Interview mit Alexander Pfeiffer

© Fotografie Carina Faust

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 45 Jahre alt und wurde in Wiesbaden geboren, wo ich bis heute lebe. Früher wollte ich unbedingt Musiker sein, heute versuche ich, mit Worten Musik zu machen. Ich arbeite als Schriftsteller, Kulturjournalist, Moderator, Literaturveranstalter und Leiter von Schreibwerkstätten. Was sich sonst noch sagen lässt: Unbeirrbarer HSV-Fan, musikabhängiger Vinylfetischist und Hobbyboxer.

Seit wann schreibst du?

Seit sie mir in der Schule beigebracht haben, wie es geht. Klingt vielleicht blöd, aber ich hatte tatsächlich schon als Kind nichts Besseres zu tun, als zusätzliche Realitäten zu erfinden.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Übers Bücherlesen, würde ich sagen. Eine Art Infizierung, die irgendwann keine andere Wahl mehr ließ, als den Stoff selbst zu produzieren.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Etwas werden zu müssen, fand ich immer eher lästig. John Cassavetes hat mal gesagt: „Man ist erst Künstler, wenn man merkt, dass man einer ist, verstehen Sie? Wenn man nicht anders leben kann. Man versucht alles mögliche, und wenn gar nichts geht, wird man Künstler. Es ist für jeden die letzte Möglichkeit. Der letzte Ausweg.“ Das klingt gut und richtig für mich.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

- Inner City Blues. Geschichten aus dem Herzen der Stadt. Wiesenburg Verlag, 2001

- Aufzeichnungen aus der Zwischenwelt. Gedichte. Wiesenburg Verlag, 2002

- LieblingsLieder. Erzählungen. Wiesenburg Verlag, 2004

- Im Bauch der Stadt. Wiesbaden-Krimi. Societäts Verlag, 2005

- So wie durchs Feuer hindurch. Wiesbadener Krimidrama. Societäts Verlag, 2006

- Das Ende vom Lied. Wiesbadener Krimiabgesang. Societäts Verlag, 2008

- KrimiKommunale (Hrsg.). Kurzkrimis. Kommunal- und Schul-Verlag, 2010

- KrimiKommunale 2 (Hrsg.). Kurzkrimis. Kommunal- und Schul-Verlag, 2011

- KrimiKommunale 3 (Hrsg.). Kurzkrimis. Kommunal- und Schul-Verlag, 2012

- Geisterchoral. Wiesbaden Krimi. Emons Verlag, 2016 (erscheint im Oktober)

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Niemand kann in sämtlichen Welten zu Hause sein. Deshalb gehört es zur Arbeit an jedem Roman, in die Lebenswelten bestimmter Figuren einzutauchen – nicht bloß imaginär, sondern ganz real, d.h. bestimmte Ort aufzusuchen und mit den Menschen zu sprechen, die diese Orte bevölkern, um all das authentisch beschreiben zu können. Als Autor von Kriminalromanen gehört dazu für mich natürlich der ganze Bereich der Polizeiarbeit. Hier stehen mir glücklicherweise Kommissare vom Polizeipräsidium Westhessen sowie vom Bundeskriminalamt immer wieder helfend zur Seite. Außerdem habe ich für meine Romane z.B. auch schon in Sachen Drogenhandel, Prostitution oder medizinische Sachverhalte recherchiert. Für meinen neuen Roman „Geisterchoral“ verdanke ich das Hintergrundwissen zum Thema Jugendkriminalität bzw. die Lebensgeschichten krimineller Jugendlicher einer Schreibwerkstatt in der JVA Wiesbaden. Für das Lebens- und Arbeitsumfeld der Hauptfigur habe ich mich im Kino umgesehen, und zwar dort, wo man als Besucher normalerweise nicht hinkommt, nämlich in den Räumen der Filmvorführer. Das war eine Recherche der angenehmeren Art.

Wo schreibst du am liebsten?

Prinzipiell zu Hause am Schreibtisch. In den letzten beiden Jahren hatte ich aber auch Schreibrefugien in der Lüneburger Heide und an der andalusischen Atlantikküste, was sich als sehr produktiv erwiesen hat.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Musik gehört auf jeden Fall dazu. Ich stelle mir gerne vor, ich sei ein Jazz-Pianist. Die Computertastatur ist mein Klavier. Sobald ich mich hinsetze, gehen die Scheinwerfer an und ich bin auf der Bühne. Alles, was ich jetzt tue, ist gleichzeitig total intim und total öffentlich.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Im Oktober erscheint der bereits erwähnte Roman „Geisterchoral“ mit dem Filmvorführer Sänger als Privatdetektiv wider Willen. Das nächste Projekt ist der Nachfolgeroman dazu. Einmal mehr muss Sänger sich auf die Suche nach einer vermissten Person machen, die selbst keinerlei Interesse daran hat, gefunden zu werden.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Einen? Ich nenne nur mal ein paar von denen, die da in Frage kommen: David Goodis, Dashiell Hammett, Jean-Patrick Manchette, Jörg Fauser, Chester Himes, James Sallis, George Pelecanos, …

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Wie viel Platz habe ich? Okay, ich fange einfach mal an: Georges Simenon – Der ältere Bruder, William Faulkner – Das Haus, Dashiell Hammett – Der gläserne Schlüssel, George Pelecanos – Nick’s Trip, Chester Himes – Lonely Crusade, Ernest Hemingway – Der Garten Eden, Knut Hamsun – Mysterien, Raymond Carver – Würdest du bitte endlich still sein, bitte, Jean-Patrick Manchette – Nada, Charles Bukowski – Hot Water Music, Jean-Paul Sartre – Der Ekel, James Sallis – der Killer stirbt, …

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Was ich wirklich gerne mache, ist Trinken. Kein besonders gesundheitsbewusstes Hobby, ich weiß. Zum Ausgleich gehe ich aber zweimal pro Woche ins Boxtraining.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Da will mir gerade partout nichts einfallen. Ich glaube, ich habe einfach alles, was ich zum Glücklichsein brauche.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig – auch wenn ich Lob nicht so einfach annehmen kann, wie man mir gerade neulich wieder bescheinigt hat.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich nicht, aber Sänger, der sich darauf freut, demnächst als Hauptfigur von „Geisterchoral“ in den Buchhandlungen rumzuliegen: „Hütet Euch vor der Vergangenheit. Da lauern Geister. Und wenn man nicht aufpasst, dann machen sie sich wieder bemerkbar.“


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