Interview mit Christina Unger

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Dafür hat man als Autorin doch immer Zeit! Ich danke dir!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Huhu! Wie viel Platz habe ich zur Verfügung? Um es kurz zu machen: ich bin gelernte Kartographin, in Wien geboren, und mit Zwanzig nach Südafrika ausgewandert. Mit meinem späteren Freund, einem Salzburger Betriebswirt, habe ich dann Südamerika bis nach Feuerland in zwei Jahren bereist. Auf einer Estancia mit 10 000 Schafen, wo wir als Köche arbeiteten, beschlossen wir dann kurzerhand, nach Alaska aufzubrechen. Insgesamt habe ich sieben Jahre in Afrika gelebt und drei Jahre in Kanada. Meine Erlebnisse dort sind auch in meinen neuen Roman „Ein Hauch von Sehnsucht“ miteingeflossen. Nach meiner Rückkehr nach Österreich habe ich einen kartographischen Verlag gegründet, wo ich bis heute arbeite. Zurzeit lebe ich in einem Dorf 40 km südlich von Wien, mit meinem LAP (Lebensabschnittspartner) und meinen drei „Herzbinkerln“, den Katzen Foxi, Hexi und Murli.

Seit wann schreibst du?

Schreiben tu ich seit ich schreiben kann. Das erste, das ich mit neunzehn „veröffentlicht“ habe, war kein Buch, sondern eine zehnminütige Rede im Rahmen eines Redewettbewerbs, der von der UNO ausgeschrieben wurde, und den ich unter über achtzig Teilnehmern sogar gewonnen habe! Manuskripte habe ich viele, hatte aber früher nie die Ausdauer, dafür einen Verlag zu suchen.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen?

Ich habe immer schon unheimlich viel gelesen. Als Schülerin bin ich in die Leihbibliothek gegangen. Dort habe ich mir eines Tages anstatt der üblichen zehn Bücher nur eines ausgeliehen, worauf die Bibliothekarin große Augen gemacht hat. Ich erklärte ihr, dass ich am nächsten Tag mit meinen Eltern auf Urlaub fahre. Daraufhin hat sie mich nur angelächelt und mir sicherheitshalber ein zweites Buch mitgegeben, und tatsächlich - ich habe beide an diesem einen Nachmittag ausgelesen. In der Schule habe ich gerne Aufsätze geschrieben, die meist viel zu lang waren, weil ich nicht aufhören konnte zu schreiben. Außerdem hätte mir das Leben eines Schriftstellers gut gefallen. Ein Autor ist eigentlich jeder, der etwas veröffentlicht hat, und sei es ein Leserbrief in der Zeitung. Ein Schriftsteller aber hat das Schreiben zum Beruf gemacht.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Das wusste - oder hoffte ich - schon als Kind. Mit dreizehn Jahren habe ich meinem Buchhändler eine Indianergeschichte gezeigt. Der war voll des Lobes und meinte, ich hätte Talent, sei aber noch nicht „druckreif“! Ha-ha. Der hatte sowas von Recht! Diese Geschichte habe ich bis heute aufgehoben. Dann nahm ich mir das Zitat von Henry David Thoreau zu Herzen, das da lautet: „Wie vergeblich ist es, sich hinzusetzen, um zu schreiben, wenn du nicht aufgestanden bist, um zu leben“. Das ist ein wunderschönes Zitat. Ich habe es mit Leben erfüllt und seitdem habe ich auch etwas zu sagen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Meine ersten Bücher waren zwei alternative Reiseführer über „Peru“ und „Argentinien/Paraguay“ in der Reihe Preiswert Reisen für junge Menschen mit viel Zeit und kleinem Budget. Dann kam eine lange Pause, in der ich in meinem Beruf arbeitete und nebenher Bücher für den Goldmann Verlag aus dem Amerikanischen übersetzte. Erst 2014 habe ich wieder ernsthaft begonnen zu schreiben und 2015 im Windsor Verlag die Reisesatire „Die verrückte Reise des Mr. Smith“ veröffentlicht. Es gibt das Buch auch in allen Internetshops als e-book. Es ist die verrückte Geschichte über einen angestaubten Bibliothekar und Muttersöhnchen, der sich einmal im Leben auf eine Reise nach Europa und sogar Afrika wagt, und in seiner Unerfahrenheit von einem Fettnäpfchen in das nächste taumelt. Nichts für schwache Nerven und auch nichts zum Nachmachen!

