Interview mit Wolfgang Brunner

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name steht ja ganz oben. :-)

Ich bin im bayerischen Freising geboren und habe meine Kindheit und Jugend im schönen München verlebt. Obwohl ich meiner Heimatstadt sehr verbunden bin, möchte ich heute nicht mehr dort wohnen. Zum einen wegen der teils nicht mehr bezahlbaren Mieten und auch der teuren Lebenskosten, zum anderen, weil mir die Großstadt nicht mehr so zusagt, wie früher. Nachdem ich über zehn Jahre in Berlin gelebt habe, zog ich der Liebe wegen an den wunderschönen Niederrhein, wo ich heute mit meiner Frau, einem wunderbaren, gemeinsamen Sohn und drei Ziehkindern in einem kleinen Häuschen lebe.

Seit mehr als zwanzig Jahren esse ich kein Fleisch mehr und sehe auch nicht fern. Außerdem bin ich bis heute noch nicht im Besitz eines Handys. Was für viele unvorstellbar ist, bedeutet für mich Lebensphilosophie: ich konzentriere mich auf das Wesentliche, das uns das Leben zu bieten hat, nämlich das Leben als Mensch in Verbindung mit der Natur zu genießen und sich der Liebe zu widmen. :-)

Seit wann schreibst du?

Ich schreibe seit meinem zwölften Lebensjahr richtige Geschichten. Das fing mit Schulheften an, die ich mit den Abenteuern eines erfundenen Helden („Dämonenhasser Burt Reynolds“) vollschrieb und eine eigene Heftchenreihe im Stil von „John Sinclair“ kreierte. Diese Hefte gibt es übrigens heute noch. Später habe ich mir die Schreibmaschine meines Vaters ausgeliehen, die übrigens auch noch immer existiert, und habe meine ersten Romane in Angriff genommen. Oft habe ich Filme, die mich beeindruckt hatten, mit eigenen Worten nacherzählt und Szenen dazu erfunden. In meiner Jugend habe ich Gedichte verfasst und immer wieder mit Romanen begonnen, die ich aber nie zu Ende schrieb.

Erst im Jahr 2007 habe ich dann konsequent an einer Geschichte geschrieben, die ich zu Ende erzählt habe und aus der dann auch mein Debütroman „Cryptanus – Der Geruch des Todes“ entstand.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Der echte Auslöser war das Zusammentreffen mit einem meiner Idole: Michael Ende. Ich traf ihn Ende der 80er Jahre auf der Sendlinger Straße in München, wo er zu jener Zeit auch wohnte, und sprach ihn an. Keine Ahnung, woher ich den Mut nahm, aber ich habe es getan. :-)

Er erklärte sich bereit, den Anfang eines Romans von mir und ein paar Gedichte zu lesen und antwortete mir mit einem handgeschriebenen Brief, in dem er mir Tipps für die Zukunft gab, sollte ich den Weg eines Autors einschlagen. Diesen Brief kann man übrigens auf meiner Homepage nachlesen. Da ich schon als Kind davon träumte, eines Tages Schriftsteller zu werden, ehrten mich Michael Endes Worte und seit diesem Tag habe ich meinen Traum nie mehr aus den Augen verloren.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Das wusste ich bereits, als ich die ersten Bücher gelesen (und verstanden :-) ) habe. Die Abenteuer, die ich las, faszinierten mich dermaßen, dass ich schon als Kind davon zu träumen begann, selbst einmal solche Bücher zu schreiben. Als Jugendlicher habe ich dann ununterbrochen meinen Freunden erzählt, dass ich vorhabe, einmal „ein ganz, ganz dickes Buch zu schreiben“. Ich dachte keine Sekunde darüber nach, dass ich mit dem Schreiben nicht genug für meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Ich war fest davon überzeugt, wenn man einmal einen Roman geschrieben hatte, hatte man finanziell ausgesorgt. Zudem konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie hart der Weg sein könnte, bis es zu einer Veröffentlichung kommt. Man braucht schon Durchhaltevermögen und eine nicht endende Euphorie, um es zu schaffen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Insgesamt gibt es zwölf Veröffentlichungen von mir.

Meinem Debütroman „Cryptanus – Der Geruch des Todes“ folgten die zwei abschließenden Teile der Trilogie mit den Titeln „Das Geheimnis von Griphus Nix“ und „Der Kampf um Salva Sens“. Diese Reihe handelt von einer Existenz nach dem Tod und basiert auf den damals aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen der Sterbeforschung. Verpackt in ein fantasyähnliches Abenteuer erzähle ich die Geschichte eines Mannes, der nach dem Tod entdeckt, dass es sogar noch eine weitere Daseinsform nach dem Tod gibt.

