Interview mit Elke Weigel

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Seit wann schreibst du?

Nachdem ich mit etwa 12 Jahren eine Version des Untergangs der Titanic versucht (im Mittelpunkt zwei Schwestern, die nicht wissen, dass sie Zwillinge sind) und Unsere kleine Farm umgeschrieben hatte, verlegte ich mich auf anderekreative Tätigkeiten, wie das Malen und Tanzen. Erst vor 10 Jahren begann ich ernsthaft zu schreiben.- Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? Über meine Arbeit als Psychologin. Ich wollte Fantasiereisen entwickeln, die keine konkreten Bilder vorgeben, sondern viel Raum für eigene innere Gestaltung lassen. Das waren praktisch meine ersten kleinen Kurzgeschichten, an denen ich übte, die richtigen Worte zu finden.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Ich wollte das gar nicht. Ich wollte schreiben und bekam immer mehr den Drang es zu tun. Zuerst schrieb ich ein paar Kurzgeschichten, dann begann ich einen

spirituellen Zeitreiseroman (Das Band durch die Zeit). Aber nach 30 Seiten blieb ich stecken und merkte, ich muss erst noch eine Menge lernen. Ich suchte nach Schreibratgebern und fand durch Zufall ein Internetforum, wo ich mich mit anderen austauschen konnte. Es begann ein sehr reger Austausch, wir trafen uns auch im realen Leben und lasen gegenseitig unsere Texte. Wir diskutierten auch darüber, ab wann man sich Autorin nennen „darf“. Ich nenne mich allerdings lieber Schriftstellerin, das Wort gefällt mir besser. Als Schriftstellerin gefühlt habe ich mich wohl erst nach der ersten Veröffentlichung (Fußballtöchter), das war mein 5. Roman. (Daran sieht man, dass die Romane nicht immer in der Reihenfolge veröffentlicht werden, wie man sie schreibt).

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

  • Das Band durch die Zeit - wie gesagt, ein spiritueller Zeitreiseroman
  • Eissommer - ein historischer Roman über die Anfänge der Hypnose mit Krimielementen
  • Robin und Jennifer - historischer Roman 1900-1913, hier fließt mein Wissen über Ausdruckstanz ein
  • Mutterschuld - ein Psychiatrie-Krimi
  • Fußballtöchter - über die Emanzipation der Frauen im Fußball Ende der 60er Jahre
  • Sterben in Schwarzweiß - ein Psychotherapie-Krimi
  • Der Traum der Dichterin - Die Sehnsucht der Annette von Droste Hülshoff - historischer Roman über unsere größte deutsche Dichterin
  • Fast die ganze Wahrheit - Psychothriller
  • Tod und Irrtum - ein historischer Krimi 1907, mit Psychoanalyse wird ein Fall geklärt

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Und wie, manchmal jahrelang, zum Beispiel für den Droste-Roman! Ich lege sehr viel Sorgfalt in meine Recherche.

Wo schreibst du am liebsten?

Überall. Wenn ich in den Schreibflow komme ist es egal, wo ich bin.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Meistens nähere ich mich innerlich an meine Geschichte an, während ich äußerlich etwas ganz anderes als Schreiben mache, zum Beispiel Blumen gießen oder Spülmaschine ausräumen. Dann darf mich aber niemand ansprechen, das würde mich rausbringen, und ich darf auch nichts geistig Anspruchsvolles tun. Ich fühle mich sozusagen in die Stimmung der Geschichte ein, bis ich sie ganz deutlich spüre und nach einer Weile, das kann bis zu einer Stunde dauern, beginne ich zu schreiben. Ich denke, ich aktiviere auf diesem Weg die kreativen Gehirnareale.Über Nachdenken und Plot-Pläne machen gelange ich nicht zum Schreiben. Das sind Arbeitsschritte, die zu anderen Zeiten stattfinden müssen. Sie würden das kreative Schreiben stören. Manchmal sage ich mir aber auch einfach nur: Setzt dich hin und schreib! (Oft mit dem Zusatz: Verdammt noch mal, du weißt doch, dass du es kannst.) Und dann denke ich an Julia Cameron, die in ihren Schreibratgebern sagt, dass man

nicht unter seinem Niveau schreiben kann. Das hilft diese Hürde zu überwinden, die eigentlich am Anfang einer Geschichte immer da ist. Erst wenn ich etwa 100 Seiten geschrieben habe, kann ich mich fast übergangslos hinsetzen und weiterschreiben. Dann bin ich so tief drin, das die Welt der Geschichte wie eine Parallelwelt existiert.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Es geht wieder um etwas Historisches und Psychologisches!

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Viele! Ich bin eine absolute Leseratte, 2 Bücher pro Woche mindestens.Ich liebe Südamerikanische Autoren, für die das Magische in der Welt ganz selbstverständlich ist und nehme mir das gerne zum Vorbild. Sarah Waters, die Psychologisches und Historisches miteinander verknüpft und einen Hauch Kriminalgeschichte einfließen lässt. Jeannette Wintersons Sprache. Und wie gesagt, noch viele, viele mehr.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Das verändert sich ständig. Es gibt Bücher, die mich vor 20 Jahren beeindruckt haben, über die kann ich heute nur den Kopf schütteln. Ich verändere mich und brauche andere Inhalte und andere Schreibweisen. Und AutorInnen entwickeln sich auch und ich kann nicht allem folgen, was sie aufs Papier bringen. Büchersuche bleibt also immer spannend.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich mache gerne Ausflüge in die Natur oder besuche geschichtsträchtige Orte.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich lebe gar nicht mehr auf Wünsche und Träume hin. Wenn ich daran denke, was ich mir mit 15, 25 oder 35 gewünscht habe, dann ist es gut, dass ich diese Träume nicht erfüllt haben. Sie würden gar nicht mehr zu mir passen. Durch meine Körperarbeit und Meditation lebe ich sehr im Hier und Jetzt und es geht mir sehr gut damit, wie mein Leben ist. Wenn ich mir etwas wünsche, dann dass ich weiterhin voller Lebendigkeit und Ideen bin und jederzeit den Mut habe, mein Leben so zu verändern, dass es zu mir passt.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich freue mich vor allem, wenn ich erfahre, wie LeserInnen von meinen Geschichten persönlich berührt wurden. Es ist doch faszinierend, dass uns bei aller Verschiedenheit die gleichen Dinge bewegen. Ich versuche herauszufinden,was eine Frau vor 100 oder 200 Jahren beschäftigt hat und was uns das heute noch sagen könnte, oder ich schreibe in Gegenwartsromanen darüber, was die psychologischen Verwicklungen sind, die das Leben so spannend machen. Und dann macht es mich sehr glücklich, wenn ich höre, dass meine LeserInnen sich darin wiedergefunden haben. Das verbindet uns mit der Geschichte aller Frauen (den Frauen stehen in der Regel im Mittelpunkt meiner Geschichten). Das sind

die Wurzeln, die uns stärken und wenn LeserInnen das durch meine Geschichten erleben, ist das passiert, was mich antreibt zu schreiben.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? Vor allem möchte ich DIR etwas sagen: Ich danke dir für das Interview und dass du mit deinem Wirken so eine wunderbare Verbindungsstelle schaffst zwischen den SchriftstellerInnen und LeserInnen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Eva (Freitag, 17 Februar 2017 03:51)

    Sehr schönes Interview! Interessante Fragen und super spannende Antworten. Vielen Dank für die vielschichtigen Einblicke in die kreativen Schreibprozesse. Und die Themen der Bücher wecken mein Interesse sehr! :)