Interview Carl Fayn

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Es ist leider nicht möglich, all zu viele persönliche Details preiszugeben, ohne mein ernst gemeintes Pseudonym zu gefährden. Ich arbeite recht viel, wodurch sowohl das Lesen, vor allem aber das Schreiben meistens zu kurz kommen. Da ich ein naturverbundener Mensch bin, der gerne Sport im Freien treibt, war die Entscheidung mein erstes Buch zu verfassen mit großen Einschränkungen verbunden. Ich lebe in Wien und genieße die Kombination aus Anonymität der Großstadt mit der Vertrautheit im "Grätzel", wie man das bei uns so nennt. Wann immer ich kann, fliehe ich aber auf das Land, je einsamer und rückschrittlicher das Dorf, desto lieber ist es mir. Ich brauche die Kontraste, ruhig und wild, einsam und gesellig, fleißig und faul, heiß und kalt. Das würzt das Leben.

Seit wann schreibst du? 

Ich schreibe seit meiner Schulzeit gerne Gedichte und Kurzgeschichten, dies war jedoch immer eher ein Tagebuch-Ersatz und nie zur Veröffentlichung bestimmt. Ideen für Geschichten in Romanform trage ich bereits länger mit mir herum, fand aber nicht die Zeit, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Das war ein recht spontaner Entschluss, obwohl mich die Idee dazu schon länger beschäftigt. Eines Tages habe ich mich hingesetzt und mir die Frage gestellt, wie es sich anfühlen mag, ein Mörder zu sein. Aus der Schwierigkeit mir das vorzustellen, erwuchs die Lust, mich mit der Frage näher zu befassen. Draus entstand ein Plot und schließlich mein erster Roman.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Ich hatte das eigentlich schon immer irgendwie im Hinterkopf, aber eher als etwas, das ich mir für später aufheben wollte. Etwas, das ich angehen wollte, nachdem ich genug erlebt hätte, wovon zu erzählen es sich lohnte. Von diesem autobiografischen Ansatz habe ich mich aber rasch wieder verabschiedet. Und Thriller auf dieser Basis zu schreiben ist schlicht nicht möglich. Was da so alles geschieht, entzieht sich in aller Regel der Erfahrung eines normalen Menschen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Tatsächlich habe ich bereits einige Fachbücher im Zusammenhang mit meinem Beruf unter bürgerlichem Namen veröffentlicht. Diese Art des Schreibens ist mir also nicht fremd. Aber das interessiert hier wohl weniger. "Der Nadeljunge" ist mein erstes belletristisches Buch. Es hat mir großen Spaß gemacht daran zu arbeiten und wird wohl nicht das letzte Buchprojekt gewesen sein.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Da ich versuche so realitätsnahe wie möglich zu schreiben, ist solide Recherche die Basis für das Erzählen der Geschichte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es überhaupt möglich ist, eine fesselnde Geschichte mit interessanter Location und präzisen Details zu schreiben, ohne sich vorher gründlich in die jeweilige Materie einzuarbeiten.

Wo schreibst du am liebsten?

