Interview mit Faye Hell

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Hellcome liebe Horrorfreunde! Mein Name ist Faye Hell und ich freue mich, dass ihr euch die Zeit nehmt, mich in diesem Interview ein bisschen besser kennenzulernen. Der Kontakt zu meinen (zukünftigen) Lesern ist mir sehr wichtig. Schreiben ist nichts fürs stille Kämmerchen, erst im Dialog mit euch wird meiner Vision wirklich Leben eingehaucht.

Wohnhaft bin ich in der Nähe von Wien, in der absoluten Einöde. Ich bin keine Vollzeitautorin, ich habe auch noch einen Halbtagsjob als… Lehrerin. Würde man gerade bei einer Horrorautorin nicht erwarten, oder? Mein Werk mag grausam sein, aber ich denke, ich bin ein sehr umgänglicher Mensch. Wer immer mich kennenlernt und hört, dass ich Autorin bin, denkt zuerst, ich würde Fantasybücher für Kinder schreiben. Ernsthaft! Ich selbst beschreibe mich seit Jahren mit dem Begriff: Horror-Hippie. Wenn ihr jetzt an Rob Zombie denkt, dann denkt ihr richtig.

Und jetzt legen wir los.

Seit wann schreibst du?

Meine erste Kurzgeschichte habe ich im Alter von elf Jahren geschrieben und natürlich war das damals schon eine Horrorgeschichte. Es ging um eine junge Frau, die nach der Arbeit nach Hause kommt und in ihrer Wohnung lauert ein Killer auf sie, der sie vor laufender Kamera umbringt. Und ja, ihr habt richtig gelesen: Ich war elf Jahre alt. Manche Menschen entwickeln sich einfach nicht weiter. *zwinker*

Veröffentlicht wurde ich das erste Mal vor über zehn Jahren im VIRUS Magazin, für das ich auch immer noch als Redakteurin tätig bin. Das war damals eine Kolumne über Serienmörder.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Bereits als Kind habe ich davon geträumt, Autorin zu werden. Dass ich dann tatsächlich begonnen habe Bücher zu schreiben, war genau genommen Überlebensstrategie. Ich hatte ein grauenvoll traumatisches Erlebnis zu bewältigen und die Arbeit an meinem ersten Roman hat mir maßgeblich dabei geholfen. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, auf das Schreiben zu verzichten, es ist mein Leben, es ist mein Ich, es ist da, was mich ausmacht.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Eigentlich wusste ich es, noch bevor ich lesen konnte. Mein Vater hat mir immer vorgelesen und ich habe mir gedacht: Das will ich auch mal können. Ich habe damit nicht das Vorlesen gemeint, ich wollte selbst so tolle Geschichten erfinden wie die in meinem bunten Kinderbuch. Als Jugendliche habe ich sehr viel geschrieben, aber als Erwachsene hat mir der Mut gefehlt, um den entscheidenden Schritt zu wagen. Mit seinen Werken an die Öffentlichkeit zu gehen erfordert viel Courage. Jetzt bin ich unglaublich froh, dass ich diesen Mut aufgebracht habe. Träumen ist eine tolle Voraussetzung, aber irgendwann muss man auch handeln.

Genau genommen ist es wohl immer schon mein Traum gewesen, Autorin zu sein.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Den Roman „Keine Menschenseele“ im Amrûn Verlag und das Infotainment Buch/Sachbuch „The little Virus Book of Satan“ im Raptor Verlag. Mein zweiter Roman „Tote Götter“ erscheint demnächst im Amrûn Verlag.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ich recherchiere sehr ausführlich, was sich vor allem bei meinem Sachbuch bemerkbar gemacht hat. Aber auch für meine Romane lese ich viel Sekundärliteratur und recherchiere vor allem vor Ort. Da ich „New American Gothic“ schreibe und meine Romane deshalb auch immer teilweise in Amerika spielen, nutze ich meine ausgedehnten Amerikareisen, um entsprechendes Material und natürlich auch Eindrücke zu sammeln.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe am liebsten in meinem Arbeitszimmer, umgeben von Büchern und Filmen. Ich wohne in einem über hundert Jahre alten, ehemaligen Kurhotel aus der Kaiserzeit und dieses traumhaft schöne Haus ist unglaublich düster und wahnsinnig inspirierend. Bei diesen alten Mauern kommen die finsteren Ideen nur gleich so aus den Wänden gekrochen, als Autor muss man nur lernen zuzuhören. Plotten kann ich vor allem auch im Urlaub am Meer in Andalusien sehr gut.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Zuerst überarbeite ich die Seiten, die ich beim letzten Mal geschrieben habe. Danach versetze ich mich in die Szene hinein, an der ich aktuell schreibe, bis ich deutlich das Bild vor Augen habe und die Stimmung spüre. Schöne Worte allein reichen nicht, eine Geschichte ist dann gut, wenn das Gefühl stimmt. Wenn notwendig oder passend höre ich auch Musik. Und natürlich trinke ich viel Kaffee beziehungsweise Tee und wenn es gerade sein soll auch mal Schnaps oder Sekt.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Mein zweiter Roman „Tote Götter“ ist gerade abgeschlossen und natürlich habe ich ein neues Projekt, an dem ich arbeite. Aber da bin ich abergläubisch wie werdende Eltern, in einem so frühen Stadium will ich nicht zu viel verraten. Ein kleiner Hinweis: Es hat was mit Alaska zu tun, einem Flecken Erde, den ich über alles liebe. Und ja, lustige Geschichte: Für die Anthologie einer Freundin werde ich einen Ausflug in die Romantik wagen. Das wird sicher schräg.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Man hat mir mehrfach nachgesagt, meine Schreibe würde nach Edgar Allan Poe beziehungsweise H. P. Lovecraft klingen und was soll ich sagen, das ist natürlich kein Zufall. Gerade die klassischen amerikanischen Gothic Autoren beeinflussen mich maßgeblich. Aber mein größtes Idol ist Stephen King, das ist mein uneingeschränkter Schreibgott und ich habe mir seine „Schreibregeln“, die auch hinter meinem Arbeitsplatz hängen, mehr als nur zu Herzen genommen. Ich habe sie verinnerlicht. Darüber hinaus inspiriert mich auch Franz Kafka nachhaltig.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Mein absolutes Lieblingsbuch ist „The Stand“ von Stephen King. Kein einziges anderes Werk ist für mich persönlich so elementar und ergreifend. Außerdem liebe ich „Katzendämmerung“ von Arthur Gordon Wolf, da ich eine treue Anhängerin der Katzengöttin Bastet bin. Krimiautor Andreas Gruber ist quasi mein Nachbar (er wohnt zirka 15 Kilometer entfernt von mir) und auch eines meiner Vorbilder.