Meine auf 5 Teile konzipierte Jugendbuchreihe um das Mädchen Kim Schepper wird wohl dieses Jahr komplett erhältlich sein. In diesen All Age-Büchern geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse und um die Rettung von Gaia, unserer Erde. Die Titel der ersten vier Bände lauten:

Kim Schepper und die Kinder von Marubor

Kim Schepper und der Aufstand der Schatten

Kim Schepper und das Weinen der Zeit

Kim Schepper und das Lächeln der Erde

Der fünfte Teil ist bereits fertiggestellt, wird, wie gesagt, 2017 erscheinen und trägt den Titel „Kim Schepper und die Angst der Erde“

Ich habe noch einen Horror-Roman mit dem Titel „Nachtzug“ geschrieben (von dem es übrigens auch eine von mir angefertigte Drehbuchfassung gibt), in dem es um geklonte Hybriden aus Mensch und Hyäne geht. Diese Monster attackieren einen im Schneetreiben festsitzenden Zug und richten ein Blutbad an.

Ebenfalls im Horrorgenre angesiedelt ist ein Roman mit dem Titel „Die Amduat-Pyramide“, der in einem außergewöhnlichen Schreibstil verfasst wurde: Die ganze Geschichte wird nur anhand von Funkverbindungs-, Handy- und Kameraaufzeichnungen erzählt. Grundlage für den Plot bildet das Amduat, das ägyptische Totenbuch.

Als literarische Liebeserklärung an meine heutige Frau erschien der philosophische Roman „Der Schmetterlingsmann“, der die verschiedenen Facetten der Liebe beleuchtet.

Zusammen mit einem Autorenkollegen (Rolf Lindau) entstand ein dystopischer Science Fiction Roman mit dem Titel „Die hellen Schatten der Zeit“, der einen Zeitraum von fast zweitausend Jahren umfasst und unter anderem historische Begebenheiten wie das Attentat auf J.F.K., den Bombenabwurf auf Hiroshima oder den Anschlag auf das World Trade Center behandelt.

Nach dem historischen, regionalen Roman „Die Weiße Frau – Eine Legende vom Schloss Ringenberg in Hamminkeln“ erschien zuletzt die ebenfalls historische Lebensgeschichte des legendären Titanic-Kapitäns Edward John Smith: „Smith – Mein Leben bis zur Tragödie der Titanic“.

Und jetzt erscheint endlich ein Teil meiner harten Horrorgeschichten bei Redrum Books unter dem Titel „Höllengeschichten“.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ohne Recherche geht gar nichts. Selbst bei kurzen Projekten, die in einer Fantasywelt spielen, würde ich recherchieren, um der Story eine gewisse Authentizität zu verleihen. Bei den historischen Roman („Die Weiße Frau“ und „Smith“) waren die Recherchen natürlich viel aufwändiger, weil es sich teilweise um historisch nachweisbare Begebenheiten handelt. Und da will man als Autor natürlich auch nichts falsch machen. Während des Schreibens an „Die Weiße Frau“ zum Beispiel, die bei mir in der Umgebung spielt, unternahm ich auch viele Ausflüge, um die Orte in der Realität zu besuchen.Die Recherchearbeiten an „Smith“ waren die intensivsten überhaupt, da es sehr wenig über das Privatleben des Mannes gab, aber dennoch immer wieder Kleinigkeiten festgehalten worden waren. Bezüglich der Schiffe, die er kommandierte, gab es natürlich bedeutend mehr Details, auf die man achten musste. „Smith“ war enorm recherchelastig.

Wo schreibst du am liebsten?

Es gibt nur einen Ort, an dem ich schreibe. Und das ist mein Schreibtisch. Ich kann woanders redigieren oder über Plots nachdenken, aber das Schreiben funktioniert nur an meinem Arbeitsplatz, dem Schreibtisch.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Bis zur Geburt meines Sohnes vor drei Jahren sah mein Schreibritual folgendermaßen aus: Kopfhörer auf und auf maximale Lautstärke Musik an, die ich eigens für meine Projekte immer zusammenstelle. Da vergesse ich die Umgebung um mich herum und bin nur noch in meiner Geschichte. Bei den Musikstücken handelt es sich vorwiegend um Songs aus dem Progressive Rock, der elektronischen Musik und Film-Soundtracks. Diese eigens für den Roman zusammengestellten CDs höre ich (auch heute noch, allerdings nicht mehr über Kopfhörer) während des gesamten Schreibprozesses. Nach der Geburt meines Sohnes habe ich mich von den Kopfhörern, wie gesagt, verabschiedet und höre die Musik über Lautsprecher. Und natürlich auch nicht mehr mit voller Lautstärke. :-)

