass er ein harter Gegner war. Viele rannten lieber weg, als sich auf eine Schlägerei mit ihm einzulassen. Auch wenn er mit knapp eins fünfundsiebzig nicht gerade ein Riese war, sorgte seine muskulöse Figur in der Regel für Respekt. Er konnte sich wehren. Aber auch gegen so einen kranken Killer? Und was, wenn der Kerl eine Waffe hatte? Dagegen war auch er machtlos.

Der Lichtkegel seines Handys traf auf ein funkelndes Augenpaar. Erschrocken zuckte Antonio zusammen. Im gleichen Augenblick war ein merkwürdiges Fauchen zu hören, dann sah er, wie ein Fuchs durchs Gebüsch verschwand. Erleichtert atmete er auf. Doch das Gefühl war nur von kurzer Dauer, denn als sein Blick wieder auf den Leichnam neben sich fiel, fröstelte er.

Es hat keinen Zweck. Du musst die Bullen holen, und zwar schnell.

Doch als er gerade den Notruf wählen wollte, blieb sein Blick auf dem Gesicht der Toten hängen. Das Handy fiel ihm aus der Hand, und Antonio unterdrückte einen Schrei. Mit zittrigen Händen klaubte er es vom Boden auf und lenkte den Lichtkegel wieder auf die Leiche. Die weißen Beine entlang nach oben, über den verwüsteten Rumpf, bis zu ihrem Kopf.

Nein. Nein, das kann nicht sein.

Vorsichtig ging er ein paar Schritte näher und leuchtete der ermordeten Frau direkt ins Gesicht. In den langen dunklen Haaren klebten Erde und Laub. Die Lippen waren immer noch rot und voll, der Mund stand offen. Und die Augen …

Antonio merkte, wie seine Beine weich wurden. Langsam sackte er auf die Knie, ohne den Schmerz in seiner Achillessehne zu spüren. „Sara“, stöhnte er entsetzt und schaltete sein Handy aus.

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Das letzte Interview des Tages gab Vera Nentwich. Ihre findet es auf dem Blog "Mercy-Books" von Janine Feix.

https://www.facebook.com/mercybooksblog/

Der Abend war wieder gekommen und brachte natürlich die Live-Lesung mit. Diesmal mit Felix Leibrock und seinem Krimi "Eisesgrün"

Sonntag ... wo war nur die Woche geblieben? Jetzt heißt es wartet, warten auf die nächste Krimiwoche. Doch natürlich haben es das Team und alle Mitwirkenden auch am Sonntag nochmal ordentlich krachen lassen. Den Start machte Rainer Doh der die Fragen von 

Kerstin Cornils und ihrem Blog "Kerstins Kartenwerkstatt" beantwortete.

https://kerstinskartenwerkstatt.de/2016/06/19/krimi-und-thriller-woche-7/

Bei Michèle Seifert und ihrem Blog "Elchi's World of Books" war Jannes C. Cramer für ein Interview zu Gast.

http://elchisworldofbooks.blogspot.de/2016/06/krimiwoche-autorenvorstellung-jannes-c-cramer.html

Und ein letzter Leseschnipsel. Diesmal von Daniela Arnold aus ihrem Buch "Totenherz"

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Kapitel 1

Huttukylä,

Januar 2015

Marika fröstelte, als sie durchs Küchenfenster nach draußen sah. Inzwischen schneite es bereits seit Stunden und es sah nicht danach aus, als würde sich daran bald etwas ändern. Sie ging zu dem großen cremefarbenen Küchenherd und legte zwei dicke Holzscheite ins Feuer. Als die Eieruhr losging, um sie daran zu erinnern, dass die abgepumpte Milch inzwischen die richtige Temperatur hatte, ging sie ins Kinderzimmer hinüber. Sie beugte sich über das Bett ihres Sohnes, strich dem schlummernden Baby sanft über die Wange. Es tat ihr in der Seele weh, Luis aus dem Schlaf reißen zu müssen, doch es half nichts. Die Zeit arbeitete gegen sie.

