Interview mit Nele Neuhaus

© Felix Brüggemann

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Nele Neuhaus. Ich bin jetzt 49 Jahre alt und habe das große Glück gehabt, mein liebstes Hobby zu meinem Beruf machen zu können: nämlich das Schreiben! Am bekanntesten sind wohl meine Krimis, die in meiner Heimat, dem schönen Taunus, spielen. Aber ich schreibe auch mit Begeisterung Jugendbücher, in denen es um Pferde geht, und das macht mir besondere Freude, denn damit habe ich meine beiden größten Leidenschaften – das Schreiben und die Pferde – vereinen können. Außerdem schreibe ich unter meinem Mädchennamen Nele Löwenberg Romane. Es ist wunderbar, als Autorin drei verschiedene „Standbeine“ zu haben, denn so wird es nie langweilig, und jedes Genre stellt andere Herausforderungen an mich. Mit meinem Lebensgefährten lebe ich im Vordertaunus, ganz in der Nähe von Frankfurt. Wir reisen beide gerne und mögen Kurztripps in Städte, Fernreisen in die USA und lieben das Meer. Außerdem kochen und essen wir gerne.

Seit wann schreibst du?

Ich konnte schon schreiben, bevor ich in die Schule kam. Meine Geschwister und ich haben Unmengen von Bilder produziert und ich habe meine Bilder immer gerne mit Texten versehen, die man allerdings nur verstehen konnte, wenn man sie laut vorgelesen hat, denn ich schrieb in Lautschrift! Meine ersten Geschichten habe ich zu Grundschulzeiten verfasst und nie mehr aufgehört: ich habe Schulhefte vollgeschrieben, später bekam ich eine Schreibmaschine geschenkt und tippte in jeder freien Minute irgendwelche Geschichten, vornehmlich über Pferde, Liebe und Abenteuer. Spannung war mir immer wichtig, ich war auch schon immer eine begeisterte Leseratte und liebte zB „Fünf Freunde“ von Enid Blyton. So war es eigentlich schon früh klar, dass ich eines Tages Krimis schreiben würde.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Zuerst waren es nur Geschichten, die ich schrieb. Meistens blieben sie unvollendet, weil es mir nie gelang, sie wirklich bis zu Ende zu schreiben. Ich träumte schon an Kind davon, Bücher zu schreiben, aber es dauerte viele Jahre, bis es mir Ende der 90er Jahre gelang, ein Manuskript zu vollenden. Es war „Unter Haien“ und ich hatte 8 oder 9 Jahre daran gearbeitet, viel recherchiert, oft gekürzt. Es wurde dann das erste Buch, das ich veröffentlicht habe. Und danach war der Knoten geplatzt und ich wusste, wie man Bücher von Anfang bis Ende schreibt. Meine viele Schreiberei aber vor allen Dingen mein exzessives Lesen haben mir geholfen, das Autoren-Handwerk zu erlernen. Ich bin komplette Autodidaktin, habe nie einen Schreibkurs oder so etwas gemacht. Learning by doing war meine Devise – und es hat mit viel Durchhaltevermögen, Begeisterung und Disziplin letztlich zum Erfolg geführt.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Eigentlich schon immer. Es war mein großer Traum, aber ich habe nie wirklich darüber gesprochen, denn es war so abstrus. Jeder weiß ja, dass Schreiben zumeist eine brotlose Kunst ist und wahrscheinlich wäre ich ausgelacht worden. Also habe ich den Mund gehalten und insgeheim geträumt und daran gearbeitet. Ich war 38 als ich mein erstes Buch selbst veröffentlicht habe und als 2010 mit „Schneewittchen muss sterben“ der große Erfolg kam, war ich 43. Man muss eben auch Geduld haben, wenn man einen großen Traum verwirklichen will. Allerdings muss man auch etwas dafür tun, denn ohne Anstrengung kann man auch als Autorin nichts erreichen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Insgesamt werden es im Oktober 21 Bücher sein: 8 Kriminalromane, 1 Thriller, 2 Romane und 10 Jugendbücher.

