Interview mit Carsten Bernd Thurand

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Gerne doch ;-)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich versuche den Anfang etwas kurz zu halten, ich denke, durch die Antworten auf Deine Fragen erfahren die Leser alles, was wirklich wichtig ist. 

Wer will schon einen kompletten Lebenslauf lesen?

Ich bin Jahrgang 1978, wurde in Lauchhammer geboren und bin in Schwarzheide (im tiefsten Osten) aufgewachsen. Nach der Schule ging ich zur Bundeswehr und blieb dort, anders als ich es ursprünglich geplant hatte, für eine Dienstzeit von 15 Jahren.

Nach dem Militär verschlug es mich in das wunderschöne hessische Marburg. Dort wohne ich mit meiner Lebensgefährtin und studiere Archäologie.

Seit wann schreibst du? 

Seit meiner Schulzeit, auch wenn dies zu Hause nicht so gern gesehen wurde.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Tja, wo fange ich da an, vermutlich beim Lesen. Ich denke, jeder kennt es, wenn man als Kind die Abenteuer seiner Helden aus Büchern oder Filmen mit seinen Freunden nachspielt. 

Ob nun "Huckleberry Finn" oder "Die drei Musketiere", spätestens da begann ich mir Geschichten auszudenken, erst für das gemeinsame Spielen, später waren es dann Geister- und Gruselgeschichten für Ferienlager oder Klassenfahrten (die hätte ich aufschreiben sollen).

In der Schule hatten wir eine etwas strenge und leicht merkwürdige Deutschlehrerin. Schön war aber, dass sie früh damit anfing, uns von Schreibwettbewerben zu erzählen und uns animierte, daran mit Kurzgeschichten teilzunehmen. Ich habe immer mitgemacht, bin aber nie zu den Lesungen und Endausscheidungen gefahren, auch wenn ich eingeladen wurde. 

Einmal sickerte die Nachricht der Nominierung bis nach Hause durch, das gab richtig Ärger. Eben diese Deutschlehrerin hielt es für angemessen, dass wir einmal im Schuljahr im Klassenrahmen in Gruppen kurze Theaterstücke aufführen sollten, so konnten wir mit vier guten Noten auf einmal unsere Zensuren aufbessern. 

Die Theaterstücke für die Gruppe, in der ich mitwirkte, schrieb ich dann einfach selbst.

Kurz darauf begannen wir im Freundeskreis nach dem Unterricht mit Pen & Paper Rollenspielen, da übernahm ich schnell die Rolle des Spielleiters und Erzählers, und konnte mir schnell die nächsten Abenteuer selbst ausdenken.

Zu dieser Zeit hatte ich schon den Wunsch, wenigstens ein Buch zu schreiben

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Der Wunsch, ein Buch zu schreiben, ist immer geblieben, Autor zu werden war jedoch nie ein richtiges Berufsziel. 

Ich habe mich in meiner Bundeswehrzeit und auch anfangs im Studium immer wieder gefragt, ob ich überhaupt die Zeit dafür finden würde.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Bisher nur Band Eins der Waragahae Chroniken. Teil Zwei steht jedoch kurz vor der Vollendung, der dritte Teil ist im Kopf schon fertig. Ein kleines Parallelprojekt wächst und gedeiht. 

Na ja, und ich habe da noch acht weitere Ideenskizzen in der geistigen Schublade.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Das tue ich weniger, eigentlich fast nie. Ich schreibe eher frei und aus dem Kopf heraus. Ich denke mir Titel und Thema aus, weiß, was passieren und wie es enden soll.

Wenn ich den ein oder anderen schönen Satz im Kopf habe, der in der Geschichte geschrieben werden soll, dann fange ich einfach an. Die Personen, Orte und die Handlung lasse ich sich dann einfach entwickeln.

