Interview mit Susan Carner

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Gerne. Nur, wo fange ich an? Bei 55 Lebensjahren gibt es ja schon viel zu erzählen …?? Also, ich bin Österreicherin, stamme aus Graz in der Steiermark, heiße Susanne Karner und habe meinen Namen als Autorin ein bisschen amerikanisiert in Susan Carner, da es mir so am Cover besser gefällt. Wirkt nicht so hart.

Ich bin studierte Historikerin, habe mich im Laufe meines Lebens aber beruflich immer weiterentwickelt und die Richtung gewechselt. Ich bin unheimlich neugierig und will ständig Neues erleben und erfahren. Deshalb bin ich aus beruflichen Gründen für ein Jahr nach Saudi-Arabien gegangen, weil ich mir dachte, wann kann eine westliche Frau sonst schon so eine Erfahrung machen? Ich war dort zuständig für die Implementierung einer Krankenhaussoftware für Ärzte und Pflegepersonal und lebte in einem Camp bei Al-Khobar. Eine sehr interessante Erfahrung. 

War in dieser Funktion auch in Indien, Kroatien und viel in Deutschland unterwegs. Und bin da, nämlich in Berlin, wo ich jetzt lebe, im Sommer 2011 als Qualitätsmanagerin für das oben genannte Produkt hängen geblieben. 

Ja, und irgendwann wurde es mir als Qualitätsmanagerin zu langweilig und ich hab einen gut bezahlten und unkündbaren Job aufgegeben, eine Ausbildung zum Reiseleiter/Gästeführer für Berlin gemacht. Jetzt lebe ich sozusagen mein drittes Leben nach der Historikerin und der IT-Fachfrau inkl. Qualitätsmanagement. Bin mit Berliner Gästen in den USA, Österreich, Italien und London unterwegs und bringe ihnen diese Länder näher. In der Wintersaison unterrichte ich Qualitätsmanagement und bilde Auditoren aus. Und in meiner Freizeit schreibe ich … und träume von meinem vierten Leben als Autorin von spannenden Geschichten.

Seit wann schreibst du? 

Vor 10 Jahren, als ich aus beruflichen Gründen in Saudi-Arabien gelebt habe, habe ich das erste Mal so eine Art Tagebuch geschrieben und meinen Freunden und der Familie geschickt. Jeder hat damals gemeint, dass sollte ich veröffentlichen ... aus Zeitgründen ist´s aber nie passiert ...

2016 im August kam dann der Krimi Mord am Campus "über mich" - und jetzt schreibe ich ... mein Kopf ist voller Ideen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich habe nie geplant, einen Krimi zu schreiben, sondern wachte an einem Sonntag im August 2016 mit dem Plot im Kopf für Mord am Campus auf - und das war's. Man glaubt es kaum, aber so war es ...

Ich habe mich an den PC gesetzt und angefangen zu tippen – und konnte gar nicht mehr aufhören, so sprudelten die Ideen …

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

Wie gesagt, war nicht geplant ... aber jetzt weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Zwei komplette Krimis sind schon im Kopf, müssen nur noch niedergeschrieben werden ... das Schreiben und erfinden von Geschichten ist meins … vielleicht auch deshalb, weil ich als Qualitätsmanagerin lange meinen kreativen Geist unterdrückt habe … jetzt will der raus ;-) 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Mord am Campus" ist mein erster Krimi – aber nicht mein letzter.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Durch meine Reise durch die Neu-England Staaten im Frühjahr 2016 ist mir Boston vertraut und durch die Gespräche mit den Menschen dort war mir schnell klar, dass Donald Trump das Rennen um die US-Präsidentenwahl machen wird. Die ganze Stimmung hat das gezeigt. Wie das Gesellschaftsleben in den USA ist, weiß ich nicht erst seit dieser Reise, sondern von einigen anderen. Ich habe viele Monate in den USA in unterschiedlichen Regionen verbracht, vor 3 Jahren in der Nähe von Philadelphia für einige Zeit gearbeitet, daher ist mir auch die Sichtweise der Demokraten und Republikaner bekannt. Bei juristischen Dingen auf USA bezogen habe ich mich bei Frau Wikipedia beraten lassen ;-)

Wo schreibst du am liebsten?

Irgendwo, wo ich meine Gedanken schweifen lassen kann ... Das kann am Morgen sein, wenn ich mit einem Wort oder Satz im Kopf aufwache und mich an den Computer setze, in meiner Wahlheimat Berlin im Wohnzimmer mit Blick auf die Spree, im Haus meines Bruders am Swimming-Pool, in Mallorca in einem Apartment mit Blick aufs Meer ... 

Es gibt keinen Lieblingsplatz, nur eine Lieblingssituation: fern ab von allen Verpflichtungen freie Gedanken für meine Geschichten haben zu können, daher ist es meist Wochenende, wenn ich schreibe oder Urlaub - denn ich arbeite ganz „normal“ und kann nur die Freizeit zum Schreiben nutzen.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, doch wenn mir ein Gedanke kommt, dann notiere ich ihn sofort oder setze mich, wenn ich Zeit habe, gleich hin und schreib das auf. Bei „Mord am Campus“ war das so, dass mir in der Früh im Bett ein Satz eingefallen ist, aus dem sich dann die Geschichte weiterentwickelt hat. z.B. "Mrs. Wellington liest Zeitung." Daraus wurden dann an einem Tag zwei Kapitel ...;-)

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja, zwei sogar. Das eine fiel mir beim Schwimmen mit meiner Mutter im Hallenbad in ihrem Feriendomizil auf Mallorca ein - eine tote Frau treibt mit dem Gesicht nach unten im Pool - ich hab das leibhaftig vor mir gesehen und schon war der Plot im Kopf … Ich bin dann sofort hinauf, hab mein Tablet hervorgeholt und den Grund-Plot aufgeschrieben. Und jetzt stecke ich mitten in der Arbeit für "Mallorquinische Leiche zum Frühstück".