Unter Haien, Thriller

Eine unbeliebte Frau, Krimi

Mordsfreunde, Krimi

Tiefe Wunden, Krimi

Schneewittchen muss sterben, Krimi

Wer Wind sät, Krimi

Böser Wolf, Krimi

Die Lebenden und die Toten, Krimi

Im Wald, Krimi

Sommer der Wahrheit, Roman

Straße nach Nirgendwo, Roman

Gegen alle Hindernisse, Jugendbuch

Sommer der Entscheidung, Jugendbuch

Schatten über dem Turnier, Jugendbuch

Das Geheimnis der Oaktree-Farm, Jugendbuch

Ihr größter Sieg, Jugendbuch

Band 7, Jugendbuch (Noch kein Titel)

Das Pferd aus Frankreich, Jugendbuch

Gefahr im Reitstall, Jugendbuch

Ein unerwarteter Besucher, Jugendbuch

Erste Liebe, erstes Turnier, Jugendbuch

Wir sind doch Freunde, Jugendbuch

 

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Natürlich! Ich habe mittlerweile gute Kontakte zur Kriminalpolizei und zur Rechtsmedizin. Das ist unabdingbar, wenn man die Arbeit der Kriminalkommissare realistisch darstellen will und ich lege sehr großen Wert auf gute Recherche und Authentizität. Jedes meiner Bücher hat aber auch ein Hauptthema, und das muss ich dann auch jedes Mal sorgfältig recherchieren. Das Internet ist eine große Hilfe und ich lese dann auch viele Bücher zu den Themen, die mich interessieren und faszinieren. Oft habe ich vorher keine Ahnung und lese mir mein Wissen dann an. Geografische Recherchen gehören auch dazu, vor allen Dingen bei den Romanen, die in den USA spielen. Für die Pferdebücher muss ich nicht ganz so viel recherchieren, denn ich reite, seitdem ich 11 Jahre alt bin und habe seit über 30 Jahren Pferde.

Wo schreibst du am liebsten?

Zuhause an meinem Schreibtisch. Nirgendwo sonst.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich arbeite sehr unspektakulär. Es ist mein Beruf und ich gehe morgens genauso in mein Arbeitszimmer, wie andere in ihr Büro. Meistens sitze ich um 9 Uhr am Schreibtisch und erledige zuerst meine Post, beantworte Mails und Fanpost, kümmere mich um Social Media-Dinge, mache meine Buchhaltung oder Recherche. Es gibt ja verschiedene Phasen bei der Entstehung eines Manuskripts. Wenn ich alle Vorarbeit für ein Projekt erledigt habe, wenn der Plot steht und alle Figuren ausgearbeitet sind, steht die Schreibarbeit im Vordergrund und da passiert es nicht selten, dass ich bis abends spät am Computer sitze. Mein Lebensgefährte achtet darauf, dass ich zwischendurch mal etwas esse, sonst würde ich das manchmal glatt vergessen.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich werde im Herbst, nach der „Im Wald“-Lesereise, die bis zum 18. November geht, mit dem dritten Roman um Sheridan Grant beginnen. Außerdem gibt es (noch sehr vage) Pläne für eine Verfilmung von Elena und Unter Haien.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Sicherlich haben sehr viele Autoren mein Schreiben beeinflusst, denn ich habe wahnsinnig viel gelesen und tue das bis heute. Ich kann ausgesprochen schnell lesen, für ein Buch von 500 Seiten brauche ich ein, zwei Tage. Inspirationen kommen manchmal von Büchern, oft durch Zeitungsartikel oder die Nachrichten.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich habe sehr, sehr viele Lieblingsbücher. Und mein Geschmack ändert sich ständig. Momentan lese ich gerne Thriller von z.B. Michael Robotham, Kathy Reichs, Karin Slaughter, Fred Vargas, Cody McFadyen und vielen anderen. Dann gibt es meine „Klassiker“ wie Exodus von Leon Uris, Die geheime Geschichte von Donna Tartt, Der Pate von Mario Puzo, Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer-Bradley. Alle meine Lieblingsbücher und –autoren hier aufzuzählen würde sogar den Rahmen eines Blogs sprengen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schreiben. Jemand sagte einmal: „Wenn du dein Hobby zum Beruf machst, musst du dein ganzes Leben lang nicht mehr arbeiten“. Da ist etwas Wahres dran. Ich habe ständig Ideen für neue Plots und liebe es, mir Geschichten auszudenken. Aber ich reite auch sehr gerne, gehe regelmäßig walken, koche gerne und mag es, meine Familie und Freunde zu treffen. Ich mag Kurzreisen, unseren Garten und lese in jeder freien Minute.

 Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Das wichtigste, was ich mir wünsche, ist Gesundheit für meine Lieben und mich. Ich habe mir kürzlich ein Fohlen gekauft und freue mich darauf, es wachsen und gedeihen zu sehen, vielleicht wird es ja mal ein wunderbares Reitpferd für mich. Ich träume von einer Reise durch Südengland! Und ich wünsche mir, dass meine Elena-Bücher toll verfilmt werden.

 

Auch mit meiner Nele Neuhaus-Stiftung möchte ich noch viele Projekte zur Lese-, Schreib- und Sprachförderung unterstützen. Ja, und ich wünsche mir, dass meine Leser meine Bücher weiterhin lieben und mir nie der Spaß am Schreiben vergeht.

Liebe Nele, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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