Vorsichtig hob sie ihn hoch, strich ihm über seinen zarten Haarflaum und küsste ihn liebevoll auf die Stirn. Als er erwachte und wie wild zu strampeln begann, stieg ihr der süße Babygeruch nach Penatencreme und Milch in die Nase. Marika kamen die Tränen. Es fühlte sich an, als würde sie von innen heraus verbrennen, so sehr liebte sie dieses Kind. Das Atmen fiel ihr schwer, als sie in die Küche ging und nach dem Fläschchen griff. Dann setzte sie sich auf die gemütliche und mit hübschen bunten Kissen bestückte Bank und fütterte ihren Sohn. Sie lächelte angesichts des Tempos, das er beim Trinken an den Tag legte. Als die Flasche leer war, stellte sie sie auf dem Küchentisch ab und hob ihren Sohn in eine senkrechte Position, strich ihm immer wieder liebevoll über den Rücken, bis er schließlich ein leises Bäuerchen ausstieß. Sie stand auf, ging mit ihm ins Wohnzimmer hinüber, blieb vor der rustikalen Anbauwand stehen, nahm ein gerahmtes Foto aus einem der Regale, auf dem ihr Mann und sie an ihrem Hochzeitstag zu sehen waren. Marika lächelte. Das Foto war gerade einmal vier Jahre alt, trotzdem hatten sowohl ihr Mann als auch sie sich mittlerweile ziemlich verändert. Sie hatte sich vor ihrer Hochzeit die Haare blondieren lassen und ein knallrotes Kleid getragen, das ihre schmale Taille sehr betonte. Inzwischen war aus dem Hellblond Aschblond geworden und ihr Körperumfang hatte sich durch die Schwangerschaft quasi verdoppelt.

Auch ihr Mann Akki hatte in den letzten Jahren etwas an Gewicht zugelegt, das – wie er zu betonen nicht müde wurde – an ihren herausragenden Qualitäten als Köchin lag.

Marika seufzte leise und strich gedankenverloren die Umrisse ihres Mannes auf dem Foto nach.

„Ich liebe dich, mein Schatz“, flüsterte sie leise. Beim Gedanken daran, was ihren Mann bei seiner Heimkehr nach einer Woche Montage in Helsinki erwartete, wurde ihr speiübel. Sie stellte das Bild an seinen Platz zurück und ging mit Luis ins Kinderzimmer. Als sie vor seinem Bettchen stand, bemerkte sie, dass die Augenlider ihres Sohnes flatterten und er kurz davor stand, fest einzuschlafen. Sie küsste ihn ein letztes Mal auf seinen kleinen Mund und legte ihn schließlich schweren Herzens hin. Dann warf sie einen Blick auf die Uhr. Noch fünfzehn Minuten. Sie griff durch die Gitterstäbe des Kinderbettchens nach Luis' winziger Hand und streichelte sie. Fünf Minuten, sagte sie sich. Sie wollte einfach nur fünf Minuten hier sitzen bleiben und die Gegenwart ihres Kindes spüren, bevor sie tat, was getan werden musste. Sie schluckte gegen die aufsteigenden Tränen an, hatte aber keine Chance. Ein Sturzbach floss ihre Wangen hinab, durchnässte ihr Shirt. Wie gern wäre sie dabei gewesen, wenn Luis in den Kindergarten kam. Was würde sie dafür geben, seine Einschulung miterleben zu dürfen. Sein Erwachsenwerden. Als die Zeit um war, stand sie auf und tappte auf Zehenspitzen aus dem Zimmer, löschte das Licht und steckte stattdessen das Nachtlicht in die Steckdose neben der Tür. Zurück in der Küche durchwühlte sie hektisch die Küchenschränke auf der Suche nach ihrer Schachtel Notfallzigaretten. Eigentlich hatte sie bereits ein halbes Jahr vor der Schwangerschaft damit aufgehört, trotzdem hatte sie es bislang nicht fertiggebracht, die noch fast volle Schachtel wegzuwerfen. Sie öffnete das Küchenfenster und zündete sich eine Zigarette an, inhalierte tief. Wieder ein Blick auf die Uhr. Noch acht Minuten. Sie überlegte, ob sie ihren Mann anrufen sollte oder ihre Mutter. Doch dann fiel ihr ein, dass die Leitung tot war.

„Ist vielleicht auch besser so“, flüsterte sie.

Was ihr bevorstand, fiel ihr sowieso schon schwer genug, da musste sie es sich nicht noch schwerer machen, in dem sie mit jenen Menschen sprach, die ihr etwas bedeuteten. Plötzlich fielen ihr die Worte ihres Mannes ein, kurz bevor er zu seiner Dienstreise aufgebrochen war. Was hältst du davon, wenn wir zusammen Urlaub machen? Einfach ein paar Tage in die Sonne fliegen und die Akkus auftanken.

