Interview mit Uwe Grießmann

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Aber gerne doch!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Geboren wurde ich vor ein paar Jahren in Schweinfurt. Ende der 80er Jahre zog es mich mit meiner späteren Frau in den mittelhohen Norden, nach Hildesheim. Obwohl wir nur ein paar Jahre bleiben wollten, leben wir immer noch in der Nähe Hildesheims. Ich bin also Franke, was man hört. Im wirklichen Leben arbeite ich bei der niedersächsischen Landes-IT. 

Seit wann schreibst du? 

Mit einer kaum erwähnenswerten Unterbrechung seit der frühen Schulzeit. Für eine Jugendfreizeit in der Rhön habe ich für die Zeitung eine Kurzgeschichte geschrieben. Es ging darum, wie die Menschen im Jahr 2000 in dem Landschulheim dort ihre Tage verbringen. Es gab fliegende Autos und niemand kannte Kartoffelklöße. Die Geschichte wurde veröffentlicht und kurz darauf stand der Landrat vor der Tür. Er schenkte mir 20,00 DM und Süßigkeiten, weil er die Story so toll fand. Leider ist sie verlorengegangen.

Allerdings habe ich danach eine kreative Pause gebraucht. So etwa bis 2010.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich habe für die Arbeit - ich arbeitete damals für eine Krankenhaus-IT - ein Handbuch für ein Dienstplanprogramm geschrieben. Außerdem gab ich EDV-Schulungen, auch dazu habe ich die Handouts verfasst.

Allerdings dauerte es noch bis 2010, bis ich das erste Mal so etwas wie Belletristik geschrieben habe. Das kam so: Auf fast jeder Reise, schreibe ich ein Urlaubstagebuch. Zwar kann man dort nachsehen, wann wir wo waren, aber eigentlich schreibe ich mehr über Begegnungen (mit einem leichten Hang zum Übertreiben). 

So, wie in Verona, wo ein junger Mann in einem Restaurant auf eine Frau wartete. Die ganze Zeit spielte er mit einem Geschenk herum. Von der Größe könnte es ein Ringkästchen gewesen sein. Als sie endlich mit einiger Verspätung eintraf, hatte sie schon ihr Handy am Ohr. Und sie telefonierte ununterbrochen, bis wir gingen. Ohne das Geschenk auszupacken.

Ich schrieb daraufhin, wie das Date ausging. Tragisch. Meiner Frau war das zu tragisch, sie wollte ein alternatives Ende. Zum Schluss hatte die Geschichte drei Enden und war ellenlang.

Irgendwann begann die Idee zu reifen, aus all diesen Tagebüchern ein humorvolles Buch zu schreiben. Es wurde gruselig schlecht. Aber die Idee nahm ich dann für meinen ersten Roman, der drei Fortsetzungen haben sollte. Eine davon veröffentlichte ich bei neobooks, die dritte nicht mehr. Aber ehrlich gesagt bin ich froh, dass sie zur Zeit in der digitalen Schublade auf eine dringend benötigte Überarbeitung warten und nicht mehr im Verkauf sind. Die Storys sind nicht schlecht, aber der Schreibstil.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Wenn man es genau nimmt, habe das ja schon beantwortet. Wenn man es noch genauer nimmt, im Juni 2015. Ich fragte bei einem Verlag an, ob ich ihnen ein Manuskript schicken kann. Ein paar Tage später kam die Antwort. Ich solle die ersten 30 Seiten, meine Vita, und ein Exposé schicken. Noch am selben Abend wollten sie das komplette Skript. Zu Weihnachten wurde das Buch veröffentlicht. 

Zuvor hatte ich »Die Tränen der Hexen« als Selfpublisher herausgegeben und mit dem Werk etwa 10.000 Downloads erzielt. Über 30 Rezensionen, die meisten mit 4 - 5 Sternen, waren sicher ein Argument, den Roman zu nehmen.

Und dann war da der 30. April 2016. Ich wurde nach Goslar eingeladen, dort spielt die Geschichte nämlich. Vor der Buchhandlung auf dem Marktplatz waren die Hexen los, ein jährliches Riesenevent, die Lesung war trotzdem restlos ausverkauft. Obwohl ich total nervös war, hat der Chef des Ladens gesagt, dass es einer der besten Lesungen war, die er jemals veranstaltet hat. 

Im Buch kommt eine Hexenpredigt vor. Ich habe sie nicht im Original gelesen, ich habe sie gehalten, den Zuhörern entgegengeschleudert. Eine Idee, die ich am Tag zuvor hatte. Auch die Presse war ziemlich angetan. Da wusste ich jedenfalls, dass ich Autor bleiben möchte. 

In der Zwischenzeit veranstalte ich mit einem Goslarer Stadtführer Kostümführungen mit Lesungen. Wir bringen die Leute zu den Originalschauplätzen. Zum Beispiel in eine alte Däle (das ist ein Fachwerkhaus mit Werkstatt aus dem 15. Jahrhundert), dort lese ich ein Kapitel über den Buchdruckermeister Wilhelm Wehrstett. Vor dem Malefizenturm gibt es ein Original Verhörprotokoll zu hören, am Mönchehaus oder in der Klauskapelle halte ich die Predigt. Die Führungen und auch die normalen Lesungen machen einfach unendlich viel Spaß.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die Sachen, die ich als Frank Arlt veröffentlich habe, lasse ich mal weg.

