Interview mit Magnus See

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Sehr gerne! Danke für diese Möglichkeit.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

‚Kurz’ ist immer schwer … Mein Name ist Magnus See, Jahrgang 1978. Ich wohne in Werne an der Lippe, zwischen Dortmund und Münster. Seit 2000 arbeite ich im Verlagswesen, machte mich 2007 mit dem Ventura Verlag für Belletristik selbständig. Wenn man mich fragt, was ich beruflich mache, fallen die Begriffe Autor, Lektor, Verleger, Sprecher, Schreibcoach. 

Seit wann schreibst du? 

Wie bei vielen Autoren lautet die Antwort: Schon immer. Als ich in der Grundschule für einen Aufsatz über einen gefräßigen Igel viele Lacher und eine Eins erntete, war meine Lust am Schreiben geweckt. Ich will einfach kreative Geschichten zu erzählen und Menschen unterhalten – und beobachten, ob meine Texte Emotionen oder Reaktionen beim Leser auslösen.

Professionell, also mit Veröffentlichungen, schreibe ich seit 2001. Da erschienen die ersten satirischen Kurzgeschichten von mir in Zeitschriften.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Das erste Buch hab ich dann tatsächlich erst 2009 veröffentlicht. Meine Schreibkarriere begann mit lustigen, satirischen Geschichten und Kolumnen. Mein guter Freund Christian Huppert hatte schon zwei Bücher mit satirischen Texten geschrieben, und weil wir den selben Humor haben, beschlossen wir, ein gemeinsames Projekt zu starten. Nach vier (!) Jahren Schreiben erschien dann 2009 endlich „Wege in die spontane Erfolglosigkeit“ auf 300 Seiten.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Als ich auf meiner allerersten öffentlichen Lesung positive Reaktionen auf den Text und die Präsentation bekam, das erste meiner Bücher verkaufte und signieren durfte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Unter meinem echten Namen noch keinen Roman – der will einfach nicht fertig werden ;-) Es ist ein zeitgenössischer Coming-of-age-Roman mit vielen Seitenhieben auf Typen und zeitgeistlichen Erscheinungen meiner Generation und mit vielen Anspielungen aus der Literatur. 

Als Kurzgeschichtenautor sind schon einige von mir erschienen u.a. in der Krimisammlung „Blutige Lippe“ zum gleichnamigen Krimifestival oder in Anthologien.

Ich habe das Buch „Wege in die spontane Erfolglosigkeit“ mit Christian Huppert veröffentlicht, als Herausgeber die Anthologien „Man müsste mehr ans Meer“, „(Nicht noch) Eine Weihnachtsgeschichte“ und „Fürchte das Böse“ (VÖ: Oktober 2016) herausgebracht.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Immer. Entweder vor Ort, was bei Geschichten vom Meer besonders schön ist, oder habe für die satirischen Geschichten Begegnungen, Erlebnisse, Anekdoten und Typen festgehalten.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich habe ein kreatives Arbeitszimmer mit Panoramafenster mit Blick über die Stadt. Besonders gerne schreibe ich dort, wenn es draußen stürmt und regnet.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Eigentlich nicht. Ich verzichte beim Schreiben nie auf Kaffee. Mit Musik kann ich auch nicht gut schreiben, außer, sie versetzt mich in die richtige Stimmung, z.B. hab ich eine Playlist programmiert, als ich eine Partyszene schreiben musste und mir nicht nach Party zumute war.

Ansonsten habe ich früher einfach drauflos geschrieben, heute plane und plotte ich viel mehr.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Es wird eine Kurzgeschichtensammlung mit pulp stories, noir stories, Räuberpistolen, Schund und B-Movie-Trash. „Pulp Schinken“ soll das Buch heißen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Immer wieder. Ich bin wohl auf eine Art ein Sprachchamäleon und kann mich leicht der Sprache meines Gegenübers anpassen, in Duktus, Wortwahl, soziolinguistisch. Deswegen merke ich manchmal: Wenn ich Sven Regener lese, schreibe ich plötzlich mehr Schachtelsätze, nach Lektüre von Nina George werden meine Sätze elliptischer, nach Carlos Ruiz Zafón viel bildlicher und nach T.C.Boyle benutze ich mehr Kraftausdrücke ;-)

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Mein Lieblingsbuch ist „Der Schatten des Windes“ von Zafón. Ich hatte vorher noch nie so wunderschön formulierte Sätze gelesen. Ich mag sehr Sven Regener, (hab über „Herr Lehmann“ meine Magisterarbeit geschrieben), Tom Liehr, Sarah Kuttner, Paul Auster, T.C.Boyle, Neil Gaiman, Nina George … ach, es gibt so viele gute. 

Zwei andere Lieblingsbücher sind „Cabo de Gata“ von Eugen Ruge und das bisher einzige Buch von der Autorin Heidi Tripp, „Kaltes Herz“. Eigentlich bin ich nicht so für Fantasy, aber dieses Buch über einen Clan Unsterblicher hat mich gepackt, eingesogen und mit Verlangen nach mehr wieder ausgespuckt! Fantastisch geschrieben!

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Weil ich viel im Sitzen arbeite, mache ich Sport im Studio. Ich bin am liebsten am Meer oder im Comicladen oder im Buchladen oder im Café und beobachte Menschen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ein Traum, den vermutlich jeder Autor hat: Ich möchte gelesen werden und mit meinen Worten Menschen berühren. Sie sollen traurig oder glücklich sein, wenn sie mein Buch ausgelesen haben und es zuklappen.

Und ich möchte eine Produktionsfirma für meine Sitcomdrehbücher finden ;-)

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig. Für meine Leser schreibe ich schließlich, nicht für mein Ego. Dabei muss ich natürlich einordnen können, wer was zu mir mit welchem Ziel sagt. Man darf nicht jede Kritik an sich ranlassen, aber wenn mir jemand sagen würde, dass dies oder jenes unglaubwürdig ist oder er/sie hier und da nicht in den Text fand und kein Bild entstand, dann würde ich schon drüber nachdenken. Bisher hat aber noch niemand so etwas gesagt. ;-)

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Gerne. Ich danke allen Lesern, die mich bisher gelesen haben und hoffe, dass meine Geschichten euch zum Lachen oder zum Nachdenken gebracht, berührt oder unterhalten haben. Und traut euch ruhig, mir zu sagen, wenn dem nicht so war. 


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