Sie hatte sich ihm vor Freude in die Arme geworfen, vorgeschlagen, nach seiner Rückkehr die Online-Reisebüros abzuklappern, um ein richtig tolles Schnäppchen zu machen. Sie träumten beide schon so lange von einer Reise auf die Kanaren oder in die Karibik, hatten es sich aber bisher nicht leisten können. Doch nachdem Akki endlich wieder einen gut bezahlten Job gefunden hatte, durften sie sich ruhigen Gewissens hin und wieder etwas gönnen. Marika seufzte. Wie gerne wäre sie mit ihm und Luis in die Sonne geflogen. Sie würde alles dafür geben, noch einmal in den Armen ihres Mannes zu liegen, sein schönes Gesicht zu berühren zu dürfen, ihn zu küssen.

Ihr Blick zuckte zur Küchenuhr über der Anrichte.

Sechs Minuten.

Marikas Herz schlug hart gegen ihren Brustkorb.

Das Atmen fiel ihr immer schwerer.

Der Impuls, einfach wegzulaufen, wurde stärker.

Ihre Gedanken rasten.

Vielleicht sollte sie es doch riskieren. Einfach ins Kinderzimmer gehen, ihr Baby schnappen und machen, dass sie aus dem Haus kam. Im Grunde musste sie es nur bis zum Ende der Hofeinfahrt schaffen, dann dreißig Meter weiter die Straße hinunter, bis zu ihren Nachbarn. Für einen Augenblick gab Marika sich der wahnwitzigen Hoffnung hin, dass ihr Plan funktionieren konnte. Sie stellte sich vor, wie sie vollkommen außer Puste an Saras Tür hämmern und um Einlass bitten würde. Anschließend würden sie sich verbarrikadieren und bei der Polizei anrufen. Und genau da scheiterte ihr Vorhaben. Die Einsatzkräfte würden mindestens eine halbe Stunde brauchen, bis sie aus Oulu hier wären. Wahrscheinlich sogar länger angesichts des Schneechaos, das draußen herrschte.

Marika seufzte. Hinzukam, dass Saras Mann Petta Nachtdienst hatte und erst morgen früh zurückkam. Und zwei Frauen allein würden in einer solchen Situation niemals gewinnen können.

Nein, abzuhauen war keine Option. Und sie würde auch keinen anderen Menschen in Gefahr bringen, indem sie ihn in diese Sache hineinzog, wollte nicht einfach eine weitere Familie ins Unglück stürzen.

Sie nahm den letzten Zug ihrer Zigarette, warf die Kippe achtlos ins Spülbecken, drehte den Wasserhahn auf.

Vier Minuten.

Weglaufen fiel als Option definitiv weg.

Das Telefon funktionierte nicht.

Außer Luis und ihr war keiner hier, der ihr helfen konnte.

Und es würde heute Abend auch niemand mehr vorbeikommen.

Was übrig blieb, war die Möglichkeit, all ihre Kräfte zu bündeln und sich zur Wehr zu setzen. So laut sie konnte zu schreien. Auf Leben und Tod zu kämpfen.

Ein Lachen brach aus ihrer Kehle hervor. Als ob sie das im Kreuz hätte. Sie schaffte es noch nicht einmal, ihrer Mutter zu sagen, dass sie sich nicht ständig in Luis' Erziehung einmischen solle. Wie konnte sie da auch nur in Erwägung ziehen, sich aus dieser aussichtslosen Lage zu befreien? Ganz davon zu schweigen, dass sie in diesem Fall das Leben ihres Sohnes aufs Spiel setzte.

Sie atmete tief durch. Wagte es nicht, einen weiteren Blick auf die Uhr zu werfen.

Sie wusste auch so, dass es an der Zeit war.

Dennoch, eine Möglichkeit gab es noch. Den klitzekleinen Hauch einer Chance.

Ihre Knie zitterten, als sie ins Wohnzimmer ging. Vor dem Sofa blieb sie stehen, senkte ihren Kopf, ging auf die Knie. „Bitte“, brachte sie nur hervor. Dann brach ihre Stimme. Doch als sie aufsah, wurde ihr klar, dass sie verloren hatte. Es war zwecklos. Sie würde heute Nacht sterben, während ihr fünf Monate alter Sohn ahnungslos in seinem Bettchen schlief. Marika wurde schlecht bei der Vorstellung, dass Luis heute Nacht aufwachen würde und niemand käme, um seine Bedürfnisse zu stillen.

„Bitte! Mein Sohn ist doch noch so klein. Er wird große Angst haben, wenn er merkt, dass niemand ihn hört. Er braucht doch immer noch einmal pro Nacht sein Fläschchen, muss gewickelt werden. Er könnte zu Schaden kommen.“

Stahlhart und voller Kälte bohrte sich der Blick des Mannes in den ihren. Seine Augen waren schwarz. So schwarz, dass sie glaubte, in zwei dunkle Löcher zu starren. Es waren die Augen eines Wahnsinnigen.