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Es gibt viele Projekte, die noch fertiggestellt werden wollen. Aber das nächste wird ein schockierender Roman über das Thema „Kindesmisshandlung“ sein, der im letzten Drittel 2017 ebenfalls bei Redrum Books erscheinen wird. Die Rohfassung ist bereits seit acht Jahren fertig, bedarf aber einer gründlichen Überarbeitung. Nach Aussagen eines Kinderpsychologen wurde das Thema nicht grausam genug von mir verarbeitet, so dass ich nun eine bedeutend härtere Gangart einlegen muss. Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten, die ich allerdings in eine von mir erfundene Handlung einbaue. Und um das Ganze für den Leser nicht unerträglich zu gestalten, wird es eine Gratwanderung zwischen schockierenden und wunderschönen Szenen geben. Ich gehe davon aus, dass der Arbeitstitel des Romans auch der endgültige Titel sein wird, nämlich „Kinderspiel“. Es wird hart, brutal und schockierend, aber auf gewisse Art und Weise auch schön und hoffnungsvoll werden.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Da gibt es so einige, die ich nennen könnte. Den ersten Platz teilen sich zwei Autoren, die mich mein ganzes Lese-leben lang begleitet haben: Michael Ende (wie könnte es anders sein?) und J.R.R. Tolkien. Sie beeinflussen mich noch heute außerordentlich. Aber auch Schriftsteller wie Dan Simmons, Iain Banks, Samuel R. Delany, Greg F. Gifune, Stephen King, Richard Adams, Andreas Brandhorst oder Stephen Baxter beeinflussen mich mit ihrer Sprachgewalt permanent. Die Liste ließe sich noch fortführen, also beschränke ich mich auf die genannten, die wohl auch wirklich den größten Einfluss auf mich als Autor haben.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Wie bei vielen Schriftstellern nenne ich „Der Herr der Ringe“ als eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Dazu gesellen sich fast alle Werke von Michael Ende. Zum meinen Lieblingsautoren zählen natürlich die in der vorherigen Frage genannten Schriftsteller, aber auch Frauen wie J.K. Rowlings (ihr „Ein plötzlicher Todesfall“ und die unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfassten Romane über den Ermittler Cormoran Strike gefallen mir fast besser als ihre Geschichten um Harry Potter), Mo Hayer oder Ursula K. LeGuin. Unter den männlichen „Kollegen“ tummeln sich auch noch einige Lieblingsautoren, die ich gerne lese: Greg Bear, Gregory Benford, Jack Ketchum, Dean Koontz, Richard Laymon, Sergej Lukianenko, Neal Stephenson, Roald Dahl, Philip K. Dick, David Eddings, Anne Rice, H.P. Lovecraft, Peter Benchley … Ich glaube, ich sollte aufhören. ;-)

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, Filme auf DVD oder BluRay anschauen, Musik hören und mit meiner Frau reden. Letzteres resultiert aus dem Fehlen eines Fernsehers im Wohnzimmer (okay, ein kleiner steht im Bücherregal, um DVDs zu schauen), in dem sich an jeder verfügbaren Wand Bücherregale befinden. Wir „wohnen“ in einer Bibliothek und genießen jeden Abend zusammen mit einem Glas Wein, guter Musik und endlosen Unterhaltungen.

Ich koche gerne und bin oft in der Natur unterwegs.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Im Grunde genommen haben sich all meine Wünsche und Träume bereits erfüllt: Ich habe eine wunderbare Ehefrau und einen großartigen Sohn, die mich beide glücklich machen und die ich über alles liebe. Und ich habe das Schreiben zu meiner Haupttätigkeit machen können. Das einzige, was ich mir wünsche, ist Gesundheit und dass alles so bleibt, wie es ist.

Wünschenswert wäre auch noch Friede auf der Welt, aber das lässt sich leider nicht verwirklichen. Und dass sich vielleicht doch noch irgendwann einmal ein Geldgeber findet, der Vertrauen in meine Drehbücher zu „Nachtzug“ und „Die Weiße Frau“ setzt und meine Geschichten zu Bildern werden lässt.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Das ist mir außerordentlich wichtig. Noch mehr als schriftliches Feedback sind mir die Reaktionen bei Lesungen, denn dort erfahre ich live, wie meine Geschichten auf die Menschen wirken. Ich kann in die Gesichter sehen und mit den Menschen nach der Lesung reden. Das ist für mich enorm wichtig und auch für meine Arbeit nützlich. Mit konstruktiver Kritik kann ich absolut umgehen, mit hinterhältigen, unqualifizierten Negativ-Rezensionen von Neidern kann ich nichts anfangen. Wer meine Bücher nicht mag, kann mir das mit Begründungen gerne sagen, denn auch das ist nützliches Feedback, das ein Autor braucht.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Kauft und lest meine Bücher! :-)

Nein, im Ernst: Ich freue mich über jede Kontaktaufnahme von Lesern und Leserinnen, die eines meiner Bücher gelesen haben. Und noch mehr freue ich mich, jemand bei einer Lesung persönlich zu begegnen.

Wer noch mehr Infos über mich und meine Bücher haben möchte, kann sich gerne auf meiner Homepage unter www.wolfgangbrunner.de umsehen.

Ich bedanke mich auf jeden Fall ganz herzlich bei Dir, Bianca, für das Interview. Es hat riesigen Spaß gemacht.


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Kommentare: 1
  • #1

    Sabine Kettschau (Montag, 13 Februar 2017 14:43)

    Ich freu mich, weil der Nachtzug grad am Wochenende bei mir angekommen ist und ich ihn lesen darf :)