Interview mit Valeska Réon

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Zuerst einmal hallo zusammen. Also: ich bin 1962 im Rheinland geboren und bei meiner Tante Christa in Düsseldorf aufgewachsen. Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Friseurin und Visagistin gemacht, bin dann im Salon als Model „entdeckt“ worden und war mehrere Jahre in der Weltgeschichte unterwegs. Danach habe ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht, kam dann zwischendurch mehr durch Zufall ans Schreiben. 2010 habe ich eine Privatdetektei gegründet, die ich aber im letzten Jahr zugunsten meines Lektorates aufgegeben habe. Puh, ich merke gerade wieder einmal, dass ganz schön viel los war bei mir!

Seit wann schreibst du?

Seit 1997, allerdings bin ich eine Langsam-Schreiberin und veröffentliche immer nur ein Buch pro Jahr. Ich staune immer, wenn ich höre, dass andere Kollegen ein Buch hinter dem anderen veröffentlichen – frage mich jedoch, ob das immer so klug ist, Stichwort: Dauerpräsenz kann auch langweilen.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen?

Durch Zufall. 1997 wollte ich meiner Mutter einen Gesundheitsratgeber zum Geburtstag schenken, fand aber alles, was ich in der Buchhandlung dazu fand, ganz schrecklich langweilig. Und so habe dann selber eine Art „Beauty Guide“ geschrieben. Dabei herausgekommen ist „Das kleine Grüne“, das ich spaßeshalber zum Ullstein Verlag geschickt habe – sie haben es auf Anhieb genommen, es erschien wenig später dann noch als Hardcover bei Weltbild.

Nach drei Ratgebern habe ich dann eine kreative Pause eingelegt, um 2012 meine Biografie „Blumen für ein Chamäleon“ zu schreiben. Es wird 2017 als „Transmorphosis“ fürs Kino verfilmt.

Ja, und dann hatte ich Lust auf Krimis und habe mich seitdem auf Thriller spezialisiert.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Als Kind wollte ich ja unbedingt Schauspielerin werden, aber mein Vater hat mit Enterbung und anderen Scheußlichkeiten gedroht. Erschwerend hinzukam, dass ich in der Schule strohdumm in Mathe war, insofern wusste ich, dass ich „etwas mit Schreiben“ machen wollte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Das kleine Grüne. 1 × 1 für Traumfrauen (Ullstein, 1997)

Das kleine Grüne. 1 × 1 für Klassefrauen (Weltbild, 1999)

Nie mehr wieder – oder doch?. Der Mann, das unbekannte Wesen (Ullstein, 1998)

Für immer schön. Der Anti-Aging-Ratgeber (Ullstein, 1999)

Nikdy viac – alebo žeby predsa?. Muž, bytosť neznáma. (Ikar, Bratislava, 2001)

Blumen für ein Chamäleon (Männerschwarm Verlag, 2012)

Das falsche Spiegelbild (Südwestbuch Verlag, 2013)

Undercover Dogs (Verlagsbuchhandlung beim Augarten, Wien, 2014)

Haarscharf mit Außenwelle (Waldhardt Verlag, 2015)

Töte mich – Der dunkle Dreiklang (Südwestbuch Verlag, 2016)

Ein neuer Thriller ist in Arbeit

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Und wie! Für meinen letzten Krimi, in dem es um eine Persönlichkeitsspaltung geht, hatte ich direkt vier Ärzte mit im Team. Und ich bin sehr dankbar, dass uns heute Google & Co. zur Verfügung stehen, ich frage mich, wie man aufwändige Recherchen früher ohne diese Hilfsmittel bewerkstelligen konnte.

Diesmal war besonders eine Frage wichtig: Würde eine abgespaltene Persönlichkeit sich ein komplett neues Leben erschaffen? Also: sich ein anderes Äußeres geben, eine eigene Wohnung beziehen – kurzum: eine völlig neue Existenz erschaffen. Die Antworten darauf sind interessant und werden ab dem 01. September in „Töte mich – Der dunkle Dreiklang“ verraten.

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer mit Ausblick auf die Dortmunder Gartenstadt auf der einen und auf meine vierbeinigen Freunde Brandy und Amaretto auf der anderen Seite.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ja, und das geht so: Nach dem Morgenspaziergang mit meinen Wauzis gibt es einen schönen Tee mit Toast, den ich mir selber am Schreibtisch serviere – der japanisch-italienische Assistent, von dem ich seit Jahren träume, hat sich immer noch nicht gefunden. Und dann fange ich an zu schreiben. Morgens geht es um meine eigenen Bücher, nachmittags lektoriere ich die von meinen Auftraggebern (Verlage wie auch Selfpublisher).

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ohja, quasi über Nacht hatte ich eine ganz verrückte Idee zu einem neuen Krimi. Diesmal wird es um eine mordende Lektorin gehen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind – hüstel – rein zufällig.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Als ich 1985 „Körperharmonie“ von Christine Kaufmann gelesen hatte, stand mein Wunsch fest: Ich wollte Ratgeber-Autorin werden. Nach Dianne Brills „Boobs, Boys, and Highheels“ habe ich das dann auch endlich in die Tat umgesetzt und mein Erstlingswerk „Das kleine Grüne“ geschrieben.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

„You can heal your life“ von Louise L. Hay hat meine Sicht aufs Leben total auf den Kopf gestellt, ich durfte sie zwischenzeitlich auch persönlich kennenlernen. Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, die lustigerweise in natura so aussieht, wie man sich meine Mutter vorstellen würde.

Ansonsten verschlinge ich jeden Schweden-Krimi, der mir in die Finger kommt – je düsterer, desto besser!

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lange schlafen, dann im Wald spazieren gehen. Städtetouren mit meinen Freundinnen stehen manchmal auch auf dem Programm, zumal der Thalys-Express seit einiger Zeit ja auch von Dortmund aus fährt.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Ganz rührige Rückmeldungen bekam ich nach meinem Buch „Blumen für ein Chamäleon“, in dem es um ein transsexuelles Supermodel geht. Der Tenor meiner Leser: „Vielen Dank für dieses ehrliche und anrührende Buch, es hat uns gezeigt, dass wir diesen Weg auch gehen können – und uns nicht umbringen müssen, nur weil wir in den falschen Körper hineingeboren wurden!“

Da habe ich nicht nur tief Luft holen, sondern auch einige Tränen verdrücken müssen, aber es hat mir gezeigt, dass die monatelange Arbeit „im stillen Kämmerlein“, wo ich am normalen Leben gar nicht mehr teilgenommen hatte, sich letztendlich gelohnt hat.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Das Leben hat es sehr gut mit mir gemeint und ich habe viel mehr erlebt, als in meine nunmehr fast 54 Lebensjahre eigentlich hineinpassen sollte. Insofern habe ich lediglich einen Wunsch: dass ich und meine kleine Familie gesund bleiben. Aber falls die gute Fee dann doch noch bei mir anklopfen sollte: also bei der neuen Kollektion von Alexander Wang könnte ich schwach werden ...

Aber Scherz beiseite: wenn ich in einer Buchverfilmung von mir eine kleine Nebenrolle bekäme, das wäre toll. In „Der dunkle Dreiklang“ habe ich extra eine Nebenfigur eingebaut für diesen Fall, aber ich verrate nicht, wer oder was das ist.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja, sehr gerne. Ich möchte mich bei meinen Lesern bedanken für fast 20-jährige Treue, denn was nützt es, wenn man die tollsten Bücher schreibt – aber niemand sie liest.


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