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Wenig, meist Jahreszahlen und historische Namen. Ansonsten kenne ich die meisten Schauplätze.

Wo schreibst du am liebsten?

Nicht dort, wo ich im Moment schreibe. Ich schreibe im Wohnzimmer, denn das Arbeitszimmer wird von meinem Lebensabschnittspartner besetzt, und bei mir latscht immer jemand durch, was mich nervt.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Ich schreibe, wenn mir danach ist und die Zeit es erlaubt. Manchmal wird mir allerdings eine Eingebung geschenkt und dann lege ich los, egal wann. Kann auch vier Uhr in der Früh sein.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ja, es gibt sogar zwei neue Projekte. Eines davon ist nur halb neu. Ich habe es vor Jahren niedergeschrieben und jetzt erst überarbeitet. Es handelt aus der Zeit, als ich noch in Afrika unterwegs war und einen behinderten Engländer, der 6000 Kilometer auf Krücken ging, acht Monate durch Afrika begleitete, um Spenden für behinderte Menschen zu sammeln. Ich gehörte damals zum Begleitteam und bin das erste Mal im Leben an meine Grenzen gestoßen. Der Mann hat unglaubliche 50 Kilometer am Tag auf Krücken zurückgelegt, aber für uns zwei Begleitpersonen in zwei Land Rover war das viele Warten zermürbend. Deshalb lautet der Arbeitstitel auch „Warten auf Mr. Barrymore“. Was wir an Armut gesehen haben, lässt sich schwer beschreiben, ebenso wie es sich auf unser Gemüt ausgewirkt hat. Jedenfalls haben wir fast eine halbe Million englische Pfund eingetrieben, das war, glaube ich, der erfreulichste Teil an diesem ganzen Projekt.

Das zweite Projekt ist etwas völlig anderes. Es handelt sich um einen heiteren Voralpen Krimi – ich komme ja aus Österreich – und trägt den Arbeitstitel „Ein unmoralisches Dorf“. Da wird ordentlich intrigiert und gemordet. Es ist halt sehr regional, was nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte. Vor allem nicht den Geschmack der Leser nördlich vom „Weißwurstäquator“, unterstelle ich jetzt mal. Wann der erscheint weiß ich nicht, weil ich es noch nicht vielen Verlagen angeboten habe.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Früher las ich Henry Miller (Wendekreis des Krebses). Sein Stil hat mir außerordentlich gut gefallen. Ich liebe Bücher, die informativ sind, aber gleichzeitig unterhalten. Ich habe viele britische Autoren gelesen, da mir der britische Humor sehr gut gefällt. Humor ist mir bei aller Ernsthaftigkeit wichtig.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Meine zwei Lieblingsbücher sind „Der Prophet“ von Kahlil Gibran - ein Meisterwerk - und „Siddartha“ von Hermann Hesse. Zu meinen Lieblingsautoren zähle ich Henry Miller, Somerset Maugham, Oscar Wilde sowie einige südafrikanische Autoren, da ich viele Jahre in Südafrika gelebt habe.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Wenn ich früher immer gedacht hatte, ich versäume etwas, wenn ich nicht dabei bin, habe ich heute gelernt, ausschließlich die Dinge zu tun, die mir Spaß machen: ich lese, schreibe, sehe fern, gehe walken, Rad fahren oder wandern und treffe mich gerne mit Freunden zu einem gepflegten Essen zu Hause oder im Restaurant.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich wünsche mir - und das habe ich mir immer schon gewünscht - dass ich mit meinen Büchern Erfolg habe und mir die Inspiration nicht ausgeht! Gesundheit wünsche ich mir natürlich auch, an die erinnert man sich nämlich immer erst dann, wenn man einmal krank war.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ungemein wichtig. Ohne Feedback hast du das Gefühl, du schreibst im Nirwana. Da beginnst du an dir zu zweifeln und verlierst irgendwann die Lust am Schreiben. Schlechte Kritik ist besser, als gar keine, denn wie sagt man in der Werbebranche? Besser in der Luft zerrissen zu werden, als ignoriert zu werden. Positive Kritik ist natürlich der Hammer!

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich liebe alle meine Leser und auch die, die es noch werden wollen! :)


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