Vermutlich kommt das aus der Zeit als Rollenspieler. Es funktioniert überraschend gut, und ich spare beim Schreiben unheimlich Zeit. Ich gebe zwar zu, dass ich ein kleines Notizbuch mit mir herumtrage, da stehen jedoch nur Namen von möglichen Personen, 

einige Buchtitel und sehr viele Einkaufslisten drin.

Wo schreibst du am liebsten?

Am liebsten schreibe ich zu Hause. Ich bin Frühaufsteher und meist 04:30 Uhr schon wach, da bleibt so ab 05:00 Uhr genug Zeit bis zur Uni oder dem Nebenjob, um kräftig in die Tasten zu hauen. Ich bin in den Nachtphasen einfach kreativer, egal, ob beim Malen oder Schreiben. Die frühen oder späten Tageszeiten sind mir die liebsten, sie sind eher still, entweder kommt die Welt zur Ruhe oder sie schläft noch. Die einzige Schreibunterbrechung ist der Sonnenaufgang, 

den genieße ich immer in aller Stille mit einem Kaffee in der Hand im Freien.

Inspiration hole ich mir überall, am liebsten sind mir natürlich alte Kirchen, Burgen und Ruinen, der Wald oder das Tierheim. 

Die Idee für "Die Seele der Schrift" kam jedoch während einer Bahnfahrt nach Frankfurt, während ich aus dem Fenster blickte.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich würde es nicht als Ritual bezeichnen, eher als gleich bleibenden Ablauf. In der Woche schreibe ich morgens, speichere die Tagesleistung auf meinem Laptop und auf dem Stick meiner Lebensgefährtin. Irina liest Korrektur, wenn ich arbeiten oder in der Uni bin. 

Am nächsten Morgen arbeite ich die Korrekturen ein und schreibe dann weiter. Wir sprechen am Abend über unsere Geschichten und Kapitel, sie selbst schreibt auch. Nur am Wochenende ändert sich der Ablauf ein wenig. 

Da kann ich es kaum erwarten, bis sie aufwacht und ihren ersten Kaffee trinkt, denn dann lese ich ihr die Tagesleistung vor.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Nun, der zweite Teil der Waragahae Chroniken ist in der Endphase, aber da will ich noch nicht spoilern. Das kleine Nebenprojekt, etwas aus dem Alltag gegriffener Humor aus Sicht eines Mannes, der für vierzehn Tage ohne Frau mit Hund und Kater auf sich allein gestellt ist und nur zwei Ziele hat: An seinem Buch weiter zu schreiben und einen Zombiefilmmarathon zu machen, während die Haushaltsgeräte ihm den Krieg erklären und seine Freunde ihm einen Strich nach dem anderen durch die Planung machen, schreitet gut voran. 

Die Handlung ist aber auch frei erfunden und ein etwas humoristisches Spiel mit Klischees und Vorurteilen.

Das dritte Buch, an dem ich ebenfalls gerade arbeite, ist eine sehr witzige Fantasy-Action-Geschichte. Eine bunt gemischte Gruppe Hexenjäger ohne großen Bildungshintergrund, kommen am Ende ihres Lebens mit dem Ruhestand nicht zurecht. Chronisch pleite nehmen sie jeden Auftrag an, um Geld zu verdienen. 

Das Einzige, das sie gut können ist, das Böse zu jagen, doch leider waren sie in ihrem Beruf zu gut. Nun müssen sie in Ermangelung von Hexen und Dämonen (gute Gegner sind eben schwer zu finden) jeden Auftrag annehmen. 

Aufgaben, die recht simpel erscheinen, jedoch von ihnen mit der grobschlächtigen und harten Art ihrer Berufsgruppe angegangen werden, und zu sehr viel Chaos führt, ohne zu wissen, wer da im Hintergrund sein Spiel mit ihnen treibt. 

Na hoffentlich habe ich da nicht zu viel verraten.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Das wäre dann jeder Autor, bei dessen Buch oder Büchern ich mir denke "Mann, ist das gut, das macht richtig Spaß, so etwas zu lesen."