„Das haben wir doch alles schon besprochen.“

Marika zuckte unter seinen Worten zusammen und rappelte sich auf. Selbst seine Stimme klang seelenlos kalt und unnachgiebig.

Sie schauderte.

„Ich habe dich beobachtet. Und ich weiß, dass du seit der Geburt deines Sohnes jeden Freitagmorgen mit deiner Nachbarin frühstückst. Sie hat auch ein Baby und ihr trefft euch im wöchentlichen Wechsel mal bei ihr und mal bei dir. Morgen bist du dran. Sie wird also hier klingeln und wenn du nicht öffnest, benutzt sie ihren Schlüssel, den du ihr für Notfälle gegeben hast. Sie wird dich finden und die Polizei verständigen. Und dann wird sie sich bis zu deren Eintreffen um deinen Sohn kümmern.“ Er atmete tief durch und stand auf. Als er direkt vor ihr stand, konnte sie das bösartige Funkeln in seinen Augen sehen. „Es ist so weit, süße Marika!“

Panik, heiß und brennend schoss durch ihren Körper und lähmte sie. „Bitte, tu das nicht.“

Ein amüsiertes Schmunzeln trat auf sein Gesicht. „Hab ich auch nicht vor. Du wirst es selbst tun, wie besprochen.“

„Und wenn ich es nicht kann?“

Er schüttelte langsam den Kopf, musterte sie stumm. Dann stieß er die Luft aus. „Wenn du es nicht kannst, muss ich dich wohl dazu animieren. Ich müsste dir dann einen Anreiz verschaffen, wenn du verstehst, was ich meine.“ Sein Blick wanderte in Richtung Kinderzimmer.

Marika wurde speiübel. Dann schoss heiße Wut durch ihren Körper. „Nur ein vollkommen geistesgestörter Irrer würde einem Baby etwas zuleide tun.“

Er kicherte leise. „Das Leben deines Sohnes liegt allein in deinen Händen. Entweder ziehst du es jetzt durch oder ihr sterbt beide. Ich hab mich gefragt, was wohl passiert, wenn ich den kleinen Kerl kopfüber …“

„Aufhören!“ Marikas Stimme überschlug sich vor Angst. Dann straffte sie die Schultern. „Und du wirst ihm wirklich nichts antun, nachdem ich …“

„Darauf gebe ich dir mein Wort.“

Marika stieß ein bitteres Lachen aus, angesichts dieses absurden Versprechens.

„Weshalb sollte ich gerade dir glauben?“

Seine Lippen verzogen sich zu einem grausamen Lächeln. „Weil du keine andere Wahl hast.“

Sie nickte und ließ resigniert die Schultern hängen. Dann ging sie in die Küche und zog eines der scharfen japanischen Messer aus dem Block. Ging zurück ins Wohnzimmer.

Sie sah ihn an. „Ich habe Angst.“

Er nickte. „Ich weiß.“ Er deutete auf eine Stelle an ihrer linken Brust. „Wenn du hier hinein stichst, wird es schnell gehen. Du wirst kaum etwas spüren. Aber du musst so fest du kannst zustoßen.“

Zitternd starrte Marika auf das Messer in ihrer rechten Hand. Atmete noch einmal tief durch.

Schmeckte ein letztes Mal das Salz ihrer Tränen auf den Lippen. Dann stach sie zu.

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Das letzte Interview der Krimiwoche 2016 führte Patricia Nossol und ihr Blog "nichtohnebuch" mit Daniela Arnold.

http://nichtohnebuch.blogspot.de/2016/06/interview-mit-daniela-arnold.html

Um 19 Uhr war der Start der vorletzten Live-Lesung, der diesjährigen Krimiwoche. Angélique Mundt und ihr Krimi "Denn es wird kein Morgen geben" sorgten für Spannung.

Jetzt war sie da, die letzte Live-Lesung für dieses Jahr. :/ Das Ende einer grandiosen Woche machte Tibor Rode mit einer Lesung aus seinem Buch "Das Mona-Lisa-Virus"

Ende der krimiwoche 2016!


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Kommentare: 1
  • #1

    Kerstin Cornils (Montag, 20 Juni 2016 14:09)

    Hej Bianca,
    wow, deine Zusammenfassung ist echt klasse. Da kann ich mich nur anschließen. Ich warte mit dir auf 2017 und bin schon gespannt welcher Autor wieder bzw. neu dabei sein möchte.
    LG Kerstin