Dem lieben Gott scheint zu gefallen, was ich mache, denn auf einem Flug von Berlin nach Graz, meiner Heimatstadt, habe ich eine junge Frau aus Mallorca kennengelernt, die mir jetzt bei meinen Recherchen äußerst behilflich ist.

Das zweite Projekt spielt in Berlin, da wird im Tiergarten die Leiche einer jungen Frau gefunden ... auch das ist mir bildhaft "erschienen", Hauptstrang steht schon ... es ist zu dumm, dass ich nicht jeden Tag die Zeit zum Schreiben habe, denn meine Ideen sprudeln nur so ... aber die Miete muss auch bezahlt werden ;-) Und nach acht Stunden unterrichten im Bereich Qualitätsmanagement bin ich geistig zu müde für kreative Arbeit ... und bei der Reiseleitung geht sich zeitlich sowieso nix aus, da bin ich den ganzen Tag eingespannt und oft auch den Abend.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Nicht, dass ich wüsste. Bewusst zumindest nicht. Aber ich liebe die Krimis von Agatha Christie …

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Mein absoluter Lieblingsautor ist Stefan Zweig, vor allem sein Buch „Die Welt von gestern“ hat es mir angetan. Absolute Parallelen zur heutigen Zeit, nur will sie keiner sehen … und wenn man bedenkt, dass Zweig das in der Emigration geschrieben hat, in Brasilien, fern ab seiner deutschen Muttersprache und aller Unterlagen, die er auf der Flucht vor den Nazis nicht mitnehmen konnte …

Mir gefällt auch Stefanie Zweig (nicht mit oben genannten verwandt) mit ihrem „Haus in der Rothschild Allee“ und den Büchern „Nirgendwo in Afrika“ und „Irgendwo in Deutschland“ extrem gut. Ihre Sprache ist so schön bildhaft, wahrscheinlich geprägt durch ihre Kindheit, in der sie Kikuyu und Swahili sprach. Da ist die Farbe nicht einfach gelb, sondern … ja, wird je nach Stimmung und so beschrieben. Sehr berührend fand ich „ …doch die Träume bleiben in Afrika“.

Tanja Blixen liebe ich ebenfalls, lesenswert sind nicht nur ihr autobiografischer Roman „Jenseits von Afrika“, sondern auch ihre Kurzgeschichten und die „Briefe aus Afrika“.

Als studierte Historikern stehe ich außerdem auf Bücher, die mit Geschichte zu tun haben … - mein Ex-Mann hat gemeint, er hätte nie gedacht, dass ich je ein Buch schreiben würde, aber wenn, dann ein historisches. Denn ich bin leidenschaftliche Historikerin. Vielleicht wird´s ja mal ein historischer Krimi …

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen …;-) Historische Bücher und Krimis … aber auch Nordic Walking, Seele baumeln lassen, Theater- und Konzertbesuche …

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Als Autorin leben können, irgendwo ruhig am Meer sitzen, über die Wellen schauen und meine Geschichten schreiben … dieses Bild ist ganz stark in meinem Kopf und darauf arbeite ich hin.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr, weil mich natürlich interessiert, wie meine Geschichten aufgenommen werden. Ob sie spannend erzählt werden oder langweilig, wie das Cover ankommt, ob die Handlung nachvollziehbar ist … das kann ich alles nur erfahren, wenn ich Rückmeldung bekomme, um mich gegeben falls zu verbessern …;-) 

Allerdings lasse ich mich nicht beeinflussen, was meine Geschichten sind, wie meine Protagonisten agieren, wie alt sie sind usw. Denn es sind meine Geschichten. Ich hoffe zwar, dass sie gefallen, aber ich schreibe nicht dem Mainstream hinterher. Deshalb auch Selfpublisher, weil mir da niemand dreinredet in der Geschichte. Für alle anderen Tipps bin ich offen und dankbar.

Ich habe gerade meine erste Leserunde auf Lovelybooks hinter mir und es hat mich unheimlich berührt, wie die Leserinnen mit meinen Protagonisten mitgefiebert haben. Und mich darin bestärkt, dass es Sinn macht, spannende Charaktere zu erfinden und sie lebendig werden zu lassen. Und natürlich habe ich mich wahnsinnig über die positiven Rückmeldungen und die Zustimmung gefreut. Mir sind richtig die Tränen gekommen beim Lesen, weil ich nicht mit einer so persönlichen Berichterstattung gerechnet habe.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Viel Vergnügen und Lesespannung beim Lesen meiner Bücher. Und wenn meine Geschichten gefallen, bitte weitersagen, damit sich mein Traum vom Leben als freie Autorin erfüllt ;-)


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