Alleine im stillen Kämmerchen. Telefon und Mail abgedreht. Mindestens einen Halbtag am Stück nur für das Projekt zur Verfügung. Abgeschirmt von den Geräuschen des Stadtlebens. Einzige zulässige Ablenkungsquelle ist der geöffnete Browser mit aktuell relevanten Recherchen, die mich inspirieren. Und eine Tasse Kaffee.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Grobe Planung am Vorabend im Kopf, ohne großartige Notizen. Morgens mit Fokus an die Sache. In den Flow kommen. Eher mal unkritisch losschreiben. Mittags prüfen, ob ich am richtigen Weg bin. Gegen 15 Uhr startet die erste Überarbeitung des Textes. Bis zum Abend liegt dann ein Rohtext vor, der gute Überlebenschancen hat. Und das wiederholt sich solange eben nötig.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ich verstehe nun, warum viele sagen, das zweite Buch wäre "anders". Ich arbeite sein Monaten gedanklich an meiner neuen Hauptfigur und den Abenteuern, die sie erleben soll. Da es um nichts Geringeres als den Entwurf einer Serienfigur geht, braucht das etwas Zeit. Zudem suche ich noch nach der passenden längerfristigen Positionierung. Spannungsliteratur steht soweit fest, auch ein Hang zum Thriller. Ob es derselbe Einschlag wird wie die Geschichte rund um Dr. Vladimir Lazarecu ist noch fraglich. Ich prüfe da derzeit unterschiedliche Entwicklungsrichtungen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Viele vermutlich, aber keiner auf bewusste Weise. Ich lese sehr stark kreuz und quer. Natürlich sehe ich mir an, was die Thriller-KollegInnen so treiben, vor allem diejenigen mit deutlich mehr Erfahrung als ich selbst. Mir gefällt die alte, schöne Sprache von Hermann Hesse. Ich liebe das vermittelte Unbehagen bei Franz Kafka. Mir imponiert der Detaillierungsgrad von Thomas Mann. Im Genre mag ich die sprachliche Zurückhaltung von Henning Mankell oder Simon Beckett. Sebastian Fitzek zaubert buchstäblich unglaubliche Plots hin. Und Cody McFayden oder Chris Carter zeigen, was aus an sich einfachen Stories gemacht werden kann. Insgesamt schaue ich mir vieles an, aber weniges ab. Ich versuche da meinen ganz eigenen Weg zu finden.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Wie bereits gesagt: Hesse. Siddhartha, Narziss und Goldmund, Steppenwolf, Glasperlenspiel. Für mich lauter tiefsinnige Bücher, die mir viel gegeben haben. Auch wenn die Sprache heute bereits verstaubt wirkt und das Gedankengut teils sehr belehrend rüber kommt. Aber es gibt so viele ausgezeichnete Bücher die etwas vermitteln. Dostojewski´s Schuld und Sühne, ein super "Krimi". "Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wild, sicher eine meiner Lieblingsgeschichten. "Oliver Twist" von Charles Dickens, eine herzzerreißende Story. Bis hin zu den abenteuerlichen Erzählungen von Jules Verne. Ich muss gestehen, dass ich Geschichten und Autoren bevorzuge, bei denen die Erzählung im Mittelpunkt steht, und nicht der Autor selbst mit seiner Erzählkunst. Letztlich ist mir die Story wichtiger, als die schönen Worte.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Auf in den Wald, ab in die Berge. Am liebsten mit Freunden und ausreichend Zeit für Wege abseits der geplanten Route. Reisen in nahe und ferne Länder, weil es immer etwas zu entdecken gibt, das einen überrascht. Jeder Tag ist neu, jeder Weg anders, so habe ich es am liebsten.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ein zweites und drittes Buch zu schreiben, jeweils besser, als das zuvor. Es ist eben auch ein Handwerk, bei dem die Meisterschaft nicht vom Himmel fällt. Zum Glück muss ich derzeit nicht davon leben. Aber in der Zukunft einen nennenswerten Beitrag zu meinem Gesamteinkommen aus der schriftstellerischen Tätigkeit zu ziehen, das wäre der Traum nach dem hier gefragt wird.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Unglaublich wichtig, aber schwer zu bekommen. Ich habe einige gewissenhafte TestleserInnen im Freundes- und Bekanntenkreis. Auch einen exzellenten Lektor. Ganz langsam entwickelt sich auch eine kleine Leserschaft rund um den noch taufrischen "Nadeljungen". Unter Pseudonym ist es nochmals schwieriger das Werk zu präsentieren und damit auch Feedback einzuholen. Aber ich bin immer für Hinweise dankbar, ganz egal über welchen "Kanal" sie gesendet werden.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Viel Spaß beim Lesen! Was auch immer die Lektüre sein mag. Abenteuer im Kopf ist durch nichts zu ersetzen. Liebe Grüße, Carl Fayn


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