Interview mit Gabriele Haefs

© Miguel Ferraz

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Also, vor allem übersetze ich ja, mehr als ich schreibe. Das Übersetzen war so eine Notlösung, ich habe Volkskunde und Sprachwissenschaft studiert, und in der Sprachwissenschaft mussten wie zwei indogermanische Sprachfamilien als Spezialfächer haben. Meine waren keltische Sprachen und Skandinavische Sprachen. Als ich dann fertig war, kam die erste große Welle der Streichungen im Kultur- und Bildungsbereich, es gab einfach keine Jobs, und da hab ich auf die Sprachen zurückgegriffen, und das hat sich dann irgendwann verselbständigt.

Seit wann schreibst du?

Keine Ahnung, immer schon? Romane zur Schulzeit, die ich dann weggeworfen habe, Gedichte (grauenhafte), ab und zu eine Kurzgeschichte, Kurzgeschichten mag ich gern. Vor allem schreibe ich Sachtexte, Artikel, Rezensionen, gerade ein Buch über Norwegen - mit einem Kapitel über die hierzulande gar nicht richtig wahrgenommenen norwegischen Krimiautorinnen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

S. o., hat sich irgendwie so ergeben. Mein erstes Buch war meine Doktorarbeit, 500 Seiten und 1001 Fußnote (und ich hatte es nicht drauf angelegt, sondern es erst gemerkt, als ich alles fertig hatte und die Fußnoten nummerierte).

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

Nie. Wollte ich ja auch gar nicht.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Sachbücher eben, zuletzt ein Buch über Oslo, und jetzt bald das über Norwegen, aber zum Ausgleich eine Menge Übersetzungen, Krimis, Bücher über Philosophie, über Geschichte, Biographien, Romane aller Art, Theaterstücke. Die bekannteste von meinen Übersetzungen ist bestimmt "Sofies Welt", und ganz zuletzt ist erschienen "Totensommer", ein Krimi der wunderbaren norwegischen Journalistin Trude Teige, bei Aufbau, das habe ich zusammen mit Andreas Brunstermann übersetzt.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Kommt drauf an, immer dann, wenn es sein musste, ja, natürlich. Für das Norwegenbuch jetzt habe ich viel über norwegische Spukhäuser gelernt, andererseits fließen ja immer Recherchen ein, die ich in ganz anderen Zusammenhängen gemacht habe, z.B. im selben Buch über den besonderen samischen Gesangsstil, (Joik).

Wo schreibst du am liebsten?

Zu Hause, an meinem Schreibtisch, in meinem Chaos.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, nur dass der Becher mit dem Kaffee immer in Reichweite sein muss.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich schreibe gerade nichts eigenes, warte auf die Korrekturfahnen für das Norwegischbuch. Und arbeite an einer Übersetzung, die es in sich hat. Máirtín Ó Cadhain: Cré na Cille (Friedhofserde). Das gilt als der bedeutendste irische Roman des 20. Jahrhunderts, zusammen und gleichrangig mit "Ulysses" von James Joyce. Es ist auf Irisch (Gälisch) geschrieben und spielt ganz und gar auf einem Friedhof, wo die Toten gegeneinander intrigieren. Es gab jahrelang Streitigkeiten wegen der Rechte (der Autor ist schon 1970 gestorben), deshalb wird es erst jetzt übersetzt, und zwar gleichmäßig in über 20 Sprachen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Roda Roda, unbedingt, und dann war eine Autorin ungeheuer wichtig für mich: Marie von Ebner-Eschenbach. Erst mal, weil ich mit 15 in einem Perry Rhodan-Heft den Satz las, der von ihr stammt: "Jede kluge Frau hat Millionen geborener Feinde. Alle dummen Männer." Das hat mich so überzeugt, dass ich in die Stadtbücherei gegangen bin und alles von ihr gelesen habe, und dann habe ich auch angefangen, viel mehr Klassiker und jede Menge andere Literatur zu lesen und eben nicht nur "Perry Rhodan" (gegen den hier wirklich nichts gesagt werden soll).

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ach, viele, das ändert sich auch dauernd. Halldor Laxness, Knut Hamsun und John Galsworthy, so als Dreigestirn, und die unvergleichliche Marie von Ebner-Eschenbach. Und Selma Lagerlöf. Mein Lieblingsbuch dagegen steht für immer fest: "Wind im Mond" von Eric Linklater, das beste Buch, das je geschrieben wurde.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Alles mögliche, Kuchen backen, Socken stricken, lesen, lesen, lesen, Freund/innen treffen, ins Kino gehen, Gummibärchen fressen, neue Buchprojekte aushecken (aber ist das dann noch Freizeit?)

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Das sind so viele, ich möchte gern ein Jahr in Flandern leben und danach richtig gut Litauisch lernen. Oder umgekehrt.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ja, sehr, immer, unbedingt, als Anregung und Ansporn und Inspiration und manchmal auch als Trost.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? Nein, eigentlich fällt mir nichts Kluges ein, schön, dass ihr so lange mitgelesen habt!


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