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Ich versuche, die Liste mal kurz zu halten. Ich kann nicht jeden Autoren nennen, da wär es einfacher, Fotos von meinen Bücherregalen zu machen ;-)

Es ist nur eine kleine Liste der Autoren, ohne Reihung oder Wertung:

Stephen King, Terry Pratchett, Bernhard Hennen, Bernard Cornwell, Rebecca Gablé, Gav Thorpe, Richard Dübell, G.R.R. Martin, J.R.R. Tolkien, Dan Abnett, Kai Meyer, Marion Zimmer Bradley, Michael Kuhn, Cornelia Funke und viele viele andere Autoren.

Ich lese viel und gerne. Vor allem Fantasy, Fiction, historisch angelehnte Romane, gelegentlich Thriller, Grusel und Horror. Nur Biographien á la Boris Becker, Dieter Bohlen oder die Lebensweisheiten sogenannter Z-Promis kommen mir nicht ins Haus.

Ich will fasziniert, mitgerissen, gegruselt und unterhalten werden, nicht gelangweilt.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Neben dem Schreiben muss ich schon zusehen, wie ich alles unter einen Hut bekomme. Ich bin aktiver Rollen- und Tabletopspieler. Ich reite gern, auch wenn dafür kaum noch Zeit ist. Ich war fast sieben Jahre in der Living History im Hochmittelalter unterwegs. 

Ich koche gern, an fünf Tagen in der Woche. Ich male, zurzeit leider selten. Konzerte oder Festivals werden gern von mir heimgesucht. 

Ich betreue die Küchenkräuter auf meinem Fensterbrett, vor allem Basil - mein Basilikum -  lässt gerade etwas die Blätter hängen. 

Und ich bin freiwilliger Katzenschmuser im örtlichen Tierheim.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Auf jeden Fall brauche ich mehr Platz für Bücher, acht gefüllte Regale, die wissenschaftlichen Publikationen ausgenommen, reichen einfach nicht. Wenn ich könnte, würde ich in einer Bibliothek einziehen. 

Es muss also kurzfristig eine größere Wohnung her, in der dann auch zwei Katzen miteinziehen können.

Mein Traum ist es natürlich, dass meine Lebensgefährtin und ich als Autoren erfolgreich werden, und wir uns ganz auf das Schreiben konzentrieren können.

Die ein oder andere gute Geschichte, die mir durch den Kopf geistert, würde ich auch gerne verfilmt sehen (aber auch nur, wenn ich dann selbst kurz durch das Bild laufe ;-) ).

Es gibt noch einige Orte, die ich gern bereisen würde.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Nun, einem guten Koch ist das Essen, das ihm selbst schmeckt, gerade gut genug für seinen Gast. Ich sehe das bei meinen Geschichten genauso, denn ich schreibe ja nicht für mich. 

Wenn es mir gefällt, dann ist die Handlung es wert, erzählt zu werden. Ich teste meine Geschichten immer in einem sehr gut gewählten Kreis und bin über jede ehrliche Kritik dankbar.

Im Entstehungsprozess reagiere ich natürlich auf das Feedback. Ich schreibe jedoch kaum Mainstream und differenziere natürlich. Ich finde, jeder Autor hat die Verantwortung, in dem Bereich, den er bedient, Qualität zu liefern, 

finde aber auch, dass dem Leser klar sein sollte, aus welchem Genre er sich ein Buch kauft. In verschiedenen Foren habe ich Kommentare zu den Werken anderer Autoren gelesen, 

welche von Lesern stammten, die als Beispiel Fantasy oder Thriller generell ablehnten, sich das Buch dennoch kauften und dann enttäuscht waren.

Das wäre die einzige Art Feedback, die ich vermutlich nicht so ernst nehmen würde.

Ich muss auch zugeben, dass der Autor nur einen Teil des Genusses produziert, der Rest resultiert aus der Vorstellungskraft und der Erwartungshaltung des Lesers. 

Jedem Leser wird man es nie recht machen können.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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