Interview mit Angela L. Forster

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Aber sehr gern, Bianca. Ich danke Dir, dass Du mir die Gelegenheit gibst meinen Lesern etwas von mir zu erzählen.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Kurz?! Na gut, ich versuch es mal. Ich heiße Angela L. Forster und wohne am Stadtrand von Hamburg fünf Autominuten vom Alten Land entfernt. 

Hier lebe und arbeite ich schon seit ich irgendwann mal im Zeichen der Fische geboren bin. Als waschechte Hamburgerin

kann man mich aber trotzdem nicht bezeichnen, da meine Eltern aus Bayern stammen. Katholisch, streng und ... Na, darüber werde ich

lieber schweigen. Nein, soll ich nicht ... Ihr seid neugierig? Hm, wollt ihr wirklich alles von mir wissen? Also gut, vielleicht wird es ja

Zeit das ewige Schweigen zu brechen.

Bis ich dreizehn Jahre war lebte ich mit meinem Bruder (und den Eltern) in einem kleinen Reihenhäuschen am Waldrand in Hamburg Fischbek. 

Wenn ich durch den Garten ging, war ich schon in der Heide. Meine Freiheit, meine Ruhe, mein Leben. Zuhause stritten meine Eltern. Mein

Vater betrank sich, rannte mit dem Messer hinter meiner Mutter her und knotete im Keller seinen Strick. 

Ich weiß gar nicht, wie oft meine Mutter mich anschrie: Hol die Polizei oder den Rettungswagen. Ihre Trennung kam bald darauf.

Das ist schon ein Roman? Nein.

Mit meiner Mutter zogen wir, mein Bruder und ich, in eine Mansardenwohnung. Meinen Vater sah ich selten, auch gut. Dafür mehr Männer, 

die mit meiner Mutter unterwegs waren. Gerade vierzehneinhalb, den Hauptschulabschluss (unerwartet sehr gut) in der Tasche, stolzierte

ich zur Handelsschule. Klar, komm nach den Ferien in die Klasse XXX und dann gehts weiter. Mein Traum. Lernen. Rechtsanwältin. Den

Unterdrückten zu Recht verhelfen. Pustekuchen! Geh du mal arbeiten, das musste ich mit vierzehn auch, war der Satz meiner Mutter, als

ich ihr das Schriftstück der Schule zeigte. Friseurin.

Kaum fünfzehn kam der nächste Paukenschlag. Du musst ausziehen, ich ziehe mit deinem Bruder in eine kleinere Wohnung, wir haben 

keinen Platz mehr für dich. Zwei Plastiktüten Wäsche, ein Zimmer zur Untermiete, allein gelassen. Warum war ich nicht so schlau 

wie heute. Scheiße!

Die Lehre, Gesellin, aufgeplatzte blutige Hände, Allergie. Zähne zusammenbeißen. Geld verdienen, überleben. Irgendwann war Schluss.

Ich tingelte von einem Job zum nächsten. Gummifabrik, Kaffeefabrik, Imbissverkäuferin, Reinmachefrau. 

Mit fünfundzwanzig, inzwischen verheiratet und ein Kind, hatte ich die Nase voll. Über den zweiten Bildungsweg drückte ich wieder die

Schulbank. Geschafft. Der Weg war frei. Leider nicht mehr zur Rechtsanwältin. Ein Burn-out hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. 

Ein paar Jahre später arbeitete ich als Textkorrespondentin bei einer Versicherung und in einem großen Zeitungsverlag, einer 

Computerfirma und schrieb als freie Journalistin für kleine und größere Zeitungsverlage. In dieser Zeit begann ich mit 

Kindergeschichten und Kurzgeschichten. 

Heute arbeite ich halbtags für das Jugendamt. Das Recht der unschuldig Hilfesuchenden hat mich geprägt!

Jetzt macht aber keinen Roman aus meiner Lebensgeschichte, dafür kommt ihr zu spät. Meiner ist schon fertig.

Seit wann schreibst du? 

Auf jeden Fall, seitdem ich mich in meine Fantasiewelten geflüchtet habe und meine Lehrer am verzweifeln

waren über die seitenlangen Aufsätze, die sie lesen mussten. Doch mit zunehmendem Alter kamen andere Interessen.

Erst vor achtzehn Jahren habe ich wieder angefangen. Kindergeschichten, Kurzgeschichten, Anthologien, Wettbewerbe,

ein Sachbuch-Script das noch im Keller liegt.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Durch einen Schicksalsschlag in meinem familiären Umfeld. Nein, bitte, darüber möchte ich Euch nichts erzählen. 

