Interview mit Barbara Wendelken

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich hab schon immer gern gelesen und geschrieben. In meiner Kindheit (ich bin jetzt 61) war jemand, der Bücher schreibt, für mich allerdings in etwa so weit entfernt wie der Mann im Mond. Es lag überhaupt nicht im Bereich des Möglichen, dass ich, die kleine Barbara aus Schwanewede, auch ein Buch schreiben könnte. Und dabei ist es lange Zeit geblieben. Ich bin Kinderkrankenschwester geworden, habe geheiratet und drei Kinder bekommen, die längst erwachsen sind. Inzwischen sind schon drei Enkelkinder da.

Erst als Erwachsene habe ich mich wieder auf meine Lust am Wort besonnen. Das war lange vor der Möglichkeit, ohne Verlag zu veröffentlichen. Trotzdem habe ich eines Tages gewusst: Ich will das, ich will Autorin werden.

Seit wann schreibst du?

Mein erster Versuch, einen Roman zu schreiben, liegt ziemlich genau 25 Jahre zurück. Es sollte ein witziger Frauenroman werden und ich habe ziemlich schnell aufgegeben. Und doch ließ das Schreiben mich nicht mehr los, ich hatte Blut geleckt. Bald probierte ich etwas Neues aus. Märchenhafte Fantasy, dann ein Kinderbuch, es folgte der erste Kriminalroman für Erwachsene. In dieser Reihenfolge habe ich auch veröffentlicht. Zuerst ein kleines Märchen (Der König der Reiher), dann ein Kinderbuch (Hexen hexen heute noch?), dann ein Kriminalroman (Am Anfang stand ein Mord).

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Der Umgang mit Sprache hat mich schon als Schülerin fasziniert. Heute frage ich mich, warum ich nicht eher auf die Idee gekommen bin, etwas daraus zu machen.

Andererseits profitiere ich sehr von meinen Jahren im Krankenhaus. Einerseits verfüge ich über ein solides medizinisches Grundwissen, was gerade beim Krimischreiben von Vorteil ist. Andererseits bin ich dort sehr vielen unterschiedlichen Menschen begegnet, ich habe Menschen in Ausnahmesituationen erlebt und häufig hinter die Fassaden geschaut. Darauf kann ich heute noch beim Schreiben zurückgreifen.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Seit ich ernsthaft angefangen habe, etwas zu schreiben, wusste ich: Das ist meins. Das mache ich jetzt. 1993 ist mein erstes Buch erschienen, 1995 habe ich im Krankenhaus gekündigt.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Oh, die will ich hier nicht alle aufzählen. Wer das wissen möchte, kann auf meiner Homepage schauen: barbarawendelken.de

Es sind jedenfalls 39, davon 8 Kriminalromane und 31 Kinderbücher. Ich hab auch mal zwei Bücher unter dem Pseudonym Nora Paul geschrieben – das waren die Namen unserer Katzen.

Zurzeit schreibe ich eine Reihe, die in einem fiktiven ostfriesischen Fehndorf spielt. Martinsfehn. Band drei ist im November erschienen, jetzt brüte ich über Band vier.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ohne Recherche geht gar nichts. Wenn ich selbst einen Roman lese und dort Dinge passieren, die unmöglich sind, stört es mich sehr. Und den Lesern geht es nicht anders. Also bemühe ich mich, keine gravierenden Fehler zu machen.

Natürlich ist mir klar, dass ich die Arbeit der Polizei stark vereinfacht darstelle. Die Wirklichkeit, die mir durchaus bekannt ist, würde den Rahmen sprengen und das Buch zu einer Dokumentation über den Polizeialltag werden lassen. Allein die Anzahl der Beamten, die in einer Mordkommission arbeiten, wer soll sich die ganzen Namen merken?

Wo schreibst du am liebsten?

Bei mir müsste die Frage lauten: Wo schreibst du? Ich kann nämlich nur zu Hause in meinem Zimmer an meinem PC auf meiner Tastatur schreiben. Leider. Ich beneide alle Kollegen, die mit dem Netbook in der freien Natur sitzen und an ihren Büchern arbeiten.

