Interview mit Christian v. Ditfurth

© Michaela Philippzen

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Ich habe zu danken.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich wohne und arbeite in Berlin und in der Bretagne. Zurzeit bin ich in Frankreich und sitze an den Korrekturen von Eugen de Bodts drittem Fall. Seit meiner Kindheit befasse ich mich leidenschaftlich mit Geschichte, habe auch Geschichte studiert. In meinen Büchern geht es oft um historische Themen, angefangen von „Deutsche Geschichte für Dummies“ bis zu den Krimis, in denen ein Historiker namens Josef Maria Stachelmann eine Rolle spielt. Okay, der Name ist bescheuert …

Seit wann schreibst du?

Bücher schreibe ich seit 1990, vorher war ich zehn Jahre lang Verlagslektor bei Hoffmann & Campe, C. Bertelsmann, Rasch & Röhring, Claassen und (freiberuflich) Kiepenheuer & Witsch.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Zufällig. Normalerweise wäre ich heute immer noch Lektor. Aber dann habe ich Anfang 1990 für ein Buch einen Autor gesucht. Es ging um die CDU in der DDR (dort gab es auch eine CDU!), die der SED über Jahrzehnte die Steigbügel gehalten hatte. Aber nach dem Untergang der DDR flugs die Seite wechselte, als wäre nie was gewesen. Ich fand niemanden, der das Buch schreiben konnte, fand das Thema aber wichtig und habe schließlich meinen Verleger gefragt, ob ich es nicht selbst schreiben sollte. Der fand das nicht abwegig und hat das Risiko gewagt. Erstaunlicherweise war das Buch unter dem Titel „Blockflöten“ sogar erfolgreich. So ging’s los.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Ab 1990, jedenfalls bei dem einen Buch, für das ich keinen Autor fand. Da war ich also selbst einer. Vorher habe ich nicht daran gedacht. Da habe ich Autoren für meine Buchideen gesucht. Der Gedanke, selbst ein Buch zu schreiben, kam mir nur, wenn ich mich über einen schlechten Krimi geärgert habe. Das verging dann aber immer schnell.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Ach du lieber Himmel. Es sind wohl mehr als 25. Ich habe mit Sachbüchern angefangen, dann Alternativgeschichten geschrieben, um mit der Geschichte zu spielen. Heraus kamen Titel wie „Der 21. Juli“, „Der Consul“, „Das Luxemburg-Komplott“. Dann fing es mit den Krimis an, genauer gesagt mit der Stachelmann-Reihe wie „Mann ohne Makel“ oder „Mit Blindheit geschlagen“. Ein neuer Stachelmann-Band erscheint übrigens im Frühjahr 2018. Fast alle meine Bücher findet man unter www.cditfurth.de. Dort nicht erwähnt sind nur inzwischen vergriffene Internet-Führer, die ich vor zwanzig Jahren geschrieben oder herausgegeben habe („Internet für Historiker“ zum Beispiel). Aktuell sitze ich an der Reihe mit dem Hauptkommissar Eugen de Bodt, deren zweiter Band „Zwei Sekunden“ im August erschienen ist. Bald kommt der nächste.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Sachbücher kann man ohne Recherche nicht schreiben. Aber auch Historikerkrimis und Politthriller nicht. Ich habe viel Zeit in Archiven verbracht. Dazu kommt die Literaturrecherche. Davon abgesehen, sitze ich gern in Archiven.

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Büro oder im Bett.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ein Seitenfixum pro Tag. Meistens vier bis fünf Seiten.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Eugen de Bodts dritter Fall ist so gut wie fertig. Über den vierten Fall denke ich gerade nach. Recherchiere auch schon. Das Buch erscheint vermutlich 2019.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Vielleicht Erich Maria Remarque, bestimmt Franz Kafka. Jedenfalls deren vermeintliche Schlichtheit der Sprache. Jedes Wort zählt, und was nicht zählt, wird gestrichen.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Franz Kafka – alles, was er geschrieben hat. Bewundernswert Wassili Grossmann „Leben und Schicksal“. Gefallen hat mir auch „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink. Hab bestimmt die Hälfte vergessen. Dazu kommen noch ein paar Sachbücher …

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, lesen, lesen. Und viertens fotografieren.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Nö. Da gibt’s auch nix zu verraten.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Das ist so eine Frage … Kommt darauf an. Zuletzt las ich eine Amazon-Rezension, in der ein Leser – oder war’s eine Leserin? – sich beschwert, dass das Buch, das er gekauft hatte, ein Thriller sei. Kauft also einen Apfel und meckert nach dessen Verzehr den Obsthändler an, das sei gar keine Birne. Erlebt man leider nicht zu selten. Aber sonst finde ich Kritik fast jeder Art interessant. Doch mein Schreiben beeinflusst sie nicht.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Auf meiner Website www.cditfurth.de – ja, ich sollte sie mal renovieren, nur wann? – findet man einen Haufen Infos über meine Bücher und mich.


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