Aber ich liebe auch Michel Houellebecq, Lauren Beukes und Chuck Palahniuk. Ich mag es, wenn meine Lektüre polarisiert und ein bisserl mehr Anspruch hat. Dann fühle ich mich als Leserin gefordert, vor allem auch herausgefordert. Übrigens: „Unterwerfung“ von Houellebecq war eine Offenbarung, wie alle seine Romane.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich bin absolut fanatisch nach Horror (große Überraschung, ich weiß) und lasse kaum einen Horrorfilm aus. Aber auch beim Thema Film gilt, dass mich vor allem immer wieder anspruchsvolles Kino reizt. Lars von Trier ist für mich die unangefochtene Instanz, sein Film „Nymphomaniac“ der Film, der mich bisher am meisten beeindruckt/mitgenommen hat. Darüber hinaus bin ich ein echter Serien-Junkie, wenn es um Horrorserien geht. The Walking Dead? Natürlich! American Horror Story? Selbstverständlich!

Natürlich lese ich sehr viel, ungefähr ein Buch die Woche muss dann schon dran glauben. Außerdem gehe ich verdammt gerne weit spazieren, immerhin wohne ich ja irgendwo im Nirgendwo und da habe ich sehr viel Wald vor der Tür.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich mag zwar auch meinen Brotjob wirklich sehr gern, aber es wäre mein absoluter Traum vom Schreiben leben zu können. Es wäre für mich der Himmel (oder sollte ich in meinem Fall besser sagen die Hölle?) auf Erden, mich nur noch meiner Berufung widmen zu können. Ich arbeite wirklich hart dafür und träume auch unablässig davon. Aber ich liebe das Schreiben auch so, wie es jetzt gerade ist, wo es mir vielleicht gerade mal Butter, aber garantiert noch keinen Lachs aufs Brot bringt. Überhaupt Autorin sein zu können, ist schon ein ganz großer Teil meines Traums.

Und ja, ich möchte irgendwann nach Spanien auswandern und dort auf meinem eigenen kleinen alten Bauernhof leben. Und ich will Seidenhühner und Tomatenpflanzen. *seufz*

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Unglaublich wichtig, ich liebe meine Hellies (so nenne ich auf meiner FB Seite meine Leser) und ich erfahre unglaublich viel Unterstützung von ihnen. Sie haben mir ja auch dabei geholfen, den Deutschen Phantastik Preis zu gewinnen. Hellies, ihr rockt total!!

Ohne meine Leser wäre ich einfach nicht vollständig und ich freue mich jedes Mal unglaublich, wenn sich ein Leser die Zeit nimmt und mir eine persönliche Rückmeldung zukommen lässt. Und wie jeder andere Autor bin ich sehr dankbar für Rezensionen, damit helfen uns unsere tollen Leser ungemein!

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich bedanke mich für eure Unterstützung! Schaut auf meiner FB Seite www.facebook.com/FayeHell/ vorbei und plaudert mit mir. Über meine Bücher, über Horror allgemein, über das Leben. Ich freue mich, wann und wie auch immer wir in Berührung kommen. Und vor allem: Hört nicht auf zu lesen, liebt eure Lieblings-Bücher und haltet eure Liebe in Ehren.

Schnurrrrrr direkt aus der Hölle, eure Faye!  


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