Bei mir scheitert das schon daran, dass ich mit zehn Fingern und ziemlich schnell schreibe. Auf der Netbook-Tastatur verhasple ich mich andauernd. Da muss ich mich so stark auf das Tippen konzentrieren, dass ich den Faden meiner Geschichte verliere. Schade eigentlich …

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Ich schreibe morgens nach dem Frühstück, jeden Tag, auch am Wochenende. Vorher war ich schon draußen und habe die Pferde und Enten gefüttert – und die Ställe gemistet. Das ist mein Sport. Also: Erst die Tiere, dann gibt es Frühstück, danach verschwinde ich in meinem Arbeitszimmer.

Drei Seiten sind Minimum, fünf normal, über alles andere freue ich mich. Darüber hinaus bin ich in Gedanken ständig in meiner aktuellen Geschichte unterwegs. Ich notiere meine „Geistesblitze“ auf kleinen Zetteln, die ich am nächsten Morgen in die Geschichte einbastle oder verwerfe. Oft genug sitze ich mitten in der Nacht im Bett und schreibe etwas auf.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich schreibe am 4. Band der Martinsfehn-Reihe. Und mehr wird nicht verraten.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Generell hege ich eine Vorliebe für angelsächsische Autoren, ich mag ihre Art des Erzählens.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich lese relativ viel und sehr schnell und nicht nur Krimis und Thriller.

Wenn ich das jetzt schreibe, fällt mir auf, dass ich kaum einmal dazu komme, ein Buch mehrfach zu lesen. Absolute Lieblingsbüchergibt es nicht, auch keine absoluten Lieblingsautoren.

Ich kann aber die Bücher aufzählen, die mich während meines Leselebens stark beeindruckt haben.

Das erste war „Die Blechtrommel“ von Günther Grass. Ich war ungefähr dreizehn, als ich den Roman gelesen habe. Zum ersten Mal wurde mir klar, wie gewaltig Sprache ist, dass sie wirklich Bilder malen kann.

Das zweite ist „Die Räuberbraut“ von Margaret Atwood. Da habe ich bewusst wahrgenommen, dass man in einem Roman fast alles darf, Perspektiven wechseln, in der Zeit springen etc.

Das dritte ist „Herzensbrecher“ von Alice Hoffman. Ein wunderbares Buch, das mich nachhaltig beeindruckt hat. Ein Gang zum Bücherregal hat mir gerade klar gemacht, dass sie die Autorin ist, von der ich die meisten Bücher besitze, nämlich 16. Sie war lange Zeit meine Lieblingsautorin. In einem Interview habe ich mal gelesen, dass sie während der Schreibphasen möglichst nicht ihr Haus verlässt, weil jede Ablenkung von außen sie von der Geschichte in ihrem Kopf ablenkt. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

Hmm, keines dieser Bücher ist ein Kriminalroman.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich lebe recht ländlich. Oben steht es ja schon, es gibt zwei Pferde, die versorgt werden müssen und sechs Laufenten, meine Schneckenpolizei.

Ich arbeite gern in meinem Garten, der ziemlich groß ist. Oft habe ich das Gefühl, dass er mir im wahrsten Sinn des Wortes über den Kopf wächst, aber das ist in Ordnung. Wenn alles blüht, kann ich ein bisschen Chaos gut aushalten.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist, wäre ich sehr glücklich.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Da ich nicht für mich, sondern für meine Leser schreibe, ist mir das Feedback sehr wichtig. So weiß ich von vielen Gesprächen und Mails, dass die Geschichte zwischen meinen beiden Ermittlern Nola und Renke für die Leser sehr wichtig ist. Meine Idee, diesem Strang weniger Raum zu geben, habe ich deshalb gecancelt.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich denke, dass Bücher wichtig sind für das, was man altmodisch Herzensbildung nennt. Nie kommen wir einer erdachten Person so nah wie beim Lesen.

Es ist beruhigend zu wissen, dass das Buch, den ewigen Unkenrufen zum Trotz, immer noch einen hohen Stellenwert hat.

Lest bitte weiter, kauft weiter unsere Bücher und steckt andere mit eurer Lesebegeisterung an.


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Kommentare: 1
  • #1

    Anja (Donnerstag, 16 Februar 2017 11:51)

    Hallo,
    Ah Laufenten hatte ich auch mal. Drei Stück. Schönes Interview.
    Liebe Grüße
    Anja