Seitdem habe ich mich hauptsächlich dem Krimischreiben verschrieben.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Als mein erster Roman "Schuldlos tot" fertig gestellt war. Das war vor vierzehn Jahren. Ab da wusste ich, dass ich

nicht nur schreiben, sondern auch gelesen werden will.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Carmencita und die Reise mit dem rosaroten Luftballon", ein Kinderbuch, erschien 2008.

"Schuldlos tot", im Jahr 2014 war der 1. Petra-Taler-Krimi aus dem Alten Land und München.

"Der Horoskop Killer", kam 2015 als 2. Petra-Taler-Krimi auf den Markt.

"Heidefeuer", das Taschenbuch mit meiner neuen Kommissarin Inka Brandt aus der Lüneburger Heide erschien im März 2016.

"Opfergabe", als 3. Petra-Taler-Krimi ist seit April 2016 als E-book erhältlich.

"Heidegift", als 2. Inka-Brandt-Krimi aus der Lüneburger Heide ist gerade seit Oktober 2016 erhältlich.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Klar, ohne dem geht es bei mir nicht. Auch wenn ich über Gegenden schreibe, wo ich fast jeden Baum mit Namen kenne, muss ich

mich doch vergewissern, ob dieser Baum noch da steht, wo er schon schon immer gestanden hat. Meistens kutschiere ich mit meinem Mann

von A nach B und weiter nach C und wenn es nötig wird, dann fangen wir wieder bei A an. Ich fotografiere, schreibe auf oder spreche in mein 

Diktiergerät. Erst Anfang des Jahres haben wir Urlaub in Frankreich gemacht, wo wir auf der Rückfahrt durch München und weiter 

an den Starnberger See gefahren sind. Hier konnte ich viele Eindrücke auffrischen, da meine Petra Taler ja eine Münchnerin ist, die es 

in das Alte Land verschlagen hat.  

Wo schreibst du am liebsten?

Zuhause in meinem Arbeitszimmer an meinem Schreibtisch. Es ist ein weißer Holzesstisch, den ich zum Schreibtisch 

umfunktioniert habe. Ich brauche viel Platz für meine ungeordnete Ordnung und die Zettelwirtschaft die mich umgibt.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Das nehme ich mir immer vor. Aber wie es manchmal ist ...

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Es wird einen 4. Petra-Taler-Fall geben. Es ist ein Krimi, der ein Stückchen Wahrheitsgeschichte erzählt, die

ich mit fiktiven Einschüben verbunden habe. Er spielt im Alten Land, dem Harburger Binnenhafen und Hamburg Altona, und ... 

Mehr darf ich nicht sagen. Erscheinen wird er als Ebook im Midnight by Ullstein. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ein klares -Nein-. Ich schreibe, wie mir der Schnabel und mein eigener Stil gewachsen ist. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Nicht lachen! Wald Disney (Comic). Ihr habt gelacht. Mark Twain ist mein Lieblingsautor. Die Abenteuer des Huckleberry Finn. Einfach klasse.

Außerdem finde ich die Gedichte und Zitate von Christian Fürchtegott Gellert und Leonardo da Vinci superklasse.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schreiben, schreiben, schreiben und die restliche Zeit mit meinem Mann am Meer verbringen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Eine Auszeit von einem Jahr mit meinem Mann und einem Wohnmobil. Aber erst, wenn mein Fuß, der durch einen Unfall etwas lädiert ist,

wieder in Ordnung ist, dass heißt, wenn ich mich zur OP traue. Laptop kommt natürlich mit.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr. Ich freue mich, wenn LeserInnen über meine Bücher begeistert sind. Das streichelt meine Seele. 

Aber auch Feedback mit berechtigten Einwänden, und ich meine wirkliche berechtigte Einwände, sind mir lieb und teuer. 

Es ist schon ein paar Jahre her, da las ich auf einer Lesung ein Teilstück eines neuen Projekts. Nach der Lesung gab es 

eine tolle Diskussion unter allen Zuhörern, wo ich viele kleine "Problemfälle" des neuen Projekts gerade noch 

korrigieren konnte. Wunderbar. Das ist natürlich die Ausnahme. Meist kriegt man hinterher einen auf den Deckel. Aber solange 

alles über der Gürtellinie bleibt und klar begründet wird ... ist es okay.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Danke, dass ihr mir vertraut und ich mich für euch jeden Tag wieder an den Schreibtisch setzen darf.wird


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