»Die Tränen der Hexen« gibt es als Taschenbuch broschiert ISBN-13: 9783954751174 und als Elektrobuch ISBN-13: 978-3954751228

»Meine kleine Rezeptsammlung - Kochen ohne Maggi & Co.« gibt es als PDF-Download nur auf meiner Webseite. http://autor-uwe-griessmann.com

»Tödliche Idylle« ist eine Anthologie, zu der ich 2 Thriller und 1 Krimi beigetragen habe. ISBN-13: 978-3935928533 (Taschenbuch)

»Drachenflüge« ist ebenfalls eine Anthologie. Für das Werk habe ich 3 Fantasy-Geschichten geschrieben. ISBN-13: 978-3935928588 (Taschenbuch)

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ohne Recherche geht es nicht. Für »Die Tränen der Hexen« habe ich insgesamt 1/2 Jahr gebraucht. Davon ging die Hälfte der Zeit für Recherche drauf. Das lag daran, dass ich nichts über das Leben in der frühen Neuzeit wusste, außer das, was man so liest und im Fernsehen sieht. 

Den Roman wollte ich jedoch möglichst glaubwürdig schreiben. Also besorgte ich mir einen Stadtplan von Goslar, der die Stadt um 1500 abbildet. Dazu wurde ein Begleitbuch angeboten, indem viele Gebäude beschrieben sind oder auch die Fahrwegwasser (ein Kanalsystem auf den Straßen, welches Löschwasser bis an fast jede Brandstelle heranführen konnte). Das Internet ist natürlich auch eine Quelle, die in höchstem Maße hilfreich ist und die ich ausgiebig nutze.

Das Ergebnis ist denke ich sehr authentisch ausgefallen. Schon das Leben damals war kein Zuckerschlecken, es war hart und Frauen hatten eine Lebenserwartung von etwa 30 Jahren. Sie starben meist im Kindsbett. Da das Buch von der beginnenden Hexenverfolgung handelt, war für mich kein Platz für Schönfärberei. Ich wollte den Lesern vor Augen führen, was es bedeutete, angeklagt zu werden. 

Misshandlungen, Vergewaltigungen durch die Wärter, Angeklagte mussten die Verhandlung nackt durchstehen, die Folter, die Zerstörung des Körpers durch den Scharfrichter, der auch die Verletzungen behandelte, damit am nächsten Tag weitergefoltert werden konnte. 

In einer Redaktionsrezension der Histocouch stand, dass der Roman teilweise an einen Horrorroman erinnert, aber die Wirklichkeit muss noch schlimmer gewesen sein.

Wo schreibst du am liebsten?

In der Küche.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Es muss ruhig sein, keine Musik also. Höchstens das Blubbern der Töpfe, wenn ich nebenbei koche.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Es geht von der Vergangenheit in die Zukunft. »Die Mächtigen« ist eine Dystopie. Wer diese Mächtigen sind, weiß niemand. Aber sie beuten die Erde aus und haben die Menschheit versklavt. In ein paar Tagen kann ich Ende unter die Geschichte schreiben, dann geht es an die finale Überarbeitung. 

Außerdem habe ich schon fast 100 Seiten für den Nachfolger von »Die Tränen der Hexen« geschrieben. Da bricht ein Vulkan auf Java aus und bringt eine Hungersnot nach Europa. 

Dann habe ich 3 Romane, die ich als Frank Arlt geschrieben habe. Die Storys sind ziemlich gut. Die müssen allerdings fast neu geschrieben werden. Es sind 2 Technik-Thriller und dazwischen ein Katastrophenroman um meinen Helden Daniel Haller.

Genügend Kurzgeschichten für eine eigene Anthologie hätte ich auch. Mir wird nicht langweilig.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ich glaube nicht.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Viele. Arthur C. Clarke oder James A. Michener zum Beispiel, mit all ihren Werken. Toll fand ich auch »Die Nebel von Avalon«. 

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schreiben, in nahe und ferne Länder reisen (wenn ich viel Zeit habe) und Kochen. Ach ja, Gitarre spiele ich ja auch noch.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Komischerweise hat sich gerade einer erfüllt. Ich wollte mal wieder bei einer besonderen Lesung dabei sein. Bei Marc Elsberg fand ich es total knisternd. So etwas.

Ende November (2016) darf ich mit 19 HOMER-Autoren auf der Bühne sitzen und zuvor bei der langen Lesenacht in Billerbeck lesen. Ich bin zwar nur Nachrücker und die Flyer konnten nicht mehr geändert werden, aber ich denke, das wird trotzdem knistern! Außerdem freue ich mich darauf, eine Menge bekannter Autoren endlich persönlich kennenlernen zu dürfen, nicht nur digital. Am Freitag findet nämlich eine Gala und eine Preisverleihung statt.

Wunsch 2, darauf muss ich noch lange warten: Wenn ich Rentner bin, will ich jedes Jahr im Ausland überwintern.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Ich finde, es ist immens wichtig. So, wie für Musiker der Beifall oder für Köche das Lob, dass das Essen geschmeckt hat. Kritik ist einfach wichtig für mich als Kunstschaffender. Egal, ob sie jetzt positiv oder negativ ist. Konstruktiv muss sie sein. Es ist schade, dass so wenig Leser rezensieren.

Und es freut mich einfach, wenn ich angesprochen werde, z.B. bei Lesungen, von Kollegen oder auch von Fremden. Neulich hat mir eine Dame gesagt, dass ihr das Buch wirklich gefallen hat. Negativ fand sie nur, dass Henricus Institoris nicht an seiner Erkältung gestorben ist. Da half auch nicht, dass ich geantwortet habe, der Mann ist eine historische Figur, der definitiv nicht 1500 in Goslar an Schnupfen starb. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Gerne Bianca und danke fürs Interview.

Für die Leser: Danke, dass es euch gibt. Danke, dass ihr diese Kultur nicht aussterben lasst!


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